Wehrlos

Wehrlos, ehrlos.Jahn, Volksthum, 315.

Als Friedrich Wilhelm III. von Preussen zum Befreiungkriege gegen Napoleon I. aufrief und das Landwehrkreuz stiftete, entstand die Frage nach einer kernigen Inschrift. Der Freiherr von Stein schlug den obigen Spruch: Wehrlos – ehrlos als Inschrift vor, die aber vom Könige nicht genehmigt wurde, weil sie zu viel sage und unbillig sei. »Wie viel tüchtige Männer gibt es im Lande, denen Alter, Beruf, Familienverhältnisse, Krankheit u.s.w. nicht gestatten, die Waffen zu führen und unmittelbar am Kampf theilzunehmen, die aber dennoch daheim dem Vaterlande dienen!« Das ist sehr wahr. Man wählte dafür den bekannten Spruch: »Mit Gott für König und Vaterland«, der volksthümlich geworden ist und schon zu manchen Siegen geführt hat, obgleich er mehr fromm als logisch ist. Was heisst: Mit Gott für König und Vaterland? Woher weiss man, dass Gott mitgeht? Sind König und Vaterland zwei verschiedene Dinge? Gehört der König nicht zum Volke? Wenn das Volk sich erhebt, kämpft es dann für den König und das Vaterland, oder mit dem König für das Vaterland? Steht der König ausserhalb des Volkes, oder gehört er zu demselben?

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876, Sp. 1866.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika