Mohr

1. Den Mohr kann man nicht waschen weiss, den Schnee nicht blasen heiss. (Sauerland.)


2. Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen.Masson, 340.

Von jemand, der sich für Erreichung irgendeines Zwecks hat benutzen lassen und dann durch einen Fusstritt seine Entlassung erhält. Der Spruch ist aus Schiller's Fiesco (Act 3, Scene 4) entlehnt, wo er lautet: »Der Mohr hat seine Arbeit gethan, der Mohr kann gehen.« (Büchmann, 23.)

Lat.: Equi senecta. (Binder II, 317; Lang, 317.)


3. Der Mohr wird von Natur nicht weiss.Eyering, I, 511 u. 686.


4. Du schwarzer Mohr, sagte der Kessel zum Kochlöffel.Bücking, 435.


5. Ein Mohr, der unter Weissen lebt, liebt es, Schmied zu werden.


6. Ein Mohr färbt nicht ab und wär' er noch so schwarz.Altmann VI, 473.


7. Ein Mohr kan wol ein weiss Kleid tragen, aber nicht die schwartz Haut weiss baden.Lehmann, 540, 45; Sailer, 148.

Frz.: A laver la tête d'un nègre, on perd sa lessive. (Cahier, 1149.)


8. Ein Mohr kann seine Haut nicht wandeln. Jer. 13, 23; Schulze, 177; Zaupser, 333.

Dän.: En morian omskifter ei sin hud eller en parder sine pletter. (Prov. dan., 435.)


9. Ein Mohr schwärzt den andern nicht.Simrock, 7059; Braun, I, 2742; Masson, 220.

Die Böhmen: Der Rabe macht den Raben nicht schwarz. Die Russen: Die Kohle kann sich mit dem Russ nicht beschmuzen. (Reinsberg IV, 45.)


10. Ein Mohr schwärzt den andern nicht, sagte die Nonne, da sass sie in des Mönchs Kutte.Hoefer, 796.


11. Ein Mohr schwärzt den andern nicht, sagte die Nonne zum Pater.Körte, 4277; Klosterspiegel, 11, 15.


12. Ein Mohr schwärzt den andern nicht, sagte die Nonne zum Pater, da lag sie auf ihm. Hoefer, 795.


[692] 13. Ein Mohr will den andern weiss waschen. Simrock, 7058a.


14. Ein Mor schwärtzt den andern nicht, sagt ein Nonn vnter des Münchs Kutte.Lehmann, 327, 30; Simrock, 7060; Klosterspiegel, 35, 7.


15. Ein schwarzer Mohr ist besser als ein weisser Teufel.

Dän.: Tit ønsker een sig en sort morinde, i steden for en hvid dievelinde. (Prov. dan., 447.)


16. Einen Mohren bleicht man nicht weiss; und ein Wolf verliert wol das Haar, aber die Naupen (Tücke) nicht.Lohrengel, I, 207.


17. Einen Mohren erkennt man am Gesicht und einen Narren an seiner Rede.Winckler, XIV, 15; Petri, II, 179.

Dän.: Det er godt at kiende en blaa mand paa sin hud. (Prov. dan., 72.)


18. Einen Mohren kann man nicht weiss waschen. (S. Esel 460.) – Müller, 10, 7; Simrock, 7058; Reinsberg VI, 34 u. 92; Parömiakon, 2525; Schlechta, 346.

»Einen Mohren weiss zu waschen, ist ein hoffnungsloser Versuch; aber es ist eine noch seltsamere Unternehmung, ihn dadurch weiss zu waschen, dass man ihm eine neue schwarze Haut gibt.« (B. Macaulay's Kl. gesch. und biograph. Schriften, Leipzig 1851, II, 416.) Die Russen: Ein Mohr bleibt Mohr, wenn er sich auch unter die Weissen mischt. (Altmann VI, 421.)

Engl.: There is no washing a black moor white.


Lat.: Aethiops non albescit. (Erasm., 471; Seybold, 14; Binder I, 28; II, 96; Philippi, I, 14.) – Nec pardus mutat varietates nec Aethiops pellam suam.

Schwed.: Korpen blir ej hwitare, fastän man twåler honom. (Marin, 18.)

Span.: Jurado ha el vano de negro no hacer blanco. (Bohn I, 325.)


19. Einen Mohren waschen ist umsonst waschen.Parömiakon, 468.


20. Einen Mohren weiss waschen (wollen), ist vergeblich.Körte, 4278.

»Vmbsonst ein schwartzen moren wescht.« (Waldis, IV, 95, 177.)

Engl.: He washes the Ethiopian. (Bohn II, 65.)

Holl.: Het is dan murian geschuurd. (Bohn I, 223.)

Lat.: Aethiopem dealbare (lavare). (Froberg, 15; Wiegand, 455; Faselius, 8; Philippi, I, 14; Hauer, L.)


21. Kein Mohr wird weiss.Gaal, 1150.

Engl.: Black will take no other hue. (Gaal, 1150.)

Holl.: Zal ook een Moorman zijne huid veranderen? (Harrebomée, II, 102a.)


22. Man kann einen Mohren lange hauen, bis er weisse Flecke bekommt.


23. Moren werden nimmer weiss.Franck, II, 58b; Lehmann, II, 406, 95; Körte2, 5363.

Mhd.: Des môres hût unsanfte lât ir swarze varwe die si hat. (Freidank.) (Zingerle, 103.)

Lat.: Aethiops non dealbavit. (Franck, II, 58a; Tappius, 62a; Erasm., 471; Gaal, 1150.)


24. Obschon zwen Moren zusammen kommen, so schwertzt doch keiner den andern nicht. Lehmann, 149, 134.


25. Wä ass Mohr is gebur'n, an dem is all 't Waschen verlur'n.Schlingmann, 1029.


26. Wenn du auch dein Lebelang einen Mohren badest, wirstu jhn doch nicht können weiss waschen.Mathesy, 131b; Petri, II, 666; Henisch, 170, 51.


27. Wenn man auch durch den Mohren predigte ein Loch, seine Schwärze behält er doch.


28. Wenn man auch wäscht den Mohr, er bleibt wie zuvor.Parömiakon, 478.


29. Wenn sich Mohren baden, wird das Wasser nicht schwarz.


30. Wer einen Mohren wäscht, verliert Mühe und Seife.

Es verlohnt der Mühe nicht, einen dummen oder halsstarrigen Menschen belehren zu wollen. Die Russen: Wenn man einen Mohren auch weiss färben wollte, er bliebe doch ein Mohr. (Altmann VI, 508; Reinsberg IV, 35.) Wenn man den Mohren auch schinden wollte, es würde ihm keine weisse Haut wachsen. (Altmann VI, 421.)

Holl.: Die eenen moor wil wasschen, verliest zijne moeite. (Harrebomée, II, 102a.)

It.: Chi lava il capo all' asino, perde il sapone.


31. Wer von einem Mohren wohl bedient sein will, der muss ihn wohl speisen, viel arbeiten lassen und tüchtig prügeln.Berckenmeyer.


[693] *32. Das heisst einen Mohren1 (weiss) waschen. Parömiakon, 2694; Braun, I, 2743.

1) Oder Araber, Aethiopier, wie andere Völker sagen. (Reinsberg IV, 34.)

Holl.: Het is den moriaan gewaschen. (Harrebomée, II, 102a.)

Lat.: Nigrum dealbare parietem. (Bovill, II, 4.)


*33. Dir wird Mohr was machen. (Nürtingen.)


*34. Eher könnte man einen Mohren weiss waschen.Parömiakon, 2450.


*35. Er hat ein Mohren gebadet.Lehmann, 776, 1.


*36. Er hat Mohren.

Studentenausdruck für: Angst, Furcht.


*37. Wenn der Mohr weiss werden wird.Parömiakon, 510.

D.h. nie.


[694]

38. Wenn der Mohr schwarz ins Bad gehet und schwarz wieder herauskommt, muss er doch den Bader bezahlen.Harssdörffer, 2639.

Sagte ein Meister, dem der Vater kein Lehrgeld bezahlen wollte, weil der Sohn nichts gelernt habe.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Bozena

Bozena

Die schöne Böhmin Bozena steht als Magd in den Diensten eines wohlhabenden Weinhändlers und kümmert sich um dessen Tochter Rosa. Eine kleine Verfehlung hat tragische Folgen, die Bozena erhobenen Hauptes trägt.

162 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon