Sohn

1. An einzigen Sühn soll män scheuen (meiden), an einzige Tochter soll män freuen (süchen). (Jüd.-deutsch. Warschau.) – Blass, 12.

Der erstere bringt gewöhnlich die Fehler des Muttersöhnchens, die letztere das Vermögen der Aeltern mit.


2. Besser der Sohn hure, denn die tochter.Henisch, 323, 36; Petri, III, 1.


3. Besser der Sohn verreisse einen Rock, denn dass er einen verfaule.Petri, II, 34.


4. Besser Ein Sohn als zwei Töchter.

Die Maoren auf Neuseeland denken ungefähr ebenso. Um den Gedanken auszudrücken, es sei vom geringen Nutzen, eine Tochter zu haben, sie werde vielleicht den Feinden Erben gebären, sagen sie im Sprichwort: Ein Weib hört vielleicht die Feinde singen, wie diese die Leiber ihrer erschlagenen Verwandten den Göttern opfern. (Vgl. Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857-69, II, 317 fg.)


[592] 5. Dass mein Sohn verliert, verdriesst mich nicht, aber dass er weiter spielen will.

Engl.: I am not angry my son loses, but that he will play on.


6. De gelêrde sone is ein ere, de ungelêrde ein schande den elderen.Tunn., 234.

Lat.: Exhilarat patrem sapiens puer, angit ineptus.


7. Deinen Sohn verheirathe, wenn du willst, aber deine Tochter, wenn du kannst.

Böhm.: Ožeń syna, kdy chceš, a vdej dceru, kdy můžeš. (Čelakovsky, 382.)

Engl.: Marry your son when you will, but your daughter when you can. (Bohn I, 42; Gaal, 1408.)

It.: Casa il figlio quando vuoi e la figlia quando puoi. (Gaal, 1408.)

Poln.: Oźeń syna, kiedy zechcesz, a wydaj ćorkę, kiedy mozesz. (Čelakovsky, 382.)


8. Der Sohn antwortet für den Vater nicht.Graf, 300, 123.

Er braucht weder des Vaters Gelübde zu leisten (vgl. Oelrichs, Rig. Ritterrecht, Kap. 82), noch weniger für dessen Verbrechen zu büssen.

Mhd.: De sone ne antwerdet vor den vader nicht. (Sachsenspiegel, II, 17, 1.)

9. Der Sohn artet (geräth) nach dem Vater, die Tochter nach der Mutter.Petri, II, 107; Henisch, 1506, 21.

Bei Tunnicius (607): De sone slacht na dem vader, de dochter na der moder. (Est patri soboles et nata simillima matri.)

Holl.: De zoon schoeit op des vaders leest. (Harrebomée, II, 509a.)


10. Der Sohn behält des Vaters Recht, die Tochter das der Mutter.Graf, 59, 235.

In dem falle, dass Mann und Frau unfrei waren, war es, wenn nicht besondere Verträge vorlagen, üblich, den Geburtsstand der Kinder nach dem Geschlecht zu bestimmen.

Mhd.: Die sone behalt des vader recht unde die dochter der muder. (Homeyer, III, 72, 2.)


11. Der Sohn behält seines Vaters Schild.Graf, 58, 208.

D.h. in der lehnsrechtlichen Gliederung dieselbe Rangstufe. Im Reichsheer gliederten sich nämlich die Kämpfer nach Rang und Lehnsverbindung, was durch das Wort Heerschild (s.d.) ausgedrückt wird.

Mhd.: Die sone behalt des vader schilt. (Homeyer, 21, 1; Lünig, I, 286, 20.)


12. Der Sohn beisst in den Apfel und dem Vater werden die Zähne stumpf.


13. Der Sohn, den der Vater erbeten, wünscht oft des Vaters Tod.

Dän.: Tit beder faderen om at faae en søn, og sønnen om at miste en fader. (Prov. dan., 151.)


14. Der Sohn des Schulzen kann sich schon eine Gurke herausnehmen.

Span.: Quien padre tiene alcalde, seguro va al juicio. (Cahier, 3481.)


15. Der Sohn geht gern in Vaters Schuhen.

Er pflegt in seine Fussstapfen zu treten. Der Sohn eines Esels, sagen die Spanier, schreit zweimal des Tags i-a. (El hijo del asno dos veces rozna al dia. Bohn I, 217.)

Port.: O filho do asno huma hora no dia orneja. (Bohn I, 288.)

Schwed.: Sonen träder gjärna i fadrens skoor. (Grubb, 748.)


16. Der Sohn ins Haus, die Tochter hinaus.

Böhm.: Syn do domu, dcerka z domu. (Čelakovsky, 402.)

Poln.: Syn w dom, dziéwka z domu. (Čelakovsky, 402.)

17. Der Sohn ist adelicher als der Vater.Graf, 34, 98.

Bei Adelsproben werden blos die adelich geborenen Ahnen gezählt, der neu Gradirte wird dabei nicht mitgezählt, wol aber sein bereits adelich geborener Sohn.


18. Der Sohn ist glücklich, dessen Vater nicht in der Hölle ist.Winckler, VI, 25.

Port.: Guai do filho, que o pai vai ao paraiso. (Bohn I, 278.)


19. Der Sohn ist mein, doch sein Verstand ist sein.

Ruth.: Syn moj, a um u njego s noi.


20. Der Sohn ist wie der Vater ward, die Tochter ist der Mutter Art.Suringar, CXXXII, 17.


21. Des Sohnes Ehre ist des Vaters Ehre.

Die Chinesen: Wer seinen Sohn lobt, rühmt sich; wer seinen Vater schmäht, beschimpft sich selbst.


22. Die ersten Söhne die besten.Henisch, 931, 31; Petri, II, 127.


23. Die soen slecht na dem vader, die dochter na der moder.Suringar, CLXXXII, 3.


[593] 24. Die Söhne der Helden sind Bösewichter. (Altgriech.)


25. Die Söhne nach dem Vater, die Töchter nach der Mutter.Graf, 59, 236.

Mhd.: Dij sun nach dem vater unnd dij töchter nach der mueter. (Maurer, II, 104.)


26. Die Söhne sind adelicher als der Vater, denn sie haben ein Glied (einen Sprossen) mehr.Simrock, 92; Hillebrand, 33; Graf, 34, 99.

Frz.: Le fils d'un gentilhomme est plus noble que son père. (Loysel, 35.)


27. Du sollst deinen Sohn bitten, wie man dem Esel thut.

Lat.: Milites sono tuborum incitantur ad pugnam. (Sutor, 591.)


28. Ein einiger Sohn, ein liebes Kind.Lehmann, II, 125, 22; Petri, II, 205; Simrock, 2011; Grubb, 196.


29. Ein frommer Sohn ist des Vaters Mawr vnd Schutz.Petri, II, 186.

Die Chinesen: Wenn ein Sohn geboren, so hängt man Bogen und Pfeile vor die Thür. (Hlawatsch, 89.)


30. Ein gehorsamer (kluger) Sohn ist des Vaters Freude.

Böhm.: Syn otce moudřeí – ši-radost; bratr bratra moudřejší – závist. (Čelakovsky, 398.)

Schwed.: Lydig son är faderens glädie. (Grubb, 471.)


31. Ein schlechter Sohn, der Aeltern Hohn. Sprichwörtergarten, 154.

Ein jüdisches Sprichwort sagt: Wenn ein schlechter Sohn ins Wasser fällt, lass ihn schwimmen, ohne ihm die Hand zu reichen. (Cahier, 2470.) Die Spanier dagegen empfehlen, den Sohn, wenn er auch ein schlechter Bursche wäre, nicht zu enterben. A buen hijo ni a malo no le cale heredar. (Cahier, 3462.)

Dän.: Ond søn er faderen skam, ligesom god søn er hans ære. (Prov. dan., 520.)

Schwed.: Arg son är fadrens blygd. (Grubb, 32.)


32. Ein Sohn und eine Tochter ist reicher Leute Wunsch.

Holl.: Een zoon en eene dochter is rijke lui wensch. (Harrebomée, II, 509a.)


33. Es ist besser der Sohn weine, als der Vater. (S. Kind 29.)


34. Es ist ein böser Sohn, der seinen Vater vertreibt.

Böhm.: Syn-li vyhání z domu, lehni si na pec; zet'-li zabruči, honem se chop kliky.


35. Es ist ein böser Sohn, der seiner Mutter (Kummer-)Thränen auspresst.

Die Chinesen sagen: Die Thränen, welche ein Sohn seiner Mutter kostet, kann nur er trocknen. (Cibot, 173.)


36. Es ist ein weiser Sohn, der seinen Vater kennt.Eiselein, 570.

Span.: El hijo á sabes que conoce io su padre. (Bohn I, 217.)


37. Hob ich a Sühn a Narr, lass er schon sein a grosser. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

Sollte mein Sohn ein Narr sein, so wünschte ich, er wäre ein grosser.


38. Ich bin der Sohn von des Königs Leibpferd, sagte der Maulesel, aber er vergass zu sagen, dass seine Mutter eine Eselin.

Holl.: Ik ben een zoon van's konings lijfpaard, zei de muilezel; maar hij vergat te zeggen, dat zijne moeder eene ezelin was. (Harrebomée, II, 509b.)


39. Ich brauche meinen Sohn zur Erzeugung des Rindviehs, sagte der Metzger, als er Soldat werden sollte.


40. Je lieber Sohn, je schärfer Ruthe. (S. Kind 373.)

Böhm.: Čím milejší syn, tím vĕtší metlu viň. (Čelakovsky, 409.)


41. Kein unechter Sohn geht zur Losung.Graf, 210, 183.

Unechte oder uneheliche Kinder waren nach dem alten deutschen Recht standeslos, konnten daher das väterliche Erbe nicht nehmen. (S. Ebenbürtig und Echter 2.)

Altgoth.: Engen thisun far sii git til lusa. (Schildener, Gutalaph, 22, 7.)


42. Liebe Söhne tragen bunte Röcke.


43. Lieber Sohn, lerne fein, so issest du Hüner vnd trinckest Wein.Petri, II, 438.


44. Man findet eher zehen vngerathene Söhne als eine vngerathene Tochter.Petri, II, 445.


45. Man frage nicht, wess Sohn du bist, sondern, wer dein Brotherr ist.

Span.: No con quien naces, sino con quien paces. (Don Quixote.)


[594] 46. Man soll den Sohn um des Vaters Schuld nicht schlagen.Graf, 300, 126.

Die Kinder sollen die Vergehen der Aeltern, nicht büssen. (S. Stehlen.) »Mann soll den Sun umb des vatters Schuld nicht slahen.« (Freyberg, IV, 212.)

Lat.: Delictum patris filio non nocere debet. (Seybold, 117.)


47. Meine Söhne sind im Herbste meines Lebens geboren; glücklich der, dessen Söhne im Frühling seines Lebens geboren sind. (Arab.)


48. Min Soen is nix Dumm's, säd' de oll Frû, as he jung wier, härr he flessen Pisseldök.Hoefer, 299; Schlingmann, 469.

Pisseldök sind die Tücher, welche man kleinen Kindern der Reinlichkeit wegen unterbreitet; flessen = flächsene, nicht wie gewöhnlich aus Werchgarn gewebte.


49. Selten der Sohn dem Vatter gleicht, der meisttheil von der art entweicht, vnd zumal dern man wenig find, die besser als jhre Eltern sind.Lehmann, 170, 35.


50. Sieben Sühn bringen a Stühl in Gan-Eden (Paradies), sieben Töchter a Stühl in Geh- Hennen (Hölle). (Jüd.-deutsch. Warschau.)


51. Sohn bist du, Vater wirst du sein; was du gibst, das nimmst du ein.


52. Sohn, da hast du meinen Speer, reite darauf hin und her. Wol Parodie des Stolberg'schen Liedes; Hoffmann von Fallersleben, Volksthümliche Lieder, Nr. 815.


53. Söhn' und Töchter können wol aus Einer Schüssel essen, man soll sie aber nicht mit Einer Elle messen.

Sie wollen in ihrer Erziehung verschieden behandelt sein. Die Holländer drücken diese Forderung durch das Sprichwort aus: Geef aan uw' zoon veel in den darm, maar geef hem weinig aan den arm; uw dochter aan den arrem veel, maar spaar't die liever uit de keel. (Harrebomée, II, 509a.)


54. Sohn und Tochter sind gleich nach Erbe zu nehmen. (S. Kind 149 und Schwert 67.) – Graf, 189, 45.

In Goslar: Söne unde Döchtere sint like na erve to nemende. (Bluntschli, Deutsches Privatrecht, München 1853-54, II, 397.)

55. Söhne erziehen ist so leicht wie Eisen verdauen.


56. Söhne und Töchter gehörten nach der Mutter.Graf, 58, 221.

Spricht den nicht überall in Deutschland geltenden Rechtsgrundsatz aus, dass der Geburtsstand der Kinder, ob frei oder eigen, nach dem der Mutter bestimmt wird. (S. Kind 57, 65 u. 66, Mutter 55 und Recht 148.)

Mhd.: Sune vnnd Tochter gehorn nach der muter. (Thüngen, 12, 7.)


57. Sohnes Weib hasst Mannes Mutter.Körte, 5561.


58. Son, werstu grot; Mutter, werstu todt.Petri, II, 537.


59. Später Sohn, frühe Waise.Winckler, V, 89.

Die Neugriechen: Ein später Sohn reift nicht mit seinem Vater. (Sanders, 78.)


60. Verheirathe deinen Sohn, wenn du willst, deine Tochter, wenn du kannst.Sailer, 264.

Frz.: Marie ton fils quand tu voudras, ta fille quand tu pourras. (Bohn I, 38.)

It.: Casa il figlio quando vuoi, e la figlia quando puoi. (Bohn I, 77.)

Span.: Casa el hijo quando quieres, y la hija quando pudieres. (Bohn I, 208.)


61. Was Sohn vnd Vater thun ernehren, thut vnser liebe Fraw verzehren.Petri, III, 12.


62. Wehe dem Sohne, dessen Vater nach dem Paradiese geht! (Arab.)

Nämlich infolge des Betragens seines Sohnes.


63. Wenn der Sohn um ein Ei bittet, so gibt jhm der Vater keinen Stein dafür.Petri, I, 95.


64. Wenn der Sohn von (kindlicher) Liebe voll ist, so ist des Vaters Herz ruhig. (Morgenland.)


65. Wenn du deinen Sohn mit Füssen treten willst, so ziehe zuvor die Schuhe aus.Sailer, 174; Simrock, 9556.

Mittel gegen Zorn, Aufschub der Handlung.


66. Wenn sich der Sohn einen Dorn in den Fuss tritt, thut dem Vater die Seele wehe.


67. Wer nur Einen Sohn hat, denkt seiner oft.

Holl.: Die maar éénen zoon heeft, gedenkt zich zijner dikwijls. (Harrebomée, II, 509a.)

It.: Chi ha un sol figlio, spesso si le ricorda.


[595] 68. Wer nur Einen Sohn hat, der macht ihn zum Narren, und wer nur ein Schwein hat, der macht es fett.Winckler, XIV, 81.

Engl.: He who has but one hog, makes him fat; and he who hath but one son, makes him a fool. (Bohn II, 15.)

Holl.: Die maar éénen zoon heeft, maakt hem zot; die maar één varken heeft, maakt het vet. (Harrebomée, II, 509a.)

It.: Chi ha un sol figlio, lo fa matto.


69. Wer seinem Sohne den Strick gibt, muss nicht klagen, wenn ihm die Hände gebunden werden. (S. Kind 1039.)

Aehnlich russisch Altmann VI, 437.


70. Wer seinem Sohne ein Handwerk lernen lässt und ihm einen guten Namen vermacht, der hat ihn gut versorgt.

Der Gewerbfleiss der Väter, sagen die Türken, soll der Kinder Erbe sein. Und in der Herzegowina heisst es: Der Kinder bestes Erbe sind Tugenden und ein Gewerbe. Auch die Araber empfehlen obenan eine gute Erziehung: Wer seinen Sohn ausbildet, so lange derselbe klein ist, wird Freude an ihm haben, wenn er gross ist. Ein gut gezogener Sohn wird das Herz des Vaters mit Freude erfüllen. Die Spanier sagen: Beim Sohne sieh darauf, dass er ein Handwerk lerne; bei der Tochter, dass sie gut sei; beiden kannst du keine grössere Wohlthat erweisen.

Span.: A tu hijo, buen nombre y oficio. (Bohn I, 203.)


71. Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt, der lehrt ihn stehlen.Chaos, 713.

Wie wahr sind die Lehren der Rabbinen an das arbeitsscheue Schachervolk! Jehuda: »Ein jeder, der seinen Sohn kein Handwerk lernen lässt, ist gleich, als wenn er ihm die Räuberei lehrte.« Und Gamolial: »Die Gelehrsamkeit steht schön, wenn man noch eine Verrichtung dabei kann; alle Gelehrsamkeit, wobei kein Handwerk ist, wird zuletzt unnütz und zieht Sünde nach sich.« Der Stifter des Christenthums war Zimmermann, Sokrates Bildhauer, Franklin Buchdrucker. Der Kaiser von China pflügt, Peter der Grosse von Russland konnte mehr als Ein Handwerk. (Vgl. L. Jahn, Volksthum, S. 226.)

Dän.: Hvo intet godt lærer sin søn, lærer ham at stjæle. (Prov. dan., 523.)

Lat.: Filius ut patri similis, sic filia matri. – Saepe patres mores imitatur filius infans; qualis erat mater, filia talis erit.


72. Wer seinen Sohn lieb hat, der züchtigt ihn. Hollenberg, I, 18.

Lat.: Peccantem puerum quisquis non corrigit, odit. (Binder II, 2510.)


73. Wer seinen Sohn nicht straft, der zieht sich einen Feind.

It.: Nodrisce contro se un nemico, chi al figlio perdona quando falla. (Pazzaglia, 282, 4.)


74. Wie der Sohn nach dem Vater, so gereth die Tochter nach der Mutter.Petri, II, 788.


*75. Da ist der verlorene Sohn.

Entweder in Bezug auf eine abhanden gekommene und wiedergefundene Sache oder vorherrschend auf eine vermisste oder auf sittliche Abwege gerathene Person.


*76. Das ist ein lieber Sohn, an dem ich einen Wolf gefangen habe.

Der Form nach Travestie des Bibelworts: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.


*77. Ein lieber Sohn aus Massow (s.d.).

Ironisch für: Ein schlimmer Gesell, Halunke, oft aber auch in nicht böse gemeintem Scherz für Strick, Schelm. Massow, ein Städtchen, zwei Meilen von Stargard, deren wohlerhaltene Mauer den alten Fritz zu der Bemerkung veranlasst haben soll: »Der Schelm ist auch den Mantel nicht werth.«


*78. Es ist ein theurer Sohn.

In Ulm für einen Umgeldschreiber.


*79. Es ist etwen der sun als der vatter.Hauer, Liij.


*80. Sich seinen Sohn zu Kopf wachsen lassen.

»Ich blute als Mensch, als Bürger und als Christ. Unser heiligster Vater hat sich seine Kinder übern Kopf wachsen lassen.« Ganganelli an einen Freund in Bezug auf die Jesuiten. (Vgl. Leben Clemens XIV., Berlin 1775, III, 27.)


*81. Um des Sohnes willen liebte er die Schnur.


[Zusätze und Ergänzungen]

82. Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.Matth. 3, 17.


83. Deinem Sohne sage Lügen, deinem Schwiegersohne aber die Wahrheit.


84. Ein furchtsamer Sohn macht seiner Mutter keine Trauer.

Lat.: Timidi mater non flet. (Čelakovsky, 119.)

Poln.: Bojaźliwy matki nierozrzewni. (Čelakovsky, 119.)

85. Hast du einen verständigen Sohn, was soll dir Reichthum; und wieder, hast du einen unverständigen Sohn, was soll dir Reichthum?Merx, 182.


86. Mein lieber son zu keiner frist hab krieg mit dem, der kleffig ist.

Lat.: Verbosi lites, fili charissime, uites. (Loci comm., 43.)


87. Wo der Sohn vor dem Vater geht, und der Lai ohn' den Priester zum Altar steht, und sich der Knecht über den Herrn setzt, und der Bauer für den Edelmann Wildpret hetzt, und die Henne kräht für den Hahn, und die [1733] Frau will reden für den Mann; so soll man den Sohn strafen und matten, und den Narren scheren ein Narrenplatten, und den Knecht hinter die Thür stellen, und soll den Bauern eine Kuh fällen, und die Henne an ein Spiess jagen, und die Frau mit Knütteln schlagen. So hat man ihn'n allen den rechten Lohn geben.Schaltjahr, III, 7.


*88. Mein Sohn kann's thun, denn er hat einen reichen Vater.

Diese Redensart rührt ursprünglich von dem Vater des 1876 zu Wien verstorbenen Barons Simon Georg Sina her, der damit einen Fiaker abfertigte auf dessen Bemerkung, der Sohn zahle von Hietzing herein 5 Gulden und der Vater nur 2 Gulden. (Bohemia, 1876, Nr. 107.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
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