Hand

[293] 1. Alle Händ' voll to dohne, seggt de ol Zahlmann1, on heft man êne. (Insterburg.) – Frischbier2, 1469.

1) Der Name eines Feldwächters in Insterburg.


2. Alten Händen hilft kein Nagelschminken. Laus. Magazin, XXX, 251.

Russisch Altmann V, 85.


3. An schlüpfrigen Händen bleibt leicht etwas kleben.


4. An schmierigen Händen bleibt viel hängen. Eiselein, 278; Simrock, 4262.


5. Andere Hand, ander Glück.

Wendisch in der Oberlausitz: Druha ruka, druhje zbożo. – In der Niederlausitz: Druga ruka, druga glika.

Böhm.: Jiná ruka, jiné štĕstí. (Čelakovsky, 150.)


6. Andere Hände haben immer die fettesten Schnitte.

Böhm.: V cizích rukou vždy vĕtší krajíc. (Čelakovsky, 109.)


7. Aene Hand giht än Gang.Lohrengel, I, 15.


8. As man en Hand ümkîrt, ligt en Minsch up den annern, har jene lütj Diern seggt. (Holst.) – Schütze, III, 101; Hagen, 99, 23; Hoefer, 224.


9. Aus der Hand in den Mund gibt schlechte Nahrung (Haushaltung) kund.Körte, 2560; Simrock, 4289.


10. Aus einer unglücklichen Hand muss man nicht wahrsagen.

D.h. aus einer solchen, die Schlimmes zu verkünden geböte. Sinn: man soll es vermeiden, sich zum Verkünder von Unglücksbotschaften zu machen.

Böhm.: Z nehezkých rukou nehádej. (Čelakovsky, 248.)


11. Aus erster Hand ist der beste Kauf.

Dän.: Af første haand er beste kiøb; thi i anden og tredie haand bliver det dyrere. (Prov. dan., 342.)


12. Auss flacher hand kan man kein Haar rupffen.Lehmann, 836, 11.

Dän.: Ondt er at plukke haar of loe. (Prov. dan., 437.)


13. Beide Hände müssen dem (einen) Kopf dienen.Schlechta, 111.


[294] 14. Bereite Hand lobt alles Land.Simrock, 4256; Körte, 2551.


15. Besser die Hand in einem Kuhfladen als in fremdem Golde.Meisner, 29; Simrock, 6860.


16. Besser die Hand reichen, als stehlen.

Lieber die Hand nach einem Almosen ausstrecken, als nach fremdem Eigenthum und dann mit dem Halse büssen.


17. Besser die Hand schlägt, als die Zunge sticht.

Frz.: Myeulx vault des mains estre battu que de langue estre feru. (Bovill, II, 85.)

Lat.: Praestat manibus interdum quam labiis caedi. (Bovill, II, 85.)


18. Besser die Hand verlieren als den Kopf.

Frz.: Mieux vaut tendre la main que le cou. (Cahier, 981.)


19. Besser die Händ zittern von trincken als von hencken.Gruter, III, 9; Körte, 2581.


20. Besser einmal helfen mit der Hand als zweimal mit dem Maul.

Dän.: Haande-hielp er bedre end munde-hielp. (Prov. dan., 265.)


21. Besser eins in der Hand als zwei über Land.


22. Besser in die Hand des Herrn fallen als in die Hand der Menschen.Opel, 376.


23. Besser mit den Händen erwerben, als von reichen Vettern erben.

Holl.: Beter op eene eerlijke wijze mit de handen geld te winnen, dan dit op eene gemakkelijke wijze te erven. (Harrebomée, I, 276b.)


24. Betrügliche Hand macht arm.

Holl.: De bedriegelijke hand maakt arm. (Harrebomée, I, 276.)


25. Blutige Hand mag kein Erbgut empfahen. Graf, 211, 201.

In Ostfriesland: De bloedige hand mach nicht Loffguit entfangen. (Wicht, II, 128, 431.)


26. Boshafte Hände nehmen ein schändliches Ende.

Dän.: Haand som vaade giører sorg tilrede. (Prov. dan., 264.)


27. Chalt Händ, früsch Herz. (Luzern.) – Schweiz, II, 243, 79.


28. De eine Hand recket (reichet) der andern. (Hannover.) – Schambach, 75.


29. De in de en Hand fleut un in de anner wünscht, hett in beid lik väl. (Strelitz.) – Firmenich, III, 73, 118.


30. De lang Händ mäht der möde Mann. (Bedburg.)


31. De lang Händ mäht Heu un et Wedder noch besser. (Bedburg.)


32. De sîn Hand tüschen Bôm und Borke steckt, klemmt sick. (Ostfries.) – Frommann, IV, 142, 345; Eichwald, 717.


33. Dein eygen Hand dich nehren sol, so lebstu recht vnd geht dir wol.Gesind Teufel im Theatrum Diabolorum, 235b.


34. Der freigebigen Hand fehlt es an Freunden nicht.

Dän.: Runde haender gjøre mange venner. (Bohn I, 396.)


35. Der gesammten Hand muss man Folge leisten.Eisenhart, 691; Hillebrand, 84, 111; Pistor., V, 92; Hertius, 42; Simrock, 3462; Eiselein, 228.

Dies Sprichwort bezieht sich aufs Lehnrecht und erklärt sich aus demselben. Unter der »gesammten Hand« ist nämlich eine Art der Belehnung zu verstehen, die mehrern auf einmal geschieht, wobei jedoch nur einer der Belehnten zum wirklichen Besitz des Lehns gelangt, während die übrigen es erst nach demselben, dem Erbgangsrechte gemäss, erhalten. Es war nun die Pflicht jedes Mitbelehnten bei einer Veränderung des Lehnsherrn, sich dem Nachfolger desselben darzustellen und mittels Ablegung des Lehneides die Lehne zu erneuern. Dies nannte man: der »gesammten Hand Folge leisten«. Das Wort »Folge« heisst hier so viel, wie es in den deutschen Lehnsgesetzen des Mittelalters häufig vorkommt, als Bitte um Erneuerung der Belehnung.


36. Der mit Händen vnnd Füssen in die sach ist gefallen, der fellet mit Händen vnnd Füssen wider darvon.Lehmann, 277, 43.


37. Der muss eine glückliche Hand haben, der das Glück fassen (ergreifen) will.

Die Russen haben: Um das Glück zu greifen, muss man selbst eine glückliche Hand haben. (Altmann VI, 477.)


38. Der reinen Hand deckt Gott den Tisch.

Frz.: A main lavée Dieu envoie un bon repas. – A main lavée Dieu mande le repas. (Leroux, I, 173.)


[295] 39. Der schaffenden Hand fehlt's nicht an Brot.

Holl.: De werende hant wordt immer raad. (Harrebomée, I, 277a.)

Lat.: Palma laboriosa valet, nil accidiosa. (Fallersleben, 302.)


40. Dessen Hände nicht werben, der wird an Braten (Kuchen) nicht sterben.


41. Deutsche Hand, sicheres Pfand.Sprichwörtergarten, 121.

Zum Ruhme deutscher Ehrlichkeit und Treue.


42. Die blutige Hand nimmt kein Erbe.Eisenhart, 316; Estor, II, 250 u. 332; Hillebrand, 149, 209; Pistor., III, 83; Eiselein, 147; Graf, 211, 200; Simrock, 2090.

Durch dies, aus dem römischen Rechte entlehnte und in den Niederlanden mehr als in Deutschland übliche Sprichwort wird angezeigt, dass der, welcher einen andern umgebracht oder doch verwundet, überhaupt seine Hand mit einem Verbrechen befleckt und sich dadurch von der Verwandtschaft ausgeschlossen hat – im Sprichwort durch die »blutige Hand« bezeichnet –, von der Erbschaft ausgeschlossen sei, wenn er der nächste Erbe des Ermordeten war oder Hoffnung hatte, es infolge eines Testaments zu werden. Einige Ausleger wenden das Gesetz auch auf die an, welche Personen, die sie zu beerben hoffen, ohne die nöthige Pflege in ihrer Krankheit oder ohne rechtzeitige ärztliche Hülfe lassen u. dgl., was die »blutige Hand« in der weitern Bedeutung ist.

Altfries.: Thiu blodich hant ne mey neue lawa fagia. (Richthofen, 205.)

Holl.: De bloedige hand neemt geene erfenis (oder: erft niet). (Harrebomée, I, 276.)


43. Die breite hand schmuckt wol.Henisch, 497, 32; Petri, II, 125.

Lat.: Larga manus. (Henisch, 497, 33.)


44. Die erste Hand des Gerichts ist der König. (S. Gericht 3 u. 11.) – Graf, 403, 13.


45. Die fleissige Hand erwirbt, die faule (Hand) verdirbt.


46. Die fleissige Hand nehret Gott.Petri, II, 127.


47. Die geringere Hand zieht die Kinder nach sich.Graf, 58, 219.

Spricht den Rechtssatz aus, dass das Kind, wenn eins von den Aeltern unfrei, ebenfalls unfrei ist. (S. Kind.)

Mhd.: Dy ring hantt zuicht dy Kind nach jm. (Maurer, II, 104.)


48. Die Hand am Hut kostet nicht viel und ist doch gut.

Heinrich IV. von Frankreich liebte zu sagen: »Toujours la main au bonnet ne coûte rien et bon est.«


49. Die Hand an den Pflug gibt Brot genug.

Holl.: Hand aan den ploeg, zoo zal't God vorderen. – Sla handen aan, zoo zal't wel gaan. (Harrebomée, I, 278 u. 282.)


50. Die Hand des Armen ist Gottes Schatzkammer.

Nämlich die Hand des Armen, der es ohne seine Schuld ist.


51. Die Hand dess, der hat, reicht weiter als die Schleuder dess, der borgt.


52. Die hand, die den eid aufnimpt, kan jhn auch wider erlassen.Henisch, 823, 24; Graf, 525, 328; Simrock, 1902.


53. Die Hand, die man nicht abhauen kann, muss man küssen.

54. Die Hand Gottes schlegt manchen stoltzen Held zu Todt.Petri, II, 130; Henisch, 1693, 41.


55. Die Hand hat fünf Finger, aber jeder ist anders.

Böhm.: Ruka má pĕt prstův, a kuždý jiný. (Čelakovsky, 403.)


56. Die Hand ist ein halbes Leben.Graf, 323, 291.

Vom Wergeld (s.d.), d.h. der Entschädigung, welche die Familie für die Tödtung oder Verstümmelung eines ihrer Mitglieder forderte. Das obige Sprichwort sagt nun, dass für den Verlust einer Hand die Hälfte des für Tödtung bestimmten Betrags gefordert ward.

Altfries.: Thiu hand is en halff liff. (Richthofen, 338, 2.)


57. Die Hand küssen, welche schlägt, ist hündisch.Riehl, Eisele und Beisele.


58. Die Hand muss den Kopf schützen.

Dän.: Det er en ond haand, der ei vil sit hoved vaerge. (Bohn II, 359.)


59. Die Hand muss gelöst werden, wo sie gebunden ist.Graf, 111, 273.

Von der Gewährspflicht. Wenn man eine Sache jemand freiwillig leihweise überlassen hat, so kann man sie nur von diesem und nicht von einem dritten, an den sie übergegangen wäre, zurückfordern.


[296] 60. Die Hand muss klüger als die Zunge sein.


61. Die Hand muss langsamer sein als die Zunge.


62. Die Hand muss nicht alles thun, was die Zunge sagt.

Span.: La mano cuerda no hace todo lo que dice la lengua. (Bohn I, 227; Cahier, 3490.)


63. Die Hand, so an dem Wegscheid steht, zeigt einen Weg, den sie nicht geht.Petri, II, 195; Eiselein, 277.

Lat.: Saepe manus fixa in directo tramite campi, monstrat iter rectum, per quod non ambulat ipsa. (Eiselein, 277.)


64. Die Hand, so den Eid aufnimpt, kan jhn auch wider erlassen.Petri, II, 130; Henisch, 823, 24; Eisenhart, 557; Pistor., II, 56; Hassl., 13; Hertius, I, 32; Hillebrand, 229, 336; Sailer, 251; Simrock, 1902.

Derjenige, zu dessen Gunsten ein anderer etwas eidlich versprochen hat, kann ihn auch von der Erfüllung des Versprochenen entbinden, ohne dass es einer gerichtlichen Lossprechung vom Eide für den, der ihn geleistet hat, wie sie das geistliche Recht, welches den Eid für unverletzlich erklärt, bedarf.


65. Die Hand vom Sacke, das Mehl ist verkauft. Simrock, 2484; Körte, 2573 d.


66. Die Hand vom Sack, sagt der Bettelmann.


67. Die Hand von der Butten, es sind Weinbeeren drin.Simrock, 4285; Körte, 2573e.

In Schwaben: D' Hand vom Butta, 's sind Weinbeer drinn. (Nefflen, 454.)


68. Die Hand von der Butten, es sind Weinbeeren darin, sagte der Abt zum Mönch, als er die Nonne küssen wollte.Klosterspiegel, 9, 23.


69. Die Hand von der Butter, die Haare sind heraus.Simrock, 4286.


70. Die Hand vor den Mund, das ist gesund.

Holl.: Hand voor mond is gesond. (Harrebomée, I, 278.)


71. Die Hand wächst dem noch aus dem Grabe, der seine Aeltern schlägt.

Dieser Glaube hielt manchen rohen Naturausbruch in Ordnung. J. Weber (Demokritos, IV, 66 u. 67) bemerkt in Betreff dieser »Fraubasenlehre«: »Unsere Grossmütter waren nicht so dumm, als naseweise Jugend glauben mag; sie hingen ihren moralischen Sprüchelchen Klötzchen an, um sie desto besser flüchtiger Jugend einzuprägen. Wenn du das Messer auf den Rücken legst, sagten sie, so schneiden sich die Englein. Wenn man abends in den Spiegel guckt, guckt der Gottseibeiuns heraus. Mache kleine Schritte, sagten sie zu den Mädchen, du wirst sonst ein Junge. Und den Jungen: Wenn du auf einen Baum siehst, worauf ein Mädchen steht, wirst du blind. Der Glaube, Garn, von jungen Mädchen gesponnen, sei gut gegen Hexerei und Gicht, es gäbe das beste Hasenfutter und bei Freischiessen Gewinn, es mache fest gegen Hieb und Schuss, gewöhnte zur Spindel; und der Glaube: Die Katze putzt sich, es kommen Gäste, viel Hausschlampen an grössere Reinlichkeit. Die Fraubasenlehre: Leere Eier muss man zerbrechen, sonst essen die Hexen mit, beruht auf der Erfahrung, dass Hennen unzerquetschte Eierschalen gern auffressen und dadurch auch volle Eier fressen lernen. Der Satz: Einer Bruthenne muss man die Eier in ungerader Zahl unterlegen, hat seinen Grund darin, dass sie so dichter beisammenliegen. Eine krähende Henne bedeutet Unglück; denn sie fängt dann in der Regel an fett zu werden und legt keine Eier mehr. Der Aberglaube: Der Alp holt ein allein gelassenes Kind und legt einen Wechselbalg unter, machte die Wärterinnen aufmerksamer. Nichts beweist besser den Oekonomiegeist unserer guten Alten, als ihre Lehre: Wer das Salzfässchen umstösst, bekommt Verdruss


72. Die Hand, welche kurz ist, andern Dienste zu leisten, soll nicht nach hohen Stellen langen.Burckhardt, 594.

Denn der, welcher keiner Aufopferung für andere fähig, verdient keine hohe Stellung.


73. Die Hand will allzeit an der Wunde sein. Winckler, V, 75.


74. Die Hand wird gelöst, wie sie gebunden ist. Graf, 235, 74.

Wie ein Vertrag nur durch gegenseitige Uebereinstimmung der betreffenden Personen entsteht, so kann er auch nur durch gegenseitige Einwilligung aufgelöst werden. Das Sprichwort stammt aus dem römischen Recht. In Hamburg: De hant schal werden gheloszet, dar he wert ghebunden. (Lappenberg, 247, 4.)


75. Die Hand wird gerühmt und der Meissel hat's gethan.

76. Die Händ zu Hof haben keine Hertzen.Lehmann, 390, 49.


[297] 77. Die Hände am Rocken, die Augen an der Thür.

Von der Hausfrau.


78. Die Hände ins Wasser; fängst du keinen Fisch, so werden sie doch nass und rein.


79. Die Hände reiben, heisst nicht Balgentreten; und auf den Knien liegen ist nicht beten.


80. Die Hände vergessen leicht, was der Mund versprochen hat.


81. Die hend helffen dem kopff mehr als die Füss.Lehmann, 527, 26.


82. Die Hend können dem Kopff mehr helffen als die Füss.Lehmann, 378, 76.


83. Die krumme Hand kendt man zu Hofe.Agricola II, 124; Egenolff, 34a; Petri, II, 135; Körte, 2569; Eiselein, 277; Simrock, 4828.

Lat.: Clauditur oranti, sed panditur aula ferenti. (Philippi, I, 84; Seybold, 77.)


84. Die krumme Hand zu Hofe thut das Beste. Herberger, I, 638.

»Nach der Hofleute Symbola: Da capias, quaerat plurima pauca, nihil.«


85. Die linke Hand geht von Herzen.Pistor., V, 26; Eiselein, 279; Körte, 2571; Simrock, 4268; Braun, I, 1103.

»Die lincke giht von hertzen.« (Keller, 170a.) – Heirathen zur linken Hand, sagt man, geschehen aus Liebe. Sind etwa daher viele unserer Ehen so kalt, weil sie mit der rechten Hand geschlossen werden?

It.: La mano sinistra è la mano del cuore. (Pazzaglia, 212, 1.)


86. Die linke Hand ist der rechten nicht so nötig als einigkeit den lehrern in reiner lehr. Henisch, 838, 47; Petri, I, 26.


87. Die linke Hand juckt mir, ich werde Geld bekommen.Frischbier2, 1459.

Das Jucken der rechten Hand dagegen soll Ausgeben von Geld andeuten.


88. Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte thut.Pistor., I, 40.

Leider wissen sie oft beide nicht, was sie thun.

Holl.: Laat de linker hand niet weten, wat de regter doet. (Harrebomée, I, 281.)


89. Die linke Hand weiss nicht, was die rechte thut, sagte Lips, und schlug den Pfarrer zwischen die Ohren.


90. Die mild Hand verlest Gott nicht.Petri, II, 138.


91. Die rechte Hand ist Schicketanz der linken.

It.: La diritta è serva della mancina. (Bohn I, 105.)


92. Die rechte Hand muss die linke nicht verachten.


93. Die rechte Hand soll nicht wissen, was die linke thut.

Ein biblischer Ausspruch, der auch bei den Arabern, sprichwörtlich geworden ist. (Burckhardt, 778.)


94. Die rechte Hand vollbringt, die linke wird beringt.

Dän.: Den høyre haand forretter verket, og den venstre ziires med ringen. (Prov. dan., 265.)


95. Die todte Hand ist fromm und faul, und gibt nichts wieder her, was einmal an sie gekommen ist.Klosterspiegel, 9, 22.


96. Die vnreine hand erwerbet fette bisslein.Henisch, 396, 3; Petri, II, 146.


97. Dritte Hand soll antworten.Graf, 110, 267.

Wenn jemand ohne seinen Willen eine Sache weggekommen ist; so kann er jeden, in dessen Besitz er sie findet, deshalb in Anspruch nehmen, auch dann, wenn dieser sie im guten Glauben erworben hat, weil ein Dieb u.s.w. dem Käufer kein besseres Recht übertragen kann, als er selber hat. Die Gewährspflicht springt von einer Hand zur andern zurück. Nur die nordischen Rechte lassen eine Beschränkung der Verfolgung eintreten, worauf sich das obige Sprichwort bezieht. Beim dritten Verkauf soll sich sogar der Diebstahl lösen, d.h. die Sache nicht mehr als gestohlen gelten.

Mhd.: De drüdde hant de schal antworten. (Haltaus, 794; Westphalen, IV, 3006.)


98. Dürre Hände, dicke Beine (Füsse).

Wenn die Hände vor Hunger mager werden, schwellen die Füsse vor Kälte an.


99. Eh' sich die Hände binden, sollen sich die Herzen finden.


100. Ehrelke Hand geit dör't ganze Land.Hauskalender, I; Bueren, 413.

101. Ehrliche Hand geht durch alle Land. Körte, 2566; Mayer, I, 95; Braun, I, 1108.


[298] 102. Eigene Hand ist die nächste.

Dän.: Eens egne haender ere huld este. (Prov. dan., 136.)


103. Eigene Hand ist Herr im Land.

Sie herrscht, gebietet, ordnet, regiert, waltet und schaltet am besten. Die Russen: Eigene Hand ist Herrscher. (Altmann V, 70.)

Böhm.: Svá ruka vládyka. (Čelakovsky, 133.)


104. Eigene Hand ist stärker als fremdes Eisen.

Dän.: Egen haand er altijd huldest. (Prov. dan., 264.)


105. Ein handt juckt die ander.Egenolff, 315b; Petri, II, 195; Gruter, I, 25; Eiselein, 276.


106. Eine, der man die Hände einweiht und die Jungfernschaft ist weg, lässt selten nach. Klosterspiegel, 31, 14; Eiselein, 354.


107. Eine ehrliche Hand kommt durchs ganze Land und endlich durch Trogen auch. Kirchhofer, 147.

Die appenzellisch-ausserrhodische Gemeinde Troga, durch welche die Goldach fliesst. Tobler (153) bemerkt zu dem Sprichwort: »Vielleicht Wortspiel. Da man vor 900 Jahren dem Rinnsale eines Wassers zuweilen die Benennung troc beilegte, so verdiente da die tiefe Bergschlucht billig den Namen Trog und die an derselben erbauten Menschenwohnungen die Benennung Trogen


108. Eine ehrliche Hand kommt durchs ganze Land und wieder zurück.


109. Eine fleissige Hand machet reich.Coler, 94.


110. Eine fleissige Hand wird mit ehren reich, wenn sie an einem Gottseligen Hertzen steht.Petri, II, 184.


111. Eine goldene Hand heisst man überall willkommen. (Wend. Lausitz.)


112. Eine Hand allein klatscht nicht.


113. Eine Hand, die schenkt, wird nicht gekränkt.Schlechta, 439.


114. Eine Hand, die uns geschlagen, küsst sich schwer.


115. Eine Hand, die zu nehmen gewohnt ist, gibt nicht gern.Burckhardt, 536.


116. Eine Hand dient der andern.Eyering, II, 104 u. 185.


117. Eine Hand geit einen Gang. (Hannover.) – Schambach, 180.

Ein Mensch kann auch bei allem Fleisse nicht so viel ausrichten als mehrere.


118. Eine Hand gibt, die andere nimmt.

Böhm.: Jedny ruce práva píší, jedny je i maží. (Čelakovsky, 339.)


119. Eine Hand hilft dem Kopfe mehr als zwei Füsse.

Dän.: Haanden hielper hovedet meere end foden. (Prov. dan., 265.)


120. Eine Hand voll Gold ist schwerer, denn ein Sack voll Recht und Wahrheit.Sailer, 201.


121. Eine Hand voll Wind verfliegt geschwind.

Holl.: Het is maar eene hand vol wind. (Harrebomée, I, 278.)


122. Eine Hand wäscht die ander, beide waschen das gesicht.Lehmann, 374, 8 u. 235, 50; Sailer, 241; Schlechta, 62; Körte, 2554.

Böhm.: Jedna ruka druhou myje, a obĕ spolu tvář. (Čelakovsky, 86.)

Frz.: Un engagement en entraîne un autre. (Gaal, 1.)

Holl.: De eene hand wascht de andere, en beide waschen het aangezigt. (Harrebomée, I, 276; Bohn I, 304.)

It.: Una mano lava l'altra e le due il viso. (Pazzaglia, 212, 3; Gaal, 847; Bohn I, 129.)

Kroat.: Ruka ruku umiva, obodve obraz. (Čelakovsky, 86.)

Poln.: Reka reke umywa, noga nogę wspiera. (Čelakovsky, 86.)

Port.: Huma maõ lava a outra, e ambas o rosto. (Bohn I, 180.)

Span.: La una mano á la otra lava, y las dos á la hace. (Bohn I, 228.)


123. Eine Hand wäscht (kraut, reibt) die andere.Franck, II, 69; Petri, II, 196; Egenolff, 315b; Eyering, III, 306; Bücking, 5; Blum, 541; Neus, 33; Schamelius, 86, 2; Siebenkees, 220; Müller, 9, 5; Pulvermacher, 35, 47; Meinau, 207; Ramann, Unterr., I, 2; Lohrengel, I, 200; Campe, 572b; Braun, I, 1104; Eiselein, 276; Mayer, I, 82 u. 174; Simrock, 4252; Wurzbach II, 167; Friedrich, Satirische Feldzüge, I, 125; für Rastede: Firmenich, III, 26, 14; für Holstein: Schütze, III, 286; für Waldeck: Firmenich, I, 325, 11; Curtze, 355, 512; schlesisch bei Keller, 163; Gomolcke, 370.

