[589] 1. A verzagte Möntsch isch im Himmel nid sichar. (Bern.) – Zyro, 108.
2. Ach, Mensch, betracht', wie Gott verlacht all deinen Pracht, der in einer Nacht wird zu nichts gemacht. – Gerlach, 9.
3. Ain verkerter mensch richtet hader an vnd ain verleumbder machet Fürsten vnains. – Agricola II, 272.
4. Alle Menschen auf Erden könnten noch keinen Schleifstein schinden. (S. ⇒ Ei 80, ⇒ Glatzkopf, ⇒ Kämmen 1 und ⇒ Nichts.) – Simrock, 9083.
5. Alle Menschen müssen sterben. – Ps. 101, 12.
»All menschen sein zum todte feig« (d.h. zum Tode bestimmt). (S. ⇒ Feige, Adj., 1.) (Waldis, III, 25, 34.) In Apulien sagt man dafür: Alle gehen fort. (Ausland, 1870, S. 425, 23.)
Frz.: Tous filz de Adam mourront. (Leroux, I, 2.)
Holl.: Alle menschen zijn ein kwaad onderworpen. (Harrebomée, II, 78b.)
Lat.: Omnes una manet nox. (Horaz.) (Binder I, 1284; II, 2388.)
6. Alle Menschen müssen sterben, alle Ochsen fressen Heu. – Frischbier2, 2609. Wol Parodie auf das Kirchenlied von Albinus: »Alle Menschen müssen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu.«
7. Alle Menschen müssen sterben, nur der Schulz aus Damerau nicht. – Frischbier, 2600.
Der Schulz von Damerau (Dorf bei Elbing) soll deshalb keine Ruhe finden, weil er sein Amt gewissenlos verwaltet habe. Wenn indess alle Dorfschulzen, welche ihre Gemeinde schlecht verwalten, nicht sterben sollten, so wären die Landbewohner noch mehr zu beklagen, da der Tod in der Regel die einzige Instanz ist, durch die sie von einem schlechten Schulzen erlöst werden.
8. Alle Menschen müssen sterben, und am End' ich selber auch, predigte der Kapuziner. – Klosterspiegel, 18, 5.
9. Alle Menschen sind Brüder.
Sie leben auch untereinander wie Kain und Abel.
10. Alle Menschen sind Lügner. – Petri, II, 6.
In ähnlicher Weise sagte Lord Byron: »Alle Menschen sind Spitzbuben durch und durch, und ich ärgere mich blos, dass ich sie nicht beissen kann, da ich kein Hund bin.« Dove behauptet sogar, dass die meisten Winde Lügner sind, weil sie nicht aus den Gegenden kommen, aus welchen sie sagen. Sie gelangen häufig auf Umwegen zu uns. Die Russen: Des Menschen Rede schliesst Lügen in sich, wie sein Schlaf Träume. (Altmann VI, 472.)
Böhm.: Lidé lež, a my též. – Všickni lidé nepravdou živi, a my též po ní nepukli. (Čelakovsky, 67.)
Frz.: Tout homme est menteur. (Kritzinger, 377b; Starschedel, 207.)
11. Alle Menschen sind vernünftig, das männliche und weibliche Geschlecht ausgenommen.
12. Alle Menschen tragen ein schalck im busen. – Henisch, 570, 7; Petri, II, 6.
13. Alle Menschen verkehren in ihren Anschlägen das Vaterunser, und wollen nur, dass ihr Wille geschehe.
14. Alle Menschen werden reicher geboren als sie sterben. – Winckler, XIV, 29.
15. Alle Menschen wissen nicht, was ein gut Kraut kostet. – Lehmann, II, 26, 6; Simrock, 5929.
16. Allen Menschen gefallen, ist nicht möglich. – Lehmann, II, 26, 5.
[590] 17. Allen Menschen recht gethan, ist eine Kunst, die niemand kann. (Deisslingen.) – Birlinger, 326.
Auch Hausinschrift in Franken. (Hertz, 19.)
18. Also hab die menschen holdt, dass du jhre laster meiden solt.
Lat.: Dilige sic homines, ut eorum crimina uites. (Loci comm., 5.)
19. Alssbaldt der Mensch ein wörtlein spricht, so weiss gott schon, was jhm gebricht. – Henisch, 1715, 39.
20. Am Menschen muss man für Ein gut Stück fünf böse abrechnen.
Frz.: Tout homme est menteur. (Leroux, I, 172.)
Holl.: Alle menschen zijn leugenaars. (Harrebomée, II, 78b.)
Lat.: Omnis homo mendax. (Philippi, II, 73.)
21. An des menschen styrn kan man sein frümkeyt nicht spürn. – Werdea, Cij.
22. An (ein) eilede' (eilender) Mensch hat koa' Glück. (Innsbruck.) – Frommann, IV, 39, 63.
23. Auch der hässlichste Mensch ist ein Mensch.
24. Auf einen guten Menschen kommen drei schlimme.
Dän.: For et godt menneske maae man afregne fem onde. (Prov. dan., 413.)
25. Auf manche Menschen regnet's Unglück und auf andere schneit's Dukaten in Rosenwasser. – Winckler, V, 74.
26. Aus Menschen macht man Bischöfe und nicht aus Steinen.
Span.: De los hombres se hacen los obispos, no de las piedras. (Cervantes, Don Quixote.)
27. Aus Menschen werden keine Engel.
»Strebe Mensch zu sein auf Erden, nicht eines Engels Aff' zu werden.« (W. Müller, 84.)
28. Auswendig ein Mensch, inwendig ein Wolf.
Lat.: In figura hominis feritas belluae. ( Cicero.) (Philippi, I, 195.)
29. Bedenk', Mensch, wie fröhlich es da sein mag, da tausend Jahr wird sein ein Tag, und wie betrübt es sei alldar, da Ein Tag wird sein tausend Jahr. – Hertz, 15.
Hausinschrift in Mecklenburg.
30. Bei den Menschen ist jede Caprice vertreten; dem schmecken die Torten und dem die Pasteten. – Masson, 136.
31. Bei einem hoffärtigen Menschen darf man sich keiner Demuth, bei einem Geizigen keiner Güte versehen. – Henisch, 1448, 65.
32. Bei einem Menschen ist kein fried noch Ruhe, biss man jhm mit der Schauffel nachschlegt. – Petri, II, 42.
33. Besoapene Minsken mot me met en Foüer Högge (Heu) iut en Wëe foüren. (Driburg.) – Firmenich, I, 363, 60.
34. Besser Ein Mensch sterbe, als das ganze Volk verderbe. – Joh. 10, 50; Eiselein, 460; Schulze, 245; Simrock, 6981.
35. Besser mit guten Menschen stehlen, als mit schlechten beten.
Hier in dem Sinne, dass der Diebstahl der Guten kein Eigenthum verletzt, nach dem Sprichwort: Stiehl was, so hast du was, aber lass jedem das Seine.
Port.: Antes com bons a furtar, que com máos a orar. (Bohn I, 266.)
36. Blöd vnd kurtz ist dess menschen leben, der blumen dess feldes gleicht er eben.
Lat.: Est homo res fragilis et durans tempore paruo: est igitur similis flori, qui crescit in aruo. (Loci comm., 82.)
37. Böse Menschen haben Ehr' und Pracht, gute werden ausgelacht.
Holl.: Kwade menschen hebben nu eere en pracht, goede menschen worden als ezêls veracht. (Harrebomée, II, 81b.)
Frz.: A la presse vont les fous.
38. Böse Menschen haben keine Lieder, sagte Schinderhans zum Richter, da er seinem Nachbar das Gesangbuch gestohlen hatte.
39. Böse Menschen und Kohlen brennen oder schwärzen.
40. Böser Mensch verderbt heilsamen rhat. – Lehmann, 775, 21.
[591] 41. Das hat ein Mensch gemalt, sprach der Löwe, und gelogen. – Eiselein, 434.
Von einem Gemälde, wie der Mensch den Löwen ermordet, also von parteiischer Darstellung.
42. Das hat kein anderer Mensch gemacht als Spittelbauers Kuh, sagte der Polizeier.
43. Das heiss' ich Menschen fischen, sagte der Hofnarr von Lüttich, als er hörte, der Bischof habe (1273) in zweiundzwanzig Monaten mit seinen Nonnen vierzehn Söhnlein erzielt. – Klosterspiegel, 59, 8.
44. Das ist der Menschen sitt, für gutthat danckt man nit. – Henisch, 644, 20; Petri, II, 65.
45. Das ist ein gefühlloser Mensch, sagte der Bader, als er einen Ertrunkenen bürstete.
Holl.: Die karel heeft geen gevoel, zei dokter Stokvisch, en hij anatomiseerde een dreukeling. (Harrebomée, I, 140.)
46. Das ist ein stummer Mensch, der kein Testament macht. – Graf, 205, 173.
Aus späterer Zeit, in der das altdeutsche Erbrecht, welches keiner Testamente bedurfte, nicht mehr streng zur Ausführung kam, vielmehr auch solche zu Erben eingesetzt wurden, die nach der Blutsverwandtschaft ausgeschlossen gewesen wären.
Fries.: Dat is een stum mensche, deer neen testament maket. (Hettema, XLVI, 51, 72.)
47. Dat bott1 Minsch liht sich Scheuss un Gübb2 en de Häng däu3. (Köln.) – Firmenich, I, 473, 63.
1) Dumme, ungeschickte.
3) Drücken.
48. Dat is 'n rendlichen Minsch, söä de Frû, vêr Wochen ên Handdog un no' rên. – Schlingmann, 486.
49. Dat ruckt hier nâ Mînschen, säd' de Voss, as hei in 't Schîthus raën was. (Lüneburg.)
50. Dat sünd Minschen, sogt Fûst, îerst schîten up de Klink un denn seggen's: Fûst mâk de Döer tô. (Mecklenburg.) – Hoefer, 380.
51. De arme Mönsch hefft ömmer den Wind von väre. (Ostpreuss.)
Der Arme hat immer Gegen- oder widrigen Wind.
52. De dümmsten Minschen kriget (hebbet) de dicksten Kartuffeln. – Schambach, II, 37.
53. De dusendste (hunnertste) Menske verstet 'et Holskenmaken1 nitt. – Woeste, 70, 130.
1) Holzschuhemachen.
54. De eine Minsche is den anderen sîn Düwel. – Schambach, II, 41.
Holl.: De eene mensch is steeds den anderen zijn duivel. (Harrebomée, II, 79a.)
55. De Mäinjtsche biden âsen Hergot äm vilerlä. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 758b.
56. De Mäinjtsche se guor Madesâk. – Schuster, 1117.
57. De Mäinjtsche se guor ous enem Lîm gedrêt. – Schuster, 1116.
58. De Mäinjtsche se guor vun enem Däpner gemacht. – Schuster, 1117.
59. De Mäinjtsche se guor vun enem Dressler gedresselt. – Schuster, 1117.
60. De Mensch ist schabab. – Sutermeister, 137.
61. De Menschke mott lehren (lernen) sau lange hei lêwet. (Waldeck.) – Curtze, 363, 199.
62. De Minsch möt spôrsam sin, segt oll Tîdsch un kakt Sêp ût Mûs'kötel. (Mecklenburg.) – Hoefer, 1072; Schlingmann, 1357.
63. De Minsch ward so ôlt wie 'ne Kau ôn lehrt (lernt) ümmer mehr datau. – Frischbier, 455.
64. De Minsche meint jümmer, hei keime nich bet an sîn Enne. – Schambach, II, 67.
Der Mensch meint immer, er käme nicht bis an sein Ende; es werde ihm sein Vermögen nicht bis an den Tod ausreichen, was ihn oft zuletzt noch karg werden lässt.
65. De Minsche mot lären, sau lange as he in der Weld is. (S. ⇒ Alt 56.) – Schambach, II, 65.
66. De Minschen, de jümmerst for sik dâl kîkt, häft kên gôd Gewäten. – Marahrens, 97.
67. De Minsken kent man an den Gang un de Vögels an'n Gesang. (Ostfries.) – Bueren, 150; Eichwald, 1314; Frommann, III, 429, 256.
[592] 68. De ôle (alte) Mensch ös wie e Schatte, wenn hei äwer den Tûn stögt, dann öss hei oppe andere Sît. – Frischbier, 9.
69. Dei Minsche, dei jümmer lîke klauk is, mot erst noch geboren wären. – Schambach, II, 83.
Kein Mensch handelt durchgehends und in allen Fällen klug; selbst der Klügste irrt sich zuweilen und thut arge Misgriffe.
70. Dei Minsken stirwet, wêl hei dat Âmhalen vergiet't. (Bielefeld.)
Der Mensch stirbt, weil er das Athemholen vergisst.
71. Dem Menschen dient alles zur Speis, bis er den Würmern selber wird zur Speis.
Lat.: Officit hoc menti dans pinguia fercula ventri, pinguis ubi tellus, piger hic solet esse popellus. (Chaos, 101.)
72. Dem Menschen gibt man mit Geben, Gott mit Nehmen und Danken. – Sutor, 317; Simrock, 3999.
73. Dem Menschen ist das Leiden, was dem Weinstock das Schneiden.
74. Dem Menschen ist gesetzt einmal zu sterben. – Hebr. 9, 27; Schulze, 282.
»König Etzel zur h. Ursula: junffrouwe, ich sage dir nû als ê, de eins stirft, hie enstirft neit mê.« (Groote, Köln. Reimchronik, 214.)
75. Dem Menschen ist kein Ding zu schwer, er bohrt die Erde und misst das Meer.
Böhm.: Všecko se lidmi přemůže. (Čelakovsky, 279.)
76. Dem Menschen ist ohne Mühe vnnd Arbeit nichts gegeben. – Lehmann, II, 428, 124.
77. Dem Menschen nützen ist göttlich, schaden teuflisch. – Eiselein, 497.
Wahlspruch Kaiser Heinrich's VI.
78. Dem Menschen thut weh, was beisst oder sticht, aber dem guten Gewissen nicht. – Körte, 2148; Reinsberg II, 47.
79. Dem Menschen widerfährt, was ihm recht ist.
Oft auch, was ihm nicht recht ist.
80. Dem Menschen wird vergolten, nachdem seine Hände verdient haben. – Petri, II, 75.
81. Dem Menschen wird von seiner Hab im tod nichts, denn ein tuch ins grab. – Petri, II, 75; Henisch, 1723, 19.
82. Den Menschen erkennt man am Gange, den Vogel am Gesange.
Die Engländer sagen: Man erkennt eines Menschen Weisheit, wenn er ein Haupt, seine Geduld, wenn er in Noth ist, seine Demuth, wenn er gross wird, und sein Vermögen, wenn er todt ist. (Reinsberg II, 55.)
Lat.: Ex oculis, poculis, loculis cognoscitur homo. (Binder II, 1020; Schreger, 27.)
83. Den Menschen hält man beim Rocke, Gott bei seinem Worte. – Sailer, 382.
84. Den Menschen kennt man an seiner Rede, die Pflanze an ihrem Geruch.
Böhm.: Človĕka po reči, bylinu po vůni (poznáš). (Čelakovsky, 69.)
85. Den Menschen nimmt man beim Wort, Thiere bei den Hörnern.
86. Den Minschen sîn Wille is sîn Himmelrîk. – Schambach, II, 87.
87. Denn' Minschen sî Will is sîn Himmel un sîn Höll'. (Mecklenburg.) – Frommann, II, 37.
88. Der alte Mensch schmeckt nach dem jungen.
89. Der eusserlich mensche hat kein warumb. – Agricola I, 721.
90. Der fürsichtig mensch betracht die werck vnd wort des weysen vnd sicht an den kolben des thoren vnd nit die kleyder. – Wachter.
91. Der ist ein danckbarer mensch, der die wolthaten zu vergelten begirig, ob er schon nichts dazu übrig hat als den willen. – Lehmann, 118, 13.
»Gleich wie der ein Meister seiner Kunst ist, ob er schon die instrument seiner Kunst nicht hatt, es ist einer doch ein Lautenist, ob er schon keinen Laut hatt; einer ist beredt, ob er schon schweigt.«
92. Der ist ein vnruhiger vnnd vnglückhaffter Mensch, der nicht weiss, wenn er genug hat. – Lehmann, 788, 18.
93. Der ist kein Mensch, der kein Geld hat. – Chaos, 192.
[593] 94. Der ist kein Mensch, der nicht eine Ader vom Narren hat. – Lehmann, 530, 28; Richard, 395.
95. Der meist Theil am Menschen ist weiberfleisch; drumb ists nit wunder, dass die Mann die weiber gern sehen vnd lieben. – Lehmann, 872, 47; Eiselein, 636; Simrock, 11408.
96. Der Mensch auf dieser Welt gleicht einem Blatt vom Baum, das eben niederfällt, wie's aufgegangen kaum.
Lat.: Fictilis homo. (Erasm., 947; Philippi, I, 155.) – O homo si scires, quidnam esses, unde uenires, nunquam gauderes, sed in omni tempore fleres. – Puluis et umbra sumus, pulvis nihil est nisi fumus, sed nihil est fumus, nos nihil ergo sumus. (Loci comm., 84.)
Poln.: Człowiek jest właśnie jak listek drzewny, ktoż gdy upadnie stąd ma być rzewny. (Wurzbach I, 264.)
97. Der mensch auss staub vnd erd ist g'macht, gleichwie der rauch zergeht sein pracht.
Lat.: Quid caro? uilis humus; quid carnis gloria? fumus. (Loci comm., 84.)
98. Der Mensch baut oft sein Nest, wo kein Bär sich niederlässt.
Holl.: De mensch heeft dikwijls zijn nest, waar de beer het niet zou verkiezen. ( Harrebomée, II, 79a.)
99. Der Mensch baut Schlösser und die Zeit Ruinen.
100. Der Mensch betrüb sich oder lach, er ist stets eitel, schlecht und schwach. – Gerlach, 193.
101. Der Mensch chunnt drîmol zum Kind: wen er gebore wird, wenn er afaht karisire und als steinalte Ma. – Sutermeister, 113.
102. Der Mensch darf hoffen, dieweil der Odem geht. – Tendlau, 801.
103. Der Mensch, das Glück und Glas, wie bald zerbricht doch das. – Erklärung, 31.
104. Der Mensch denkt, Gott lenkt. – Hollenberg, I, 15; Bücking, 359; Müller, 19, 1; Mayer, I, 203; Ramann, I. Pred., III, 7; Reche, I, 7; Steiger, 95; Eiselein, 459; Simrock, 6969; Körte, 4230; Körte2, 5304; Philippi, I, 181; Braun, I, 2682; Neue Monatsschrift (Jauer 1801), S. 29; für Waldeck: Curtze, 353, 476; plattdeutsch bei Marahrens, 95.
»Lass nur den Menschen denken, Gott wird es dennoch lenken. Nein, mag auch Gott es lenken, der Mensch soll dennoch denken.« (W. Müller, 72.) Die Osmanen drücken denselben Gedanken durch das Sprichwort aus: Nicht des Menschen, sondern Gottes Spruch erfüllt sich. (Schlechta, 378.) Die Neger auf Surinam: Der Mensch macht eine Barke, Gott ein Schiff. Die Litauer: Der Mensch schiesst, Gott leitet die Kugeln. (Reinsberg II, 3.) Die Russen: Der Mensch schiesst den Pfeil, das Schicksal lenkt ihn. Der Mensch hat den Bogen, Gott die Pfeile. Der Mensch vollbringt, was Gott ausführt. (Altmann VI, 487 u. 499.)
Mnd.: Mennich mensche denchet, sus sal it gain, ind Gott deit it in anders gain. (Groote, Köln. Reimchronik, 792.)
Böhm.: Človĕk míní, pán bůh mĕní. – Človĕk myslí, pán bůh obmyslí. – Človĕk tak, bůh jinak. – Človĕk ukládá, bůh rozkládá. – Naše jest myšlení, ale vždy boží způzobení. (Čelakovsky, 13.)
Dän.: Mennesket agter, men Gud skifter. ( Prov. dan., 20.) – Mennesket spaaer, Gud raa'er. (Bohn I, 390.)
Engl.: Man proposes, God disposes. (Bohn II, 114; Masson, 4; Gaal, 804.)
Frz.: L'homme propose et Dieu dispose. (Bohn I, 37; Leroux, I, 166; Cahier, 526; Starschedel, 428; Kritzinger, 240b; Lendroy, 612.)
Holl.: De mensch wikt, maar God beschikt. (Bohn I, 306.)
Ill.: Čovek obraća, a bog oberne. – Čovek odredi, a og naredi. (Čelakovsky, 13.)
It.: L'uomo propone e Dio dispone.
Lat.: Homo proponit, Deus disponit. (Lehmann, 32, 11; Binder I, 670; II, 1327; Schonheim, II, 10.) – Humana consilia divinitus gubernantur. (Bohn II, 114.) – Non omnia eveniunt, quae animo statueris. (Sutor, 120; Philippi, II, 41.) – Sperat quidem animus, quo eveniat, diis in manu est. (Plautus.) (Philippi, II, 197.)
Poln.: Człowiek rozrządza, bóg stanowi. – Człowiek strzela, Pan Bog kule nosi. (Masson, 4.) – Człowiek tak bóg jinak. (Čelakovsky, 13.)
Port.: Homem põe, e Deos dispõe. (Bohn I, 279.)
Schwed.: Menniskan spår och Gud rår. (Marin, 21.) – Wij tale Gud råder. (Grubb, 837.)
Span.: El hombre propone (la gente pone), y Dios dispone. (Bohn I, 217 u. 226; Don Quixote.) – Lo que empeza el hombre para sí mismo, Dios le acaba para los otros. (Masson, 4.) – Los dichos en nos, los hechos en Dios. (Bohn I, 306.)
[594] 105. Der Mensch denkt oft anders als er spricht.
Lat.: Homo semper in sese aliud fert, in alterum aliud cogitat. (Publ. Syr.) (Philippi, I, 181.)
106. Der Mensch denkt's, Gott lenkt's und der Teufel besudelt's. – Eiselein, 459.
107. Der Mensch denkt's, Gott wendt's.
108. Der Mensch dichtet, Gott schlichtet. – Masson, 3.
109. Der mensch dort nie zu gnaden kam, der armen menschen hie was gram.
Lat.: Spernit coelorum regem, spretor miserorum. (Loci comm., 91.)
110. Der Mensch dreht sich in seinen Gewohnheiten wie der Esel in der Oelmühle. – Frischbier2, 2612.
111. Der Mensch ehrt den Platz (Ort), nicht der Platz den Menschen.
Wo der Tüchtigste sitzt, da ist der erste Platz.
Lat.: Homo locum ornat, non hominem locus. (Egeria, 96.)
112. Der Mensch erbleicht, wie Schaum entweicht.
Lit.: Kai Puttá nyksta, taip žmogus issblyksta. (Wurzbach, I, 313.)
113. Der Mensch fährt, Gott rudert.
Lat.: Ancorae jactum praevertit Deus. (Chaos, 1086.)
114. Der Mensch fängt erst beim Baron an.
Von der »Exclusivität des Ranges«, für welche, um mit einem österreichischen Sprichwort zu reden, der Mensch beim Baron anfängt. (Schles. Zeitung, 1868, Nr. 147.)
115. Der mensch fehrt hin auss dieser welt, gleich wie die blumen ob dem feldt.
Lat.: Est hominum status per florem significatus: vt flos cito perit, sic homo puluis erit. (Loci comm., 83.)
116. Der Mensch gar leichtlich geht zu Grund', muss sterben und weiss nicht die Stund'. – Hertz, 9.
Hausinschrift in der Schweiz.
117. Der Mensch geh aus und gehe ein, so steht der Tod und wartet sein.
Lat.: Tempora longa tibi vitae promittere noli; quocunque ingrederis sequitur mors corpus et umbra. (Cato.) (Binder I, 1728; II, 3301; Philippi, II, 214; Seybold, 598.)
118. Der Mensch gewöhnt sich an alles.
Holl.: De mensch gewent zich aan alles. (Harrebomée, II, 79a.)
119. Der Mensch gleicht einem Pfennig, bald gilt er viel, bald wenig, bald gar nichts.
Lat.: Saepe homo agit mane comoedum, vespere tragoedum. (Chaos, 338.)
120. Der Mensch hat den Reichthum wie der Vogel den Schlick, der Fisch die Angel und der Kranke den Rite. – Eiselein, 526.
121. Der Mensch hat die Sprache, um seine Gedanken zu verbergen.
Dies Wort ist französischen Ursprungs und lautet dort: La parole a été donnée à l'homme pour déguiser sa pensée. Aus dem Feuilleton des Siècle vom 24. August 1846 kann man ersehen, dass es Harel, der Redacteur des Nain jaune auf Rechnung Talleyrand's gebracht hat, den man infolge dessen so lange allgemein als den Autor desselben gehalten hat. Es ist aber seitdem nachgewiesen worden, dass es weder von Talleyrand noch Harel, sondern von Voltaire herrührt, der in seinem 14. Dialog Le Chapon et la Poularde den Kapaun sagen lässt: »Les hommes ne se servent de la pensée que pour autoriser leur injustices et n'emploient les paroles que pour déguiser leurs pensées.« (Vgl. Büchmann, 176.)
122. Der Mensch hat eine kurze Zunge und darf nicht sprechen, der Ochs hat eine lange und kann nicht. (Posen.)
123. Der Mensch hat im Innern seine Zier, im Aeussern das Thier. – Schlechta, 213.
124. Der Mensch hat kein Warum. – Petri, I, 14.
Er soll nicht fragen, warum Gott dies oder jenes thue.
125. Der Mensch hat keinen grössern Feind als sich selbst.
Frz.: L'homme est son plus grand ennemi. (Cahier, 620.)
126. Der Mensch hat nicht mehr als zwei Hände.
Die Russen: Der Mensch hat wol zwei Hände, aber nicht drei. (Altmann VI, 455.)
127. Der Mensch hat so viel Weh, wie viel Fische der Bodensee.
Er soll ja, wie behauptet wird, überhaupt nur drei gute Tage haben: Geburts-, Hochzeits- und Begräbnisstag, von denen aber der erste und letzte ausserhalb seines Bewusstseins liegen und der zweite nicht selten sein Unglückstag ist.
Frz.: L'homme en son heur n'a que trois jours d'honneur.
Lat.: Hominis triplex tantum publici honoris dies. (Bovill, II, 167.)
[595] 128. Der Mensch hat viel gelernt, wenn er gelernt hat, wohl zu sterben.
129. Der Mensch hat zwei Gesichter.
Frz.: Homme à deux visages.
Lat.: Homo ianus. (Bovill, III, 59.)
130. Der Mensch hat zwey Ohren vnd ein mund, dass er viel hören vnd wenig reden soll. – Lehmann, 712, 23.
»Aber er soll doch sich nicht wie ein Stummer geberden.«
Lat.: Tam malum est tacere multum, quam malum est multum loqui. (Lehmann, 712, 23.)
131. Der Mensch het en Mage, un nit umesunscht.
»Der fränkische Bauer in der bairischen Rheinpfalz, hat eine Redensart, die, wenn ich nicht irre, den Versen eines der zahlreichen Local- und Dialektdichter entnommen ist, und lautet: Der Mensch het u.s.w. Dies beherzigend, pflegt der Franke den Magencultus. Während die niedersächsische Küche die kräftigste, ist die fränkische die feinste.« (K. Braun, Die deutsche Küche, in Westermann's Monatsheften, Nr. 170, S. 151.)
132. Der Mensch hofft, so lang er lebt. – Reinsberg II, 140.
133. Der Mensch hofft zu leben, auch wenn der Tod ihm auf der Zunge sitzt. – Bertram, 52.
134. Der Mensch in grossen Sorgen steht, voraus, wenn er schlafen geht; Herr Gott, ich bitt', wach' du für mich, so mag ich schlafen sicherlich. – Hertz, 39.
Ueber einer Schlafkammer.
135. Der Mensch is kêne Schite Struh. (Oberlausitz.)
136. Der Mensch isst die Eier, sagt die Henne, und ich habe den Schmerz des Legens. (Surinam.)
Klage dessen, der sich für andere plagen muss.
137. Der Mensch ist das undankbarste Thier.
»Die Herren Menschen sind manchmal wirklich die allernichtswürdigsten Bestien.« (Welt und Zeit, V, 217, 130.) Nach Fr. Schlegel ist der Mensch eine ernste Bestie, weil er den fatalen Ernst des reflectirten Thuns besitzt, während die übrigen Bestien die Heiterkeit der Naivetät charakterisirt. (Morgenblatt, Stuttgart, Jahrg. 50, S. 245.) Die Kalmücken sagen: Ernährst du einen Menschen, so siehst du Blut am Kopfe; ernährst du ein Thier, so siehst du Butter auf den Lippen. (Endemann, Reisen in Russland.)
138. Der Mensch ist der Sklave der Wohlthat. – Burckhardt, 698.
Jede empfangene Wohlthat macht uns mehr oder weniger von dem Wohlthäter abhängig; und das Gefühl dieser Abhängigkeit ist immer ein drückendes.
139. Der Mensch ist eher geboren als der Amtmann. – Eiselein, 289; Simrock, 289; Graf, 516, 223; Braun, II, 34.
140. Der Mensch ist ein Bettler: die Kappen hat er vom Marder, den Beltz vom Fuchsen, den Rock vom Lämmel, das Hemd vom Flachs der Erden, die Strümpff vom Seidenwurm, die Schuh vom Ochsen; soll er alles heimbgeben, so würd er da stehen, wie eine gerupffte Gans. – Chaos, 356.
141. Der Mensch ist ein Blatt vom Baum, das schon niederfällt, wenn's aufgegangen kaum.
An einem Hause Oberhessens steht der Spruch: Der Mensch gleich einer Blume ist, die in der schönen Frühlingsfrist des Morgens an der Blüte steht, des Abends hinfällt und vergeht. (Hertz, 36.) Ein hebräisches Sprichwort lautet: Die Menschen gleichen den Kräutern des Feldes, einige blühen, andere welken. In Illyrien heisst es: Der Mensch ist in der Welt wie die Biene in der Blume. Die Kleinrussen sagen: Der Mensch ist in der Welt wie die Blase auf dem Wasser. (Reinsberg II, 15.) Die Russen: Der Mensch ist eine lebende Leiche. (Altmann VI, 401.)
142. Der Mensch ist ein Buch, welches zu Leipzig geschrieben, zu Schweinfurt gedruckt, zu Ach (Aachen) eingebunden, zu Costnitz feil, zu Lusswitz zu erfragen. – Chaos, 354.
143. Der Mensch ist ein Feld, auf dem alles wachsen kann.
144. Der Mensch ist ein Fischer, der in trübem Wasser fischen muss; wenn er vermeint, er hab weiss was, so hat er einen Krebs oder gar nichts. – Chaos, 349.
[596] 145. Der Mensch ist ein Gebräu aus einem Quentel Witz und einem Centner Narretei.
»Thorheit ein Centner oder mehr, und Leidenschaften meist nicht minder, Weisheit ein Quentchen ungefähr – das ist der Mensch, ihr lieben Kinder.« (Schücking, Welt und Zeit, 30, 120.)
146. Der Mensch ist ein Gewohnheitsthier.
»Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht und die Gewohnheit nennt er seine Amme.« (Schiller, Wallenstein's Tod, Act 1, Scene 4.) Schopenhauer (Welt als Wille, I, 220) nennt den »gewöhnlichen Menschen Fabrikwaare der Natur«. An einem andern Orte sagt er: »Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Thier das wir blos im Zustande der Bändigung und Zähmung, welche Civilisation heisst, kennen.« (Parerga, II, 178.) Nach Kant ist der Mensch ein Thier, das einen Herrn braucht. (Herder's Nachlass, II, 269.) Nach Schopenhauer ist er »ein entlassener Sträfling Gottes«. Nach Plinius d.A. ist der Mensch ein Thier, welches weint, und bestimmt, die übrigen zu beherrschen. (Magazin für die Literatur des Auslandes, 1855, Nr. 26.) Und ein Franzose gab die Erklärung: Der Mensch ist ein Thier, das kocht. So wird nach verschiedenen Standpunkten verschieden aufgefasst und erklärt. Für den Philosophen ist er das Potenzlose als Individuum. Der Chemiker erblickt im Menschen eine Verbindung von 1/4 solider Masse, hauptsächlich Kohlenstoff und Nitrogen, mit 3/4 Wasser. Er bringt einen Menschen von 140 Pfund unter die hydraulische Presse und findet, dass er nichts ist als etwa 35 Pfund Kohlen- und Stickstoff mit 5 Eimer Wasser verdünnt.
Frz.: L'homme est vng arbre renuerse.
Lat.: Homo arbor praepostera. (Bovill, II, 183.)
147. Der Mensch ist ein Lümmel, wenn er nicht ist wie der Himmel. – Parömiakon, 1134.
»Gleich wie der Himmel in steter Bewegung ist, so soll der Mensch sein.« (Judas der Erzschelm, II.)
148. Der Mensch ist ein Madensack.
Die Russen: Der Menschen Balg trägt mehr Ehre, als ihr Fleisch werth ist. (Altmann VI, 426.)
Lat.: Cum fex, cum limus, cum res uilissima simus vnde superbimus? ad terram terra redimus. – Cur caro laetatur, quae uermis esca paratur. (Loci comm., 82.)
149. Der Mensch ist (gleicht) ein(em) Pfennig; bald gilt er viel, bald wenig, bald gar nichts.
Lat.: Saepe homo agit mane comoedum, vespere tragoedum.
150. Der Mensch ist ein Schlägl, Fabl und ein Grass, ein Blum, Heu und Wasserblass, ein Aschen, wie ein Glass zerbricht, ein Punkt, Schall, Wind und schwaches Licht.
151. Der Mensch ist ein Spinnwebennest, wenn eine Fliege drein fallt, so bleibt sie hangen. – Chaos, 348.
»Künstlich, aber ein schlechtes Fundament, welches bald zu grunde geht. Die Spinne frisst den Faden wiederumb, also verzehrt sich der Mensch selber.«
152. Der Mensch ist ein Spital oder Badstuben, wo man nichts als Klagen, Seuffzen, Jammern höret. – Chaos, 335.
153. Der Mensch ist ein Trödelmarkt.
»Da findt man allerlei Waaren; Leder, Leder, aber nur Elend-Leder; Flecke, aber nur Schandflecke; Samen, aber nur Forcht-Samen; Kreiden, aber nur Hauss-Kreiden; Häut, aber nur Bären-Haut; Hafner-Arbeit, aber nur Krüg; Drexler-Arbeit, aber lauter Knöpff; Glaser-Arbeit, aber lauter Angster; Kartenmacher-Arbeit, aber lauter Säu.« (Chaos, 256; Abraham a Sancta Clara.)
154. Der Mensch ist ein Tummelplatz: die Empfängnus ist Sämerey, die Geburt Keyerey, das Leben Phantasey, die Kunst Tändlerey, dein Reichthumb Posserey, dein Wandel Fresserey, dein Freud Vopperey und du bist ein Narrethey. – Chaos, 354.
155. Der Mensch ist ein Wasserblass. – Gruter, III, 18; Eyering, I, 333 u. 507; Egenolff, 322b; Petri, II, 101; Lehmann, II, 81, 102; Fabricius, 100; Eiselein, 629.
Auch mit dem Zusatz: Sobald er geboren wird, fängt er an zu sterben. Hinfällig, vergänglich; sein Stolz auf äussern Glanz und Schönheit wird in einem Augenblick mit aller seiner leiblichen Herrlichkeit zunichte. Das Wort wird dem deutschen Geschichtschreiber Joh. Aventinus zugeschrieben. (Einfälle, 35.) – Abraham a Sancta Clara (Juda der Erzschelm, II) schildert die Vergänglichkeit des Menschen in folgender Priamel: »Der Mensch ist ein Schatten, der bald vergeht. Der Mensch ist ein Gras, das nicht lange steht. Der Mensch ist ein Rauch, der nicht lange währt, er ist ein Feuer, das sich selber verzehrt. Der Mensch ist ein Wasser, das bald abrinnt, er ist eine Kerzen, die bald abnimmt. Der Mensch ist ein Glas, das bald zerbricht, er ist ein [597] Traum, er zeiget nicht. Der Mensch ist ein Wachs, das bald erweicht, er ist eine Rose, die bald verbleicht. Der Mensch ist ein Fleisch, das bald stinkt; er ist ein Schiffel, das bald sinkt.« (Parömiakon, 1037.) Und an einer andern Stelle schildert er den Menschen durch folgende Vergleichungen: »Der Mensch ist ein Garten voller Disteln, eine Rose voller Dörner, ein Himmel voller Finsterniss, ein Kuchl voller Rauch, ein Hauss voller Winckel, ein Buch voller Fehler, ein Kalender voller trübes Wetter, ein Baum voller faulen Früchte, ein Wein voller Gleger, ein Meer voller Schiffbruch, ein Fleisch voller Würm, ein Licht voller Butzen, ein Geschirr voller Schmutz, ein Leibeigner voller Schulden.« (Chaos, 343.) Bogumil Goltz sieht den Menschen etwas anders an. »Die Physiologen haben zutreffend gesagt: Der Mensch sei das Geschöpf par excellence, denn in seinem Organismus sind nicht nur die Facultäten und Kriterien aller Thierklassen, sondern alle Reiche der Natur zum harmonischen Ganzen versöhnt.« (Zur Geschichte und Charakteristik des deutschen Genius, I, 1.) Die Franzosen nennen ihn ein Thier das ausspuckt: L'homme est un animal, qui crache. (Demokritos, I, 52.)
Böhm.: Človĕk jest co pára nad hrncem, co na dešt'ové vodĕ bublinky. (Čelakovsky, 310.)
Holl.: Een mensch is minder dan niets. – Een mensch is niet anders dan een glas. (Harrebomée, II, 74a.)
Lat.: Bulla homo. (Hauer, Liij4; Philippi, I, 180; Seybold, 230; Binder I, 668; II, 1319; Egeria, 322b.) – Omnia sunt mundi quasi bulla caduca rotundi, in pratis ut flos, sic cadit omnis honos. (Eiselein, 629.)
156. Der Mensch ist eine kleine Welt.
Dän.: Mennesket er den lille verden; et kort begreb af alt. (Prov. dan., 414.)
Holl.: De mensch is eene kleine wereld. (Harrebomée, II, 79a.)
157. Der Mensch ist eine Trommel, Kopf und Herz sind die Schlägel; wenn's klingen soll, müssen beide sich rühren. – W. Menzel, Streckverse, 77.
158. Der Mensch ist Erd vnd Koth; so seind sein gedancken nur jrdisch vnd kotig, vnd halten sich nur zum boden. – Lehmann, 237, 3.
Allerdings hängt der Mensch vom Boden ab, aber der bestimmte Mensch, der Mensch dieses Stammes, dieses Volks nicht von der Erde im allgemeinen, sondern gerade von diesem Boden, nicht vom Wasser im allgemeinen, sondern von diesem Wasser. Der Aegypter ist nicht Aegypter ausserhalb Aegyptens, der Indier nicht Indier ausserhalb Indiens. Blumenbach hat untersucht, welchen Einfluss auf den Menschen die Verschiedenheit der Rasse geübt; Ritter, wie Klima und Bodenbeschaffenheit ihn verändert; George Sand, was die Ehe aus dem Manne und Balzac, was ein Alter von 30-40 Jahren aus dem Weibe machen kann; Machiavelli hat ihn als Fürsten, Simon Strüf als Landmann dargestellt, Gall hat seinen Schädel, Lavater sein Gesicht, Charles Bell seine Hand untersucht.
159. Der Mensch ist Erde und wird Erde.
Doch muss zur Erde noch etwas hinzukommen. Zutreffender sagt Moleschott (Kreislauf des Lebens, Mainz 1852, S. 419): »Der Mensch ist die Summe von Aeltern und Amme, von Ort und Zeit, von Luft und Wetter, von Schall und Licht, von Kost und Kleidung. Sein Wille ist die nothwendige Folge aller jener Ursachen, gebunden an ein Naturgesetz, das wir aus seiner Erscheinung erkennen, wie den Planet an seiner Bahn, wie die Pflanze an dem Boden.«
Lat.: Terra es, terram geris, terram teris, in terram reverteris. (Philippi, II, 217; Froberg, 592; Schonheim, T, 10; Seybold, 602.)
160. Der Mensch ist geartet wie sein Gesess, man hat stets dran zu putzen. – Lehmann, 742, 46.
161. Der Mensch ist Gottes und nicht des Kaisers. – Graf, 43, 155.
Der »Racker von Staat« darf ihn nicht vollständig aufzehren.
Mhd.: Der mensche is gotes und nit des keisers. (Endemann, II, 55.)
162. Der Mensch ist in der Welt allüberall vom Tod umstellt.
Böhm.: Človĕk na svĕtĕ okolo smrti se plete. (Čelakovsky, 310.)
163. Der Mensch ist kein engel. – Henisch, 896, 3.
164. Der Mensch ist kein Engel, der Mensch ist kein Ackervagerl. – Blass, 7.
165. Der Mensch ist kein Mann, so lange ihn das Weib nicht getauft hat.
Slow.: Zhlovek ni zhlovek, dokijer ga shena.
166. Der Mensch ist seines Glückes Schmied. – Körte, 4218; Körte2, 5291; Braun, I, 2657; Reinsberg II, 99.
Der Mensch bildet sich sein Schicksal und das Schicksal bildet sich seinen Menschen.
167. Der Mensch ist zur Arbeit geboren. – Petri, II, 101.
[598] 168. Der Mensch ist zur arbeit geboren wie der Vogel zum fliegen. – Lehmann, 38, 21; Gaal, 87; Simrock, 6982.
Auch die Esten und Sarden sagen: Der Mensch ist zur Arbeit, der Vogel zum Fliegen geschaffen. (Reinsberg III, 136.)
Ung.: Ember a' dologra, madár a' szollásra termett. (Gaal, 87.)
169. Der mensch ist zur freundtschafft geboren. – Franck, I, 123b; Lehmann, II, 65, 152.
Kant: »Der Mensch ist nicht für sich, sondern für die Gattung.« (Herder's Nachlass, II, 269.)
170. Der Mensch ist zur Speculation geboren. – Frost, 185.
171. Der Mensch kann alles, was er will. – Simrock, 6971; Körte, 4219; Braun, I, 2676; Pestalozzi's Werke, XV, 388.
Im Gebiet der Wahrheit und der Moral kann er freilich, was er will, wenn – er die Kunst zu leiden versteht. Aber Börne (Pariser Briefe, IV) klagt: »Wenn die Menschen nur einen einzigen Tag wollten oder nur Einen Tag nicht wollten! Aber wollen, das ist's! Nichtwollen das ist's noch mehr.«
172. Der Mensch kann arzneien, Gott gibt das Gedeihen. – Eiselein, 460; Simrock, 3950; Körte, 4238; Braun, I, 2690.
173. Der Mensch kann ordnen und rathen, das Glück aber ist Meister der Thaten.
It.: L'uomo ordisce e la fortuna tesse. (Gaal, 767.)
174. Der Mensch kann seinem Schicksal nicht entgehen.
Dän.: Mennesket feyler, men skjebnen feyler ikke. (Prov. dan., 503.)
175. Der Mensch kompt her auss Schleim vnnd Stanck, was will er denn stoltziren lang. – Lehmann, 137, 26.
176. Der Mensch kompt nackend in die Welt, kompt nackend in das Feder Zelt und nackend in das Toden Feld, was ist's, dass er sich prächtig hält. – Gerlach, 187.
177. Der Mensch lauscht der Musik, findet Gefallen daran, gibt Geld (für die Sängerin) aus, kommt zur Besinnung, grämt sich und stirbt.
178. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch vom Fleisch (und Bier).
Eine humoristische Erläuterung des bekannten biblischen Ausspruchs.
179. Der Mensch lebt nicht vom Ueberfluss. – Körte, 4233.
180. Der Mensch lebt nicht von Brot allein. – Matth. 4, 4; Schulze, 182; Eiselein, 460; Simrock, 6791; Büchmann, 157.
Aber auch nicht von der Noth allein. »Der Mensch lebt nicht von Ideen, sondern von Rindfleisch; die alte Gesellschaft beweist dies, denn es ist ihr wichtigster Bestandtheil.« (Deutsche Schnellpost, Neuyork vom 18. März 1851, Nr. 54.)
Engl.: Man shall not live by bread alone.
Frz.: L'homme ne vivra pas seulement de pain.
It.: L'uomo non vive di pan solo. (Wahl, 89, 3.)
Lat.: Non in solo pane vivit homo. (Wahl, 89, 3.)
181. Der Mensch lebt nicht von Brot, sondern von Geld.
Holl.: De mensch is een geldvretend dier. (Harrebomée, II, 79a.)
182. Der Mensch lebt nur die Hälfte seines Lebens. – Petri, II, 101.
183. Der Mensch lebt nur einmal.
Die Finnen sagen: Der Mensch hat nur Ein Leben, aber viel Zeiten. (Bertram, 56.)
184. Der Mensch lebt vom Menschen. (S. ⇒ Baum 38 und ⇒ Leben, Verb., 157.)
Und mit dem Menschen. Die Perser sagen: Der Mensch kommt zum Menschen um Hülfe. Die Serben: Der Baum stützt sich auf den Baum und der Mensch auf den Menschen. Die Polen: Der Fisch lebt mit dem Fisch, der Vogel mit dem Vogel und der Mensch mit dem Menschen. (Reinsberg II, 19.)
185. Der Mensch legt den Grund, und Gott baut das Haus.
Die Russen: Wo der Mensch die Mole aus Sand baut, da lässt Gott die Granitblöcke (zu ihrer Befestigung) herbeischwimmen. (Altmann V, 83.)
186. Der Mensch legt oft selbst die Eier, die man ihm an den Kopf wirft.
187. Der Mensch lernt nichts geschwinder als lügen und betrügen. – Welt und Zeit, III, 56, 35.
[599] 188. Der Mensch lernt nie aus. – Müller, 41, 5; Oettl, 74.
Auch die ganze Menschheit nicht. Börne (Pariser Briefe, V) sagt: »Ich fange an einzusehen, dass die Menschheit kein Genie hat für die Wissenschaft. Seit einigen tausend Jahren geht sie in die Schule, und sie hat noch nichts gelernt. Gott hätte sie nicht sollen zum Studiren bestimmen, sondern ein ehrlich Handwerk lernen lassen.«
189. Der Mensch liebt nur einmal. – Simrock, 6476; Klix, 46; Reinsberg I, 66.
(Vgl. über dies Sprichwort K. Heidenreich's Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens, 1798, Bd. 1, Nr. 3.)
190. Der Mensch macht Kalender, Gott das Wetter.
Die englischen Neger in Surinam: Der Mensch macht eine Barke, aber Gott ein Schiff. Das Wort barki bezeichnet im Negerenglisch nicht nur eine Barke, sondern auch so viel als: trifft eine Abrede. Nach diesem Doppelsinn ist die Bedeutung: Der Mensch macht Entwürfe, Pläne, denkt, und Gott lenkt.
Lat.: Ancorae jactum praevertit Deus. – Humana consilia divinitus gubernantur. (Gaal, 804.)
191. Der Mensch macht Vorschläge, Gott Austräge.
192. Der Mensch mag sein wie er will, einmal will er doch. (Breslau.)
Um die Stärke des Geschlechtstriebes zu charakterisiren.
193. Der Mensch mag so liederlich sein, wie er will, wenn er nur seine Sachen beisammen hat (zusammenhält). – Klix, 40.
194. Der Mensch muss a weng an Dent boss. (Oberösterreich.)
Er muss ein wenig Zeitvertreib, Vergnügen u.s.w. haben. Der mundartliche Ausdruck (Dent von Tenne, bossen = schlagen) bezeichnet das Mahl, welches der Bauer einst seinen Hausgenossen, dem Müller und oft auch Verwandten gab, sobald die Ernte ausgedroschen war. (Baumgarten.)
195. Der Mensch muss eine Freud haben, aber nit am Stöckgraben. (Franken.)
196. Der Mensch muss eine Freud hab'n, und soll er nur eine Laus an einem Strick daherweisen. (Oberösterreich.)
197. Der Mensch muss sich regen, dann gibt Gott seinen Segen.
Dän.: At arbeyde hører til menneskene; at arbeydet lykkes, hører Gud til. (Prov. dan., 32.)
198. Der Mensch muss tanzen, wie Gott ihm pfeift. – Parömiakon, 1733 u. 3230, aus Reime dich oder ich lies dich.
199. Der Mensch noch nicht geboren ist, der jedermann gefällig ist.
200. Der Mensch sieht alle Fehler, nur die seinigen nicht. – Jüd. Volksbl., 1865, S. 149.
201. Der Mensch soll ganz Mensch sein. – Hallische Literatur-Zeitung, Juli 1832.
Jedes Geschöpf soll seiner Natur gemäss leben.
202. Der Mensch soll noch geboren werden, dem alles wohlgelingt. – Petri, II, 101.
203. Der Mensch soll noch geboren werden, der aller Welt gefällig ist.
Lat.: Non fuit hic natus, nullo nascetur et aevo omnibus ex aequo qui' placuisse sciat. (Eiselein, 467; Binder II, 2175; Philippi, I, 37.)
204. Der Mensch soll noch geboren werden, der es allen Leuten recht machen kann. – Reinsberg III, 144.
Mhd.: Und solt ein man gevallen allen liuten alzît wol sich, sô müest er gelückes wol gar wirdic sîn durch liuhte. (Colm.) (Zingerle, 189.) – Ick sach newerlde men, dede allen luden konde te denen. (Red., 1393; Schröder, I.)
205. Der Mensch soll pflügen vnd säen, Gott soll er lassen sorgen vnd walten. – Lehmann, 39, 50.
Dän.: Mennesket pløyer og saaer, Gud raader hvad han faaer. (Prov. dan., 436.)
206. Der Mensch steige so hoch er will, sein Schatten wird nicht breiter.
207. Der Mensch stirbt, aber die Menschen leben.
Lat.: Homines pereunt at humanitas perstat. (Egeria, 94.)
208. Der Mensch stirbt nur einmal. – Schulze, 282.
Aber, wie die Russen sagen, ärmer als er geboren wird. (Altmann VI, 467.)
209. Der Mensch stirbt und verdirbt, der Christ stirbt und erwirbt. – Harms, 167.
[600] 210. Der Mensch sucht Wollust, die er theuer bezahlen muss.
Lat.: Mundani stulte fugientia gaudia quaerunt, aeternum stygiis inde luenda rogis. (Chaos, 946.)
211. Der Mensch thut mehr, was ihn reut, als was ihn erfreut.
212. Der Mensch thut, was er kann, Gott was er will.
Engl.: Man doth what he can, and God what he will. (Bohn II, 98.)
213. Der Mensch tracht, in (und) Gott lacht. (Jüd.-deutsch. Brody.)
214. Der Mensch trennt sich von nichts so schwer als von einer Dummheit.
»Manche Menschen bedauern im vollem Ernste, dass man die Dummheiten des Mitltelalters nicht in Spiritus hängen konnte, um sie vor der moralischen Verwesung zu bewahren.« (Welt und Zeit, III, 51, 2.)
215. Der Mensch übertrifft alle Bossheit: er ist unbarmhertziger als ein Wolff, listiger als der Fuchs, stoltzer als der Pfau, gefressiger als ein Schwein, giftiger als ein Otter, grimmiger als ein Bär. – Sutor, 47.
216. Der Mensch weiss nicht, was er hat, bis er es verloren.
217. Der Mensch will wol regiret vnd wenig medicinirt seind. – Lehmann, 303, 26.
218. Der Mensch wird alle sieben Jahr ein anderer.
Böhm.: Človĕk casem se mĕní. – Jaký vĕk, taký i človĕk. (Čelakovsky, 279.)
219. Der Mensch wird alt und die Krankheit jung.
Böhm.: Tĕlo stárne, neduhy mladnou. (Čelakovsky, 299.)
Tschud.: Junimenne lähhäb wannemaks, töppi lähhäb noremaks. (Čelakovsky, 299.)
220. Der mensch wirt selten zu geil, dem nicht speiss wirt zu theil.
Lat.: Luxuriat raro non bene pasta caro. (Loci comm., 64.)
221. Der Mensch zettelt an und das Glück webt.
222. Der Menschen Arznei macht nie vom Tode frei. – Parömiakon, 2029.
223. Der Menschen Hülfe ist gar klein, ich vertraue denn auf Gott allein. – Weininger, 170.
Hausinschrift zu Lermos in Tirol.
224. Der Menschen Leben vnd wandel ist wie ein Traum. – Lehmann, 753, 5.
Frz.: L'homme florit pour mourir. (Leroux, I, 169.)
225. Der Menschen Sinn und Muth steht nach Reichthum und nach Gut.
Lat.: O dives, dives, non omni tempore vives. (Chaos, 183.)
226. Der Menschen Sinn und Muth steht nach Wollust, Ehr' und Gut.
Lat.: Ambitiosus honos et opes, et foeda voluptas. – Naec tria pro trino numine mundus habet. (Chaos, 1090.)
227. Der Menschen Urtheil geht auf Stelzen. – Parömiakon, 532.
»O Menschenurtheil, wenn du auch vier Füsse hättest, du würdest gleichwol hinken.« (Judas der Erzschelm, I.)
228. Der Menschen vngepürliche freud ist der Engel leid. – Lehmann, 211, 43.
229. Der oft allen Menschen rahten kan, weiss jhn selbst weder zu rahten noch zu helfen. – Schottel, 1141a.
230. Der vnfrum mensch mag nicht weyss seyn. – Wachter.
231. Des menschen angesicht ist eines Löwen. – Gruter, I, 10; Lehmann, 266, 15.
232. Des Menschen Barmherzigkeit geht über seinen Nächsten, Gottes Barmherzigkeit über die ganze Welt. – Sailer, 217; Sprichwörterschatz, 69.
»D.i. wenn einer selbsten da ist, so thun wenig wort mehr, dann viel Brieff.«
Engl.: Not God above gets men's love.
233. Des Menschen Begierden leben und sterben mit ihm.
Dän.: Mennesket er født met affecterne; de leve og døe med een. (Prov. dan., 16.)
234. Des Menschen Ehr' ist eine Luftblas', nicht viel mehr.
Die Russen: Des Menschen Ruhm sitzt in seinem Herzen. (Altmann VI, 428.)
[601] 235. Des Menschen Feind sind sein eigen Haussgenossen. – Petri, II, 119.
Lat.: Totidem hostes, quot servi. (Seneca.) (Binder II, 3332.)
236. Des Menschen Frîen is sîn Verdarf im Gedîen. – Schütze, I, 335; Neocorus, I, 103; hochdeutsch bei Simrock, 2678.
Durch Heirathen kann sich der Mensch ins Unglück und ins Glück bringen.
237. Des Menschen Gedicht wird oft zunicht. – Petri, II, 119; Simrock, 6989; Körte, 4229.
238. Des Menschen Hand ist des Magens Gartenland.
Dän.: Hvert menneskes arbeyde skeer for hans munds skyld. (Prov. dan., 95.)
