Frage

1. Alle Fragen sind frey.Henisch, 1188; Petri, II, 5; für Hannover: Schambach, 301.


2. An Frog is frei, sagte der Bauer zum Advocaten, is die Rechnung beschissen oder bemalt? (Schles.)


3. Anne Froge stieht frey: Jungfer, set er anne Hure?Gomolcke, 192; Robinson, 975.


4. Auf die bleierne Frage folgt eine eiserne Antwort.Scheidemünze, I, 4343.


5. Auf eine böse Frage schadet eine gute Antwort nicht.

It.: Molto vale, e poco costa a mal parlar buona risposta. (Pazzaglia, 326, 6.)


6. Auf eine dumme (närrische) Frage gehört keine Antwort.Kirchhofer, 236.

Dän.: Daarlig begiering bør at være svar-løs. (Prov. dan., 60.)

Frz.: A sotte demande point de réponse. (Lendroy, 1360.)

Holl.: Op zotte vragen, zotte antwoorden. (Harrebomée, II, 408.)


7. Auf eine Frage gehört eine Antwort (Verantwortung).Eisenhart, 607; Pistor., V, 45; Simrock, 2592; Hillebrand, 239; Parömiakon, 2744.

»Fragen und Antworten sind die ersten Denkacte. Zum Denken gehören ursprünglich zwei. Erst auf dem [1092] Standpunkte einer höhern Cultur verdoppelt sich der Mensch, sodass er jetzt in und für sich selbst die Rolle des andern spielen kann.« (L. Feuerbach, Wesen des Christenthums, Leipzig 1841, S. 102.) – Im besondern enthält das Sprichwort den Rechtsgrundsatz, dass jeder Angeklagte seine Unschuld darthun könne. Die Vertheidigung derselben ist stets von den gesittetsten Völkern als eine Sache betrachtet worden, die niemand, selbst nicht dem gröbsten Verbrecher verweigert werden dürfe.


8. Auf eine scharfe Frage gehört eine scharfe Antwort.


9. Auf eine solche Frage gehört eine solche Antwort.

Jüd.-deutsch: Uf so e Kaschje gehört so e Teriz. (Tendlau, 133.)

Holl.: Zoo vraag, zoo antwoord. (Harrebomée, II, 408.)


10. Auf schnelle Fragen gib langsam Antwort. Winckler, XX, 92.

Frz.: A prompte demande, réponse lente. (Cahier, 491.)

Holl.: Op haastige vragen dient traag geantwoord. (Harrebomée, II, 408; Bohn I, 336.)


11. Auff eine gute frage gehört eine gute antwort.Agricola II, 17.

Frz.: A bon demandeur bon refuseur. (Leroux, II, 162.)


12. Dat is man ên vör de Frag', säd' de Wert, un smêt den Schôster tô'n Hûs h'rût. (Holst.) – Hoefer, 1126.


13. E Frag' es ke Klag'. (Henneberg.) – Frommann, II, 407, 7; für München: Firmenich, III, 516, 14.


14. Eene Froge es frigg, hadde jene Mann sägt, Frugge, sin jî'n Deiw? (Lippe.)

Holl.: Het is maar eene vraag, boer, mag ik je dochter. (Harrebomée, II, 407.)


15. Eine Frage gibt die andere.Scheidemünze, II, 65.


16. Ein Frage ist erlaubt.Eiselein, 178.


17. Eine Frage steht frei.Pistor., IX, 29; Eisenhart, 498; Simrock, 2580; Estor, II, 995; Hertius, 30; Nopitsch, 82.

Hierüber sowie über andere Sprichwörter, welche vom Fragen handeln, vgl. Gedanken von der Freiheit in Fragen, von K.W. Nose (Frankfurt a.M. 1799). Eine Frage ist nur dann nicht übel zu deuten, wenn sie aus unschuldiger Absicht oder aus einem erlaubten Scherz geschieht; sie steht aber nicht frei, wenn sie aus verbotener Neugier entspringt oder wirklich etwas Beleidigendes und Ehrenrühriges enthält, weil es schon eine Beleidigung ist, wenn man anderer Ehre und Tugend auch nur einer Frage unterwirft.


18. Es gehört auf alle fragen nicht antwort. Agricola II, 9; Henisch, 1189; Egenolff, 285a; Latendorf II, 13; Eiselein, 178; Simrock, 2593.

Holl.: Eene verloren vraag is geen antwoord waardig. – Op alle vraag dient geen antwoord. (Harrebomée, II, 407.) – Tsijn vele woorde die gheen antwoort en hebben. (Tunn., 24, 3.)

It.: Ogni parola non vuol risposta.

Lat.: Non est omnium rerum reddenda ratio. (Philippi, II, 35.) – Saepe carent multa responsis verbula stulta. (Fallersleben, 705.)


19. Es hat (braucht) nicht jede frag ein antwort.Lehmann, 200, 14.


20. Es ist eine grosse Frage, was zuerst gewesen, der Hammer oder der Amboss.


21. Es ist eine subtile frag, ob die Hosen an Wammes hencken oder das Wammes an Hosen.Lehmann, 738, 28.


22. Es ist noch manche Frage, die nicht ihre Antwort hat.Simrock, 2595; Eiselein, 177.


23. Et get noch mehr as aan Frage (jüdisch: Scháale), uf die es kaan Tschuwe (Antwort) get.Tendlau, 927.


24. Frag' gibt Folg' und Recht.Graf, 415, 122.

Vom alten Gerichtsverfahren. Der Richter stellte die Frage und forderte einen Schöffen zur Angabe dessen auf, was in diesem Falle Rechtens sei. Nachdem dieser gesprochen, fragte er, Wer dieser Ansicht beiträte. Das Ergebniss dieser Abstimmung war der Rechtsbescheid.


25. Frag vnd antwort lauten offt nicht gleich. Henisch, 1189; Petri, II, 313.

Lat.: Quaerenti propere danda est responsio lenta.


26. Frag vnd antwort sollen zusammen stimmen.Lehmann, 200, 1.

»Pilatus fragte die Hohenpriester und Schriftgelehrten über Jesum, was er Uebels gethan habe, worauf sie die tölpische Antwort gaben: Lass ihn kreuzigen.« Kommt auch unter uns noch vor.

Lat.: Responsio debet convenire interrogationi. (Lehmann, 200, 2.)


[1093] 27. Gute frag, gute antwort.Henisch, 1188; Petri, II, 363; Lehmann, II, 133, 194.


28. Man sol auff all fragen nit antworten. Franck, II, 192b; Henisch, 1189.

In Bezug auf Sachen derart sagt Börne (Gesammelte Schriften, Hamburg 1829 – 31, VIII, 111): »Darüber können vernünftige Leute nicht urtheilen; diese Frage gehört vor das Tollhaus.«


29. Närrische Frag', närrische Antwort.Gruter, III, 71; Lehmann, II, 432, 32; Simrock, 7417.


30. 'Ne Froage is friy, hadde jünne Mann sagt, Frugge, siy ji ne Heckse?


31. Wer die Frage nicht versteht, der kann keinen richtige Antwort geben.

It.: Chi mal intende peggio risponde. (Pazzaglia, 184, 2.)


32. Wie die frage, so ist auch die antwort.Agricola II, 18; Lehmann, 200, 15; Petri, II, 790; Henisch, 1190; Körte, 1474; Siebenkees, 119.

Dän.: God tiltale, god giensvar. (Prov. dan., 349.)

Frz.: A beau jeu, beau retour. – A sotte demande, sotte réponse. – Telle demande, telle réponse. (Gaal, 478; Lendroy, 1307.)

Lat.: Responsio secundum interrogationem intelligenda. (Binder II, 2965.)


*33. Das ist ain frag in hailigen Gaist.Agricola II, 26.


*34. Das ist ain hohe frage.Agricola II, 27.


*35. Das ist aine rechte, feinn frage.Agricola II, 30.


*36. Das ist ausser Frage.


*37. Das ist eine (offene) Frage.

Holl.: Dat is de vraag. (Harrebomée, II, 407.)


*38. Das ist keine Frage.


*39. Das ist noch eine Frage.


*40. Die frag gehört für die geleerten.Agricola II, 29.


*41. Die Frage ist mir zu hoch auffzulösen.Agricola II, 28.


*42. Einen zur strengen frag führen.Zeytbuch, CCXXXVb.

Ihn foltern.


*43. Es ist noch eine grosse Frage.

Die Sache ist zweifelhaft, ungewiss.


[Zusätze und Ergänzungen]

44. Die andere mit Fragen viel plagen, haben selten viel zu sagen.Devisenbuch, 17.


45. Gibst du auf Eine Frage eine Antwort, so folgen fünf und noch mehr (andere Fragen). Merx, 128.


46. Wer oft die streng Frag'n nit hat verrhaten, den verrhat der wein.Franck, Laster der Trunkenheit, 9b.

*47. Einen an die strenge Frage werffen.Aventin, CCXIIb.

Ihn foltern.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Der Weg ins Freie. Roman

Der Weg ins Freie. Roman

Schnitzlers erster Roman galt seinen Zeitgenossen als skandalöse Indiskretion über das Wiener Gesellschaftsleben. Die Geschichte des Baron Georg von Wergenthin und der aus kleinbürgerlichem Milieu stammenden Anna Rosner zeichnet ein differenziertes, beziehungsreich gespiegeltes Bild der Belle Époque. Der Weg ins Freie ist einerseits Georgs zielloser Wunsch nach Freiheit von Verantwortung gegenüber Anna und andererseits die Frage des gesellschaftlichen Aufbruchs in das 20. Jahrhundert.

286 Seiten, 12.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon