2. Kapitel. Die naturwissenschaftliche Periode.

  • [315] Literatur: PH. DAMIRON, Essai sur l'histoire de la philosophie au 17. siècle. Paris 1846.
    CH. DE RÉMUSAT, Histoire de la philosophie en Angleterre depuis Bacon jusqu'à Locke, 2. Tom. Paris 1875.
    W. DILTHEY, Das natürliche System der Geisteswissenschaften im 17. Jahrh. Arch. f. Gesch. d. Philos. (VI u. VII.)
    E. CASSIER, Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, I (Berlin 2. Aufl. 1911).

Den entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der neueren Philosophie hat die Naturwissenschaft erst dadurch gewonnen, daß sie mit bewußt methodischer Ausgestaltung ihre eigene Selbständigkeit erreichte und von dieser aus die allgemeine Bewegung des Denkens der Form und dem Inhalt nach zu bestimmen vermochte. Insofern ist die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Methode von Kepler und Galilei bis zu Newton zwar nicht selbst der Werdegang der modernen Philosophie, aber doch diejenige Ereignisreihe, auf welche dieser stetig bezogen erscheint.

Ueberhaupt aber sind deshalb die positiven Anfänge der modernen Philosophie[315] nicht so sehr in neuen inhaltlichen Konzeptionen, als vielmehr in der methodischen Besinnung zu suchen, aus der dann freilich mit der Zeit auch neue sachliche Gesichtspunkte für die Behandlung der theoretischen wie der praktischen Probleme sich ergeben haben. Zunächst aber waren die Springpunkte des modernen Denkens überall diejenigen, an welchen aus der humanistischen Opposition gegen die Scholastik und aus den aufgeregten metaphysischen Phantasien der Uebergangszeit sich dauernd fruchtbare Auffassungen von der Aufgabe und dem dadurch bedingten Verfahren der neuen Wissenschaft herausgelöst haben.

Hierin besteht von vornherein ein wesentlicher Unterschied der modernen Philosophie von der antiken: jene beginnt ebenso reflektiert wie diese naiv, und das versteht sich von selbst, weil jene sich aus eben den Traditionen heraus entwickeln mußte, welche diese geschaffen hat. Deshalb aber ist es der überwiegenden Anzahl der Systeme der neueren Philosophie eigen, von methodologischen und erkenntnistheoretischen Ueberlegungen her den Weg zu den sachlichen Problemen zu suchen, und im besonderen kann man das 17. Jahrhundert in Betreff seiner Philosophie als einen Kampf der Methoden charakterisieren.

Während aber die Bewegung der humanistischen Periode der Hauptsache nach in Italien und Deutsch land sich abgespielt hatte, trat nunmehr die kühlere Besonnenheit der beiden westlichen Kulturvölker hervor. Italien war durch die Gegenreformation stumm gemacht, Deutschland durch den verderblichen Konfessionskrieg lahm gelegt. England und Frankreich dagegen erlebten im 17. Jahrhundert die Blüte ihrer intellektuellen Kultur, und zwischen ihnen wurden die Niederlande eine lebensvolle Heimstätte für Kunst und Wissenschaft.

In der Entwicklung der naturwissenschaftlichen Methode konvergierten die Richtungen des Empirismus und der mathematischen Theorie: in der philosophischen Verallgemeinerung traten beide unabhängiger gegeneinander hervor. Das Programm der Erfahrungsphilosophie stellt Bacon auf, ohne dem methodischen Grundgedanken die fruchtbare Ausführung abzugewinnen, die er in Aussicht stellte. Beträchtlich vielseitiger faßte Descartes die naturwissenschaftliche Bewegung seiner Zeit zu einer Neubegründung des Rationalismus zusammen, indem er das scholastische Begriffssystem mit dem reichen Inhalt der Galileischen Forschung erfüllte. Daraus aber ergaben sich weittragende metaphysische Probleme, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine außerordentlich lebhafte Bewegung des philosophischen Denkens hervorriefen, – eine Bewegung, in welcher die neuen Prinzipien mannigfache gegensätzliche Verbindungen mit solchen der mittelalterlichen Philosophie eingingen. Aus der cartesianischen Schule entsprang der Occasionalismus, dessen Hauptvertreter Geulincx und Malebranche sind; ihren Austrag aber fand diese Entwicklung in den beiden großen philosophischen Systemen, die Spinoza und Leibniz aufstellten.

Die Einwirkung, welche die mächtige Entfaltung der theoretischen Philosophie auch auf die Behandlung der praktischen Probleme ausübte, zeigt sich hauptsächlich auf dem Gebiete der Rechtsphilosophie. Auf diesem nimmt Hobbes, der gleichmäßig ein Schüler Bacons und Descartes' war und[316] als solcher auch in der methodisch-metaphysischen Linie einen wichtigen Punkt bedeutet, die entscheidende Stellung als der Führer eines ethischen Naturalismus ein, der sich in veränderter Form auch bei seinen Gegnern wie Herbert von Cherbury und Cumberland findet: in diesen Gegensätzen bereiten sich die Probleme der Aufklärungsphilosophie vor.

Die Reihe der großen Naturforscher, die unmittelbar auch in philosophische Fragen eingegriffen haben, eröffnet Johann Kepler (1571-1630), aus Weil der Stadt in Württemberg, nach einem mit Not und Sorge ringenden Leben in Regensburg gestorben. Unter seinen Werken (Ausgabe von FRISCH, Frankfurt 1858-71, 8 Bde.) sind Mysterium cosmographicum, Harmonice mundi, Astronomia nova seu physica coelesis tradita commentariis de motibus stellae Martis hervorzuheben. Vgl. CHR. SIGWART, Kleine Schriften I, 182 ff. R. EUCKEN, Philos. Monatsh. 1878, S. 30 ff. – Unmittelbar an ihn schließt sich Galileo Galilei (1564 zu Pisa geboren, 1642 zu Arcetri gestorben). Seine ruhige, sachlich leidenschaftslose Vertretung der neugewonnenen und durch ihn selbst begrifflich begründeten Naturerkenntnis hat ihn nicht vor den Angriffen der Inquisition zu schützen vermocht; er erkaufte den Frieden und das Recht weiterer Forschung, um die es ihm allein zu tun war, durch äußere Unterwerfung. Von den Werken (15 Bde. Florenz 1842-56 mit einem biographischen Supplementbande von Arago) enthalten Bd. 11-14 die Fisicomathematica. darunter Il saggiatore (1623) und den Dialog über das ptolemäische und das kopernikanische System (1632). Vgl. H. MARTIN, G., les droits de la science et la méthode des sciences physiques (Paris 1868); C. PRANTL, Galilei und Kepler als Logiker (München 1875); P. NATORP, G. als Philosoph (Philos. Monatsh. 1882, S. 193 ff.).

Isaak Newton (1642-1727) kommt hauptsächlich wegen der Philosophiae naturalis principia mathematica (1687; 2. Aufl. von Cotes 1713; deutsch von WOLFERS 1872) und seiner Optik (1704) in Betracht, vgl. FR. ROSENBERGER, I. N. und seine physikalischen Prinzipien (Leipzig 1895), L. BLOCH, La philos. de N. (Paris 1908). – Von seinen Zeitgenossen sind der Chemiker Robert Boyle (1626-1691; Chemista scepticus; Origo formarum et qualitatum, De ipsa natura) und der Niederländer Christian Huyghens (1629-1695; De causa gravitatis; De lumine) hervorzuheben. –

Vgl. W. WHEWELL, History of the inductive sciences (London 1837; deutsch von LITTROW Leipzig 1839 ff.). – E. F, APELT, Die Epochen der Geschichte der Menschheit (Jena 1815). – L. DÜHRING, Kritische Geschichte der Prinzipien der Mechanik (Leipzig 1872). – A. LANGE, Geschichte des Materialismus, 8. Aufl. (Leipzig 1908). – E. MACH, Die Mechanik in ihrer Entwicklung (Leipzig 1883). – K. LASSWITZ, Geschichte der Atomistik, 2 Bde. (Hamburg und Leipzig 1890). – H. HERTZ, Die Prinzipien der Mechanik (Leipzig 1894, 2. Aufl. 1910) Einl. 1-47.


Francis Bacon, Baron von Verulam, Visconnt von St. Albans, war 1561 geboren, studierte in Cambridge, machte unter der Regierung der Elisabeth und Jakobs I. eine glänzende Karriere, bis er aus der Stelle des Großkanzlers in einem politischen Tendenzprozeß durch Ueberführung der Bestechlichkeit gestürzt wurde. Er starb 1626. Die Schattenseiten seines persönlichen Charakters. die im politischen Strebertum ihren Ursprung hatten, treten hinter der sein Leben erfüllenden Erkenntnis zurück, daß nur im Wissen des Menschen Macht und besonders seine Macht über die Natur beruhe: in einer den Gewohnheiten seiner Zeit gemäß Großsprecherischen Weise proklamierte er die Aufgabe seiner Wissenschaft, durch Erkenntnis der Natur diese mit ihren Kräften in den Dienst des Menschen und der zweckmäßigen Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens zu stellen. Die letzte Ausgabe seiner Werke ist die von SPEDDING und HEATH (London 1857 ff.). Die Hauptschriften außer den Essays (Sermones fideles) sind De dignitate et augmentis scientiarum (1623; ursprünglich On the proficience and advancement of learning divine and human, 1605) und Novum organon scientiarum (1620, ursprünglich Cogitata et visa 1612646). Vgl. CH. DE RÉMUSAT, B., sa vie, son temps, sa philosophie et son influence jusqu'à nos jours (Paris 1854). H. HEUSSLER, Fr. B. und seine geschichtliche Stellung (Breslau 1889).

René Descartes (Cartesius), 1596 in der Touraine geboren, in der Jesuitenschule[317] La Flèche erzogen, war ursprünglich zum Soldaten bestimmt und machte in verschiedenen Diensten die Feldzüge von 1618-1621 mit, zog sich dann aber erst in Paris und später viele Jahre an verschiedenen Orten der Niederlande in eine wissenschaftliche Einsamkeit zurück, die er geflissentlich und sorgfältigst bewahrte. Nach dem ihm diesen Aufenthalt die Streitigkeiten verleidet hatten, in welche seine Lehre an den dortigen Universitäten verwickelt wurde, folgte er 1649 einem Rufe der Königin Christine von Schweden nach Stockholm, wo er jedoch schon im folgenden Jahre starb. Von der vorzüglichen, im Auftrage der Pariser Akademie herausgegebenen Gesamtausgabe liegen 12 Bände, Paris 1897-1911 vor, die z. T. schon viel wertvolle Inedita gebracht haben; der zwölfte enthält die Biographie D.s von CH. ADAM; was noch aussteht, sind Register und Ergänzungen. Früher sind die Werke lateinisch in den Amsterdamer Ausgaben (1650 u. a.), französisch von V. COUSIN (11 Bde., Paris 1824 ff.) gesammelt; die grundlegenden Schriften von KUNO FISCHER (Mannheim 1863) übersetzt. Den Grundzug seines Wesens bilden die von allen äußeren Gütern abgewandte Leidenschaft des Erkennens, das Streben nach Selbstbelehrung, der Kampf gegen die Selbsttäuschung, die Scheu vor allem äußeren Hervortreten und den damit verbundenen Konflikten, die kühle Vornehmheit rein intellektuellen Lebens und der volle Ernst innerer Wahrheit. Die Hauptwerke sind: Le monde ou traite de la lumière (erst posthum 1664 und im Original 1677 gedr.); Essais, 1637, darunter der Discours de la méthode und die Dioptrik; Meditationes de prima philosophia, 1641, vermehrt durch die Einwürfe verschiedener Gelehrten und D.s Antworten; Principia philosophiae 1644, Passions de l'âme, 1650. Vgl. F. BOUILLIER, Histoire de la philosophie cartésienne (Paris 1854). X. SCHMD-SCHWARZENBERG. R. D. und seine Reform der Philosophie (Nördlingen 1851). G. GLOGAU in Zeitschr. f. Philos. 1878, S. 209 ff. K. JUNGMANN, R. D. 1908.

Zwischen diesen beiden Führern der neueren Philosophie steht Thomas Hobbes, 1588 geboren, in Oxford gebildet, durch Studien früh nach Frankreich gezogen und häufig wieder dahin zurückgeführt, in persönlicher Bekanntschaft mit Bacon, Gassendi, Campanella und dem cartesianischen Kreise, 1679 gestorben. Die Gesamtausgabe seiner Werke, englisch und lateinisch, hat MOLESWORTH, London 1839 ff. besorgt. Seine erste Schrift Elements of law natural and political (1639) wurde von seinen Freunden in zwei Teilen Human nature und De corpore politico 1650 herausgegeben: vorher veröffentlichte er Elementa philosophiae de cive 1642 u. 47, ferner Leviathan or the matter, form and authority of government 1651. Behemoth or the long parliament (herausg. v. TÖNNIES, London 1889). Eine Zusammenfassung geben die Elementa philosophiae, I De corpore, II De homine 1668 (beide vorher englisch 1665 u. 1658). Vgl. G. C. ROBERTSON, H. (London 1886), F. TÖNNIES in Vierteljahrschr. f. w. Philos. 1879 ff. u. H.' Leben und Lehre (Stuttgart 1896).


Aus der cartesianischen Schule (wl. BOUILLIER a. a. O.) sind die Jansenisten von Port Royal hervorzuheben, aus deren Kreisen die von Anton Arnauld (1612-1694, vgl. K. BOPP in Abh. z. Gesch. d. mathem. Wissensch., Heft 14, 1902) und Pierre Nicole (1625-1695) herausgegebene Logique ou l'art de penser (1662) stammte; ferner die Mystiker Blaise Pascal (1623 -1662; Pensées sur la religion, vgl. die Monographien von J. G. DREYDORFF Leipzig 1870 u. 75, sowie G. DROZ, Paris 1886 und V. GIRAUD, Paris 1900) und Pierre Poiret (1646-1719; De eruditione triplici, solida superficiaria et falsa).

Eine andere eigenartige Kombination des skeptischen, des rationalistischen und des religiösen Moments findet sich bei dem geistreichen Weltgeistlichen Pierre Gassend (Gassendi, einem Provençalen, 1592-1655, der Kanonicos in Dijon war, aber viel in dem Kreise von Mersenne verkehrte), dem Erneuerer des Epikureismus (vgl. oben S. 296). Exercitationes paradoxicae adversus Aristoteleos I 1624, II posthum 1659- seine Objektionen gegen Descartes wurden auf dessen Replik zu einer Duplik erweitert, die sein Schüler Samuel Sorbière unter dem Titel Disquisitiones anticartesianae 1649 herausgab. Unter seinen ges. Werken ist noch das Syntagma philosophicum hervorzuheben. Vgl. seines Schülers Bernier Abrégé de la philos. de G. 8 Bde. Lyon 1678; neuerdings MARTIN (Paris 1853), HENRI BERR (Paris 1898), P. PENDZIG (Bonn 1908).

Die Entwicklung zum Occasionalismus schreitet allmählich in Louis de la Forge (Traité de l'esprit humain 1666), Clauberg(1622-1665: De coniunetione corporis et animae in homine), Cordemoy (Le discernement du corps et de l'âme, 1666) vor findet aber unabhängig von diesen die abschließende Ausbildung bei Arnold Geulincx (1625-1669; Universitätslehrer in Loewen und Leyden). Dessen Hauptwerk ist dir Ethik (1665; 2. Aufl. mit Anmerk. 1675); Logik 1662, Methodus 1663. Neue Ausgabe der W. von J. P. N. LAND (3 Bde. Haag 1891-93). Vgl. E. PFLEIDERER, A. G. als Hauptvertreter der occ. Metaphysik und Ethik (Tübingen 1882). V. VAN DER HAEGHEN, G. Etude sur sa vie, sa philosophie et ses ouvrages (Lüttich 1886). J. P. N. LAND, Arn. Geulincx[318] und seine Philosophie (Haag 1895).

Aus dem vom Kardinal Berulle, einem Freunde Descartes', gegründeten Oratorium, dem auch Gibieuf (De libertate dei et creaturae, Paris 1630) angehörte, ging Nicole Malebranche hervor (1638-1715). Sein Hauptwerk De la recherche de la vérité erschien 1675, die Entretiens sur la métaphysique et sur la religion 1686. Die ges. Werke hat J. SIMON (Paris 1871) herausgegeben. Ueber ihn F. PILLON in L'année philosophique III u. IV.

Baruch (Benedict de) Spinoza, 1632 zu Amsterdam in der portugiesischen Judengemeinde geboren, später aus dieser wegen seiner Ansichten ausgestoßen, lebte in großartiger Einfachheit und Einsamkeit all verschiedenen Orten Hollands und starb im Haag 1677. Seine bescheidenen Bedürfnisse befriedigte er in stolzer Selbständigkeit durch den Ertrag des Schleifens optischer Gläser; unbekümmert um den Haß und den Widerspruch der Welt, nicht erbittert durch die Unzuverlässigkeit der wenigen, die sich seine Freunde nannten, hat er ein Leben des Gedankens, der uneigennützigen Geistesarbeit geführt und in der Klarheit der Erkenntnis, in dem überlegenen Verständnis des Menschentreibens, in der weihevollen Betrachtung der Geheimnisse der göttlichen Natur die Entschädigung für die vergänglichen Freuden der Welt gefunden, die er verachtete. Während seines Lebens hatte er eine Darstellung der cartesianischen Philosophie mit einem selbständigen metaphysischen Anhang (1663) und den Tractatus theologico-politicus (anonym 1670) veröffentlicht. Nach seinem Tode erschienen in den Opera posthuma (1677) sein Hauptwerk, Ethica more geometrico demonstrata, der Tractatus politicus und das Bruchstück De intellectus emendatione. Außerdem kommt sein Briefwechsel und das erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Tage getretene Jugendwerk Tractatus (brevis) de deo et homine eiusque felicitate in Betracht. Ueber das letztere vergleiche CHR. SIGWART (Tübingen 1870). Die beste Ausgabe seiner Werke ist die von VAN VLOTEN und LAND (2 Bde. Amsterdam 1882 f., neue Aufl. in drei Bdn. 1895). Vgl. T. CAMERER, Die Lehre Sp.s (Stuttgart 1877). F. CAIRD, Sp. (London 1886). K. O. MEINSMA, SP. en zyn Kring (Haag 1896, deutsch Berlin 1909). J. FREUDENTHAL. Die Lebensgeschichte Sp.s (I Leipzig 1899), Sp.s sein Leben und seine Lehre (I Bd. 1904). P. L. COUCHOD, B. d. Sp. (Paris 1902). Viel Material zusammengetragen bei v. DUNIN-BORKOWSKI, Der junge Despinoza (Münster i. W. 1910).


Von philosophischen Schriftstellern, die sich in Deutschland dem Zuge der Bewegung unter den beiden westlichen Kulturvölkern anschlossen, sind zu erwähnen: Joachim Jung (1587-1657; Logica Hamburgiensis, 1638; vgl. G. E. GUHRAUER, J. J. und sein Zeitalter, Stuttg. u. Tüb. 1859); der Jenenser Mathematiker Erhard Weigel, der Lehrer von Leibniz und Pufendorf; Walther von Tschirnhaus (Tschirnhausen, 1651-1708); Medicina mentis sive artis inveniendi praecepta generalia, Amsterdam 1687; über ihn J. VERWEYEN, (Bonn 1905) und Samuel Pufendorf (1632-1694; pseudon. Severinus a Monzambano, de statu rei publicae germanicae, 1667, deutsch v. H. BRESSLAU, Berlin 1870, De jure naturae et gentium, London 1672).

Leibniz (vgl. unten S. 372) gehört in diese Periode nicht nur der Zeit, sondern auch der Entstehung und den Motiven seiner Metaphysik nach, während er mit andern Interessen seiner unglaublichen Vielseitigkeit in das Zeitalter der Aufklärung hinüberragt: vgl. darüber Teil V. Es kommen deshalb von seinen Schriften hier hauptsächlich die methodologischen und metaphysischen in Betracht: De principio individui, 1663; De arte combinatoria, 1666; Nova methodus pro maximis et minimis, 1684; De scientia universali seu calculo philosophico, 1684 (vgl. A. TRENDELENBURG, Hist. Beiträge zur Philosophie III, 1 ff.); De primae philosophiae emendatione, 1694; Système nouveau de la nature, 1695, mit den drei dazu gehörigen Eclaircissements 1696; außerdem die Monadologie, 1714, die Principes de la nature et de la grace, 1714, und ein großer Teil des ausgebreiteten Briefwechsels. Unter den Ausgaben der philosophischen Schriften ist die vortreffliche von J. E. ERDMANN (Berlin 1840) jetzt durch diejenige von C. J. GERHARDT (7 Bde., Berlin 1875-91) überholt. Eine Gesamtausgabe wird von den vereinigten Akademien Europas vorbereitet. – Ueber das System als Ganzes vgl. L. FEUERBACH, Darstellung, Entwicklung und Kritik der L.schen Philosophie (Ansbach 1837). A. NOURISSON, La philos. de L. (Paris 1860). E. DILLMANN, Eine neue Darstellung der L.schen Monadenlehre (Leipzig 1891). E. WENDT, Die Entwicklung der L.schen Monadenlehre bis 1695 (Berlin 1886). W. WERCKMEISTER, Der L.sche Substanzbegriff (Halle 1899). L. COUTURAT, La logique de Leibniz (Paris 1901). E. CASSIRER, L.' System in seinen wissenschaftlichen Grundlagen (Marburg 1902). W. KABITZ, Die Philos. des jungen L. (Heidelberg 1909)

Ueber das historische und systematische Verhältnis der Systeme zueinander H. C. W. SIGWART, Ueber den Zusammenhang des Spinozismus mit der cartes. Philosophie (Tübingen 1816) und Die Leibnizsche Lehre von der prästabilierten Harmonie in ihrem Zusammenhang mit früheren Philosophemen (ibid. 1822). – C. SCHAARSCHMIDT,[319] Descartes und Spinoza (Bonn 1850). – A. FOUCHER DE CAREIL. Leibniz, Descartes et Spinoza (Paris 1863). – E. PFLEIDERER, L. und Geulincx (Tübingen 1884). – E. ZELLER, Sitz.-Ber. der Berliner Akad. 1884, S. 673 ff. – F. TÖNNIES, Leibniz und Hobbes, in Philos. Monatsh. 1887, S. 357 ff. – L. STEIN, Leibniz und Spinoza (Berlin 1890).

Zu den Begründern der Rechtsphilosophie (vgl. C. v. KALTENBORN, Die Vorläufer des Hugo Grotius, Leipzig 1848; und R. v. MOHL, Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften, Erlangen 1855-58) gehören: Nicolo Macchiavelli (1469-1527; Il Principe, Discorsi sulla prima decade di Tito Livio; vgl. VILLARI, N. M. ei suoi tempi, 3 Bde. 1877; R. FESTER, N. M. Stuttgart 1899); Thomas Moore (1480-1535, De optimo rei publicae statu sive de nova insula Utopia, 1516); Jean Bodin (1530-1597; Six livres de la république, 1577; aus dem »Heptaplomeres« hat GUHRAUER, Berlin 1841, einen Auszug gegeben); Albericus Gentilis (1551 -1611, De jure belli 1588); Johannes Althus (1557-1638, Politica, Gröningen 1610, Ygl. O GIERKE:, Unters. z. deutsch. Staatsu. Rechtsgesch., Breslau 1880); Hugo de Groot (1583-1645; De jure belli et pacis, 1645; vgl. H. LUDEN, H. G. Berlin 1806).

Von protestantischen Rechtsphilosophen können neben Melanchthon J. Oldendorp (Elementaris introductio, 1539), Nic. Hemming (De lege naturae, 1562), Ben. Winkler (Principia iuris, 1615); von katholischen neben Suarez Rob. Bellarmin (1542 bis 1621, De potestate pontificis in temporalibus) und Mariana (1537-1624; De rege ot regis institutione) genannt werden.

Naturreligion und Naturmoral fanden im siebzehnten Jahrhundert bei den Engländern ihre Hauptvertreter in Herbert von Cherbury (1581-1648, Tractatlls de veritate, 1624; De religione gentilium errorumque apud eos causis, 1663; über ihm CH. DE RÉMUSAT, Paris 1873, GÜTTLER, Lord H. Ch., München 1897) und Richard Cumberland (De legibus naturae disquisitio philosophica, London 1672). Unter den Platonikern bezw. Neuplatonikern Englands in der gleichen Zeit, deren Hauptsitz die Universität Cambridge war, ragen hervor Ralph Cudworth (1617-1688; The intellectual system of the universe, London 1678, lateinisch Jena 1733) und Henry More (1614 bis 1687, Encheiridion metaphysicum. Seine Korrespondenz mit Descartes ist bei dessen Werken – Cousin Bd. X, Ak. Ausg. Bd. V – gedruckt). Ferner sind zu nennen Theophilus und sein Sohn Thomas Gale. Vgl. J. TULLOCH, Rational theology and christian philosophy in England in the 17. century (London 1872), G. v. HERTLING, Locke und die Schule von Cambridge (Freiburg i. Br. 1892).

Quelle:
Wilhelm Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. Tübingen 61912, S. 315-320.
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