Schlag

1. All Slag givt kein Oel. (Schöningen bei Braunschweig.)


2. Alle Schläge thun nicht wehe.

Bei Tunnicius (47): Alle slege en doent nicht wê. (Omnia non semper mortales verbera laedunt.)


3. Bey Schlegen ist nicht gut Wesen.Petri, II, 44.


4. Dâr is doch noch tô ên Slag drin, sä(de) Bârt, do hadd he van Emden na Terbörg in de Tunnerpott1 schlân.Bueren, 312; Hoefer, 46; Eichwald, 95; Frommann, II, 536, 118; Kern, 100; Hauskalender, III.

1) Zunderbüchse, ein Feuerzeug; aus Tunder = Zunder und Pott = Topf, Gefäss.


5. Der erste Schlag ist einen Monat Sold werth. Petri, III, 3.

Frz.: Le premier coup en vaut deux. (Bohn I, 33.)

Holl.: De eerste slag is een daalder waard. (Harrebomée, II, 271a.)

It.: Il primier colpo per due colpi vale. (Bohn I, 103.)

6. Der êrste Slag is ên Daler wêrt. (Ostfries.) – Bueren, 237; Eichwald, 1732; Frommann, III, 430, 263; Kern, 1141; Hauskalender, II.

Die Russen: Der erste Hieb schmerzt mehr, als alle andern. (Altmann VI, 464.)


7. Der Schlag, den man auf den eigenen Rücken führt, macht keine grossen Striemen.

Die Russen: ...reisst keine Wunden auf. (Altmann VI, 464.)


8. Der Schlag der Stute thut dem Hengst nicht weh.

Beleidigungen weiblicher Personen sollen Männer nicht achten. (S. Liebesschläge 2 u. 3.) In Aegypten sagt man: Ein Schlag vom Liebhaber (habib) schmeckt so süss, wie eine Rosine (sebib). (Burckhardt, 387.)

Frz.: Jamais coup de pied de jument ne fit mal à un cheval. (Lendroy, 1575.)

Holl.: De slag van eene merrie schaadt der verzenen niet. (Harrebomée, II, 271a.)

Port.: O couce da egoa não faz mal ao potro. (Bohn I, 288.)


9. Der zweite Schlag ist oft mehr werth als der erste.

Holl.: De tweede slag is dijkwijils meer waard dan de eerste. (Harrebomée, II, 271a.)


10. Der zweite Schlag schmerzt mehr, wenn er auf dieselbe Stelle trifft.

Wenn zwei gleichartige Uebel, z.B. zwei Krankheiten u.s.w. aufeinander folgen, so steigert dies die Empfindlichkeit. Die Aegypter in ähnlicher Weise: Zwei Schläge derselben Art thun wehe (Burckhardt, 382), und wenden das Sprichwort auf jemand an, der in gleicher Weise zweimal betrogen worden ist.


11. Die letzten Schläge geben Oel.

Holl.: De laatste slagen geven de olie. (Harrebomée, II, 271a.)


12. Die Schläge der Aeltern ehren, die Schläge des Henkers schänden.


13. Doppelte Schläge, doppelte Schmerzen. Winckler, XV, 90.


14. Ein Schlag, den man vorausgesehen, trifft nicht so schwer als ein anderer.

It.: Antiveduta piaga assai men duole. (Gaal, 1635.)

Lat.: Se minus afflictum sentit, qui praevidet ictum. – Tela nocent levius visa volare prius. (Gaal, 1635.)


15. Ein Schlag, den man vorhergesehen, thut nicht so wehe.


16. Ein Schlag, der Nutzen bringt, thut nicht wehe.

Thut dem Nacken keinen Schaden, sagt man in Aegypten. (Burckhardt, 330.)


17. Ein Schlag ist des andern werth.

Holl.: De eene slag is de andere waard. – Nooit zoo dure tijd, of de eene kinnebakslag was de andere waard. (Harrebomée, II, 271a u. II, 272a.)


18. Ein Schlag ist noch kein Todschlag. (Böhmen.)


19. Einen Slag vöerm Bearsten mot me ophören. (Büren.)


20. Es gibt nicht jeder Schlag eine Beule.

Holl.: Men moet op alle slakken geen zout leggen. (Harrebomée, II, 272b.)


21. Es ist ein grosser Schlag, dass niemand Weisheit erben mag.


22. Es ist um den Schlag schade, den man einem Narren gibt.


[206] 23. Es ist um jeden Schlag schade, der daneben geht.

Im Oberharz: Schod im den Schlok, dar beiwack kimmt. (Lohrengel, I, 594.)


24. Es thun nicht alle Schläge wehe.Petri, II, 300.

Holl.: Alle slagen doen geen wee. (Harrebomée, II, 271a.)


25. Gedrohter Schlag ist ein halber Schlag.

It.: Schiaffo minacciato non è mal ben dato. (Bohn I, 125.)

Span.: Bofeton amagado, nunca bien dado. (Bohn I, 205.)


26. Hart schläg lehren wol.Gruter, III, 48; Lehmann, II, 263, 13.

Holl.: Harde slagen leeren best. (Harrebomée, II, 271a.)


27. Je unerwarteter der Schlag dem ist, den er treffen soll, desto sicherer wird er geführt.

It.: Il colpo, allor ch' egli aspettato è meno, più certo è sempre.


28. Kalte Schläge lassen keine Spur zurück.

Die Strafe soll zwar ohne Hitze, aber mit Wärme erfolgen, weil sonst die gewünschte Wirkung ausbleibt.


29. Kein Schlag verloren, als der daneben geht. Klix, 84.


30. Kein Schlag zu viel, als der nebenhin geht. Siebenkees, 64; Simrock, 9049; Körte, 5332.

Wohlthätigkeit vernünftiger Strenge, besonders in der Erziehung.


31. Lieber den Schlag eines Löwen als den Biss einer Katze.Altmann VI, 499.


32. Mancher heischt Schläge, wie ein Pferd Futter.Simrock, 9058.


33. Mit einem Schlage kann man nicht neun Nüsse öffnen.Schlechta, 49.


34. Mit viel Schlegen wird niemand fromb gemacht.Petri, II, 481.


35. Nicht alle Schläge treffen.

Holl.: Alle slaghen en raken niet. (Tunn., 3, 6; Harrebomée, II, 271a.)

Lat.: Non ledunt neque sic rem tangunt verbera quique. (Fallersleben, 48.)


36. No schadt nicht; up enen Schlag geft der Buer de Dochter nich furt, sagte der Zimmermann, als er einen Keil einsetzen wollte, der bei dem Schlage wieder herausprallte. (Magdeburg.) – Hoefer, 1150.

37. Ohne Schläge wird niemand gross (weiss). Petri, II, 504.

Gilt sowol von der Birken- als Schicksalsruthe.


38. Op den ersten Slag falt kên Bôm.Marahrens, 97.


39. Sanfte Schläge bessern, harte bösern.

It.: Batti il buono, che si fà migliore, batti il cattivo, che diverrà peggiore. (Pazzaglia, 28.)


40. Schlag auf Schlag schmiedet man das Eisen.Winckler, XX, 25.

Auch russisch Altmann VI, 449.


41. Schlag auf Schlag zerreisst der Sack.


42. Schläge der Mutter gehen nicht auf die Haut.

It.: Morso di pecora non passa la pelle.


43. Schläge machen keine Freundschaft.


44. Schläge machen weise, sagte der Kerl, da er seinen Esel drasch.


45. Schläge sind behaltene Waare.Simrock, 9050; Körte, 5330; Masson, 305; Braun, I, 3885.

Der Abbittende selbst kann sie dem Gemishandelten nicht wieder abnehmen.

Dän.: Hug ere holdne vare. (Prov. dan., 309.)


46. Schläge vertreiben die Liebe.

Frz.: Au battre faut l'amour. (Bohn I, 6.)

It.: Crudeltà consuma amore.


47. Schläge werden nicht abgemessen (abgezählt).

It.: I colpi non si danno a patto.


48. Schleg machen weiss.Franck, II, 9a u. 11a; Gruter, I, 64; Petri, II, 529; Günther, 21; Körte, 5329; Simrock, 9048; Venedey, 104.

Frz.: Un homme averti en vaut deux.

Holl.: Slagen maken wijs. (Harrebomée, II, 272a.)

Lat.: Vexatio dat intellectum. (Egenolff, 13b.)

Poln.: Za jednego bitego dwuch niebitych dają. (Masson, 198.)


49. Schleg vertreiben thorheyt.Franck, II, 11a.


50. Schlege geratten nicht allzeit gleichwol. Petri, II, 529.


51. Schlege machen Striemen.Petri, II, 529.


52. Schliäge follt me nich länger als se kellet. Lyra, 122.


[207] 53. Slaege daut wei un batt1 bi Blagen2 ne vei. (Westf.)

1) Helfen.

2) Verächtlicher Ausdruck für Kind, hochdeutsch = Balg.


54. Släge frünnet nich.Schambach, II, 355.

Schläge befreunden nicht; der Geschlagene wird den Schlagenden in der Regel hassen und wird auf Wiedervergeltung sinnen.


55. Släge sat, Brôd wat.Schambach, II, 310.

So sagten die Landleute in der Gegend von Einbeck von den preussischen Soldaten aus dem Jahre 1806. Schläge satt (genug), Brot was.


56. Sliäge daut weh un batt bi Mensken un Veh. (Iserlohn.) – Woeste, 76, 277.


57. Up ên Schlag fallt gên Bôm.Bueren, 1186.


58. Up ênen Schlag geft de Buer de Dochter nich furt.


59. Viel kleine Schläge machen eine grosse Grube.


60. Viel Schläge fällen den stärksten Baum.

Holl.: Met veel slagen valt de boom. (Harrebomée, II, 271b.)


61. Viel Schläge machen den Stockfisch weich. Masson, 242.

Auch russisch Altmann VI, 392.

Holl.: Met veel slagen wordt de stokvisch murw. (Harrebomée, II, 272a.)

Schwed.: Mång slaag gjör stockfisken week. (Grubb, 556.)

Neuschwed.: Många slag göra stockfisken mjuk (mör).


62. Vom ersten Schlag und Streich fällt ein grosser Baum nicht gleich.

Böhm.: Zádný strom nepadne jednou ranou. (Čelakovsky, 127.)

Illyr.: Dub od jedne nepada. (Čelakovsky, 127.)

Kroat.: Ne more hrast na jen mah past. (Čelakovsky, 127.)

Lat.: Nascitur in certam miserandus homuncio mortem macer et in campo bos, ut edatur edit. (Chaos, 789.) hat sich aus Chaos, wo es so steht, hierher verirrt.


63. Von Einem Schlage fällt kein Baum.

»Nun han ich ye gehört von der alten Leute Wort, daz der paum von eynem slage nye vyel.« (Keller, Altdeutsche Erzählungen aus Handschriften, S. 119.)

64. Von vielen Schlegen wird die Axt stumpff. Petri, II, 581; Gaal, 1371.

Engl.: Every thing is the worse for wearing. (Gaal, 1371.)


65. Was ein Schlag ist für das Pferd, ist ein Wort den Weisen werth.

Holl.: Wat een slag is voor het paard, is een woord voor den wijze. (Harrebomée, II, 172a.)


66. Wenn der Schlag geschehen, ruft man umsonst: hübsch vorgesehen.

It.: Dato il colpo, tardi si grida, guarda. (Pazzaglia, 369, 6.)


67. Wenn der Schlag nicht offen steht, kann der Vogel nicht einfliegen.Eiselein, 550; Simrock, 9059.


68. Wer den Schlag erwartet, den trifft er nur halb.Altmann VI, 446.


69. Wer die Schläge bekommen hat, der muss sie behalten.

It.: I colpi non si danno a patti. (Bohn I, 101.)


70. Wer gern Schläge in Compagnien austheilt, hat ein schlimmes Kapital.

»Denn er kriegt Kapital und Interessen mit baarer Müntze alsbald wieder zurück.« (Keller, 143a.)


71. Wer mit Schlägen handeln will, verliert nicht viel.

»Doppelt über Haupt und Glieder, kaut der Stock mit Wucher wieder.« (Abschatz.)


72. Wer Schläge austheilt, muss Schläge einnehmen.Lohrengel, I, 854.

In der Neumark: Weär Schleäj uetdêlt, mut Schleäj inneämen. (Engelien, 221, 126.)


73. Wer sich vor Schlägen scheut, wird kein Held in Ewigkeit.


74. Wider die Schläge des Mundes dient der Schild von den Ohren.Winckler, XVI, 15.


75. Wo kên Slag is, is ôk kên Verdrag. (Holst.)


*76. An dem ist kein verfallener Schlag. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

D.i. er bleibt keine Antwort schuldig.


*77. Ar kou an fest'n Schlôg mach'n. (Franken.) – Frommann, VI, 323, 337.

Er ist ein starker Esser.


*78. Ar kriagt Schlög wi de Tauberöisel. (Franken.)

Er kriegt Schläge wie der Esel an der Tauber, einem kleinen Flusse in Franken.


*79. Auff eynerley schlag vnd meinung.Mathesy, 188b.


[208] *80. Dai héad mär Sléäge krîegen as en Iesel in Unna1. (Grafschaft Mark.) – Frommann, V, 1, 63.

1) Unna am Hellwege ist wegen seiner Esel sprichwörtlich.


*81. Das hat keinen Schlag.

D.i. keine Art, Form; hat nicht Hand noch Fuss.


*82. Das ist ein Schlag, wie er nicht geschrieben steht. – 5 Mos. 28. 61.


*83. Das war ein blinder Schlag.

Holl.: Blinde slagen doen. (Harrebomée, II, 271a.)


*84. Dat ess im 'ne Schlag en de Bocks. (Bedburg.)


*85. Dat geff em en Schlag in de Bückse. (Sauerland.)


*86. Dat is ên vun dat rechte Slag. (Holst.) – Eichwald, 1728; Schütze, IV, 106; Stürenburg, 219b.

Ironisch: Der taugt nicht viel.


*87. Dat is 'n rechten Sla' in'n Brê. (Rastede.) – Firmenich, III, 27, 47.


*88. Den hat der goldene Schlag gerührt. (Westf.)

Er hat sich bestechen lassen.


*89. Den Schlag zumachen, wenn die Tauben fort sind.


*90. Der beutelt (schüttelt) die Schläg ab, wia de Hund d' Flöh. (Wien.)


*91. Der Schlag gab Oel.

Der Ton auf der. Wenn ein Unternehmen gelang, ein Coup glückte.


*92. Der Schlag gibt kein Oel.Lohrengel, II, 124.


*93. Der Schlag wird bald geschehen.

Vor einem nahen Unglück.


*94. Der silberne schlag hat ihn gerührt. (S. Goldsucht.) – Eyering, I, 542; Schottel, 1114a; Sailer, 299.


*95. Die Schläge abschütteln, wie der Hund die Flöhe.Lohrengel, II, 144.


*96. Dös ît a Schlôg, 'nei's kalt Wasser. (Franken.) – Frommann, VI, 326, 409.

Von einer fruchtlosen Arbeit galt schon früh der Spruch: Das ist ein Schlag ins Wasser, z.B.: Die mir sint enpfallen als in das mer ein slac. (Walther, 124, 16.) Es ist in einen bach ein slac. (Germania, VII, 192.)


*97. Ea hod mid uam Schlag zwoa Fluigen dawischt. (Steiermark.) – Firmenich, II, 770, 172.


*98. Einen mit Schlägen tractiren.

