Fahrkartenstempelpresse

[480] Fahrkartenstempelpresse (presse à timbrer les billets, composteur). Nach Vorschrift der meisten Bahnverwaltungen sind die Fahrkarten vor der Ausgabe mit dem Tagesstempel zu versehen, wobei auch die Bezeichnung der einzelnen Ausgabestellen durch Nummer oder Buchstabe erfolgen kann. Sodann werden einfache Karten, wenn nicht vorgedruckte Rückfahrkarten vorliegen, durch besonderen Aufdruck für die Rückfahrt gültig gestempelt. Hierzu werden Fahrkartenpressen verwendet, die in der Regel auf dem Schaltertisch oder der inneren Schalterbrüstung fest angeschraubt sind. Ursprünglich bediente man sich gewöhnlicher Handstempel. Die Notwendigkeit rascher Abfertigung und der Erzielung scharfer Stempelabdrucke führte bald zur Verwendung von Pressen mit Hebeldruck, so daß diese so alt sind, wie die Edmonson-Karten.

Es gibt Pressen mit Schwarzdruck, mit vertieftem, farblosem Typendruck (Trockenstempel) und mit vertieftem Schwarzdruck (s. auch Organ Jg. 1897, S. 216). Statt der Pressen mit Schwarzdruck werden solche mit Trockenstempel in vertiefter Schrift mehr und mehr vorgezogen. Sie bieten gegenüber dem leichter verwischbaren Farbdruck den Vorteil scharf ausgeprägter, gut lesbarer Abdrücke, die gegen Fälschungen u.s.w. erhöhte Sicherung gewähren, wobei allerdings zuzugeben ist, daß auch Trockenstempel durch Anfeuchtung verlöscht werden können.

Edmonson selbst hatte eine Bandpresse mit Schwarzband gebaut (s. Organ, Bd. II, S. 146).

Der Ausführung der neueren Apparate liegt durchweg eine Kniehebelkonstruktion zu gründe, bei der nach Zurücklegen eines beweglichen Trägers (des Datumhalters) gegen den Bock die in die Einführungsspalte – das Mundstück – eingeschobene Karte an die Typen gepreßt wird. Die früher übliche Verwendung von Einzeltypen, die eine tägliche Auswechslung der letzteren u.s.w. aus einer besonderen Letternbüchse erforderte, ist bei den neueren Bauarten verlassen, indem die Zahlen auf drehbare Stahlräder eingeschnitten sind, wobei durch einen Stecker das Datum leicht umgestellt werden kann. Das Verlieren der Einzeltypen ist dadurch beseitigt.


Abb. 381 und 382 zeigen gewöhnliche Stempelpressen von Gebrüder Blanz in Stuttgart. Die größeren Pressen (Abb. 383) sind für Tiefdruck und Hin- und[480] Rückfahrtstempel, die kleineren Pressen für Tiefdruck und einfachen Stempel eingerichtet.

Gandenberger in Darmstadt baute eine Sicherheitsfahrkartendatumpresse mit Kontrollschlüssel, bei der neben dem Datum ein Kontrollzeichen auf die Karte geprägt wird. Die dazu erforderliche Kontrolltype ist auf einen Schlüssel graviert, der von der linken Seite in die Presse eingeführt wird. Wird der Fahrkartenverkauf durch mehrere Beamte besorgt, so erhält jeder einen Schlüssel mit besonderem Zeichen. Es kann dann jederzeit mit Sicherheit festgestellt werden, wo und durch wen die betreffenden Karten verkauft worden sind. Eine Einrichtung zu demselben Zweck im Bereich der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. ist auf S. 1366 der Ztg. d. des VDEV. 1909 beschrieben.

Eine eigenartige Konstruktion zu einer Fahrkartenpresse hat J. Müller & Cie. in Singen-Hohentwiel in Vorschlag gebracht.

Eine in der Presse befindliche Stanze schneidet gleichzeitig mit dem Datieren ein kleines Stück seitlich aus der Karte, dieses Stück trägt die Preisangabe und Bestimmungsstation. Der Ausschnitt wird in ein durch die Presse laufendes Band mit entsprechenden Vertiefungen eingedrückt und darin festgehalten. Der kontrollierende Beamte kann jederzeit das Band abschneiden und auf Grund desselben den Fahrkartenverkauf jedes einzelnen Beamten kontrollieren.

Abb. 383 veranschaulicht eine von der Firma Schögel und Lycus in Paris gelieferte Presse, bei der die Stempelvorrichtung sich nach Öffnung des über der Einführungsspalte befindlichen Türchens bequem zurichten läßt.


Bei größeren Fahrkartenausgaben sind außerdem Perforierpressen (Nadel-, Durchschlagstempelpressen) für die Abstempelung der Buchfahrkarten, Fahrscheinhefte u.s.w. in Verwendung. Die in Abb. 384 dargestellte F. zeigt eine von Gandenberger in Darmstadt gelieferte Presse. Zum Perforieren schiebt man das Heft vorn in das an einer Bodenplatte angebrachte geschlitzte Metallstück und dreht den Hebel nach vorn, wobei das Datum auf den einzelnen Fahrscheinen ausgedrückt wird.

v. Zluhan.

Abb. 381.
Abb. 381.
Abb. 382.
Abb. 382.
Abb. 383.
Abb. 383.
Abb. 384.
Abb. 384.
Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 4. Berlin, Wien 1913, S. 480-481.
Lizenz:
Faksimiles:
480 | 481
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Jean Paul

Selberlebensbeschreibung

Selberlebensbeschreibung

Schon der Titel, der auch damals kein geläufiges Synonym für »Autobiografie« war, zeigt den skurril humorvollen Stil des Autors Jean Paul, der in den letzten Jahren vor seiner Erblindung seine Jugenderinnerungen aufgeschrieben und in drei »Vorlesungen« angeordnet hat. »Ich bin ein Ich« stellt er dabei selbstbewußt fest.

56 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon