Uebel (Adv.)

Uebel (Adv.).


1. Da geht's übel zu, wo Frevel die Trommel schlägt und Hoffart das Fähnlein trägt.


2. Der denkt übel, der das Widerspiel nicht doppelt bedenkt.

Frz.: Mal pense qui ne contrepense et repense. (Kritzinger, 431b.)


3. Der ist übel daran, der im Mai verzehrt, was er im September einnehmen soll (erntet).

Holl.: Hij is er kwalijk aan, die zijne renten in Mei verdoet, als ze in September eerst vervallen. (Harrebomée, II, 265a.)


4. Der ist übel daran, der nicht weiss, wo er sich hinkehren kann.

Bei Tunnicius (273): He is dar ovel an, de nicht wet, wâr he sik hen keren mach. (Auriculis tenuisse lupum nimis horrida res est.)


5. Der macht's übel, der es nicht ausmacht.

Frz.: Mal fait, qui ne parfait. (Kritzinger, 431a.)


6. Es gehet wol offt einem vbel, aber es weret nicht ewig.Petri, II, 247.


7. Es geht nie so übel, dass es nicht noch übler gehen könnte.

Dän.: Man far ikke saa ilde, man skal jo takke Gud, at man far ikke værre. (Prov. dan., 156.)


8. Es geht übel in der Welt, jeder spricht von dem, was ihm nicht gefällt.

Poln.: Tak to bywa na tém biednym świecie, źe każdy o swojéj biédzie plecie. (Lompa, 31.)


9. Es ist nicht übel, aber es wird einem übel. Klix, 108.


10. Es lautet vbel, wenn Braut vnd Breutigam nach der Hochzeit jhre Ehren Kleider vbers Bierfass breiten oder andern vmb halb Geld lassen müssen.Petri, II, 284; Henisch, 809, 56.


11. Es lautet vbel, wenn dass Baur schön ist, vnd der Vogel darin singt nicht wol.Petri, II, 285.


12. Es stehet mit dem übel, der ein Strohen Harnisch vor hawen vnd stechen anlegt.Lehmann, 69, 35.


13. Es stehet vbel, auss einer Gülden scheide ein Bleyern Schwert ziehen.Petri, II, 298.

»D.i. vnfletige wort auss einem schönen Munde reden.«


14. Es stehet vbel, ein Vnflat in einem schönen Hause seyn.Petri, II, 299.


15. Es stehet vbel, wenn der Wein dess Mans Herr wird.Petri, II, 299.


16. Es stehet vbel, wenn ein junges Megdlein am Tisch viel schwatzt, da alte Matronen still schweigen.Petri, II, 299.


17. Es stehet vbel, wenn einer immer Stein feil hat.Petri, II, 840.


18. Es stehet vbel, wenn man dem Esel die bürde gross machet vnd das Futter abbricht. Petri, II, 299; Henisch, 943, 36.


19. Es stehet vbel, wenn man Leut zu gast bittet, vnnd lest Sew wider zu Hauss gehen. Petri, II, 299; Henisch, 1369, 64.


20. Es steht übel, schelten, wo man soll helfen.


21. Es steht übel, sich bei seinem abgebrannten Hause wärmen.


22. Es steht übel um eine Sache, wenn man sie Gott befiehlt.

Lat.: Quod superis committitur, magna ex porte periit. (Seybold, 513.)


23. Et is nix sau üwwel, et is bô gut für. (Waldeck.) – Curtze, 353, 482.


24. Gehet es vbel, so bleibt man beym Kübel. Petri, II, 327.


25. Geht's heute übel, so geht's morgen besser.

Lat.: Non si male nunc et olim sic erit. (Gaal, 1586.)


[1387] 26. Goht's dem einen wohl, so goht's dem andern wohl. (Luzern.)


27. Lasset vns vbel thun, auff das guts daraus komm.Petri, III, 8.


28. Mag es noch so übel stehn, von Wuchern und Finanzen, von Schinden und Schaben, von Lügen und Trügen will man nicht gehn. Opel, 372.


29. Man muss nicht aus übel ärger machen. Simrock, 10576a.

»Wenn man das Bös woll jagen aus und muss ein Arges folgen draus, so acht man's für das Allerbest, dass man das Bös lass in dem Nest.« (Gerlach, 212.)

It.: Non agguingere male a male, danno a danno. – Non mettere legue al fuoce. (Biber.)


30. Mit vielen steht der übel, der allzeit gern keift.

Bei Tunnicius (821): Mit velen steit he ovel, de alle tyt gêrne kift. (Dissidet a multis qui gaudet lite superbus.)


31. Nichts ist übel oder gut, wenn man es nicht so nehmen thut.Eiselein, 608; Simrock, 10577; Braun, I, 4629.

Lat.: Nihil grave accidit, nisi tibi vindicas. (Eiselein, 608.)


32. Niemand nimmt sich selbst was für übel. Simrock, 10598.


33. Nimm 't nich oewel, sä' de Voss, da harr 'e 'ne Gôs bi'n Wickel. (Hildesheim.) – Hoefer, 356; Peik, 116.

»Nimmt nich öäwel, söä' de Voss, do ha'r'ne Gos bi 't Klafittchen.« (Schlingmann, 1431.)


34. So übel ist nichts bestellt, dass es allen misfällt.Eiselein, 608.

Lat.: Tam male nil cusum, quod nullum prosit in usum. (Eiselein, 608.)


35. Thue übel und wähne nichts Besseres.Simrock, 10528.


36. Uebel beritten will immer voran sein.Eiselein, 608; Braun, I, 4634.


37. Uebel thun kostet mehr als wohl thun.

Frz.: Plus coute malfaire que bien faire. (Kritzinger, 545a.)


38. Wann es einem vbel gehet, so fliehen die freundt all davon.Henisch, 1235, 59.

Lat.: Tempora si fuerint nubila, solus eris. (Gaal, 651.)


39. Wann man eim vbel wil, so findt man bald ein vrsach.Franck, I, 64b; Blum, 390.

Lat.: Occasione dun taxat opus improbitati. (Suringar, CXV.)


40. Wann man eim vbel will, so findt man der hawen bald einn stil.Franck, I, 87b; Petri, II, 665; Henisch, 1099; Lehmann, 856, 22; Egenolff, 330b; Sailer, 151; Blum, 389; Simrock, 10579; Körte, 6712.

Lat.: Malefacere qui vult, nusquam non causam invenit. (Publ. Syr.) (Philippi, I, 237; Seybold, 294.)


41. Was man übel angefangen, ist selten glücklich ausgegangen.

Lat.: Raro bono peraguntur exitu quae malo sunt inchoata principio. (Seybold, 520.)

42. Was übel hergeht, pflegt mit andern auch übel wieder hinzuwandern.

Lat.: Quod male quaesitum est, pejus abire solet. (Seybold, 508.)


43. Wem es übel geht, von dem denkt man auch übel.


44. Wem man übel will, von dem träumt man auch übel.Winckler, XIII, 8.


45. Wem's übel geht, den neidet niemand.Sutor, 569.

Lat.: Miseria invidiam non sentit. (Chaos, 1049; Seybold, 308.)


46. Wem's übel geht, den wählt niemand zum Freunde.


47. Wem's übel geht, der nimmt auch das Lachen übel auf.

Lat.: In calamitoso risus etiam injuria est. (Seybold, 235.)


48. Wem's übel geht, von dem denkt man auch übel.

Lat.: Ad tristem partem strenna est suspicio. (Seybold, 11.)


49. Wems vbel gehet, der zornt bald.Lehmann, II, 839, 215; Henisch, 1435, 19; Petri, II, 623.


50. Wems vbel geht, bald zornig wirt, ob jhn gleich nur ein strohalm jrrt.

Lat.: Fit cito commotus, cui sors contraria, totus. (Loci comm., 97; Henisch, 1435, 20; Sutor, 58.)


[1388] 51. Wems vbel geht vnd ist ohn Raht, derselb viel böse Gedancken hat.Gruter, III, 103; Henisch, 1435, 13; Petri, II, 623; Lehmann, II, 869, 129.


52. Wenn man dir übel will, so bricht man Hader ab vom Zaun.Pauli, Schimpff, VIIIb; Steiger, 234; Eiselein, 268.


53. Wenn's einem übel geht, geht's dem andern wohl.Schweiz, II, 213, 47.


54. Wer dir übel will, dem träumt von dir nichts Gutes.

Lat.: Qui contumeliis nocere potest, potest etiam prodesse. (Chaos, 152.)


55. Wer einmal übel that, der that auch niemals gut.

Dän.: Den som aldrig gjorde ilde, gjør aldrig vel. (Prov. dan., 324.)

Lat.: Qui nunquam male nunquam bene.


56. Wer übel denkt, thut Uebles.

It.: Chi mal pensa, mal fa.


57. Wer übel geht, fällt über ein Stroh.Simrock, 9983.


58. Wer übel redet von einem Abwesenden, mishandelt einen Todten.

Poln.: Ob mawiać nieprzytomnego równie jak bić umarłego. (Lompa, 26.)


59. Wer übel spricht, ehe er einschläft, wacht verleumdet auf.Cibot, 166.


60. Wer übel thut, der denke dran, die Zeit vergeht, der Tod kommt 'ran.

Frz.: En mal faisant penses-y bien, le tems se passe et la mort vient. (Kritzinger, 431a.)


61. Wer übel thut und es geht ihm gut, der hat viel Glück im Hut.

Dän.: Hvo altid gjør ilde, og det gaaer ham vel, maae sige af lykken. (Prov. dan., 233.)


62. Wer übel von andern redet, von dem redet man wieder dergleichen.

Lat.: Audit, quod non vult, que pergit dicere, quod vult. (Seybold, 46.)


63. Wer vbel thut, der kömpt nicht an das Liecht.Büttner, M, 5b.


64. Wo es uns übel ergangen, wollen wir nicht mehr hin.Eiselein, 646.

Lat.: In quibus locis non admodum felix perit homo, ad eos accedere haud suave est. (Eiselein, 646.)


*65. Aus übel wirs machen.Eiselein, 645.

»Mir wird von all dem Ding ganz wirs (wirsch).«


*66. Doss mer nich übel wird.Keller, 171b.

In Ernst und Scherz, wenn man sagen will, dass etwas, was gesagt wird, unangenehm berühre.


*67. Einem übel mitspielen.Lohrengel, II, 214.


*68. Ich hoasem sihr fîr ibel.Gomolcke, 531.


*69. Se nimt sick nicks öwel.Dähnert, 334b.

Sie nimmt es mit ihrer Haltung nicht sehr genau.


*70. Uebel beritten auf Schusters Rappen.


[1389]

71. Es gehe dir übel oder gut, bleib bei deinen Nachbarn.

Bei Tunnicius (1025): It gae dy ovel of wol, blyf by dynen naberen. (Sis miser aut felix, vicinos desere nunquam.)


72. Wenn dir's geht übel, nicht viel sag, sonst solchs dein feind erfreuen mag.

Lat.: Infortunium tuum caelato, ne uoluptate afficias inimicos. (Spangenberg, 14.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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