Flasche

1. Aus einer leeren Flasche ist bös einschenken.

Holl.: Schenk de flesch maar uit, zei schele Govert, en ze was leêg. (Harrebomée, I, 192.)


2. Bei vollen Flaschen fehlt's an Freunden nicht.

Holl.: Zoo lang de flesch vol wijn is, is zij aangeneem. (Harrebomée, I, 192.)


3. Eine Flasche mit Wein ist des Poeten Brevierbüchlein.Fischart, Gesch.


4. Eine leere Flasche ist nur ein Scherben.


5. Eine volle Flasche nimbt ihren eygenen Freund zu sich in Leib.Oec. rur., 42.


6. Eine zerbrochene Flasche lockt keinen Trinker.


7. In den kleinsten Flaschen ist der beste Liqueur.

Holl.: In de kleinste fleschjes is het fijnste vocht. (Harrebomée, I, 192.)


8. Ist die Flasche bis zum Grund, wischt der Tischfreund sich den Mund.Philippi, I, 67.


9. Je leerer die Flaschen, desto mehr Geräusch beim Einschenken.

Engherzige Leute gleichen enghalsigen Flaschen.


10. Leere Flaschen, volle Köpfe.Scheidemünze, I, 12.


11. Lieber aus der flaschen als aus der taschen. Pistor., I, 23; Graf, 511, 199; Simrock, 2500.

Spricht aus, dass die mittelbaren (indirecten) Steuern weniger empfunden werden, als die unmittelbaren. Eine Getränksteuer lässt sich leicht hereinbringen, indem man die Masse etwas kleiner macht. So sagt die würtembergische Landesordnung: »Man macht die Schenkmasse geringer, sodass elf grade zehn Aichmasse ausmachen, damit der Wirth sein Umgeld hereinbekomme.«


12. Man muss nicht zu tief in die Flasche gucken.

Holl.: Door in de flesch te diep te kijken, verdrinkt men dikwijls in een glas. (Harrebomée, I, 192.)


13. Neue Flaschen schaden dem Weine nicht. Scheidemünze, I, 1871.

Warum soll nicht der Geist der Wissenschaft schon in der Jugend geweckt werden? Warum soll sie nicht schon in ihren Dienst treten?


14. Volle Flaschen haben kein Ansehen bei den Leuten,Nass. Schulbl., XIV, 5.


[1047] 15. Volle Flaschen machen leere Taschen. Scheidemünze, I, 4019.


16. Volle Flaschen machen wüste Köpfe und leere Taschen.

Holl.: Volle flesschen en glazen maken vloekers en dwazen. (Harrebomée, I, 192; Bohn I, 341.)


17. Wenn die Flasche angebrochen ist, muss man austrinken.


18. Wenn die Flasche leer, wird der Tanz nicht schwer.

Frz.: Après la panse, vient la danse. (Cahier, 484.)


19. Wer die Flasche hält, verdurstet nicht.

Holl.: Die bij de flesch zit, zegent zich zelven. (Harrebomée, I, 192.)


20. Wer die Flasche nicht schliesst, dem verzieht der Wein.Scheidemünze, II, 137.


*21. Aus der vollen Flasche in die leere giessen.


*22. Aus einer leeren Flasche trinken.

»Einen Mohren weiss waschen, trinken aus geleerten Flaschen, einen Esel nackt bescheren, eine Sackpfeif abehären.« (Logau.)


*23. Den Flaschen die Hälse brechen.


*24. Des heiligen Othmar's Flasche.

»Im Jahre 759 starb der heilige Othmar, nachdem er zum ersten Abbten von St.-Gallen gemacht worden. Unter seinem Hausshältigen Regiment hatten die Brüder gar mässig und bescheiden gelebt, dahero gebrach es seinem Wein-Geschirr nie an Weine. Dahero möchte vielleicht das Sprichwort von des heiligen Othmars Flasche kommen, welches man zu gebrauchen pflegt, wenn man eine nicht abnehmende schöne Menge von Wein oder dergleichen anzeigen will.« (Crusius, I, 264b.)


*25. Du hast der flaschen auff den riemen getretten.Franck, II, 148b; Murner, Nb., 17; Mathesy, 214a; Sutor, 247; Eyering, I, 804; Eiselein, 174.

Gern ein Glas trinken. Von der Redensart: Einen auf den Riemen der Schuhe, des Leibgurts treten, hergenommen und auf solche angewandt, welche die Flasche nicht von sich lassen.

Lat.: Ex amphitheto bibere. (Binder I, 457; II, 1012; Erasm., 581; Philippi, I, 142; Seybold, 160; Sutor, 247; Eiselein, 174.)


*26. Er findet jeder Flasche den Stöpsel (Zapfen).Simrock, 2500a; Eiselein, 173; Sailer, 298.


*27. Es ist noch nicht in der Flasche und ist schon Essig.Reinsberg VII, 38.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867, Sp. 1047-1048.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Holz, Arno

Papa Hamlet

Papa Hamlet

1889 erscheint unter dem Pseudonym Bjarne F. Holmsen diese erste gemeinsame Arbeit der beiden Freunde Arno Holz und Johannes Schlaf, die 1888 gemeinsame Wohnung bezogen hatten. Der Titelerzählung sind die kürzeren Texte »Der erste Schultag«, der den Schrecken eines Schulanfängers vor seinem gewalttätigen Lehrer beschreibt, und »Ein Tod«, der die letze Nacht eines Duellanten schildert, vorangestellt. »Papa Hamlet«, die mit Abstand wirkungsmächtigste Erzählung, beschreibt das Schiksal eines tobsüchtigen Schmierenschauspielers, der sein Kind tötet während er volltrunken in Hamletzitaten seine Jämmerlichkeit beklagt. Die Erzählung gilt als bahnbrechendes Paradebeispiel naturalistischer Dichtung.

90 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon