Auge

[169] 1. Ab Auge, ab Herz. (Luzern.)


2. Als das aug' erfüllet, so ist dem bauch genug gethan.Henisch, 152.


3. An den Augen sieht man, was einer ist und was er kann.


4. An den augen tevblein vnd in den hertzen tevflein.Trymberg, Renner, um das Jahr 1280.


5. At Ugh wal sin uk ha. (Nordfries.)

Das Auge will sein auch haben.


6. At Ugh wal uk wat ha. (Nordfries.)

Das Auge will auch etwas haben.


7. Auch die besten Augen sehen oft falsch (fehl, schel).

It.: Occhio ben sano sa spesso veder torto.


8. Auch ein Auge muss Schlaf haben.


9. Auch ein hartes Auge blutet, wenn man es mit einem Bretnagel putzt.Sprichwörtergarten, 8.

Engl.: You should never touch your eye, but with your elbow.

Frz.: Quand on a mal aux yeux, il n'y faut toucher que du coude.

Lat.: Tange montes, et fumigabunt.


10. Aug' in Auge, Thor in Thor. (Lit.)


11. Aug' sihestu, hand greiff zu.Henisch, 152.


12. Aug' um Auge, Zahn um Zahn.Schulze, 10; Grimm, I, 790; Hillebrand, 260.

Wiedervergeltungsrecht.

Frz.: L'oeil pour oeil, dent pour dent, rien pour rien.

It.: Al male fagli mal.


13. Aug' und Hand nicht in fremde Brief' und Beutel.


14. Aug' will keinen Rauch.

It.: All occhio non piace il fummo.


15. Auge, Glaub' (Credit) und Glimpf (Ehre), leiden keinen Schimpf.Körte, 331.

Frz.: A foi et l'oeil ne se touche.

Lat.: Lumina, fama, fides, ludibria ferre recusant.

Ung.: A hirnév, a hit és a szem nem tud tréfát éppen.


16. Auge, wo Gunst, Hand, wo Schmerz, und wo der Schatz das Herz. (Böhm.)


17. Augen auf, Kauf ist Kauf.Körte, 325; Hillebrand, 239.

Lat.: Caveat emptor.


[170] 18. Augen auf, Kaufmann (Käufer). (Aegypt.) – Burckhardt, 421.

Die Waare liegt ausgebreitet vor dir; lässest du dich betrügen, so ist es deine eigene Schuld.


19. Augen auf und Mund zu, gibt ein Leben in Ruh'.


20. Augen dienen thut nie gut.


21. Augen für Geld.Hillebrand, 240.

Hat die Bedeutung: Wer die Augen nicht aufthut u.s.w. (S.d.)


22. Augen und Ohren haben auch ihre Zungen. Winckler, V, 93.


23. Augen und Stirn sind Spiegel vom Gehirn.


24. Augen zu, Arsch auf, gibt gesunden Lebenslauf.

Erklärt gesunden Schlaf und angemessene Leibesöffnung für die Hauptbedingungen der Gesundheit.

Holl.: Het oog in het venster, en de aars in het kakhuis. (Harrebomée, I, 7.)


25. Aus den Augen, aus dem Sinn.Pistor., II, 39; Müller, 9, 7; Hollenberg, II, 41; Meisner, 83; Venedey, 86; Schambach, 291.

Entfernung, Abwesenheit u.s.w. schwächen Bekanntschaften, Freundschaften und löschen sie oft endlich ganz aus.

Engl.: Long absent, soon forgotten. – Out of sight, out of mind.

Frz.: Hors de vue, hors de souvenir. – Loin des yeux, loin du coeur. – On oublie aisément les absens. – Qui est loin des yeux, est loin du coeur.

Holl.: Uit het oog, uit het hart. (Harrebomée, II, 144.)

It.: Lontano degli occhj, lontano dal cuore.

Lat.: Absentes nec amor, nec habet mors invida amicos. – Multorum amicitias silentium diremit. – Quam procul ex oculis, tam procul ex animo (mente). – Quantum oculis, animo tam procul ibit amor. (Properz, I, 3.) – Qui procul est oculis, procul est a limite cordis.

Ung.: A mit a szem nem lelt, a sziv hamar felejt.


26. Auss den augen, auss dem hertzen.Henisch, 152.


27. Bâr di Âge nett auftut, muss d'n Beutel auftû. (Henneberg.)


28. Besser ein Auge verlieren als den guten Ruf.


29. Besser ein schlechtes fleischernes Auge, als ein schönes porzellanenes. (Wladimir.) – Altmann V.


30. Besser rote augen, als ledige lucken.Henisch, 148.


31. Blaue Augen – Himmelsaugen, braune Augen – Liebesaugen, schwarze Augen – Diebesaugen.Simrock, 651; Körte, 351.


32. Blawe augen, katzenaugen.Henisch, 147.


33. Blöde Augen scheuen das Licht.Winckler, XVII, 85.


34. Böse Augen kann man heilen, aber schielende nicht zurückbringen.Henisch, 147


35. Böse Augen sehen nichts Gutes.Grimm, I, 790.

Böse Menschen legen alles, was sie sehen, schlimm aus und trauen andern die unlautern Beweggründe zu den Handlungen zu, aus welchen sie selbst zu handeln pflegen.


36. Böse Augen und bös Gewissen können das Liecht nicht leiden.Henisch, 147.

Dän.: Den som haver onde øine, kand ei taale solens skin.


37. Braune augen, liebe augen.Henisch, 147.


38. Das Aag darf nit sehe', was die Hand thut. (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 950.

In Bezug auf die den Armen gereichte Unterstützung.


39. Das Auge der Frau hält die Kammer nett.

Holl.: Het oog van het vrouwtje maakt de kamers net. (Harrebomée, II, 142.)


40. Das Auge der Frau macht die Wäsche rein. Sprichwörtergarten, 485.


41. Das Auge der Sonne lässt sich nicht verhüllen.

Grosse Vorzüge und Verdienste machen sich bemerklich, trotz aller Anstrengungen, sie zu verdunkeln.


42. Das Auge des Herrn düngt den Acker wohl. Egenolff, 50b

Frz.: L'oeil du fermier vaut fumier. – L'oeil du maître engraisse la campagne (les champs). – L'oeil du maître porte l'abondance partout.

Lat.: Oculus domini in agro fertilissimus est. (Tappius, 169b.)


43. Das Auge des Herrn fördert mehr als seine beiden Hände.

Frz.: L'oeil du maître fait plus que ses deux mains.

Holl.: Het oog van den meester wint meer dan zijne beiden handen. (Harrebomée, II, 142.)


44. Das Auge des Herrn ist der beste Mist auf dem Acker.


[171] 45. Das Auge des Herrn macht das Pferd fett. Blum, 180; Bücking, 220; Hollenberg, II, 92; Luther, 437; Mayer, 17, 9; Körte, 2800, 3472; Steiger, 11; Schonheim, 0, 6.

Wessen Hauswesen, Geschäft, Wirthschaft gedeihen soll, der muss selbst Aufsicht führen.

Dän.: Hosbondens øie føder hesten.

Engl.: The master's eye makes the horse fat.

Frz.: Il n'est pour voir que l'oeil du maître. – L'oeil du maître engraisse le cheval. (Lendroy, 380.)

Holl.: Heeren-oogen maken schoone paarden. – Het oog van den meester is de beste haver voor de paarden. – Het oog van den meester maakt het paard vet. (Harrebomée, II, 142.)

It.: L'occhio del padrone ingrassa il cavallo, e il piè il campo.

Lat.: Oculus Domini saginat equum.

Ung.: Az urnak szemei hizlaliják a lovat.


46. Das Auge des Weibes ist ein Feuerspiegel.


47. Das Auge des Weisen erleuchtet die Erde.

Frz.: L'oeil du sage est du soleil l'image. (Gruter.)


48. Das Auge, die Ehre und ein redlich Herz leiden keinen Scherz.


49. Das Auge ist der Liebe Führer.

Holl.: Het oog is leidsman van de min, en brengt vooreerst de lusten in. (Harrebomée, II, 142.)


50. Das Auge ist des Herzens Zeiger (Zeuge). Simrock, 616; Tappius, 24a; Henisch, 152.

Dän.: Øiet er trygt vidne.

Frz.: L'âme grave les traits. – L'oeil est le témoin du coeur. – L'oeil sait toujours du coeur les premières nouvelles.

Holl.: Het oog is 's harten tuig. – Het oog wijst, wat 't hart prijst. (Harrebomée, II, 142.)

It.: Chi con l'occhio vede, con cuor crede. – L'occhio è testimonio del cuore.

Lat.: Oculus animi index.

Ung.: Kinek mi vagyon szivében, könnyen kitetszik szemében.


51. Das Auge ist ein Gewehr.

Man fürchtet sich vor seinem Blick wie vor einem Gewehr. Die auch hinter dem Rücken raisonniren, wagen ins Gesicht nichts zu sagen.


52. Das Auge ist undankbar; was es auch sieht, es sagt doch, es sei noch nicht genug.Wullschlägel.

Neger in Surinam, um zu sagen, dass jemand undankbar, ungenügsam, unersättlich sei, und wie viel er auch bekomme, nie genug habe.


53. Das Auge kennt keinen Kummer.

Mit diesem Sprichwort will der Odschineger (Westküste Afrikas) sagen, dass sich das Auge, wenn der Kummer, der etwas Innerliches ist, es drücken will, im Schlafe schliesse, und dass man sich oft den Kummer vom Herzen schlafe. (Vgl. Ausland, 1861, S. 2018.)


54. Das Auge muss nicht grösser sein als der Magen.

Lat.: Appetitus ne procurrat rationem.


55. Das Auge offen und den Mund geschlossen, hat noch keinen verdrossen.


56. Das Auge, sagt der Jäger, schiesst seinem Herrn kein Wild.

Es genügt nicht, Verstand zu haben, man muss ihn auch brauchen; das Wissen allein thut's nicht.


57. Das Auge sieht auch für den Arsch.

Holl.: De oogen moeten vol zijn voor den aars (buik). (Harrebomée, II, 141.)


58. Das Auge sieht sich nimmer satt.Weisheit, 43; Grimm, I, 790; Henisch, 152.


59. Das Auge sieht's, im Herzen glüht's.Eiselein, 45.

Lat.: Amor ex aspectu nascitur.


60. Das Auge spricht mehr als der Mund.


61. Das Auge will auch etwas haben.

Frz.: L'oeil veut de tout sa part. (Gruter.)


62. Das Auge will auch sein Theil haben.

Lat.: L'occhio vuol la parte sua.


63. Das rechte Auge krimmt (juckt) mir, ich werde was Liebes sehen.Eiselein, 44.

Lat.: Oculus dexter mihi salit. – Supercilium salit.


64. Dat Auge will auk wat, sagte de blinne Beend1, doa friggede2 en wacker3 Wicht4. (Westf.)

1) Für Berend, Bernard;

2) freite, heirathete;

3) hübsches;

4) Mädchen.


65. Dat Og will ok watt, sär dei blind Jochen, da friet hei na' ne hibsch Dirn. (Mecklenburg.)


66. Dat Ôge wil ôk wat hebben, hadde de blinde Harm seggd, dô frêde he na'n moie Dêrn. (Oldenburg.) – Frommann, II, 537; Goldschmidt, 116.

Holl.: Het oog wil ook wat hebben, zei de man, en doen sloeg hij zijne vrouw een blaauw gezicht. (Harrebomée, II, 142.)


[172] 67. Dat Oge will ôk wat, see blind' Jakb (Jakob), dô frêde he na'n moje Wicht (Mädchen). (Ostfries.) – Firmenich, I, 18.


68. D' Auge uf oder der Geldseckel. (Luzern.)


69. De de Oogen nich âpen deit, môt de Büel âpen dôn. (Oldenburg.)


70. Den Augen glauben ist besser als den Ohren.

Frz.: Les yeux ont plus de crédit que les oreilles.

It.: Gli occhj hanno più credenza che l'orecchie.

Lat.: Oculis magis habenda fides quam auribus. (Julian.) (Erasm., 312.)

Ung.: Többet hisznek a szemnek mint a fülnek.


71. Die augen auff, die feuste zu, heists im streit.Henisch, 152.


72. Die Augen der Aeltern sind die Gesetze der Kinder.Sprichwörtergarten, 151.

Sollten sie wenigstens sein.


73. Die Augen der Frau kochen wohl, die Augen der Magd nimmermehr.Luther, 439.

Die eigene Aufsicht thut überall und in allen Angelegenheiten das Meiste.


74. Die Augen der Grossen sind dunkel. (Türk.)


75. Die Augen der Hausfrau machen die Kühe fett.


76. Die Augen der Nachbarsleut' sind voller Neid.

Lat.: Oculus vicinorum invidus.


77. Die augen des Herren behüten guten Rath, aber die wort des verächters verkert er. Agricola, II, 246.

78. Die Augen glauben sich selbst, die Ohren andern Leuten.Simrock, 646.


79. Die Augen haben mehr Glauben als die Ohren.Winckler. II, 27.


80. Die Augen hungern noch, wenn auch der Bauch platzt.


81. Die Augen kann niemand erfüllen.Körte, 333.


82. Die Augen langen danach, aber das Herz nimmt's nicht an. (Lit.)

Wird unter anderm von den Gelüsten der Kranken gesagt.


83. Die Augen muss man nicht anrühren, ausgenommen mit dem Elnbogen.


84. Die Augen seynd keinem von Butter gemacht.Lehmann, II, 84, 146; Simrock, 642.


85. Die Augen sind bald ausgestochen, aber die Sonne scheint fort.


86. Die Augen sind der Liebe Boten (Thür, Pforte).Simrock, 650.

Das Sprichwort beschreibt den Weg, den die Liebe ins Herz zu nehmen pflegt.

Dän.: Øiet er anfører i kiærlighed.

Frz.: L'oeil est le conducteur de l'amour.

Lat.: Oculi sunt in amore duces.


87. Die augen sind des leibs latern.Henisch, 152.


88. Die Augen sind die Verräther der Liebe.

Lat.: Sunt oculi nobis certi in amore duces. (Ovid.)


89. Die Augen sind Fenster, wodurch man ins Herz sieht.

Frz.: Les yeux sont le miroir de l'âme.

Holl.: De oogen zijn de vensters van het hart. (Harrebomée, II, 141.)

Ung.: Kinek mi szivében, kitetszik szemében.


90. Die Augen sind Kinder. (Span.)

Die Kinder belustigen sich an etwas, was nur dem Auge gefallen kann, aber an sich wenig wirklichen Werth hat, und wollen alles haben.

Frz.: Les yeux sont toujours enfans. (Recueil.)


91. Die augen sind (seind) weytter denn der bauch.Agricola, 133; Egenolff, 81; Blum, 582; Grimm, 1, 799; Schambach, 244; Henisch, 142.

Esslust, namentlich bei Kindern, heisst oft mehr nehmen, als was bewältigt werden kann, die Habsucht strebt nach mehrerem, als was sie zu benutzen vermag. In Göttingen sagt man: De Ahgen sind gröter as de Buhk.

Dän.: Øiet er videre end bugen. – Man kand før mætte bugen end øiene.

Engl.: Better fill a glutton's belly, than his eye. – His eyes are bigger than his belly.

Frz.: Il a plus grands yeux, que grand panse.

Holl.: De oogen zijn altijd grooter (verder) dan de buik (maag). (Harrebomée, II, 141.)

It.: Più testo si satolla il ventre che l'occhio. – Presto si sazia il ventre, l'occhio mal. – Un sol occhio ha più credito, che due orecchie. ( Pazzaglia.)

Lat.: Habendi cupido inexplebile dolium. – Non intelligitis vos majorem famem habere, quam ventrem. – Venter, non oculus potis est implerier unquam.


[173] 92. Die augen sündigen nicht, wenn sie guter vernunfft folgen.Henisch, 152.


93. Die Augen verdienen mehr Glauben als die Ohren.Schonheim, O, 4.

Lat.: Oculis magis habenda est fides, quam auribus.


