Heimweh

[179] Heimweh (Nostalgie), unwiderstehliche, den Organismus körperlich u. geistig untergrabende Sehnsucht nach der Heimath, die bes. in Ebenen versetzte Gebirgsbewohner befällt, aber auch im umgekehrten Falle vorkommt, namentlich je größer der Gegensatz zwischen den gewohnten u. neuen Verhältnissen sich herausstellt. Das H. ist an kein Alter, Geschlecht noch Bildung gebunden, jedoch in jüngeren u. in älteren Jahren u. beim weiblichen Geschlechte am häufigsten. Im höchsten Grade des H-s treibt die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage u. der ganzen Umgebung zu dem ungezügelten Verlangen, sich aus den Verhältnissen auf jede Weise zu befreien. Das H. gilt als eigne Art der Melancholie (s. Geisteskrankheiten) u. kann nur, wenn Körper u. Geist noch nicht zu sehr angegriffen sind, durch Rückkehr zur Heimath geheilt werden.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 179.
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