Achten

1. Achte di klên, wes gern allên, denke stedes up den Dag, den nemand vörbigân mag. (Lübeck.)


2. Achte du mein, so acht' ich dein.Ramann, Unterr., IV, 24.

Lat.: Vicem pro vice reddam tibi, care amice.


3. Einer acht's, der andere lacht's, was macht's!

Jeder folge seiner bessern Ueberzeugung und kehre sich nicht an die widersprechenden Urtheile des Publikums.


4. Ich achte nicht des Mondes Schein, so mir die Sonne will gnädig sein.


[21] 5. Ich achte weder Geld noch Gold, der Ehr' und Treu' bin ich doch hold.


6. Man achtet nicht der Seelen, sondern des Seckels.Geiler.


7. Man achtet nicht, was die Sau auch schreit.


8. Wer es nicht achtet, dem thut es nicht weh.

It.: A chi non pesa, ben porta. – Chi non duol, ben scortica.


9. Wie man etwas achtet, so ist es; wie man glaubt, so geschieht einem.

Frz.: Toute chose est comme on l'estime.

It.: Ogni cosa è coma si stima.

Lat.: Proxima remus opinio.


*10. Er achtet ihn, wie einen Hund.


*11. Er achtet nicht auf Glanz, trinkt wol aus einem Hafen.Agricola.


*12. Man achtet ihn nicht höher, als einen Affen.


*13. Man achtet ihn, wie einen Hund.

Gewöhnlich, besonders im morgenländischen Sinne, bezeichnet man Hass und Verachtung mit dem Worte Hund. So sagt Horaz: Er wird mehr als ein Hund gehasst.

Lat.: Non magis quam canem. (Erasm., 167.)


[Zusätze und Ergänzungen]

14. Einer acht's, der Andre verlacht's, der Dritte betracht's, was macht's?Frieske, 16.

Inschrift in der siebenten Nische des Bierkellers im neuen berliner Rathhause; stand auch über der Thür des 1498 erbauten Rathhauses zu Wernigerode; es lautet der Spruch: Einer acht's, der ander veracht's, der dritte betracht's, was macht's?

15. Leichter g'acht, als g'macht. (Steiermark.)


16. Wer niemand acht, dess acht niemand wieder.Petri, II, 738.


17. Wie ein jeder wil geachtet sein, also sol er sich auch halten.Henisch, 15, 17.


18. Wie man sich selbst achtet, so wird man geachtet.

Dän.: Som man agta sig selo, saa agtes man og til. (Prov. dan., 20.)


19. Wonach sich zu achten, wie der Herr Schulze spricht.Steffens, Volkskalender, 1855, S. 18.


*20. Ich achte ihn nicht so viel wie meine alten Schuhe.

Holl.: Ik acht hem als mijn' ouden schoen. (Harrebomée, II, 254b.)


*21. Sie achtens so wenig als die Sorbonne zu Paris acht, was die newe grusische Akademie zu Leiden beschleusst.Zinkgref, IV, 69.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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»Es giebet viel Leute/ welche die deutsche poesie so hoch erheben/ als ob sie nach allen stücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche sie gantz erniedrigen/ und nichts geschmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde sind von ihren vorurtheilen sehr eingenommen. Denn wie sich die ersten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miste gewachsen: Also verachten die andern alles/ was nicht seinen ursprung aus Franckreich hat. Summa: es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet sie selbst nicht wissen/ was in einem oder dem andern gutes stecket.« B.N.

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