Denis

[271] Denis, Paul Camille von, geboren in Mainz am 26. Juni 1795, gestorben 2. September 1872 in Dürkheim als Oberbaurat, erhielt seine technische Ausbildung in der École polytechnique zu Paris und trat 1816 in den bayerischen Staatsdienst ein. 1832 trat D. eine bauwissenschaftliche Reise nach Belgien, Frankreich, England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika an. In letzterem Lande machte er umfassende Studien über die dortigen großartigen Kanalbauten sowie über die in rascher Entwicklung begriffenen Eisenbahnen.

In England wurde D. mit dem Erbauer der 1830 eröffneten Liverpool-Manchester-Eisenbahn, George Stephenson bekannt. Es konnte nicht fehlen, daß D. bei seinem praktischen Blick sich zugunsten der Eisenbahnen gegen die Kanäle entschied.

Im Juli 1834 übernahm D. den Bau der ersten Lokomotivbahn Deutschlands, die am 7. Dezember 1835 dem Verkehr übergeben wurde. Die gelungene Ausführung dieser kleinen Bahn war für die damalige Zeit von ganz besonderer Bedeutung.

Er baute ferner die Taunusbahn und die Worms-Mainzer-Bahn.

1856 übernahm D. als Direktor der bayerischen Ostbahnen den Bau der damals genehmigten 61 Meilen langen Strecken; trotz bedeutender Schwierigkeiten gelang es ihm, die Linien, statt in der gesetzlich gegebenen Frist von 7 Jahren, schon nach 5 Jahren in Betrieb zu setzen und dabei 161/2 Mill. Gulden zu ersparen. Im Jahre 1862 wurden der Gesellschaft weitere Linien konzessioniert, die im Jahre 1865 zur Vollendung kamen und wobei wieder 41/2 Mill. Gulden erspart wurden.

Im ganzen hat er gegen 1000 km Eisenbahnen entworfen, ausgeführt und in Betrieb gesetzt. Er trat, nachdem im Jahr 1866 sämtliche Ostbahnlinien dem Verkehr übergeben waren, von den Geschäften zurück.

Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 3. Berlin, Wien 1912, S. 271.
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