In Niederösterreich: Êer is mid Schle' draktie't worn. Johannes Wurth hat eine (vgl. Frommann, IV, 49) Anzahl niederösterreichischer Redensarten für schlagen gesammelt, die ich hier, von der an diesem Orte nicht durchführbaren Schreibung abgesehen, folgen lasse: Êe hoad auf'm Aesch e Bfloaste (Pflaster, Schläge) grîegt. Êe hoad dichtihi Bledere grîegt. Dêe hoad Blesche grîegt. Dêe hoad Boasche grîegt. I wîe de glai Bien gé'm. Dêe hoad in de Sput en Boatzen grîegt. Giw êem e bàe Bragge. Dêe hoad Brig'l grîegt. I hoaw êem nuer en Begge, e bae Buffe gé'm. I hoaw êem's auf'n Bug'l auffig'schri'm. I hoaw êem en Daite (Deuter, Fingerzeig, Wink) gé'm. I hoaw êem e Dêen Doabb'm, Buks'n, Dedschen gé'm. Êe hoad e Dacht' grîegt. Êe hoad Dobble (Doppler, Schläge) grîegt. Ge, sunst grîegst e Fauz'n. Giw êem e Figgel. Êe hoad Fisoln grîegt. Êe hoad Floaschen grîegt. Glai grîegst e Fotz'n. Du grîegst haid Fisch oni Grâd'n. Glai grîegst e bàe Hau'mflegg (Haubenfleck, Schläge auf den Kopf eines Mädchens). Dêe hoad Hiwai grîegt. Dîe wier i glai d' Hosin e mal ausstau'm (ausstauben). Dai Aesch grîegt haid no Kiete (Kirchweih). I hoaw êem auf'm Kobf e bae Doln gé'm. Êe hoad e Kobfsdigg'l grîegt. I hoaw êem e bàe Nuss auf'm Kobf gé'm. I hoaw êem àe's oag'hengt. Êe hoad en Ôefaigng grîegt. D' Rued'n hoad's haid bai den schô gnêdi g'hoabt. Êe hoad d' Rued'n (auch: Sdawel, Ruthe oder Stäblein) z' kost'n grîegt. Du grîegst daini Sdriks'n. Du grîegst Schlê. Giw êem e Schmir'n (Hieb). Êe hoad en Schüling grîegt (einen Schilling Streiche). Du grîegt scho deini Wâchte. Êe hoad Wusche, Wikse grîegt. Ee hoad èm en dichtinger Sdräch (Streich) versetzt. I hoaw êm âen g'sdeggt, versetzt. Glai wies't ê Wâdsch'n grîegng. (S. Schinken 20, Schlag 114, Schlagen 71, 94 u. 106, Schmatzen, Schmieren und Wamsen.)

*99. Einen Schlag mehr als ein Hund.


*100. Einen Schlag mehr wie sonst.

Sagt man z.B. zu Kindern, wenn sie fragen, was sie zum Geburtstag bekommen werden.


*101. Er bekam einen Schlag, dass er den Himmel für einen Dudelsack ansah.

Holl.: Hij kreeg een' klap, dat hij den hemel voor eene viool, en de aarde voor een' strijkstok aanzag. (Harrebomée, II, 410b.)


[209] *102. Er bekommt Schläge wie eine Hupet1. (Nürtingen.)

Geschälte Weidengerte, für Körbe, die geklopft wird, um die Rinde zu lösen und abzustreifen. Für Schläge bekommen sagt man auch: Es setzt Keile, Prügel, Wichse; man bekommt: Fische, Ohrfeigen, Flaschen, Watschen u.s.w.


*103. Er hat alle seine Schläge heimgebracht.

Holl.: Hij was de sterkste, want hij heeft de slagen t' huis gebragt. (Harrebomée, II, 271b.)


*104. Er hat meh Schlêg übercho weder Brod. (S. Maul 437.) – Sutermeister, 97.


*105. Er hat Schläge ausgetheilt und noch Vorrath in den Händen.

Böhm.: Není ten silen, kdo popral, ale kdo se vymknul. (Čelakovsky, 370.)


*106. Er heyscht die schleg wie ein pferdt sein futter.Franck, II, 61b; Tappius, 68b; Sailer, 306; Henisch, 1325, 13; Körte, 5332a.

Ohne Prügel geht's bei ihm nicht.

Lat.: Mala attrahens ad sese, ut Caecias nubes. (Erasm., 601; Philippi, I, 236; Tappius, 68a.)


*107. Er ist vom jetzigen Schlage.

Wenn man die Menschen seiner Zeit bezeichnen will, besonders in dem übeln Sinne, als immer mehr von der Tugend der Vorfahren abweichend.

Holl.: Hij heeft een' slag met den meelzak weg. – Hij heeft een' slag van den kamper molen weg. – Hij heeft een' slag van het enterveulen gehad. (Harrebomée, II, 271b.)


*108. Er ist von gutem Schlage.

Frz.: Il est marqué au bon coin. (Kritzinger, 153b.)


*109. Er kriegt Schläge durch Rock und Kamisol. (Meiningen.)

*110. Er kriegt Schläge wie ein Waschtuch. (Westf.)


*111. Er kriegt Schläge wie Wildpret. (Meiningen.)


*112. Er thut an schleg kain gut.Hauer, Liij.

Lat.: Phryx plagis emendatur. (Hauer, Liij.)


*113. Es geht auf den alten Schlag.

Lat.: In antiquam silvam itur. (Binder II, 1408; Schreger, 10.)


*114. Es geht Schlag auf Schlag.

Das Schlagen herrscht nicht blos in bestimmten Redensarten, es durchdringt unsere ganze Sprache, es kommt in allen Verhältnissen und auf allen Gebieten zum Vorschein. Kaum hat die Uhr die siebente Stunde geschlagen, so schlagen wir die Augen auf, entschlagen uns den süssen Träumen, schlagen, wenn es Winter ist, Feuer an, und sobald die Flammen im Ofen emporschlagen, schlägt unser Herz dem Kaffee entgegen. Wir schlagen den Mantel um unsere Schultern, da der Regen an die Fenster schlägt, und schlagen uns seitwärts in die Büsche. Und so geht's beim Deutschen immer Schlag auf Schlag. Er schlägt ein Buch auf und ist niedergeschlagen, wenn er die Seiten verschlagen hat. Ist der Deutsche ein Kaufmann, so schlägt entweder sein Geschäft ein und er schlägt etwas dabei heraus, oder es schlägt fehl; er schlägt eine verzweifelte Lache auf und ruft: Da schlag' das Wetter drein. Ist aber, wenn er den Verlust nochmals überschlägt, der Umschlag zu gross, dann trifft ihn der Schlag. Kommt das Kind in die Schule, so schlägt der Lehrer auf den Strauch, um zu sehen, wie das Kind beschlagen ist. Kann ein Freier auf seine Tasche schlagen, dass die neugeschlagenen Thaler darin klingen, dann schlägt ihn ein Mädchen selten aus. Hat eine junge Dame jedoch bereits andere Vorschläge und glaubt sie, dass ein Mann von gutem Mittelschlage nicht für sie passt, dann sinnt sie auf Anschläge, sich der Werbung zu entschlagen, sie geht hin, lässt sich die Karten schlagen und wartet, bis sie sich eine Verbindung verschlägt, die zu ihrem Glück hätte ausschlagen können. Noch schlagendere Beweise, dass wir im Losschlagen Tüchtiges leisten, haben wir (1870) den verschlagenen Franzosen geliefert. Die Trommel wurde geschlagen, der Donner der Geschütze schlug an unser Ohr; und wir haben gezeigt, dass wir nicht aus der Art geschlagen sind, indem wir den Feind aufs Haupt schlugen. Wenn einer mit Dummheit geschlagen ist, so kann er zehnmal zum Ritter geschlagen werden, es schlägt doch bei ihm nicht an; hat man sich dagegen die Welt gehörig um die Ohren geschlagen, man schlägt sich endlich durch. – Lichtenberg hat bekanntlich eine Betrachtung über Schläge angestellt, indess wundert sich Weber (Demokritos, II, 100), dass derselbe nicht tiefer in den Reichthum unserer Sprache eingedrungen sei, wo Schlag und Schläge wahre Schlagwörter sind. Der Deutsche schlägt den Feind und ein plötzlicher Tod ist ihm ein Schlag. Im Rathe hat er Anschläge, Vorschläge, und die Kammer verlangt Ueberschläge. Der Gelehrte schlägt seine Bücher auf; hat er etwas vergessen, schlägt er nach. Der Listige ist verschlagen, gutgerathene Kinder sind eingeschlagen, misrathene aus der Art geschlagen, gewisse Geschlechter von gutem Schlag. Der Traurige ist niedergeschlagen, und [210] der Gleichgültige spricht; es verschlägt mir nichts. Der Same schlägt Wurzeln, die Bäume schlagen aus, die Arznei schlägt an, der Blitz schlägt ein, das Bier schlägt um, Feuer, Korn und Gras schlagen in die Höhe, das Wasser über den Kopf, Wind und Wellen um Schiff und Segel, die Tinte schlägt durch, der Frost in die Glieder, und wir sind krank den ganzen geschlagenen Tag. Wem das Gewissen schlägt, der schlägt in sich und den Blick zur Erde. Die Uhr schlägt, der Puls, das Herz, immer Schlag auf Schlag. Der Maler hat Schlagschatten, Weber und Weinhändler haben Einschläge, der Schmied hat Hammerschlag, der Münzer kurzweg Schlag, wie die Musiker und Forstmänner. Die meisten Handwerker schlagen, wie Jehova die Juden und die Soldaten die Armeen. Die Hintertheile der Thüren sind Schlägel; und wenn wir dumme Streiche machen, so schlägeln wir. Wir haben Taubenschläge und Handschläge, Schlagbäume, wie Schlagregen, Hagelschlag und Donnerschlag. Wir schlagen Klavier, Orgel, Laute, Zither u.s.w., wie das Pferd und der Esel schlägt und beschlagen wird. Wir schlagen heim, ab und zu, nehmen in Beschlag, heilen durch Um- und Ueberschläge und schlagen am Ende alles aus dem Sinn. Der Hund schlägt an, die Finken und Nachtigallen schlagen, und die Dichter haben Schlagworte. (S. Hieb 6, Pelz 45, Prügel 1, Schinken 20, Schlag 98, Schlagen 71 u. 94, Schnalzen, Schmiere, Schwarte, Umschlag und Wams.)


*115. Es ist derselbe (ein) Schlag von Menschen.

Lat.: Ejusdem farinae. (Frob., 581; Philippi, I, 132; Seybold, 145.)


*116. Es ist ein Schlag ins Wasser.

Von erfolglosen Bestrebungen.


*117. Es ist schade um jeden Schlag, der daneben geht.


*118. Es regnet Schläge auf den Rücken.

Lat.: Mens est in tergoribus. (Philippi, I, 246.)


*119. Es sind trockene Schläge.

Im alten germanischen Recht verstand man darunter solche, die an der Stelle, der sie beigebracht wurden, keine Hautöffnung mit Blutung verursachten, wenn es auch an einer andern Stelle bluten mochte. Wenn infolge eines Schlags auf den Rücken Blut aus Mund und Nase floss, so war dies (s. Graugans 78) ein trockener Schlag, weil auf dem Rücken, wohin der Schlag geschehen war, kein Blut floss.

Holl.: Het zijn blindemans slagen. – Het zijn enkel lieven slagen. – Het zijn schermslagen. (Harrebomée, II, 271a.)


*120. Hai hiät mär Sliäge kriegen as en I-esel in Unna. (Iserlohn.) – Woeste, 89, 178; Frommann, V, 163, 141.

*121. He hett en Slag vunner Windmöhl.Eichwald, 1324.


*122. He kumt up't Schlag, as Jan Wübben up de leste Legge1.Bueren, 610; Frommann, V, 527, 599.

1) Lage, besonders eine Lage Korn zum Dreschen.


*123. He wêt den Slagg um den Boller to slan. Eichwald, 1726.


*124. Ik kann nich in Slagg kamn.Eichwald, 1727.


*125. Je wêt den Schlagg, um de Botter to slan.


*126. Kên Schlag te vill, osse de verbî get. (Waldeck.) – Curtze, 358.

Kein Schlag zu viel, als der nebenbei fällt. (Braun, I, 3884.)


*127. Mit Einem Schlage zwei Fliegen treffen. Körte, 5333; Braun, I, 3886.

Durch eine Bemühung zwei Zwecke erreichen.


*128. 'S het den Schlag wie 's Wyssbrod. (Solothurn.) – Schild, 91, 379.

Um zu sagen, dass etwas festen Preis hat, wie beim Bäcker die Semmel.


*129. 'S ies as wenn man schleg eiss Wosser thäte.Robinson, 198; Gomolcke, 974; Frommann, III, 415, 577.


*130. Schlag halten.

Auf den alten Hochzeiten der Nordfriesen wurde eine grosse Schüssel mit Kringalskêl, ein Gemisch von kochendem Wasser, Syrup und Branntwein, in welches Kringelkrume gebrockt wird, von einem Gaste dem andern gereicht, jeder musste einen Löffel voll dieses Gemisches nehmen und dann weiter geben. Dies nannte man »Schlag halten«.


*131. Schläge sind ihr gesünder als Butterbrot.

Holl.: Slagen zijn haar natter dan eten. (Harrebomée, II, 282a.)


*132. Schläge (Makkes) un faule Fische.Tendlau, 627.

Wenn jemand ein doppeltes Uebel trifft; wenn ihm z.B. ein kostbares Geschirr zerbricht und er sich noch dabei verletzt. Tendlau vermuthet, dass diese Redensart auf folgendem Gleichnisse beruhe. In Fellmeier's Abende, XXII, wird erzählt: »Ein Herr befahl seinem Diener auf den Markt zu gehen und Fische zu kaufen. Der Diener ging und kaufte todte Fische, die schon übel [211] rochen. Darüber erzürnte sich der Herr und sagte zum Diener: Du hast die Wahl, entweder isst du selbst die Fische, oder erhältst hundert Schläge, oder du zahlst hundert Gulden. Der Diener wählte, die Fische zu essen. Als er aber einen Theil gegessen hatte, konnte er nicht weiter und bat, ihm das Essen zu erlassen und lieber die Schläge zu geben. Doch auch diese konnte er nicht bis zu Ende aushalten, er wollte lieber hundert Gulden Strafgeld geben. So hatte er alle drei Strafen erlitten, faule Fische gegessen, Schläge erhalten und Strafgeld gezahlt.« – Die Redensart könnte aber auch aus Polen oder Russland gekommen sein, wo es noch häufig genug vorkommen soll, als Strafe zu Schlägen, bei Entziehung jeder andern Kost nur faule und gesalzene Fische zu reichen, um die Entbehrung des Getränks noch qualvoller zu machen.


*133. Sie sind von Einem Schlage.

Es ist keiner besser als der andere, sie taugen alle beide nichts.


*134. Wenn es Schläge regnet, bekomm' ich die ersten Tropfen.

Klage eines Menschen, der vom Schicksal verfolgt wird, den überall und alles Ungemach trifft. Auch in Aegypten klagt der vom Unglück Verfolgte: Wenn ein Schlag vom Himmel fiele, er träfe nirgends hin als auf seinen Hals. (Burckhardt, 589.)


[Zusätze und Ergänzungen]

135. Alle Schläge verwunden, der letzte tödtet.

Die Inschrift des Zifferblattes der Kirchenuhr zu Urrugue (Südfrankreich) lautet: Vulnerant omnes, ultima necat. (Stolz, Spanisches, 280.)


136. Auch ein leiser Schlag schmerzt, wenn er oft wiederholt wird.


137. Die Schläge der Geliebten schmecken wie Rosinen.

»Ein Ohrfeig an den Hals von solcher Hand bekommen, ist besser als das Brot auss frembder Hand genommen.« (Pers. Rosenthal, 210.)


138. Schlag und Schimpf kehren nicht um.Neue Freie Presse, 4592.

Wer sie hat, muss sie behalten.


139. Schläge sind heilsamer als Segen.Neue Freie Presse, 5537.

Sagt ein Weisheitsspruch des Orients.


*140. Das ist um vom Schlage gerührt zu werden.Hermes, II, 214.

*141. Es kommt da Schlag an Widerstich. Schaltjahr, II, 191.

Ich werde meinen Mann stellen.


*142. Keinen Schlag Arbeit haben (finden).


*143. Sich den Schlag (Tod) an den Hals ärgern.Frischbier II, 114.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Stifter, Adalbert

Feldblumen

Feldblumen

Der junge Wiener Maler Albrecht schreibt im Sommer 1834 neunzehn Briefe an seinen Freund Titus, die er mit den Namen von Feldblumen überschreibt und darin überschwänglich von seiner Liebe zu Angela schwärmt. Bis er diese in den Armen eines anderen findet.

90 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon