Schrag, Johann Leonhard

[865] Schrag (Nürnberg). Johann Leonhard Schrag wurde zu Landshut am 27. Januar 1783 geboren und trat nach Absolvierung der Schule in die Krüllsche Universitätsbuchhandlung daselbst in die Lehre. Nachdem er seine Lehrzeit überstanden und längere Zeit noch als Gehilfe in diesem Geschäfte gewesen war, nahm er die Stelle als Geschäftsführer einer Buchhandlung in Wien an, welche Stadt er infolge der französischen Invasion verließ und sich nach Nürnberg begab, woselbst er anfänglich der Steinschen Buchhandlung als Geschäftsführer vorstand, deren Besitzer, Joh. Philipp Palm, 1806 zu Braunau den Märtyrertod durch die Kugeln eines französischen Exekutionskommandos fand. Schrag bekleidete diese Stellung bis zu seiner eigenen Niederlassung im Jahre 1810. Er[865] gründete unter seinem Namen eine Verlagsbuchhandlung in Nürnberg, welche sich infolge seiner Umsicht und Tätigkeit sowohl, als durch glückliche Geschäftsverbindungen mit vielen namhaften Schriftstellern bald einen weitverbreiteten Ruf erwarb. In der Geschichte der deutschen Literatur spielt Schrag eine nicht unwichtige Rolle, sein Verlag wurde einer der Mittelpunkte der späteren Romantik. Der Schragsche Verlagskatalog weist Namen auf, wie Berzelius in Stockholm, Prof. Bischof in Heidelberg, Buchner in München, Chamisso, Chemiker Dumas in Paris, de la Motte-Foqué, v. Eichendorff, Prof. Goldfuß in Bonn, Hegel, Jean Paul, Kastner, Prof. Kittel, v. Kobell, v. Martius, Prof. v. Nägelsbach, Nees v. Esenbeck, Schubert, Schweigger u. a. Unter den schönwissenschaftlichen Werken, welche in der Schragschen Buchhandlung erschienen, sind insbesondere Chamissos Peter Schlemihl, Foqués Zauberring und eine Reihe Jahrgänge des vielgelesenen »Frauentaschenbuchs« zu nennen, für welches fast alle deutschen Dichter und belletristischen Schriftsteller Beiträge lieferten. Im Bereiche der ernsteren Wissenschaft ist es außer Buchners Inbegriff der Pharmazie vornehmlich das Repertorium für die Pharmazie, ältere Reihe, welches Schrag als das erste Journal dieser Gattung herausgab, und das anfänglich Prof. Gehlen, später Buchner in München redigierte. Außerdem sind viele auf Nürnberg und seine Kunstschätze bezüglichen Werke im Schragschen Verlage erschienen, welcher Geschäftszweig später an seinen als Kunsthändler etablierten Sohn Heinrich Schrag überging.

G. L. Schrag starb am 30. April 1858; ein Jahr früher war der Verlag, mit Ausnahme des lokalen Kunstverlags, der von Heinrich Schrag unverändert fortgeführt wurde, an Friedrich Brandstetter in Leipzig übergegangen, der ihn 1859 an Albert Gustav Hoffmann abtrat.

An den in Nürnberg verbliebenen Lokalkunstverlag schloß sich im Laufe der Jahre ein neuer Verlag der verschiedensten Werke. Seit 1888 wird dieses Geschäft von dem Kgl. Hofbuchhändler Johann Georg Carl Schrag fortgeführt, während das 1847 gegründete Sortiment von dem gleichen Inhaber unter der Firma Heinrich Schrag betrieben wird.

Quellen: Börsenblatt f. d. deutsch. Buchhandel 1858; Sauer, J. L. Schrag und Jean Paul.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 5. Berlin/Eberswalde 1908, S. 865-866.
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