» ... Das eine Handt wesch die ander rein.« (Waldis, IV, 61.) Eine Gegengefälligkeit hat eine andere zur [299] Folge. Oft auch: die unerlaubte Handlung des einen bleibt infolge der unerlaubten Handlung des andern ungestraft, indem keiner den andern verräth. (S. Dienst 22, Hund u. Traube.) Die Neger in Surinam sagen ähnlich: Die rechte Hand wäscht die linke Hand, die linke Hand wäscht die rechte Hand. Fast denselben Gedanken drückt ein anderes ihrer Sprichwörter aus: Eine Hand kann ihren Rücken nicht waschen, noch kann ein Euss allein gehen.

Böhm.: Ruka ruku mývá. (Čelakovsky, 86.)

Dän.: Den eene haand toer den anden.

Frz.: D'une main laver l'autre doibs, comme du poul ce les autres doigts. (Leroux, I, 174.) – Il passeront la rhabarbe en faveur du séné. (Lendroy, 1167.) – Une main frotte (lave) l'autre. (Gaal, 847; Cahier, 189 u. 982; Leroux, I, 175.) – Une main per l'autre, un pied fait lever l'autre. (Cahier, 1965.)

It.: Una man lava l'autra, e doe lavo la cera. (Čelakovsky, 86.)

Krain.: Roka toka vmije. (Čelakovsky, 86.)

Lat.: Manus manu indiget, pes pede. (Binder II, 1795; Novarin, 481.) – Manus manum, digitum digitus abluit. (Eiselein, 276.) – Manus manum fricat (lavat). (Tappius, 238a; Binder I, 953; II, 1795; Bovill, I, 11; Egeria, 130; Schamelius, 86, 2; Schonheim, M, 7; Eiselein, 276.) – Officium officio provocatur. (Binder I, 1268; II, 2359; Seybold, 403.) – Tradunt operas mutuas. (Terenz.) (Binder II, 3337.) – Utraque mundatur, dum palma palma lavatur. (Binder II, 3462; Gaal, 847; Sutor, 108 u. 264; Egeria, 314.)

Slow.: Roka roka umijo, obedve palice.

Span.: La una mano á la otra lava, y los dos á la cara.

Tschud.: Kässi pesseb teist, siis sawad mollemad puhtakks. (Čelakovsky, 86.)

Ung.: Egy kéz a másikat mossa. (Gaal, 847.)


124. Eine Hand wäscht die andere, nur muss ein dritter nicht die Seife dazu hergeben sollen.


125. Eine Hand, welche schlägt, muss auch segnen.


126. Eine Hand zieht an, was der ganze Leib nicht wieder vertreiben kann.Körte, 2568.


127. Eine hässliche Hand wird nicht schöner durch einen goldenen Ring.

Die Russen: Eine hässliche Hand begehrt keines Ringes. (Altmann VI, 510.)


128. Eine kluge Hand macht nicht alles, was eine närrische Zunge schwatzt.

It.: La saggia mano non fa tutto quello, che dice la lingua sciocca. (Pazzaglia, 212, 4.)


129. Eine saubere Hand fährt allzeit in magern Beutel.Winckler, II, 78.


130. Eine schöne Hand bedarf keiner Ringe.


131. Einer solchen Hand gehört kein ander Scepter.Parömiakon, 2668.

Megerle wendet diese Redensart auf Ehebrecher an, die bei einem Volke verkehrt auf einen Esel gesetzt wurden, den Schwanz des Thieres in der Hand halten mussten und so in der Stadt herumgeführt wurden.


132. Einmal die Hand an den Pflug und nicht wieder davon.Körte, 4798.

Gegen das Umsatteln.


133. En kram Hând mâcht ale Dîren af.Schuster, 1038.

Eine krumme (bringende, mit Geschenken versehene) Hand macht alle Thüren auf.


134. Endeliche hand macht reich.Henisch, 890, 28.


135. Enne Hand hät ennen Gang. (Waldeck.) – Curtze, 341, 345.


136. Erfrorenen Händen ist kein Ofen zu heiss.


137. Erst die Hand an den Pflug, dann die Augen auf die Ernte.

Dän.: Leg först haanden paa ploven, før du vender öyne til høsten. (Prov. dan., 456.)


138. Erst die Hand füllen, dann den Mund.

Holl.: De hand te vullen is het middel, om den mond te vullen. (Harrebomée, I, 277a.)


139. Erst die Hände bewegen, dann die Zähne regen.


140. Es gehören rauhe Hände dazu, einen Aal zu fangen.


141. Es gibt nicht eine Hand voll, es gibt ein ganzes Land voll.

Damit tröstet sich ein Bewerber, der eine abweisende Antwort erhalten hat oder dem seine Geliebte untreu geworden ist.


142. Es gibt viel Hände; was eine nicht kann, das macht die andere.Simrock, 10964a.


143. Es ist eine böse Hand, die den Kopf nicht schützen mag.

Dän.: Det er en ond haand ei sit hoved til værge. (Prov. dan., 265.)


[300] 144. Es ist eine faule Hand, die sich selber nichts Gutes gönnt.Gruter, III, 34.

Böhm.: Odsekni tu ruku po loket, která sobĕ dobra nepřeje. (Čelakovsky, 57.)


145. Es ist nicht in vnsern Händen, dass wir edel geboren werden.Lehmann, II, 156, 152.


146. Es kommt von guter Hand, sagte Peter Möffert, als ihm ein Spatz auf die Nase schiss.

Holl.: Het komt van goeder hand, zei Goosen, en zij schijt hem op zijn' kop. (Harrebomée, I, 278.)


147. Es muss eine geschickte Hand sein, die einem Narren den Kopf waschen soll.

Holl.: Het moet een wijze hand zijn, die een zotte kop wel scheeren zal. (Bohn I, 325.)


148. Faul hend verarmen.Franck, I, 163a.

Slow.: Ruka bez roboty přijde do žebroty. (Čelakovsky, 136.)


149. Faule Hand ist des Maules Unglück.Fischer, Psalter, 239a, 372a u. 705c; Seybold, 303.

Lat.: Manus sine opere, mendicabit propere. (Seybold, 298.)


150. Faule Hände fangen nicht Spinnen.Winckler, XVIII, 87.


151. Faule Hände, faul Garn!

Holl.: Slappe handen maken kwade banden. (Harrebomée, I, 282.)


152. Faule Hände hat das Glück; es zieht in die Höhe den Strick und lässt ihn fallen im Augenblick.

Böhm.: Líná ruka (huba) holé nĕstešti. (Čelakovsky, 136.)


153. Faule Hende müssen ein böss (Mis-) Jahr haben.Petri, II, 309; Gaal, 423; Körte, 2549; Eiselein, 279; Simrock, 4269a.

Der Träge hat stets ein Unglück in Bereitschaft, das er zu seiner Entschuldigung vorschützt.

Engl.: Idle folks lack no excuses. (Gaal, 423.)

Lat.: Segnities difficultatem praetexit. (Gaal, 423.)


154. Faulen Händen gibt Gott die Drüsen.Simrock, 4269; Eiselein, 279.


155. Fertige Hand lobt alle land.Franck, I, 138b.


156. Feuchte Hand bedeutet Liebe.Simrock, 4206; Eiselein, 278.


157. Fleissige hand bawet leut vnd land.Henisch, 205, 20; Eyering, 619; Petri, II, 311.


158. Fleissige Hand bestreicht das Brot mit Fett.

Frz.: Mains ouvreuses (travailleuses) sont heureuses. (Leroux, I, 173.)

Holl.: De hand des vlijtigen maakt rijk. (Harrebomée, I, 277.)


159. Fleissige Hand erwirbt des Faulen Land.

Holl.: Eene naarstige hand, en sparende tand koopt eens anders land. (Harrebome, I, 277.)


160. Fleissige Hand erwirbt sich Brot in jedem Land.


161. Fleissige Hand greift nicht nach Tand.

Holl.: De naarstige hand geen snoepers tand. (Harrebomée, I, 277.)


162. Fleissige Hand kauft des faulen Schleckers Land.

Dän.: En flittig haand og sparende tand kiøber andres huus og land. (Prov. dan., 169.)


163. Fleissige Hand machet reich.Coler, 209; Petri, II, 311; Henisch, 1142, 1.

Lat.: Sedula manus ditat. (Coler, 209.)


164. Fleissige Hand nehret ein dürftig Leben. Petri, II, 311.


165. Fleissige Hand segnet Meer und Land. Sprichwörtergarten, 37.


166. Fleissige Händ' und kräftige Bein' sind gern miteinander gemein.

Holl.: Vlitige handen passen bij stramme beenen. (Harrebomée, I, 282.)


167. Fleissige handt bawt leut vnd landt. Franck, I, 63b; Eyering, II, 619.

Holl.: De gestadige hand breekt het ijs. (Harrebomée, I, 277.)


168. Fleissiger Hand wird wol rath.Petri, II, 312.


169. Föl Hunnen mâge lagt Werk. (Amrum.) – Haupt, VIII, 365, 229.

Viele Hände machen leicht Werk.

170. Freigebige Hand hat viel Freund' im Land.

Dän.: Runde hænder giør gode venner. (Prov. dan., 482.)


171. Freigebige Hand ist mit allen verwandt.


172. Fremde Hand verdirbt (ruinirt, verwüstet) wohlgebautes Land.

Die Aegypter: Fremde Hand zerstört die wohlbestellten Häuser. (Burckhardt, 131.)


[301] 173. Frömde Hand fruchtet am besten. (Lippe.)

Von den Vorzügen fremder Zucht und Unterweisung. So sagt z.B. der Vater, wenn er, obgleich selbst geschickter Meister, seinen Sohn einem andern übergibt.


174. Für treue Hände macht man kein Schloss und keinen Schlüssel.Sailer, 238.


175. Gebende Hand hat viel Freunde.

Böhm.: Každá ruká pĕkna, která dává. (Čelakovsky, 44.)

Poln.: Každa reka piękna, która co daje. (Čelakovsky, 44.)


176. Gebundene Hände machen freie Gedanken.

Engl.: A long tongue is a sign of a short hand.


177. Gemain hand baut alle landt.Gruter, 43; Petri, II, 333; Graf, 77; Eiselein, 276; Körte, 2570; Simrock, 4254.

Wirksamkeit für das allgemeine Beste hebt den Wohlstand des ganzen Landes.


178. Geschickte Hand isst Kuchen, wenn's am Brote fehlt.

Span.: Manos duchas comen truchas.


179. Geschickte Hand ist daheim in jedem Land.

Frz.: Main droite et bouche ronde pour aller partout le monde. (Leroux, I, 173.)


180. Geschickte Hand thut viel, aber Muth gewinnt das Spiel.

Holl.: Handen heeten kloek en sterk, maar courage doet het werk. (Harrebomée, I, 278.)


181. Getreue hand gehet durch alle Land.Lehmann, 323, 39.


182. Getreue Hand muss allzeit offen sein.Graf, 270, 289.

Derjenige, dem eine Sache zur Aufbewahrung übergeben, zur »treuen Hand« anvertraut worden ist, »Treuhändner« genannt, darf sie nicht weiter an dritte geben; er muss sich vielmehr stets in der Lage erhalten, sie sofort dem rechten Herrn auszuantworten, wenn sie zurückverlangt wird.

Mhd.: Getruwe hand sal alliczit uffin sten. (Böhme, Historisch-diplomatische Beiträge, IV, 31.)


183. Gewinnende Hand ist mild. (Holst.)

Holl.: De winnende hand is mild. ( Harrebomée, I, 277.)


184. Gib mir die Hand, so werden wir bekannt; gib mir die Faust, so gehen wir nach Haus. (Osnabrück.)

Unsere Altvordern kamen freundschaftlich zusammen und gaben sich zum Zeichen der Freundschaft, wie noch jetzt gewöhnlich, einander die Hand. Das Abschiedscompliment aber war gemeiniglich eine Tracht Schläge, wenn sie sich betrunken hatten, wie es wol auch heute noch zuweilen in den untern Volksschichten vorzukommen pflegt. Im Westfälischen: Giw mi de Hand, dann wer' wi bekannt; giw mi de Fust, dann goa wi noa Hus. (Friedlich sich gesellen, in Streit scheiden.)


185. Giv die best Hand, kraz achterut un mak en krummen Lorenz, sagt der Bauer zum Buben. (Holst.) – Schütze, II, 98.

Ländliche Höflichkeitsregel. Die beste Hand ist die rechte, auch witt Hand, die weisse.


186. Hab reine Hand vnd höfischen Mund, so bleibet dein Leib vnd Seel gesund.Petri, II, 368.


187. Hand, Geld und Herzen richten in der Welt viel aus.


188. Hand in Hand das beste Eheband.


189. Hand in Hand hat Segen zugewandt.

Friedliche Ehe.


190. Hand mot Hand levern (liefern) oder wâren. (Ostfries.) – Bueren, 507; Frommann, V, 429, 515; Goldschmidt, 80; Hauskalender, I; Eichwald, 723; für Holstein: Schütze, II, 97; für Hannover: Schambach, II, 337; hochdeutsch bei Körte, 2556.

Holl.: Hant zal hant waren. (Tunn., 15, 1; Harrebomée, I, 278.)

Lat.: Palme quando datur quid, palme restituatur. (Fallersleben, 382.)


191. Hand mott Hand wasken. (Büren.)


192. Hand muss Hand fassen.Graf, 243, 114.

Bei Abschliessung eines Vertrags kommt es darauf an, durch ein äusseres Zeichen auszudrücken, dass die beiderseitige Willenseinigung erfolgt sei. Als Urkunde dieser Willenseinigung diente z.B. das gleichzeitige Tasten der Parteien in einen Hut oder die Uebergabe von Hut oder Handschuh. Die einfachste, passendste und darum auch üblichste Form zur Bekundung des erzielten Einverständnisses, ist, worauf sich das obige Sprichwort bezieht, der Handschlag.

Isl.: Hønd skal hendi fo. (Jonssyni, 172.)


[302] 193. Hand muss Hand fassen oder der Mund schwört falsch.Graf, 243, 115.

Dies Sprichwort ist eine Ergänzung des vorigen und will sagen, dass da, wo der dort erwähnte Gleichklang fehlt, Untreue und Meineid ist.

Dän.: Hønd skal hønd fanga edr munne meim eidh sverja. (Jonssyn, 173; Grimm, Rechtsalt., 34.)


194. Hand muss Hand folgen.Graf, 110, 271.

In Betreff der Fahrhabe muss man sich an die Hand halten, der man sie übergeben oder von der man sie erhalten hat. – Hand skal Hand folgia. (Hertius, II, 3, 281.)


195. Hand muss Hand wahren (wehren).Pistor., V, 70; Eisenhart, 348; Reyscher, V, 199; Runde, 199; Estor, II, 468, 488 u. 1169; III, 1190; Tunn., 15, 1; Fallersleben, 382; Eiselein, 277; Simrock, 4251; ferner Dissert. von H. Chr. Wulff, 1698 (Nopitsch, 258, unter dem Namen Amsel); Hillebrand, 69, 100; Petri, II, 370.

Wer, will das Sprichwort sagen, jemand etwas geliehen hat, kann das geliehene Gut nicht von einem dritten Besitzer, in dessen Gewalt es gekommen ist, sondern nur von dem zurückfordern, dem er es geliehen hat, weil sonst der Handel untergraben werden würde, indem jeder Käufer eine Vindicationsklage zu fürchten hätte. Die Absicht dieses Sprichworts geht (s. Glaube 136) also besonders dahin, weitläufigen Processen zu begegnen. Eins der ältesten Zeugnisse für das Sprichwort bietet Art. 69 des Billwerder Rechts aus dem 14. Jahrhundert: »We dem anderen was lenet, de schal eme dat wedder afeschen, wente hant schal hand waren.« (Vgl. Lappenberg, Hamburger Rechtsalterthümer, Einl. S. 159.) Wie sehr über den Sinn dieses Sprichworts die Ansichten der Rechtslehrer auseinandergehen, ist bei Hillebrand a.a.O. einzusehen.

Altfries.: Hond skel hond wera. (Richthofen, 240, 12.)

Böhm.: Od kohos vzal, tomu odved' komus dal, na tom pohledávej. – Ruka ruce svudi. – Ruka ruce známa. (Čelakovsky, 547.)

Dän.: Haand skal haand vare. (Prov. dan., 265.)

Frz.: En fait de meubles la possession vaut titre. (Loysel, 221; Code civil, 2279.)


196. Hand, nim du; Mund, verzehr du; Hals, bezahl du!Petri, III, 6.


197. Hand ön e Sied, Lûs öm Bossem, Schnodder op e Back, terrätnet Jack.Frischbier2, 1470.


198. Hand ön e Sied, Lûs öm Bossen, Schnodder undre Näs'.Frischbier2, 1471.


199. Hand um Hand!2 Mos. 21, 24; Schulze, 10.


200. Hand vom Sack, de Hawer öss verkofft. (Danziger Nehrung.) – Frischbier2, 1472.


201. Hand vom Sack, öss Hawer bön.Frischbier2, 1472.


202. Hand wehre Hand.Graf, 110, 270; Hertius, I, 18; Eichwald, 723.


203. Hände ohne Arbeit tragen bald (früh) ein Bettelkleid.

Lat.: Mendicat propere manus sine opere. (Gaal, 431.)

Ung.: A dolgot kerülö hamar koldulásra jutt. (Gaal, 431.)


204. Hände, Suppen und gute Worte sind wohlfeil zu Hofe.


205. Häng met Deiemante Steng send dröm ömmer noch net reng. (Aachen.)

Hände mit Diamantensteinen sind darum immer noch nicht rein.


206. Hänne inn'n Schäut (Schos) mäket das Hius bläut (bloss, leer). (Soest.) – Firmenich, I, 349, 32.


207. Harte Hand behält Recht.Altmann VI, 505.


208. Hend vnd Füsse kan man nicht essen.Petri, II, 376.


209. Hertzhafft Hand erhelt Leuth vnd Land. Lehmann, 384, 12; Eiselein, 276; Simrock, 4255; Braun, I, 1082; Körte, 2550.


210. Horwig Hand machet selten weiss Gewand.Liedersammlung.

Hor = Schmuz, horwig = schmuzig.


211. Ik möt ümmer wat ümme de Hand hewwen1, sagde de Frugge, dô stond se amme Schandpâl2. (Westf.) – Hoefer, 311.

1) D.h. Beschäftigung haben.

2) Schandpfahl, Pranger. Mit Bezug auf die um die Handgelenke gelegten Fesseln. – Wird scherzhaft von jemand gesagt, den man mit Kleinigkeiten, mit Nebendingen beschäftigt findet, und ihm Befremden darüber zu erkennen gibt. Uemme de Hand häwwen, ist eine sehr gebräuchliche Redensart im Lippeschen und bedeutet: sich mit etwas abgeben, befassen, beschäftigen. A hät nicks ümme de Hand, heisst: er hat nichts zu thun.


[303] 212. In den Händen steinreich, im Sack bettelarm, sagte der Maurer.Parömiakon, 2486.

Zunächst ein Spott auf arme Maurer, dann auf alle Grossprahler.


213. In der Hand den Hut, kost't nichts und ist doch gut.


214. In die Hand gegeben, ist angenehm.Petri, II, 403.


215. In die Hänn gespitzt, in die Arbet gesch ...t. (Henneberg.)


216. In die vierte Hand kann kein Lehen kommen.Graf, 559, 55.

Es sind hier Lehen an dem vom Könige stammenden peinlichen Gericht gemeint, die nur einmal verafterlehnt werden dürfen, also nicht in die vierte Hand kommen können.

Mhd.: An die vierdiu hant ne mach nen len komen. (Freyberg, 573, 117; Homeyer, III, 52, 3; VI, 10, 58.)


217. In einer Hand Brod, in der ander ein Stein.Gruter, III, 55; Lehmann, II, 284, 50; Eiselein, 276.

Lat.: Altera manu fert lapidem, panem ostentat altera. (Eiselein, 276.)


218. Jan Hun thwâit jü öönder. (Amrum.) – Haupt, VIII, 367, 274.

Eine Hand wäscht die andere. Auf Sylt: Jen Hun taued di üd'er.


219. Jan pôr Hunnen sam garu fol. (Amrum.) – Haupt, VIII, 365, 320.

Ein paar Hände sind bald voll.


220. Je fertiger Hand, je lieber Pfand.Körte, 2552.


221. Je flinker sich die Hand bewegt, je rascher sich die Seele regt.Sprichwörtergarten, 22.


222. Je langsamer die Hand, je flinker die Noth.Sprichwörtergarten, 324.


223. Je schlimmer Hand, je besser das Land. Sutor, 80.


224. Je weniger die Hände thun, desto mehr thut die Zunge.

Holl.: Die weinig met de handen willen, doen veel met den mond. (Harrebomée, I, 277.)


225. Jede Hand fährt schief zum Leibe. (Poln.)

Ein den Eigennutz trefflich zeichnendes Sprichwort. In dem Worte »schief« ist das Unedle des Eigennutzes, wodurch er in Unrechtmässigkeiten ausarten kann, ausgedrückt.


226. Jede Hand ist fünf Finger werth.


227. Jeder lege seine Hand aufs Herz.

Holl.: Een ieder legge zijne hand op het hart en kenne zich zelven. (Harrebomée, I, 277b.)


228. Jeder muss die Hand im Teige haben.

Jeder muss etwas Nützliches treiben.


229. Jeder stecke die Hand in den eigenen Busen.

Holl.: Elk steke de hand in zijn' eigen' boezem. (Harrebomée, I, 278.)


230. Kale Hände, warme Liebe. (Schles.) – Frommann, III, 411, 414.


231. Kalte Hand, warmes Herz.Braun, I, 1096.


232. Kalte Hände machen keinen Todten warm.


233. Kalte Hände, warme Liebe.Körte, 2578; Simrock, 4266; Frischbier2, 1464; Eiselein, 278; schlesisch bei Gomolcke, 686.

Böhm.: Studené ruce, upřímné srdce. (Čelakovsky, 243.)

Frz.: Froides mains, chaudes amours. (Lendroy, 945; Gaal, 852; Leroux, I, 174; Kritzinger, 335b.)


234. Kleine Hände, grosses Maul.

Holl.: Sterk in den mond en zwak in de handen. – Stijf in de kaken, slap in de zaken. (Harrebomée, I, 282.)


235. Kleine Hände müssen sich nicht mit grossen messen.

Böhm.: S pány rukama se nemĕř: máš-li dĕlsí, odsekou; máš-li kratši, vytáhnou. (Čelakovsky, 325.)


236. Kole1 Hände, verlewte Harten2. (Rendsburg.)

1) Kalte.

2) Verliebte Herzen.


237. Krumme Hand kennt man bei Hofe.

Gegen die an den Höfen herrschende Gewohnheit, sich bestechen zu lassen.

Lat.: Clauditur oranti, sed panditur aula ferenti. (Binder I, 194; II, 503; Buchler, 39; Philippi, I, 84.)


238. Kunstreiche Hand bringt viel zu Stand. Simrock, 4258; Eiselein, 278; Braun, I, 1095.

Frz.: Main droite et bouche ronde pour aller par tout le monde.


239. Kunstreiche Hand geht durch alle Land. Simrock, 6093; Eiselein, 403; Braun, I, 2099.

Lat.: Ars ipsa inopiae portus est mortalibus. – Artem quaevis alit terra. – Sua cuique ars pro viatico est. (Eiselein, 403.)


[304] 240. Kurz von Händen, lang von Zungen.

Viel sprechen und versprechen, wenig thun und halten.

Holl.: Die kort van handen zijn, zijn gemeenlijk lang van tong. (Harrebomée, I, 277.)


241. Lange Hände und kurzes Gewissen.

Der Lord Chesterfield meinte, dieser Besitz sei einem Minister ebenso nöthig, als dem Hebarzt (der Hebamme) eine lange Hand und kleine Finger.


242. Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut.Matth. 6, 3; Büchmann, 157.


243. Lässige Hand macht arm.Spr. Sal. 10, 4; Coler, 210; Petri, II, 437; Berndt, 77; Körte, 2548.


244. Leere Hand verschont nicht Bruder noch Freund.

Böhm.: Prázdná ruka ubíjí přítele. (Čelakovsky, 235.)


245. Leeren Händen entfällt nichts.

Frz.: Ki prie nue main il se travaille en vain. (Leroux, II, 308.)


246. Leg die Händ an Pflug vnnd sehe nicht hinder dich.Lehmann, 800, 14.


247. Legstu deine Hand an den Pflug, so siehe nit hinder dich.Lehmann, II, 372, 38.


248. Linke Hand geit von Harten. (Ostfries.) – Hauskalender, I; Bueren, 800.


249. Ma muss zu beeden Handen nehmen.Robinson, 492.


250. Mächtige Hand, schönes Gewand und leicht gewonnen Gut machen grossen Uebermuth. (Eifel.)

251. Mager Hände machen feiste Füsse.Lehmann, II, 401, 4; Winckler, IV, 74; Körte, 2580; Simrock, 4270.

Holl.: Magere handen maken vette voeten. (Harrebomeé, I, 281.)


252. Man braucht blos die Hand zum Arbeiten zu bitten, der Mund isst ungebeten.

Böhm.: Ponoukej ruce k dílu, a ne hubu k jídlu. (Čelakovsky, 215.)


253. Man hält oft mit einer Hand, was man mit beiden nicht mehr los werden kann.

Holl.: Man haelt mit enen hant wael dat aen, dat al dat lijf niet en can verdriven.

Lat.: Scit manus attrahere quod homo nescit removere. (Fallersleben, 538.)


254. Man hat die Hände gern, wo es wehe thut.

Frz.: On ne se peut tenir de porter la main ou il deult. (Kritzinger, 674b.)

Holl.: Daar de pijn is, is de hand. – Daar het zeer is, daar is de hand. – Daar zeer, daar hand. (Harrebomeé, 214b.)


255. Man hat zwei Hände, um einen Kopf zu vertheidigen.


256. Man kan niemand aus der Hand har rupffen.Lehmann, 779, 4.


257. Man kann die Hände lange reiben, ehe ein Stock spaltet.


258. Man kann in keine schlimmern Hände fallen, als in seine eigenen.


259. Man kann mit den Händen eher anstossen als mit den Füssen.

Frz.: Il faut plutôt prendre garde à ses mains qu'à ses pieds. (Leroux, I, 174.)


260. Man kans einem an den Henden sehen, ob er mild oder karg sey.Petri, II, 456.


261. Man muss auch mit Händ anlegen.Seybold, 42.


262. Man muss die Händ an den Pflug legen. Lehmann, 751, 36.

Dän.: Leg haanden paa plogen. – Kast garnet ud i Guds navn. (Prov. dan., 456.)

Holl.: Men moet de handen uit de mous steken. (Harrebomée, I, 281.)


263. Man muss einander die händ bieten wie die Gratien-Mägdlein.Lehmann, 377, 63.


264. Man muss es in die Hand nehmen, so bringt ein Handgriff den andern.


265. Man muss (aber) hand mit anschlagen. Franck, II, 79b; Tappius, 94a; Lehmann, II, 402, 28.

Gottes Segen ist gut, aber die Hände müssen mit in Rechnung gebracht werden.

Lat.: Cum Minerva manum quoque move. (Tappius, 94a.)


266. Man muss in die hände speyen vnd vil streich thun, will man den baum fellen. Henisch, 223, 24; Petri, II, 461.


267. Man muss manchem auff die Hende sehen, dem man nicht darff auff die füsse sehen. Petri, II, 461.


[305] 268. Man muss nicht die Hände übereinanderschlagen (oder: in den Schos legen), sondern den Kuchen unter dem Arm fallen lassen und die Arbeit frisch angreiffen. Coler, 210.


269. Man muss nicht in die Hände klatschen, bis man den Process gewonnen.


270. Man muss nicht jedem die Hand reichen.

Sich nicht zu gemein machen.

Böhm.: Nedávej každému hned ruky. (Čelakovsky, 85.)


271. Man muss nicht nur die Hände, sondern auch die Kehle schmieren.Simrock, 5548; Eiselein, 369.


272. Man muss oft die Hände küssen, die man lieber treten (brechen) wollte.

Die Türken sagen: Man muss die Hand küssen, die man nicht abhauen kann.

Frz.: Aucune fois on seut baiser la main qu'on voudroit qui fust arse. – Souvent on a coutume de baiser la main qu'on voudroit qui fût brûlée. (Leroux, I, 174.)

It.: Si bacia tal volta quella mano, che si vorrebbe veder tagliata. (Pazzaglia, 26.)

Port.: Muitos beijão a mão, que quizerão vor cortada. (Bohn I, 284.)

Span.: Muchos besan manos que querian ver cortados. (Bohn I, 233.)


273. Man muss seine Hand nicht zwischen Thür und Angel bringen.

Dän.: Mand skal ei stinge haand mellem bark og træ. (Prov. dan., 532 u. 535.)

Holl.: Steek uwe hand niet tusschen den post van de deur (oder: tusschen de schors en den boom). (Harrebomée, I, 282.)

274. Man muss seine Hände nicht jedem Dreckbuben leihen.

Die Araber: Nur ein Schurke leiht seine Hand dem Unterdrücker gegen die Unterdrückten. (Cahier, 2455.)


275. Man muss sich nichts in die Händ brennen lassen.Mayer, I, 66.

Steht unter der Ueberschrift: »Bestechung


276. Man soll die Hand nicht in alles rühren.Eiselein, 276.


277. Manche Hand ist schwach zum Erwerben und stark zum Verthun.Burckhardt, 567.


278. Mancher erhebt wol die Hand, aber er schlägt nicht zu.

Böhm.: Rozpřáhni se, ale neuhod'. (Čelakovsky, 73.)


279. Mancher wollte die Hände in Unschuld waschen, aber er findet kein Wasser dazu.


280. Mät den Häinjden bäinjt em Elekt, mät de Fisse lûfe se vun enander wekt.Schuster, 363.

Schuster bemerkt: »Dies Sprichwort scheint aus Deutschland eingeschleppt, da das Beiwort wekt in dieser Verbindung im Sächsischen ungebräuchlich ist.« Es ist auch wirklich im Hochdeutschen vorhanden (s. 289); doch bin ich der Ansicht, dass es nicht das einzige ist, welches aus Deutschland nach Siebenbürgen »eingeschleppt« ist. Die Schuster 'sche Sammlung von 1131 würde gar sehr zusammenschrumpfen, wenn Deutschland seinen Antheil zurückfordern und sie auf das specifisch Siebenbürgische reduciren wollte.


281. Meine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen mich.

Ursprünglich ein Wort der Araber der Wüste.


282. Meine Hände glauben, was sie greifen.

Dän.: Mine hænder have øyne de troe det de see. (Prov. dan., 267.)


283. Milde Hand ist eines guten Herzens Dienerin.

Frz.: Main serrée, coeur étroit. (Cahier, 985.)


284. Milde Hand – starke Hand.

Span.: Manos generosas, manos poderosas. (Cahier, 3438.)


285. Milder Hand hat niemals gemangelt.Petri, II, 473.


286. Milder Hand mangelt nichts.

Dän.: Rund haand fattes ikke. (Prov. dan., 482.)


287. Milder Hand nie gebrach.Theatrum Diabolorum, 560a.


288. Milder Hand nie zerrandt.Mathesy, 250a; Petri, II, 473; Herberger, I, 630.


289. Mit den Händen bindet man Eheleut', mit den Füssen laufen sie voneinander weit.


290. Mit der Hand redet man besser als mit dem Munde.Altmann V, 115.


291. Mit der handt sol man sehwen, nit mit dem sack.Franck, I, 50a; Lehmann, II, 405, 75; Simrock, 8623; Winckler, V, 33; Körte, 5130.

Empfehlung weiser Sparsamkeit.

Dän.: Saa med haanden og ei med sækken. (Prov. dan., 483.)


[306] 292. Mit einer Hand allein kann man nicht klatschen.


293. Mit einer Hand gibt der Geitzig, mit der andern nimpt er wider.Lehmann, 233, 10.

Dän.: Giver med een haand og tager igien med anden. (Prov. dan., 239.)


294. Mit Einer Hand kann man sich übel wehren.


295. Mit einer hand zächen (ziehen), mit der andern zahlen.Blumer, II, 124; Graf, 105, 237.

Es genügte nicht, dass jemand, der sein Näherrecht ausüben wollte, der Veräusserung blossen Widerspruch entgegenstellte; er musste vielmehr auch sofort die gebotene Kaufsumme erlegen; d.h. mit der einen Hand zieht er das Gut an sich, mit der andern bezahlt er den Verkäufer.


296. Mit einer hant krauet man das Schwein, mit der andern sticht man (ihm) die Gurgel ab.Lehmann, 89, 6.

Bild der falschen Freunde.


297. Mit einer leeren Hand allein fängt man keinen Habicht ein.

»Mit einer leeren Hand allein wird man der Habich fangen kein.« (Sutor, 78.)


298. Mit fremde Händ' ist gut Feuer scharren (schüren). (Jüd.-deutsch. Brody.)

Die Russen: Mit fremder Hand ist es selbst nicht gefährlich, einen Bären anzufassen. (Altmann VI, 475.)


299. Mit fremden Händen ist gut Kohlen schüren.

Böhm.: Cizíma rukama dobře uhlí zahřebati. (Čelakovsky, 381.)


300. Mit Händen gibt man die Leut zusammen, mit Füssen lauffen sie voneinander.Lehmann, 140, 22; Eiselein, 279; Simrock, 4280.


301. Mit Händen greifen macht Glauben.

Lat.: Propter sentire creduntur res, scio, mirae. (Sutor, 264.)


302. Mit ledigen Henden vnd der Eltern vnwillen kan niemand wol eine Hausshaltung richten.Petri, II, 478.


303. Mit lediger Hand fengt man keinen Habicht.Petri, II, 478.


304. Mit leeren Händen allein bekommt man keinen Vogel ins Netz herein.


305. Mit leeren Händen lassen sich die Processe schwer beenden.


306. Mit leerer Hand ist schwer Vögel fangen. Simrock, 4264; Braun, I, 1105.

Engl.: Empty hands no hawks allure. – It's ill killing a crow with an empty sling. (Gaal, 849.)

Lat.: Si manus est vacua, non accipitrem capit illa. (Gaal, 849; Sutor, 25.)


307. Mit leerer Hand kauft man übel.

Holl.: Het is kwaad met ledige handen ter markt te gaan. (Harrebomée, I, 278.)


308. Mit leerer hant dorft niemand erscheinen vor gots angesicht.Hug, 27; Graf, 544, 59.

Die Kirchenversammlungen des 10. Jahrhunderts hatten den Geistlichen das Fordern von Sporteln verboten; diese erfanden daher die freiwilligen Geschenke, ohne welche niemand vor Gottes Angesicht, d.h. vor ihnen erscheinen durfte. (S. Pfaffensack u. Umsonst.)


309. Mit leren henden faht man keinn falcken oder habich.Franck, I, 84; Lehmann, II, 406, 82; Simrock, 4263; Blum, 731; Eiselein, 278.

Mhd.: Den sperwer unt daz hebechlîn mit blôzer hant mac niemen vân, er müeze ein luoder drinne hân. (Heinzelin.) (Zingerle, 63.)

Holl.: Men lokt geene haviken met ledige handen. (Harrebomée, I, 292 fg.) – Met ledige handen is het kwaad havikken vangen. (Bohn I, 334; Harrebomée, III, 216b.)


310. Mit vergoldeter Hand öffnen sich die Thüren leicht.

Die Russen: Mit einer goldenen Hand kann man weit greifen. (Altmann VI, 492.) Mit einer goldenen Hand kann man auch der Sprödesten drei Spannen tief unterm Kinne streicheln. (Altmann VI, 501.)


311. Müssige Hand thut kein Gut.

Holl.: Ledige handen doen geen goed. (Harrebomée, I, 281.)


312. Müssige Hände, schön Gewand und leicht gewonnen Gut machen Uebermuth.Eiselein, 263.


313. Müssige Hende, müssige Zeen vnd Kinbacken.Petri, II, 484.


314. Nach todter Hand darf man nicht zeugen. Graf, 221, 270.

Wer Forderungen an die Erben hatte, konnte dieselben nach einzelnen Rechten nicht durch Zeugen, sondern nur durch Urkunden beweisen. Im altgrazer Stadtrecht [307] heisst es in Bezug hierauf: »Nach todter Hand soll man die Schuld weisen mit gesiegelten Briefen.« (Rössler, I, 81.)

Mhd.: Na doder hand en mag neen man tügen. (Westphalen, IV, 2093.)


315. Niemand hat alles in seinen Händen.Lehmann, II, 427, 107.


316. Nimm de eune Hand vull Dreck, un wünske dui wat in de annre; denn kuik täöu (guck zu), in wecker (welcher) dat diu dat Beste häst. (Lippe.)


317. Nimm es in die Hand, so bringt ein Handgriff den andern.Lehmann, 771, 15; Körte, 2564.


318. Nürnberger Hand geht durchs ganze Land.Pistor., VIII, 38; Berckenmeyer, 245; Körte, 4605; Deutsche Romanzeitung, III, 41, 392.

Bezieht sich nicht nur auf die nürnberger Spielwaaren und andere Kunstproducte, die einen weit ausgebreiteten Absatz haben, sondern auf den regen Eifer der Nürnberger auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft, des Handels und der Industrie.


319. Offene Hand macht offene Hand.Sailer, 207; Körte, 2573; Simrock, 7663.

Dän.: Efter en aaben haand folger et tillukt øre. (Prov. dan., 101.)


320. Ohne Hände fasst es sich übel.

Holl.: Het is kwaad grijpen zonder handen. (Harrebomée, I, 278.)


321. Op schwarte Hand wasst Brot, op witte Hand wasst Hundeschît.Frischbier2, 1473.


322. Räne Hand, räne Nachtmitz'.Lohrengel, I, 562.


323. Reine Hand gett dürr't ganze Land. (Waldeck.) – Curtze, 350, 450.

Dän.: Reen haand færdes tryg giennem land. (Bohn I, 365.) – Reen haand gaaer sikker giennem land. (Prov. dan., 469.)


324. Reine Hand liebt man (gilt) im ganzen Land.

Holl.: Eene reine hand steekt altijd in eene magere beurs. (Harrebomée, I, 277.)

Span.: Los manos blancas no offenden. (Bohn I, 228.)


325. Reine Hand, trockner Mund.

Dän.: Den ureene haand giør den feede mund. (Prov. dan., 298.)


326. Reine Hände braucht man nicht zu waschen.


327. Reine Hände lassen den Nachbar gern arbeiten.

Frz.: Mains blanches aiment le travail d'autrui. (Cahier, 1964.)


328. Rühr' Hand und Fuss, dann schmeckt das Mus.

Holl.: Rep handen en voeten, God zal het verzoeten. (Harrebomée, I, 282.)


329. Rühre munter deine Hände, Fleiss belohnt sich doch am Ende.

Dän.: Røør haaand og fod, saa hielper dig God. (Prov. dan., 481.)


330. Rührige Hand behält (erwirbt) das (ihr) Land.

Holl.: Die houdt zijn hand, behoudt zijn land. (Harrebomée, I, 277.)


331. Rührige Hand macht aus Felsen Gartenland.

Lat.: Labor improbus omnia vincit. (Schonheim, I, 1.)


332. Schmiert man die Hände, so hat der Handel schnell ein Ende.

Dän.: Naar man balsamerer hænderne paa folk, faaer sagen en god smag. (Prov. dan., 486.)


333. Schmuzige Hand macht kein rein Gewand.

Dän.: Man giør ei skidne hænder paa sit eget arbeyde. (Prov. dan., 267.)


334. Schöne Hand braucht keiner langen Wäsche.

Holl.: Schoone handen zijn genoeg gewasschen. (Harrebomée, I, 282.)


335. Schöne Hände sind leicht zu waschen. Winckler, VIII, 35.


336. Sihe jm auff die hend, darffst jm nit auff die füss sehen.Franck, I, 145a; Lehmann, II, 569, 83; Simrock, 4281.


337. Sind Hände und Füsse gebunden, so läuft die Zunge am meisten.Simrock, 12184.


338. So man in die eine Hand wünscht und in die andere pfeift, hat man in beiden gleich viel.Simrock, 11922; Eiselein, 651.


339. Sparsame Hand greift in keine leere Tasche.

Dän.: Sparsommelig haand meget samle. (Prov. dan., 524.)

Frz.: Celui est homme sage qui use de bon menage.


340. Spi in de Hand un wehr di.Eichwald, 720.


341. Starke Hand fackelt nicht.

Frz.: Forte main n'attend le lendemain. (Leroux, II, 224.)


[308] 342. Steck die Händ in di Täsche, hast de eppes (etwas) ze näsche. (Henneberg.)


343. Steck die Hand in sein Gewissen,