239. Des Menschen Hertz auff Rosen gehet, wenns mitten vnterm Kreutze stehet. – Petri, I, 22.
240. Des Menschen Herz erfreut der Wein, wenn er ist billig, gut und rein. – Nass. Schulbl., XIV, 5.
241. Des Menschen Herz ist unergründlich.
Holl.: De visschen bewonen de diepten der zee, de arenden zweven in de lucht; men kan de eerste met een' haak, de laatste met een' pijl treffen; maar 's menschen hart is op geringen afstand niet te doorgronden. (Harrebomée, II, 384b.)
Lat.: Multae in hominum animis sunt latebrae, multique recessus. (Philippi, I, 260.)
242. Des Menschen Leben bestehet wie ein Fähnlein auf dem Dach.
Lat.: Penna est vita malis, volat et pernicibus alis. (Chaos, 1072.)
243. Des Menschen Leben hangt an einem Faden. – Eiselein, 414; Simrock, 2239.
Die Chinesen sagen: Der Mensch verschwindet hier unten wie der Mond, welcher gegen Morgen in einem Augenblick hinter den Bergen versinkt. (Reinsberg II, 15.)
Frz.: Homme n'a nul demain. (Leroux, I, 164.)
Holl.: 'S menschen leven hangt aan een haar. (Harrebomée, II, 82a.)
244. Des Menschen Leben ist ein Baum voller Nuss: Gefäng-Nuss im Mutter Leib, Bedreng-Nuss in der Geburt, Verfolg-Nuss in dem Leben, Kümmer-Nuss in der Wirthschafft, Aerger-Nuss in dem Wandel, Betrüb-Nuss in dem Tod. – Chaos, 345.
Die Russen: Des Menschen Leben ist ein Teich mit Karpfen und Hechten, die sich bekriegen. (Altmann VI, 441.)
245. Des Menschen Leben ist ein Dampff (Dunst), der bald vergehet. – Chaos, 347.
»Wie ein Nebel bald entsteht, und bald wiederumb vergeht, so ist unser Leben.«
Lat.: Quid caro? uilis humus; quid carnis gloria? fumus. (Loci comm., 84.)
246. Des Menschen Leben ist ein gefrornes Eyss, worauf die Seel bald fallet und durch der Gnaden Sonne alles Eyss zerschmolzen wird. – Chaos, 346.
247. Des Menschen Leben ist ein Glücks-Hafen, wo man viel darein legt, aber wenig oder ein närrisches Kinderkläpperl herauss langt. – Chaos, 348.
248. Des Menschen Leben ist ein Grass, das nicht lange steht; ein Faumb, der bald vergeht; ein Blum, die bald abschiesst; ein Wurm, der sich bald verschliesst; ein Rauch, der nicht lang wert; ein Feuer, das sich bald verzehrt; ein Wasser, das bald abnimbt; ein Kertzen, die bald abrinnt; ein Glass, das bald zerbricht; ein Traum, der zeiget nicht; ein Wax, das bald erweicht; ein Rosen, die bald erbleicht; ein Fleisch, das bald stinckt; ein Schiffel, das bald sinckt; ein Schatten, der bald vergeht; ein Rad, das nie still steht.
Lat.: Forma decipiens, pecuniae fluxae, imperium invisum, bellum pernitiosum, victoria auceps, concordia fallax, senectus misera. – Vita brevis, mortis felicitas, sapientae fama perenis. (Chaos, 344.)
249. Des Menschen Leben ist ein Greuel der Verwüstung, in der die Sünd ihren Sitz genommen hat. – Chaos, 347.
250. Des Menschen Leben ist ein Hauss, die guten Werk seynd das Gebäu, der Glaube das Fundament, die Hoffnung die Hauptmauren, die Liebe der Dachstuhl. – Chaos, 346.
[602] 251. Des Menschen Leben ist ein Irrgarten, wo die Seel sich verirret zu dem höllischen Minotauro. – Chaos, 346.
»In welchem Garten nichts anders als verfluchte Distel und teuflisches Unkraut.«
252. Des Menschen Leben ist ein Kampf. – Schulze, 22.
»Das menschliche Leben ist ein Traum, Raub, Dampf, Schnee und leichter Schaum, ein Lauff, Wind, Reiff, eine Blum und Grass, ein Schatten, Schlaf und Wasserblass.«
Lat.: Militia est vita hominis super terram. – Somnus, bulla, vitrum, glacies, flos, fabula, foenum, umbra, cinis, punctum, vox, sonus, aura, nihil. (Chaos, 344.)
253. Des Menschen Leben ist ein Krieg. – Chaos, 345.
254. Des Menschen Leben ist ein Meer mit Finsterniss, Gefahren, Sturm und Wetter. – Chaos, 348.
255. Des Menschen Leben ist ein Rohr, das ein Windlein hin und widerwehen kann. – Chaos, 347.
»Der mit Purpur thut schön glantzen und mit Gold den Leib verschantzen, der muss auch den Kehrauss tantzen.«
256. Des Menschen Leben ist ein Schiff, wenn es über das Meer hinüber, sieht niemand den Weg, den es geschnitten. – Chaos, 351.
257. Des Menschen Leben ist ein Spiel, in dem man bald gewinnt, bald verliert. – Chaos, 348.
258. Des Menschen Leben ist ein stetes Sterben.
Dän.: Mennesket som lyset fortærer sig selv. (Prov. dan., 414.)
Holl.: De mensche sterft, terwijl hij leeft, en nog zijn volle krachten heeft. (Harrebomée, II, 79a.)
259. Des Menschen Leben ist ein Tanz. – Chaos, 349.
»So lange lustig, so lange der Spielmann aufgeigt, gehling springt ein Saiten, ist alles still. Wenn der Tantz zu lang wird, wird er verdrüssig, unerwartet hört der Spielmann auf zu geigen, und muss alles auffhören zu tantzen. So tantzen wir der Ewigkeit zu und liegt das Mehriste an der letzten Cadenz.«
260. Des Menschen Leben ist ein Traum.
Engl.: The life of man is a winter's day and a winter's way. (Bohn II, 13.)
Holl.: De mensch is een' droom gelijk. – Des menschen leven gaat als een rook voorbij. (Harrebomée, II, 79a u. 79b.)
Lat.: Est tibi vita brevis, modo vivis, cras morieris. (Chaos, 1067.)
261. Des Menschen Leben ist eine Comödie, ein armer Knab muss offt als König agiren. – Chaos, 349.
»Nach der Comödien: mansit ut ante fuit.«
262. Des Menschen Leben ist eine spanische Wand; man vermeint offt, was dahinter sey, da findt man einen alten liederlichen Strohsack. – Chaos, 347.
263. Des Menschen Leben ist einer Spannen lang. – Eiselein, 413.
Es ist sehr vergänglich. In Bezug darauf sagen die Hebräer: Wehe den Menschen, welche sehen, ohne zu wissen, was sie sehen, welche stehen, ohne zu wissen, worauf sie stehen, d.h. die sich nicht bewusst werden, dass alles vergänglich ist und dass ihr Fuss auf den Gräbern ihres Geschlechts wandelt. (Reinsberg II, 16.)
Lat.: Spithama vitae. – Temporis punctum est omnis vita. (Eiselein, 413.)
264. Des Menschen Leben ist eytel, vergeht wie ein Müller-Säckel. – Chaos, 1095.
265. Des Menschen Leben ist unsers Herrgotts Kartenspiel.
Lat.: Vita est quasi ludus tesserarum. (Philippi, II, 257.)
266. Des Menschen Leben ist wie ein Traum, vergeht wie ein Wasserblatter. – Chaos, 1075.
Lat.: Omnis vita brevis, etiam longissima. (Chaos, 1075.)
267. Des Menschen Leben nimmt immer ab, aber seine Begierden nehmen täglich zu. – Simrock, 877.
268. Des Menschen Leben vergeht geschwind als wie ein Rauch und Wind.
Lat.: Est homi