94. Die Augen verrathen den Arss.Henisch, 152; Lehmann, II, 84, 147.


95. Die augen verrathen mancher ihr ehr.Henisch, 152.


96. Die Augen verwunden das Herz.


97. Die Augen werden zuerst voll, dann der Bauch.Eiselein, 46.


Dän.: Øiet og øret mœttes aldrig.

Frz.: Les yeux et les oreilles ne se rassasient jamais.


98. Draussen hat man hundert Augen, daheim kaum eins.

Daheim ist er ein Maulwurf. Von einem Kritiker.


99. Durch die augen tregt man alle ding ein.Henisch, 152.


100. Een Ôg arbeit't mêr as tein Han(de). (Oldenburg.) Frommann, IV, 287; Goldschmidt, 107.


101. Ein Aug' aufs Feld und eins aufs Geld, dann ist die Wirthschaft wohl bestellt.

Frz.: Il faut avoir un oeil aux champs, l'autre à la ville.


102. Ein aug ist lieb.Egenolff, 228a; Henisch, 153.

Was man nur in geringem Masse besitzt und einmal verloren, nicht wieder ersetzen kann, hat für uns einen hohen Werth. Ein Auge, Ein Kind, wenig gute Zähne u.s.w.


103. Ein aug ist ein notturfft, zwey ein hoffart. Egenolff, 228a; Eiselein, 45.


104. Ein aug sihet gern, was lieblich vnd schön ist, aber eine grüne saat lieber, denn die beide.Henisch, 153.


105. Ein Auge, das bei jeder Klage weint, wird nie trocken.


106. Ein Auge, das Staub gewohnt, verträgt auch bald Sand.


107. Ein Auge des Herrn sieht mehr als vier Augen der Knechte.

It.: Più vede un occhio del padrone che quattro del sérvitore.


108. Ein Auge des Herrn thut mehr als zwei Hände des Herrn.


109. Ein Auge findet mehr Wahrheit als zwei Ohren.

Was man sieht ist sicherer, als was man blos hört.

Dän.: Man troer meere øine end ørene.

Frz.: Un seul oeil a plus de crédit que deux oreilles n'ont d'audivi.

Lat.: Visus certificat plus, quam vox docta loquentis. – Visus fidelior auditu.


110. Ein Auge schon macht glückselig im Lande der Blinden.Winckler, II, 4.


111. Ein Auge sieht oft mehr als zwei.


112. Ein Auge spionirt das andere.

Ein Nachbar, College den andern.


113. Ein Auge verdaut mehr als zwei Magen.


114. Ein blödes Auge kann das Licht nicht ertragen.

It.: Occhio infermo non può soffrir la luce.


115. Ein blödes Auge sieht lieber schwarz als weiss.


116. Ein böss aug verderbt das ander.Henisch, 147; Grimm, I, 790.

Lat.: Dum spectant oculi laesos, laeduntur et ipsi.


117. Ein eigenes Auge ist besser als zwei fremde.


118. Ein gesundes aug wird vngesund vnd böss, wann's ein vngesundes ansihet.Henisch, 147.


119. Ein gesundes Auge sieht mehr als zwei blinde.


120. Ein gut aug wirt gesegnet, das seines brots den armen gibt.Henisch, 148.


121. Ein gutes Auge kann durch Breter sehen.


122. Ein gutes Auge schneidet ohne Elle.


123. Ein unreines (unzüchtiges) Auge ist eines unreinen Herzens Zeuge.Henisch, 149.

It.: Un cattivo occhio fa un cattivo cuore.


124. Einer kann die Augen nicht überall haben.

Lat.: Unus haud vir cernit omnia. (Euripides.)


125. Es hat keine Augen und sieht doch, hat keine Ohren und hört doch, hat keinen Mund und isset doch, hat keine Nase und riecht doch, [174] hat keine Händ' und greifet doch, hat keine Füss' und gehet doch.Eiselein, 51.

Sprichwörtliche Neckerei auf die Baiern, welche die Augen Gökel, die Ohren Loser, den Mund Foz, die Nase Schmecker, Hände und Füsse Bratzen und Haxen nennen.


126. Es ist besser den augen, denn den ohren glauben.Henisch, 153.


127. Es ist besser mit eigen augen sehen, denn mit frembden.Henisch, 147.


128. Es ist um die Augen geschehen, wenn die Schlange sie öffnen will.


129. Es müssen scharpffe augen sein, die im beinhauss einen Herren oder Knecht, Bischoff oder Bader, Edelmann oder Bawr, Doctor oder Leyen voreinander kennen solte.Henisch, 260.


130. Es müssen starke Augen sein, die eine Bathseba ohne Lust anschauen können.Winckler, II, 85.


131. Fern aus den augen, fern aus dem hertzen. Tappius, 59a.

Lat.: Non sunt amici; amici qui degunt procul. (Tappius, 58b.)


132. Feurige Augen machen brennende Lippen.


133. Für augen gut: hinterrucks lestern thut. Henisch, 142.


134. Gesunde augen bedörffen keiner brillen. Henisch, 147.

135. Graue augen, kazenaugen.Henisch, 147.


136. Grawe augen, reiche augen.Henisch, 148.


137. Grosse Augen vertragen oft das wenigste Licht.


138. Gute Augen fürchten den Rauch nicht.


139. Gute Augen können viel sehen und werden nicht müde bis zum Schlafengehen.

It.: Di vedere mai l'occhio si stanca.


140. Gute Augen müssen aus allem Honig saugen.


141. Hohe augen stürtzet Gott.Henisch, 148.


142. In den Augen, in dem Sinn.


143. Je mehr man das Auge reibt, desto höher man die Hitze treibt.

Kitzelige, heikelige Sachen muss man soviel als möglich unberührt lassen.


144. Je voller das Auge, je mehr muss man wischen.


145. Je weiter das Auge, je enger das Leben.


146. Kein böses (übel) Auge sollte das schöne Kind ansehen.

Bei Parcival sind »übel Augen« neidische übelwollende Zauberblicke.

Lat.: Nil peccant oculi, si animus oculis imperet. (Publ. Syr.)


147. Klare augen, katzenaugen.Henisch, 148.


148. Kleine Augen brauchen keine grossen Decken.


149. Kompstu mir auss den augen, so kompst du mir auch wol auss dem sinn.Henisch, 153.


150. Kranke Augen darf man nur mit dem Elnbogen reiben.

Dän.: Den som haver onde øine, kand ei taale solens skin. (Prov. dan.)

Frz.: Quand on a mal aux yeux, il n'y faut toucher que du coude.

Holl.: Een kwaad oog moet man niet raken. – Een zeer oog moet met den elleboog verbonden worden. (Harrebomée, II, 142.)


151. Kranke Augen können das Licht nicht sehen.

Frz.: A l'oeil malade la lumière nuyt. (Gruter.)

Holl.: De oogen van den zieke kunnen geen licht verdragen. – Een zeer oog kan het licht niet verdragen. (Harrebomée, II, 141.)


152. Lass dir die augen nit weiter sein, dann den bauch.Henisch, 153.

153. Man braucht zehn Augen, um eine gute Frau zu finden.

Holl.: Twee oogen zijn niet genoeg, om eene vrouw te kiezen. (Harrebomée, II, 144.)


154. Man glaubt den augen weitter, denn den ohren.Henisch, 153.


155. Man glaubt Einem Auge mehr als zwei Ohren.

Man schenkt einem Zeugen, der etwas gesehen hat, mehr Glauben, als einem andern, der es blos gehört hat.

It.: Un sol occhio ha più credito, che due orecchie.


156. Man kann es einem an den Augen ansehen, was er im Schilde führt.Schonheim, O, 5.

Lat.: Oculus est animi index.


[175] 157. Man muss bisweilen ein Auge zudrücken.

Lat.: Posse vinci pulchrum est, ubi victoria est damnosa.


158. Man muss die Augen in der Hand haben. Bücking, 238.

Eine Mahnung, alles mit Vorsicht zu thun; aber auch zugleich eine gute Hinweisung auf den klugen Gebrauch der Hände im buchstäblichen Sinne.

159. Man muss hinten und vorn Augen haben.

Frz.: Avoir un oeil aux champs et l'autre à la ville.


160. Man muss nicht mehr Augen machen lassen, als man braucht. (Russ.)

Die Wotjäken sind beispiellos geizig. Einer derselben erschien mit seinem erblindeten Vater beim Arzte und fragte ihn, was er zu zahlen habe, wenn er dem alten Kranken gesunde Augen mache. »Zehn Rubel.« – »Willst du beide Augen für sechs Rubel machen?« – »Ja!« – »Gut, so mache eins, ich gebe drei Rubel, der Vater ist alt, er hat an einem Auge genug.«


161. Man muss nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren heirathen.

Nicht nach dem Augenschein, sondern nach dem innern Sein, nach Bildung und Charakter, die mehr in der Unterhaltung hervortreten.


162. Man schwetzt einem kein mal vom aug. Henisch, 153.


163. Man sieht's an den Augen, ob einer thut was taugen.

Holl.: De ooghe wijst, wat 't herte prijst. (Brunes, 294.)

164. Man sieht's einem an den Augen an, was er im Schilde führt.


165. Man sihets an den augen wol, wo ein fröhlich hertz ist.Henisch, 153.


166. Man sihet's einem an den augen an, wz er im hertzen tregt.Henisch, 153.


167. Man soll die augen nicht in beutel stecken. Henisch, 143.


168. Mancher schläft mit offenen Augen wie der Hase.


169. Mancher sieht mit Einem Auge mehr, als ein anderer mit zweien.Eiselein, 46.


170. Mancher sieht mit Einem Auge was er gibt, und mit sieben was er davon nimmt (dafür kriegt).


171. Me maut wuol mâll 'n Oge tauknîpen, sach de Brûmêster, da honk iäm bai'n Schenken oppen Nacken. (?)Hoefer, 76.


172. Me moss de Ogen opdûn of (oder) der Büll (den Beutel). (Aachen.) – Firmenich, I, 493, 96.


173. Mehr für die Augen als für den Beutel.


174. Mehr ist ein aug, dann zehen ohren.Henisch, 147.


175. Met den Augen iut den Breufe (aus dem Briefe) met den Hännen iut den Gelle (aus dem Gelde). (Lippe.) – Firmenich, I, 269.


176. Mit frembden augen lest sich alles sehen. Henisch, 147.


177. Mit vilen augen ist besser sehen, denn mit einem.Henisch, 149.


178. Mit vilen augen man mehr sicht, denn man mit einem dich bericht.Henisch, 149.


179. Nasse Augen siegen auch.


180. Nicht alle Augen sehen das Licht.

Aber sie meinen doch, sie sähen es gar wohl, wie Dr. Nullus die Kuh im Harnglase.

It.: Tal ha degl' occhi, che niente ci vede.


181. Nicht mit Augen auf andere Brieffe, noch mit der Hand in fremde Beutel.Winckler, II, 55.

Holl.: Het oog op niemands brief (boek), noch de hand in iemands kast (beurs). (Harrebomée, I, 142.) – Neem de oogen in de hand, en zie door de gaten. (Harrebomée, II, 144.)


182. Nimm die Augen in die Hand und die Katze aufs Knie; was du nicht siehst, das sieht die.


183. Nömm de Oga önn ne Hand on kick dorch de Löcher. (Königsberg.)

Zum Unvorsichtigen.


184. Offene Augen, geschlossener Mund, da fangen wir die Alte sammt den Jungen.


185. Os de n' Aauga, os dem Sinn. (Appenzell.)


186. Scharfe Augen geben gute Schützen.


[176] 187. Scharfe Augen geben gute Schützen, sagte der Jäger, da schoss er eine Krähe für einen Adler.

Holl.: Mijn oog kan wel missen, zei de schipper, en hij zog eene boot voor eene buis aan. (Harrebomée, II, 144.)


188. Schwache Augen blendet auch ein klein Licht.


189. Schwartze augen, liebe augen.Henisch, 148.


190. Schwarze Augen lügen nicht.


191. Schwarze Augen sind schön, aber sie werden leicht roth.


192. Schwarze Augen und blondes Haar sind eine schöne (seltene) Waar'. (Lomb.)


193. So lange als Augen und Schönheit in der Welt sein, so lange wird auch Liebe bleiben.Winckler, II, 71.


194. 'T is gruplik vörde Ôgen, säd' jenn Mann, wenn enen 't Rad öwer de Näs' gêt. (Mecklenburg.)


195. Um ein Auge ist (war, wär') die Kuh blind.


196. Um Ein Auge war das Spiel verloren.

Frz.: Faute d'un point Martin perdit son âne.


197. Unsere Augen sehen alles, nur sich selber nicht.

Von der Unfähigkeit des Menschen, sich selbst zu rathen.


198. Vil augen sehen mehr als eins allein, was einer nicht weiss, weiss die gemein.Henisch, 149.


199. Vil augen sehen mehr, denn eins.Henisch, 149.

Lat.: Plura vident oculi, quam lumine cernitur uno.


200. Vier Augen sehen mehr als zwei.Bücking, 28; Schonheim, O, 3; Henisch, 149.

Viele besitzen mehr Klugheit, Erfahrung, Einsicht als einer. Das Urtheil vieler (Urtheilsfähiger!) ist dem eines einzigen vorzuziehen. Der Litauer sagt: Vier Augen sehen mehr als eins.

Frz.: Deux yeux voyent plus clair qu'un. (Gruter.) – Quatre yeux voient plus que deux.

Holl.: Vier oogen zien meer dan twee. (Harrebomée, II, 144.)

It.: Quattr' occhi vedono più che un solo.

Lat.: Ferrum ferro acuitur. – Oculi plus vident, quam oculus. – Vir unus non videt omnia.


201. Vor Augen gut, falsch hinterrück, das ist jetzund ein Meisterstück, das muss einer wissen, oder er wird beschissen.


202. Vor Augen gut, hinter dem Rücken lästern thut.


203. Vor den Augen und hinter den Augen gibt verschiedene Weisen (Melodien). (Lit.)

204. Wan das auge sihet, dz es nie gesehen hat, dan denckt dz hertz auch wol, dz es nie gedacht hat.Tappius, 224a; Henisch, 153.


205. Wann die augen nicht sehen, wo wolten die füss hingehen.Henisch, 154.


206. Wann man nur die augen füllen kan, so wirt dem bauch bald recht gethan.Henisch, 143.

Dän.: Mange øine see meere end eet.


207. Was aus den Augen führt dahin, das führt zugleich auch aus dem Sinn.Seybold.


208. Was das aug nicht sihet, berühret das hertz nicht.Henisch, 153.


209. Was das Auge füllt, ist angenehm, sagte die Magd, da warf sie der Frau den Aschtopf ins Gesicht.


210. Was das Auge nicht sieht, will das Herz nicht haben.


211. Was das Auge nicht wird gewahr, wird dem Herzen nicht lieb und klar. (Bask.)


212. Was dem Auge schadet, schadet darum dem Schlafe noch nicht.

Was dem einen wehe thut, thut deshalb dem andern noch nicht wehe.


213. Was die augen füllet, das ist angenem.Henisch, 153.


214. Was die augen nicht sehen, bekummert (beschwert) das hertze nicht.Agricola, 180; Egenolff, 222b; Winckler, I, 6; Henisch, 143.

Engl.: What the eye sees not, the heart rues not.

Holl.: Het geen het oog niet ziet, bekoort (begeert, bekommert, bezwaart) het hart niet. (Harrebomée, II, 142.)

It.: L'occhio non mira, cuor non sospira. – Occhio non vede, cuore non duole.

Lat.: Non affectatur oculus, quod non speculatur.


215. Was die augen sehen, betreuget das hertze nicht.Agricola, 178; Egenolff, 87b.


[177] 216. Was die Augen sehen, das glaubt das Herz.Pistor., II, 40; Siebenkees, 138; Beyer, I, 352; Nieter, 173; Härlin, 7.

»Gemälde schmeicheln, Schilderungen lügen; nur meinen eignen Augen will ich trauen.« (Schiller.)

Dän.: Det øiet seer, troer hjertet.

Engl.: Seeing is believing.

Frz.: Qui de l'oeil voit, du coeur croit.

Holl.: Wat het oog ziet, bedriegt het hart niet. (Harrebomée.)

It.: Chi con l'occhio vede di cuor si crede.

Lat.: Manus nostrae sunt oculatae, credunt, quod vident. (Plautus.)


217. Was die augen sehen, das treugt nicht, aber das gerucht ist sehr trüglich.Henisch, 153.


218. Was die (vorwitzigen) Augen sehen, das wollen die Hände haben.


219. Was die Augen sehen, erfüllt das Herz.

Lat.: Manus nostrae sunt oculatae, credunt, quod vident. – Oculis magis habenda fides, quam auribus. – Visus certificat me plus, quam quod Plato narrat.


220. Was die Augen sehen, errathen die Finger leicht.


221. Was ich gesehen mit augen hab, mir leicht niemand mag schwetzen ab.Henisch, 153.


222. Was ich mit den Augen nicht sehe, thut dem Herzen nicht wehe.

Poln.: Czego oko nic widzi tego serżu nie cal.


223. Was ich mit den Augen schau oder vor Händen han, dess bin ich gläubig Mann.Liedersammlung.


224. Was man mit fremden Augen sieht und anderer Leute Ohren hört, sieht und hört man nur halb.

Und es geht, wie Lehmann hinzusetzt, nur ins Wams und nicht ins Herz.

Dän.: Lyvs er godt som øie det eene kand ei være den anden forunden.


225. Was nützt das Auge ohne Licht?


226. Was sihet dein aug vnd hört dein ohr, behalt bei dir, du bist kein thor.Henisch, 153.


227. Was soll einem ein Aug', damit er nicht sihet?Henisch, 153.

Dän.: Hvad duer det øie, man seer ikke med. (Prov. dan.)

Engl.: The blind does not desire any thing besides two eyes.


228. Wat at Ugh egh schocht, dea't hart eg siar. (Föhr.)

Was das Auge nicht sieht, thut dem Herzen nicht wehe; darum soll man Anlässe und Gelegenheiten zu Aufregung und Betrübniss, zum Aufreissen verharschter Wunden meiden.

229. Wat de Oogen nich seht, dat kränkt 't Hart ook nich. (Ostfries.)


230. Wat dit Oog ek sjieght, däät dit Hart ek siir. (Sylt.)


231. Weinende Augen haben süssen Mund.


232. Weit von den Augen, weit vom Hertzen. Winckler, XVII, 84.


233. Wem das rechte Auge ausgestochen ist, der verliert auch bald das linke.


234. Wem die Augen ausgestochen und die Zähne ausgebrochen sind, der gibt keinen guten Regenten.


235. Wem die Augen des Morgens nicht geöffnet werden, dem thauen sie schwer auf. Sprichwörtergarten, 158.

Empfehlung guter Jugendbildung.


236. Wem die Augen in der Jugend ausgestochen sind, der sieht sein Lebtage nichts.


237. Wenn das aug ein schalk ist, so ist der gantze leib finster.Matth. 6, 23; Henisch, 148.


238. Wenn das aug einfeltig ist, so ist der gantze leib liecht.Henisch, 147.


239. Wenn das Auge den Staar hat, ist's im ganzen Leben Nacht.


240. Wenn das Auge hinreicht, muss man nicht die Hand brauchen.


241. Wenn das Auge nicht sehen will, so helfen weder Licht noch Brill'.Sailer, 52.


242. Wenn das Auge Noth leidet, so hilft ihm die Hand.

Dän.: Naar øiet lider hjelper haanden.


243. Wenn das Auge sieht, was es nie gesehen, denkt das Herz, was es nie gedacht hat.

Dän.: Naar øinene see det, de ei før have seet, da tænker hjertet det, som det ey før havde tænkt.


[178] 244. Wenn das Auge weint, weint auch (rinnt) die Nase. (Surinam.) – Wullschlägel.

Leidet Ein Glied, leiden alle Glieder. Auch: Wer den angreift, greift mich an.


245. Wenn die Augen von selbst zufallen, dann ist der Schlaf am süssesten.


246. Wenn es thut in Augen wohl, dann erscheint weiss die schwarze Kohl'.Suchenwirth.


247. Wenn ich dich nicht hätte und meine Augen nicht, so wär' ich blind.


248. Wenn ich nicht durch die Augen sehe, so sehe ich durch die Brille.


249. Wenn man das Auge drückt, so springt zuletzt Feuer heraus.Blum, 451.

Die Mühle der Götter und die Geduld der Völker mahlt langsam; aber wenn der Druck das Mass überschreitet, dann kommen die grossen und kleinen Tyrannen zwischen die Steine der Volksmühle und werden zerrieben.


250. Wenn man das aug trucket, so gehen die thränen auss.Henisch, 154.


251. Wer auf dem rechten Auge erblindet, dem stählt Gott das linke.


252. Wer böse Augen ansieht, dem hängen sie ihre Krankheit an.

Spanischer Aberglaube.

Holl.: Die leepe ooghen langh beziet, die leepheyd oock in zijne schiet. (Brunes, 295.)


253. Wer böse Augen hat, sieht lieber ins Finstere als ins Licht.


254. Wer das Auge erhalten will, muss es vom Staube reinigen.


255. Wer den Augen zu viel traut, den führen sie hinter das Licht.


256. Wer die Augen bei sich hat, stolpert nicht.

Holl.: Die zijne oogen voor zich heeft, struikelt niet. (Harrebomée, II, 142.)


257. Wer die Augen in der Tasche hat, muss auch die Hände hineinstecken.

Dän.: Hvo som bærer sine öjne i lommen (i brille føret) seer meget fil.


258. Wer die Augen nicht aufmacht, muss den Seckel aufmachen.Commentar zum privatrechtlichen Gesetzbuch Zürichs, §. 1417; Hillebrand, 238.

Mängel einer Sache, die ohne Fahrlässigkeit nicht zu übersehen sind, können nach geschlossenem Kauf nicht mehr geltend gemacht werden. Wer nicht gesehen hat, muss büssen. Nach besondern Rechten, z.B. den Hamburger Statuten, hat der Verkäufer auch für verborgene Fehler nicht einzustehen. Auch diesen Fall schliesst das Sprichwort ein.


259. Wer die Augen nicht aufthut, muss den Beutel aufthun.Steiger, 198; Pistor., I, 6; Hermann, I, 3; Siebenkees, 141; Estor, II, 528; III, 1263; Henisch, 153; Eisenhart, IV, 20; Hillebrand, 238; Gerber, 97, 6; Meisner, 11; Schonheim, D, 12; Simrock, 635; Woeste, 74.

Dän.: Man skal have øie paa hver finger, om man vil være ubedragen.

Lat.: Disce cautius mercari.


260. Wer die Augen schliesst (schläft) zur rechten (in der Arbeits-) Zeit, weint zur Unzeit.


261. Wer ein böses Auge hat, der soll es mit dem Elnbogen verbinden.Winckler, I, 44.


262. Wer gesunde Augen hat, braucht keine Brille.


263. Wer mit den augen nicht wol sihet, der soll mit den feusten desto bass zugreiffen.Henisch, 153.


264. Wer mit fremden Augen sieht, betrügt sich oft.Grimm, I, 790.


265. Wer mit fremden Augen sieht, erblindet auf den eigenen.Schulzeitung, 1835, S. 49; Sprichwörtergarten, 91.

Holl.: Men moet uit eigen oogen zien. (Harrebomée, II, 144.)


266. Wer mit fremden Augen sieht, sieht je länger, je weniger.

»Siehst du mit Augen von andern Leuten, so werden sie dich zur Blindheit leiten.« (Castelli.)


267. Wer mit geborgten Augen sieht und mit geborgten Ohren hört, ist nie vor Betrug sicher.

Dän.: Hvo med andres øine seer, med andres øren hører, og met fremmede hænder giver ud og tager ind, bedrages letteligen.


[179] 268. Wer mit seinen augen, ehr vnd glauben schertzen lest, der wirt bald blind, ehrloss vnd verdampt.Henisch, 153.


269. Wer nicht kann die Augen zuthun, taugt nichts fürs Regiment.


270. Wer nur ein aug hat, der pflegts offt zu wischen.Henisch, 144.


271. Wer nur Ein Auge hat, ist allezeit bange dafür.Ramann, Unterr., IV, 8.

Dän.: Den som har kun eet øie ræddes altid for det.


272. Wer nur Ein Auge hat, wartet sein.

Lat.: Solus tergendus oculus sit et adspiciendus.


273. Wer nur Ein Auge hat, wischt es genau.

D.h. verwahrt es wohl, hütet es doppelt.

It.: Chi non ha che un occhio ben lo guarda, e spesso lo netta.


274. Wer nur mit anderer Augen sieht, ist blinder als ein Maulwurf.


275. Wer seine Augen im Brillenfutter trägt, der kann viel über(ver)sehen.


276. Wer sich die Augen pfeffert, dem müssen sie thränen.


277. Wer wird mit zwei Augen zugleich in Einen Flaschenkürbis sehen!Wullschlägel.

Die Neger in Surinam sagen damit: Spar' deine Kräfte, wo du sie nicht alle brauchst.


278. Wer zu sehr ins Auge fällt, den beneidet alle Welt.


279. Wie das aug, also das werck.Henisch, 154.


280. Wie man die Augen zuthut, so werden sie einem aufgethan.


281. Wie's in die Augen springt, so springt's in die Seele.


282. Wir sind mit sehenden Augen blind.


283. Wo das Auge nicht sieht, betrübt sich das Herz nicht.Burckhardt, 410.

Die Aegypter wollen mit diesem Sprichwort sagen, dass man sich hüten müsse, Augenzeuge des Unglücks zu sein.


284. Wo das Auge weint, ist das Herz nicht erstarrt.

It.: L'occhio è, dov' è il cuore.


285. Wo die Augen hören und die Ohren sehen, da muss alles rückwärts gehen.


286. Wo die Augen sprechen, kann die Zunge schweigen.


287. Wo ein Auge hinsieht, da soll sich auch das andere hinwenden.


288. Wo ein gesundes Auge Engel sieht, da erblickt eine schlechte Brille nur Teufel.


289. Wo man mit fremden Augen muss sehen, da ist's um Stadt und Dorf geschehen.


290. Wouhl aus'n Agen, wouhl aus'n Sinn. (Franken.) – Frommann, VI, 164, 16.


291. Zwei Augen decken viel.


292. Zwei Augen sehen mehr als eins.

Frz.: Deux yeux voient mieux qu'un.

Holl.: Twee ogen zien meer dan een. (Harrebomée, II, 144.)


293. Zwei Augen sehen nicht zugleich in die Flasche.

Man muss nicht seine Bolzen auf einmal verschiessen.

Holl.: Twee ooghen zien meer in 't ghemeen als daer kan doen een oogh alleen. (Brunes, 294.) – En staet niet op u zelf alleen, twee ooghen die zien meer als een. (Brunes, 295.)


294. Zwei Augen, zwei Ohren und nur Ein Mund.Eiselein, 46.


*295. A hots zu dam Og mit halben Uhren gehört.Gomolcke, 45.


*296. A ies noch mit annem bloo Ooge dervon kummen.Robinson, 356.


*297. A îs mit sâenden Ôgen blint. (Schles.)


*298. A iss noch su mitte am blo Oge davon kummen.Gomolcke, 110; Robinson, 356.


*299. A macht a par verliebte Ogen wie anne tudte Ratte.Gomolcke, 170.


*300. A schlug mich ei de Ogen, dass mers Foir raus sprang.Robinson, 35.


*301. A wiel een gor mit a Oogen derstechen. Robinson, 276.


*302. Ar geit e Ag drümm, wenn d'r Anner kês (keines) hat. (Franken.) – Frommann, VI, 163, 12.


[180] *303. Ar hat ân Ag uf si. (Franken.) – Frommann, VI, 163, 12.


*304. As wenn am auss a Oogen geschnieten wär.Robinson, 864.


*305. Auf beiden Augen schlafen.

Fest, gut und mit ruhigem Gemüth.

Lat.: In utrum vis dormire oculum. (Plautus.) (Erasm., 829.)


*306. Auf einen das Auge werfen, wo man drauf sitzt. (Schles.)

Ihm den Rücken kehren, sich verächtlich von ihm abwenden.

*307. Auf seinen fünf (neun) Augen bestehen. Bücking, 137.

Hartnäckig bei einer einfältigen Meinung bleiben.


*308. Augen im Nacken tragen.

Von Listigen, Verschlagenen, solchen, die schwer zu hintergehen sind.


*309. Augen machen.


*310. Augen machen wie ein Kriegsschiff. (Altgr.)

Von denen, die mit weiten und grossen, mit schielenden und drohenden Augen jemand ansehen. In den Kriegsschiffen pflegten grosse, den Augen ähnliche Löcher zu sein, in die man die Ruder steckte.


*311. Aus andern Augen sehen.

Die Sache von einem ganz andern Gesichtspunkte betrachten.


*312. Dai kiket met enem Oge nam Hiemel, un met dem annern in de Westentaske. (Iserlohn.) – Firmenich, III, 188.

Zur Bezeichnung eines Scheinheiligen.


*313. Das rechte Auge juckt mir.

Gute Vorbedeutung. Wenn man Hoffnung hat, etwas Angenehmes zu hören, wie man jetzt sagt: Es klingt mir vorm rechten Ohre, um zu sagen, dass sie löblich von einem reden.

Lat.: Oculus dexter mihi salit. (Tappius, 213b.) (Erasmus, 118.)


*314. Das rechte aug tantzt mir im Kopf.Henisch, 148.


*315. Das will ich im Aug' leiden.

So sagt man in der Eifel, um anzudeuten, dass man von einer Sache nichts bekommen hat.


*316. Das wird ihm ins Auge triefen.Verzameling, 39.


*317. De Augen in de Hand neamen. (Westf.)

Aufmerksam sehen. In der Gegend von Sprottau (Schlesien) sagt man: Dau muss 'ch halt de Augen ä de Hand nahm (um die Sache tastend im Finstern zu verrichten). (Firmenich, II, 298.)


*318. Der schlägt sich zwei Augen aus, damit sich sein Kind eins ausschlage. (Span.)


*319. Die Augen aufreissen.

Lat.: Attollere supercilium. – Ponere supercilium. (Erasmus, 81.)


*320. Die augen fallen lassen.Henisch, 142.

Niederschlagen, unter sich sehen.


*321. Die Augen gehen ihm auf.


*322. Die Augen in den Beutel stecken.


*323. Die Augen in die Hand nehmen und durch die Löcher kieken (sehen). (Ostpreuss.)


*324. Die Augen offen haben.

Sich nach seinen Sachen umsehen, sich um dieselben bekümmern.

Frz.: Avoir l'oeil au bois.


*325. Die Augen sind ihm verkehrt (nicht recht) eingesetzt.Eiselein, 45; Henisch, 142.

Holl.: De ooghen, als mer wel op-let, en zijh hem niet recht in-ghezet. (Brunes, 294.)

Lat.: Lolio victitat. (Plautus.)


*326. Die Augen sind sein, aber die Ulmen (Bäume) mein.


*327. Du gunst jhm nicht die augen im kopff. Henisch, 152.


*328. E äs em aus den Uge geschnîden. (Siebenbürgen.) – Frommann, V, 36.


*329. Een Ooge im Nacken hebben.Richey.

Aus Vorsicht hinter sich sehen.


*330. Ein aug auff jemands haben.Henisch, 142.


*331. Ein Auge auf etwas werfen.


*332. Ein Auge aufs Segel halten.

Die Entwickelung, den Gang einer Sache genau beobachten.

Holl.: Een oog in't zeil houden. – Men moet een oog in het zeil houden.


[181] *333. Ein Auge zudrücken.Meinau, 26.

Etwas, was streng genommen nicht sein sollte, hingehen lassen und thun, als ob man es nicht bemerkte. Ueber die Entstehung dieser Redensart erzählt man: Einem einäugigen Steuerbeamten (Thorvisitator, Güterbeschauer) wurde verrathen, dass ein bedeutender Unterschleif beabsichtigt werde; er verdoppelte daher seinen Diensteifer. Die Waareneigenthümer liessen aber, um ihn zu täuschen, eine Ladung unbedeutender Sachen vorausgehen, die er wegnahm, dann die Hauptladung folgen, drückten ihm auf eine wirksame Weise die Hand, mit der Bitte, Ein Auge zuzudrücken, was er aus Höflichkeitsrücksichten thun zu müssen glaubte, sodass die Waare unbemerkt vorbeigelangte.

Lat.: Connivere. (Cicero.)


*334. Ein böses Auge sollte dies nicht ansehen.

Verderblicher Zauberblick.


*335. Einem Augen machen.

Eine thüringische Redensart, die George Hesekiel (in Julius Rodenberg's Deutschem Magazin, 2. Jahrg., 1. Heft, S. 28) so erklärt: Wenn ein Mädchen mit einem Manne zusammengeführt wird, dann »schielt« sie, d.h. sie thut, als ob sie sich gar nicht um ihn bekümmere, blickt aber verstohlen unter den Wimpern nach ihm hin, um zu sehen, was er für ein Gesell ist. Gefällt er ihr nun so von aussen, dann »macht sie ihm Ohren«, d.h. sie hört auf seine Rede, und gefällt ihr diese, dann »macht sie ihm Augen«, d.h. sie blickt ihn zuweilen ganz plötzlich mit grossen Augen an, um sich zu überzeugen, ob er's so meint, wie er spricht.


*336. Einem aus den Augen gehen.

Absichtlich eine Zusammenkunft mit ihm vermeiden.


*337. Einem aus den Augen geschnitten sein.

Sehr ähnlich sein.


*338. Einem die Augen aus dem Kopfe geben.

Das Liebste und Theuerste ihm opfern.

Lat.: Medullitus, oculitus. (Erasm., 67.)


*339. Einem die Augen auswischen.

Ihn mit seinem eigenen Schaden klug machen, ihn betrügen.


*340. Einem die Augen einseifen. (Poln.)

Entspricht der deutschen Redensart: Einen über den Löffel barbieren. – Man erzählt, dass ein paar Gauner, die sich für Barbiere ausgegeben, in Krakau einen Edelmann, nachdem er Uhr, Brillantnadeln u.s.w. abgelegt, eingeseift, ihn dabei unmerklich an die Stuhllehne festgebunden und ihm schliesslich aus wohlberechnetem Versehen den Seifenschaum in die Augen gegossen und mit den Kostbarkeiten rasch verschwunden seien. Da die Begebenheit von Mund zu Mund ging, so wurde diese Redensart sprichwörtlich. (Wurzbach I, 78.)


*341. Einem die Augen im Kopfe nicht gönnen.

Holl.: Hij gunt hem het licht in de oogen niet. (Harrebomée, II, 142.)


*342. Einem die Augen nicht gönnen.

Jemand so hassen, dass man ihn gar nicht ansehen mag.

*343. Einem die Augen öffnen.

Holl.: Iemand de oogen openen. (Harrebomée, II, 143.)


*344. Einem die Augen verblenden (verkleistern).

Ihm die wahre Beschaffenheit der Sache verhehlen.


*345. Einem etwas an den Augen ab- und ansehen.Grimm, I, 790; Sailer, 182.

Aus seinen Mienen lesen, welche Wünsche sein Herz hat.

Lat.: Animus in oculis habitat. – Oculus animi index.


*346. Einem unter die Augen treten.

Eine Stelle einnehmen, wo man von ihm bemerkt werden kann.


*347. Einem unter vier Augen seine Meinung sagen.

Ohne dass es sonst jemand hört.

Frz.: Dire à quelqu'un deux mots et une bredouille.


*348. Einem was aufs Auge drücken.

Ihn bestechen.


*349. Einen ins Auge fassen.

Ihn aufmerksam betrachten.

Holl.: Iemand in het oog houden. ( Harrebomée, II, 143.)


*350. Einen mit sehenden Augen blind machen.

Ihn zu etwas überreden, wovon ihm seine Augen das Gegentheil versichern.

Lat.: Oculis pulverem offundere (suffundere).


*351. Einen nicht mit guten Augen ansehen. Zehner, 22.

Holl.: Iemand met geene goede oogen aanzien. (Harrebomée, II, 143.)


*352. En god Oge up een hebben.


*353. En Oge dran wagen.


*354. En Oge int Seil hebbn.


*355. Er bleibt bei seinen fünf (sieben, elf, auch dreizehn) Augen.

Wahrscheinlich vom Spiel entlehnt, wenigstens erzählt man, ein ebenso leidenschaftlicher als abergläubischer Spieler habe sich in den Kopf gesetzt, auf die Zahl sieben zu gewinnen, habe sie, wiewol er stets [182] verloren, so lange fort besetzt, bis sein ganzes Vermögen dahingewesen. Man sagt aber auch: bei seinen fünf, elf u.s.w. Augen bleiben.


*356. Er hat auch hinten Augen.

Ist durchtrieben, mit allen Hunden gehetzt.

Lat.: A fronte atque a tergo. (Tappius, 99a.)


*357. Er hat Augen, die von Augenschmalz verliebt werden. (Span.)


*358. Er hat Augen, er kann bei hellem Tage eine Kirche unterscheiden.


*359. Er hat Augen hinten und vorne.

Holl.: Hij heeft ook oogen in zijn nek. (Harrebomée, II, 143.)


*360. Er hat augen im hindernkopff.Henisch, 142.


*361. Er hat Augen wie ein Luchs (Falk, Sperber).Kirchhofer, 274.

Lat.: Lynceo perspicacior. (Aristoph.)


*362. Er hat Augen wie ein Schellfisch.

Grosse, matte, ausdruckslose.


*363. Er hat Augen wie Häscherlaternen.


*364. Er hat die Augen in den Fersen.

Scheint blind zu sein.

Frz.: Il parait qu'il a les yeux aux talons.


*365. Er hat ein Auge auf dem Felde, das andere in der Stadt.

Er hat es auf allem; seinem Blicke, seiner Aufmerksamkeit kann nichts entgehen.

Frz.: Il a un oeil au champ, et l'autre à la ville.


*366. Er hat hinter sich auch Augen.

Es entgeht ihm auch dann eine Sache nicht so leicht, wenn man ihn auch nicht persönlich zugegen glaubt. Auch: Er ist listig, verschlagen, lässt sich nicht leicht täuschen. – Von denen, die ausserordentliche Kenntniss der Dinge und besondere Klugheit besassen, die nicht blos das Gegenwärtige wussten, sondern auch Blicke in die Zukunft warfen, sagte man: Er hat Augen auf der Stirn und hinten am Kopfe. (A fronte simul et occipitio oculatus. Erasm., 789.)

Lat.: In occipitio quoque oculos gerit. (Plautus.) (Erasmus, 227.)


*367. Er hat hundert augen, er ist ein Argus. Henisch, 148.


*368. Er hat ihr zu tief ins Auge geblickt.

Ihr Anschauen hat eine Leidenschaft in ihm für sie hervorgerufen.


*369. Er hat nicht die Augen eines Pfarrers (Arztes, Richters u.s.w.). (Lit.)

Ist nicht für diesen Beruf geboren.


*370. Er hat nur ein Auge; ein Aug' ist lieb.


*371. Er hat rothe Augen, als wenn er sollte Cardinal werden.

Französischen Ursprungs. Dem Abt Bonze, dem Neffen des Bischofs von Beziers, ward unter andern Voraussagungen auch die gemacht, er werde, wenn er einmal rothe Augen bekäme, Cardinal werden. (Gesellsch., I, Magdeburg 1783.)


*372. Er hat sehr brauchbare Augen, er sieht zugleich nach zwei Seiten.

Spott auf Schielende.


*373. Er hat seine Augen immer offen (oder: rechts und links).

Ist immer auf seiner Hut.

Frz.: Il est toujours sur le qui-vive.


*374. Er hat so viel Augen wie eine Spitalsuppe.

D.h. sehr wenig, denn die Spitalsuppen triefen bekanntlich nicht vom Fett.


*375. Er hat weder mit seinen Augen gesehen, noch mit seinem Herzen geliebt. (Aegypt.) – Burckhardt, 728.

Von jemand, der eine wiederholt heftige Leidenschaft für eine Frau kund gibt, die er nie unverschleiert gesehen hat. Im weitern Sinne: von Begeisterung für Sachen, die man nicht kennt.


*376. Er ist mit sehenden Augen blind.Matth. 13, 13; Schulze, 214.

Von einem Menschen, dem alle geistige Empfänglichkeit abging, der stumpf an Kopf und Herz war, sagten die Alten: Er ist nicht blos auf den Augen, sondern auch auf den Ohren blind. (Coecus auribus. Erasmus, 500.)

Holl.: Hij heeft de oogen zoo diep in het hoofd, dat hij niet ziet, wat omtrent hem is. (Harrebomée, II, 142.) – Hij is met beide oogen stekeblind. (Harrebomée, II, 143.)

Lat.: Caligare in sole. (Quint.) (Erasm., 27.)


*377. Er macht Augen wie die Gänse, wenn's wetterleuchtet.

Holl.: Hij ziet uit zijne oogen als een maartsche kater. – Hij ziet uit zijne oogen als een schichtig paard. (Harrebomée, II, 143.)


[183] *378. Er macht Augen wie ein junger Elfböhmer. (Schles.)


*379. Er macht verliebte Augen wie eine todte Ratte. (Schles.)


*380. Es einem an den Augen ansehen, dass er Kopfreisser getrunken und nicht geschlafen hat. (Schles.)


*381. Es fehlt nur Ein Auge, so wäre der Gaul (die Kuh) gar blind.


*382. Es hängt ihm ebenso viel davon an den Augen (Ohren).

Es kann ihn dasselbe Schicksal treffen.

Frz.: Autant lui eu pend à l'oeil.


*383. Es ist durch das Auge einer Nadel gekrochen.Verzameling, 9.


*384. Es ist ein böses Auge darübergegangen.


*385. Es lauft ins Auge.

Holl.: Hij loopt in het oog. (Smeller, 20.)


*386. Es sticht ihm in die Augen.


*387. Etwas aus den Augen setzen.

Ihm nicht die gehörige Aufmerksamkeit widmen.


*388. Etwas im Auge haben.


*389. Etwas mit gorgonischen Augen ansehen.

Scharf, zornig. – Für »wild und furchtbar ansehen«, sagte man, es »mit Atreus-Augen ansehen«, weil Atreus im Trauerspiel so dargestellt wurde. (Atrei oculi. Lucian. Erasm., 544.)

Lat.: Gorgoneis oculis. (Erasm., 227.)


*390. Etwas mit unverwanktem Auge ansehen.

Sehr aufmerksam und genau.

Lat.: Fixis oculis intueri. (Plutarch.) (Erasm., 226.)


*391. Etwas wie sein Auge hüten.


*392. Grosse Augen machen.

Seine Verwunderung über etwas durch auffallend starres Ansehen äussern.

Holl.: Hij zet groote oogen op.


*393. He hefft ock achter ogen.Egenolff, 99b.


*394. He hett so völ Ôgen as Arslöcker.

Er ist einäugig.


*395. He krigt wiss noch Ogen.Volksbote, X.


*396. He trett sîn Bestevadersch (Grossvaters) Aug ût. (Meurs.) – Firmenich, I, 406.

Er tritt in einen Haufen Menschenkoth.


*397. He will de Ogen eer füllen, as den Bûk.

Von gierigen Essern.


*398. Hei kickt ut fiw (fünf) Oogen. (Westf.)

Ist berauscht.


*399. Hei maket en pâr Aeugen äs en stoeken (gestochen) Kalw (Bock). (Westf.)


*400. Ich habe hinter mir keine Augen.


*401. Ich hab's mit meinen leiplichen augen gesehen.Agricola, 627.

Holl.: Ik heb het met mijne eigene oogen gezien. (Harrebomée, II, 144.)


*402. Ich will ihn über meine Augen setzen.

Mit der grössten Achtung, Aufmerksamkeit und Liebe behandeln.


*403. Ich wollte lieber meine Augen entbehren.

Von grosser Liebe zu jemand.


*404. Ik will di bî de Ôgen gân un nageln dî de Finster to.Richey.

Drohung derer, die mit Fäusten einem andern ins Gesicht schlagen wollen.


*405. Im a Oge iss die Kuh blind.Gomolcke, 645.


*406. Jemanden in den Augen tragen.

Wenn man jemand ganz besonders liebt und pflegt. Von den Müttern entlehnt, die ihre Kinder zärtlich lieben, sie nicht aus den Augen lassen.


*407. Jemanden nur mit Einem Auge beweinen.

Von sehr mässiger oder nur Scheintrauer.

Frz.: On ne l'a pleuré que d'un oeil.


*408. Kein Auge von einem verwenden.

Jemand lange und ohne Unterbrechung ansehen.


*409. Man hat ihn gern wie ein triefendes Auge. (Altgr.)

Von Leuten, die man nicht wohl leiden kann und die doch so gefällig und fleissig sind, dass man ihnen gern etwas anvertrauen möchte. Ein triefendes Auge wird durch die leiseste Berührung verletzt und doch ist es so natürlich, die Hand dahin zu führen, wo es wehe thut.


*410. Man soll hinten und vorn Augen haben. Grimm, I, 790.


*411. Mit dem linken Auge in die rechte Rocktasche sehen. (Harz.)


[184] *412. Mit einem Auge im Felde, mit dem andern in der Stadt sein.


*413. Mit einem Auge schon in die andere Welt schauen.


*414. Mit einem blauen Auge davonkommen. Grimm, I, 790.

Blaugeschlagenes Auge, statt eines verlorenen, kleiner Verlust für den möglich grössern.

Lat.: Sic me servavit Apollo. (Horaz.) – Sutorio atramento absolvi.


*415. Mit offenen Augen schlafen wie der Hase.

Auf seiner Hut sein, stets wachsam sein.

Lat.: Somnians vigilat. (Terenz.)


*416. Mit sehenden Augen blind sein.

Entweder mit offenbarer Blindheit geschlagen sein oder aus guten Gründen etwas nicht bemerken wollen.

Lat.: In media luce caecutire.


*417. Mit sehenden Augen sehen sie nicht.Matthäus 13, 13; Eiselein, 45.

Lat.: Videntes non vident.


*418. Mit seinen Augen eine Schlacht liefern.

Einen Kampf auf dem Gesicht ausdrücken und zur Anschauung bringen.

Lat.: Pyrrichen oculis prae se ferens. (Erasm., 548.)


*419. Mit seinen zwei Augen sieht er mehr als mit zehn fremden.


*420. Mit zwerchen Augen ansehen.


*421. Ogen in'm Nacken hebben.Volksbote, X.

Auf seiner Hut sein.


*422. Sein' Aage sen grösser as sein Mage'. (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 527.

Engl.: His eyes are bigger than his belly.


*423. Sein Auge nach der Speisekammer, sein Ohr nach dem, der ausruft.Burckhardt, 438.

Von einem unersättlichen Esser.


*424. Seine Augen auf die Weide führen.


*425. Seine Augen auf etwas werfen.

Es mit Aufmerksamkeit betrachten.


*426. Seine Augen sind weiter als sein Bauch. Grimm, I, 790.

Dän.: Han mœtter Bugen för øinene.

Frz.: Il rassasie plutôt son estomac que ses yeux.


*427. Seine Augen studiren, aber seine Ohren sind spazieren (horchen).

Engl.: He is occupied with his eyes and listens with his ears.


*428. Seine Augen triefen.

Von Blödsichtigen und Dummen, besonders Altersschwachen; Saturn wurde als ein alter, gichtbrüchiger Mann dargestellt.

Lat.: Saturniae lemae. (Erasm., 125.)


*429. Seine Augen woran weiden.

An dem