Prinz Lieschen

[599] Prinz Lieschen, eigentlich Anna Sophie Elisabeth Apizsch, geb. 1695 in Lunzenau im Schönburgischen, n.A. in Wolkenstein im Sächsischen Erzgebirge, wo ihr Vater Zeugmacher war. Einige zwanzig Jahre alt verließ sie ihr väterliches Haus, trieb sich in männlicher Kleidung in Sachsen u. den benachbarten Ländern umher, war kurze Zeit ansbachischer Soldat u. kam endlich 1717 nach Elterlein in Sachsen. Hier fand sie bei einem Bäcker Aufnahme u. wußte in kurzer Zeit ihre Umgebung durch geheimnißvolles u. vornehmthuendes Benehmen so zu mystificiren, daß man sie für den Kurprinzen, welcher damals incognito das Land bereisen sollte, hielt, ihr Aufmerksamkeit erwies u. sogar Geldvorschüsse anbot, welche sie aber nur zu geringen Summen annahm. Als die Kunde davon nach Dresden gelangte, schickte der Kurfürst Friedrich August einen Vertrauten nach Elterlein, um die Sache zu untersuchen. Die Apizsch wurde festgenommen u. zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt, welche sie in Waldheim büßte, wo sie den Namen P. L. erhielt u. nach fünfundvierzigjähriger milder Hast am 23. Januar 1761 st. Heydrich hat die Fahrten von P. L. zum Stoffe einer Fastnachtsposse benutzt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 599.
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