Honig

1. Aussen Honig, innen Galle.

Mhd.: Ûzen hönik und innen gall. (Suchenwirth, XXIV, 238.)


2. Das ist schlechter Honig, den man erst mit Zucker süss machen muss.


3. Der bekommt keinen Honig zu lecken, der sich von der Bienen Stachel lässt schrecken. Froschm., XVI.


4. Der beste Honig verdirbt im unreinen Glas.


5. Der Honig des Reichthums kommt aus dem Bienenstock des Fleisses.


6. Der Honig geht schwer ein, wenn man ihn essen muss.

Die Russen: Sauer ist der Honig dem, der ihn essen muss. (Altmann VI, 465.)


7. Der Honig im Bienenkorbe des Glücks wird leicht sauer. (Arab.)


8. Der Honig im sprachhause sucht, des lohn seind besissene hende. (Um das Jahr 1524.) – Schade, II, 257, 11.


9. Der Honig ist für kein Eselsmaul.


10. Der Honig ist nicht weit vom Stachel.Eiselein, 320; Simrock, 4927; Braun, I, 1467.

Mhd.: In sime süezen honege lît ein giftig nagel. (Walther.) – Des honges süeze waere guot, wan daz sîn angel we tuot. (Freidank.) – Nû seht, daz honc, swie süeze ez sî, da ist doch lîhte ein angel bî. ( Zingerle, 71.)


[766] 11. Der Honig ist thewer, den man auss Dornen muss lecken.Lehmann, 38, 41; Winckler, VI, 15; Eiselein, 320; Simrock, 4928.

Frz.: Cher est le miel qu'on lèche sur épines. – Trop achatte le miel qui sur lespine le lesche. (Leroux, I, 52; Cahier, 1093.)

Holl.: Hij koopt den honig wel duur, die ze van de doornen moet lekken. (Bohn I, 327.)


12. Ein Löffel Honig lockt der Fliegen mehr als zwanzig Tonnen Essig her.


13. Ein Tropfen Honig macht das Meer nicht süss.Sprichwörtergarten, 10.


14. Erst schmieren sie dich mit Honig ein, dann fressen sie dich hinterdrein.


15. Es ist kein Honig so süss als der aus Nachbars Bienenstock.Altmann V, 121.


16. Es ist um den Honig geschehen, wenn der Bär ihn hütet.


17. Es wird offt Honig geseet vnd gehet Senff auff.Petri, II, 306.


18. Fremder Honig ist am süssesten. – (Wend. Lausitz.)


19. Gibt's nicht Honig, so gibt's doch Wachs.

Die Russen: Es ist immerhin ein gutes Jahr, wenn man an Wachs gewinnt, was man an Honig verliert. (Altmann V, 104.)


20. Halb Honig, halb Essig.

Frz.: Moitié guerre, moitié marchandise. (Lendroy, 978.)


21. Honig auf den Lippen, Galle im Herzen.

»Das Honig auff der Zungen, aber die Galle bey den Hertzen haben, als das Sprichwort lautet.« (Pauli, Postilla, II, 42b u. 43a.)

Lat.: Impia sub dulci melle venena latent. (Ovid.) (Schonheim, J, 9; Binder II, 1390; Seybold, 231.)


22. Honig auf der Zunge macht den Mund nicht süss.

Der versprochene Honig macht keinen süssen Mund.


23. Honig auf der Zunge, schau' nach dem Beutel.Winckler, XIX, 69.


24. Honig bald (frisch), Wein alt (gelagert).

Dän.: Ny honning og gammel viin. (Prov. dan., 315.)


25. Honig essen ist gesundt, zu viel essen macht speien.Petri, II, 384; Henisch, 1583, 29; Gruter, I, 49; Eiselein, 320; Körte, 2946; Simrock, 4929; Braun, I, 1469.

Der Philosoph Pythagoras nährte sich hauptsächlich von Honig und behauptete, dass er blos durch den Honig ein Alter von neunzig Jahren erreicht habe, und dass er ohne Honig vierzig Jahre früher gestorben sein würde. Und der lachende Philosoph Demokritos verschob auf Bitten seiner Töchter, die gern am Feste der Ceres tanzen wollten, durch Honiggenuss die nahende Sterbestunde bis nach dem Feste. (Gartenlaube, 1855, Nr. 6.)

Mhd.: Vil honiges gezzen enist nit gût. (Morolf.) (Zingerle, 71.)


26. Honig folget nicht den Bienen.Graf, 110, 255.

Der Honig gehört dem, der die Bienen im Stocke hat, d.h. sie hegt und pflegt. Fliegen aber die Bienen über die Gasse oder über des Nachbars Zaun, so sollte man ihnen nach der einen Rechtsanschauung nach Verfluss von drei Tagen nicht mehr folgen können; nach einer andern war es dem Herrn der Bienen erlaubt, denselben mit Klopfen und Läuten zu folgen und sich, wenn es ihm gelang, den ziehenden Zug zum Stillstand zu bringen, sich wieder in Besitz desselben zu setzen. Verlor er sie aber aus dem Gesicht, so war der Zug dessen, der ihn fand, aber der Honig, den sie im Stock zurückgelassen, folgte ihm nicht als natürliches Zubehör, wie etwa das Junge der Mutter, sondern er blieb dem, unter dessen Zucht und Sorge ihn die Bienen früher gesammelt hatten.

Mhd.: Honing volget nicht den behnen. (Daniels, 119.)


27. Honig hat heimliche Galle.Petri, II, 384.


28. Honig im Mund, Gall im Schlund.


29. Honig im Munde, Gifft (Galle) im Hertzen. Petri, II, 572; Gruter, III, 50; Lehmann, II, 266, 69; Sabbathsteuffel im Theatrum Diabolorum, 485b; Eiselein, 320; Simrock, 4921; Parömiakon, 299 u. 3155; Braun, I, 1468; für Waldeck: Curtze, 348, 431.

Mhd.: Wan der treit alle stunde daz honec in dem munde, daz eiter, dâ der angel lît, dâ blaet der eiterîne nît dem vriunde misselinge an iegelichem dinge, daz er gehoeret unde gesiht und enhüetet niemen vor im niht. (Tristan.) (Zingerle, 71.) – Mir grûset sô mich lachent an die lechelaere, den die zunge honeget und daz herze gallen hat. (Walther.) (Zingerle, 72.) – Die minn ward ir gevallen, die hönich gemacht aus gallen vnd darnach aus dem hönich gpirt gallen, die ze pitter wirt. (Ring.) (Zingerle, 194.)

Frz.: Bouche (Langue) de miel, coeur de fiel. (Bohn I, 30; Starschedel, 409.)

[767] It.: Non vi è miele senza fiele. (Pazzaglia, 225, 3.)

Lat.: Impia sub dulci melle venena latent. (Ovid.) (Schonheim, I, 9; Philippi, I, 189.) – Mel in ore, verba lactis, fel in corde, fraus in factis. (Gaal, 411; Egeria, 133.)

Port.: Boca de mel, coraçào de fel. (Bohn I, 269.)

Span.: Boca de miel, manos de hiel. (Cahier, 3242.)

30. Honig im Mund, im hertzen gall, ist jetzt breuchlich vberall.Petri, II, 384; Henisch, 1339, 57.

»Wer das Honig führt im Mund vnd hat die Gall beym grund, den halt ich für keinen frund, schwur er gleich zu aller stund«. (Henisch, 339, 63.)


31. Honig im Munde vnnd ein Schermesser in der Hand (im Gürtel).Lehmann, 336, 59; Winckler, VI, 73; Sailer, 178; Simrock, 4922.


32. Honig ist der Mücke Tod.Sailer, 176; Simrock, 4932.


33. Honig ist doch süss, wann er schon einem Krancken bitter schmeckt.Lehmann, 819, 10.


34. Honig ist kein Futter (keine Kost) für Esel.

Frz.: Le miel ne fut pas fait pour la gueule de l'âne. (Cahier, 1094; Kritzinger, 459a.) – Le miel n'est pas pour les ânes. (Bohn I, 32.)

Holl.: De honig is voor de zeugen niet. – Wat zal een ezel honig eten. (Harrebomée, I, 324.)

Port.: Nào he o mel para a boca do asno. (Bohn I, 285.)

Span.: No es la miel para la boca del asno. (Don Quixote.) – No se hizo la miel por la boca del asno. (Cahier, 3540; Bohn I, 237.)


35. Honig ist süss, aber die Bienen stechen.

»Eim jeden schmeckt der honig süss, doch fürcht man stets die binen füss.« (Waldis, IV, 58, 45.)

Frz.: Le miel est doux, mais l'abeille pique. (Bohn I, 32; Kritzinger, 58a.)

Holl.: De honig is zoet, maar de bij steekt. (Bohn I, 305.)


36. Honig ist süss, aber theuer.


37. Honig muss man blos mit dem Finger kosten, nicht mit hohler Hand essen.Einfälle, 131.

Frz.: Si miez (est) fait pour c'on le lecche. (Le miel est fait pour qu'on le lèche.) (Leroux, I, 52.)


38. Honig ums Maul und Dreck darin.Eiselein, 454.


39. Honig, Zucker und Mandelkerne essen die kleinen Kinder gerne.


40. Ich will nichts von deinem Honig und nichts von deinem Stachel.Tendlau, 913.

Als Bileam (4 Mos. 22, 12) sagte: »Wenn ich dem Volk nicht fluchen darf, so will ich mitgehen, um dasselbe zu segnen«, erhielt er von Gott obige Antwort. Zum bösen Menschen sagt man: Ich mag weder dein Gutes noch dein Böses.


41. Ist nur Honig da, die Fliegen kommen von selber.

Böhm.: Dej jenom med, a much dosti přilne. (Čelakovsky, 154.)


42. Jimieh ener sich met Hunnig anstrech, desto ärger kummen de Wespeln on enen. (Bedburg.)


43. Kein honig on gallen.Franck, II, 20a; Eiselein, 320; Simrock, 4924.

Frz.: Nul miel sans fiel. (Leroux, I, 1893.)


44. Lauter Honig verdirbt den Magen.


45. Man isst den Honig und fragt nichts nach den Bienen.Schlechta, 134.


46. Man kann lange von Honig reden, ehe das Maul süss wird.

Der Türke sagt: Nicht wenn man Honig, Honig sagt, wird der Mund süss. (Schlechta, 130.)


47. Man mag Honig rufen soviel man will, man wird kein süsses Maul bekommen.


48. Man muss den Honig nicht in Essig weichen.

Wohlthaten z.B. nicht durch die Art, wie man sie erweist, verkümmern.


49. Man muss den Honig so aus dem Korbe nehmen, dass den Bienen auch was bleibt.

Dän.: Tag saa honning at bierne have næring. (Prov. dan., 315.)


50. Man muss nicht allen Honig selber essen.

Die Russen: Bereite Honig, mein Sohn, sei aber nicht so verliebt darein, dass du ihn selber issest. (Altmann V, 118.)


51. Man schmiert mit Honig das Glas, dass der Wermuth eingeh bass.Fischart, Gesch.

Böhm.: Pod sladkým medem tráví lidé lidi jedem. (Čelakovsky, 42.)


52. Man streicht offt einem den Honig vmbs Maul vnd den Dreck hinein.Gruter, III, 67; Lehmann, 767, 8; Lehmann, II, 410, 37.


53. Mancher sucht Honig und findet Galle.


[768] 54. Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einer ganzen Kanne Essig.Schlechta, 256; Simrock, 2542; Körte, 2947; Reinsberg III, 91.

Mit Glimpf und Gelindigkeit richtet man mehr aus als mit Härte und Uebermuth. Die Russen: Mit Honig fängt man nicht nur Fliegen, sondern auch Bären. (Altmann VI, 506; Reinsberg III, 91.)

Frz.: On prend plus de mouches avec du miel qu'avec du vinaigre. (Bohn I, 43.)


55. Mit Honig schmiert man das Gifft.Petri, II, 477.

Mhd.: Daz honec dâ in gallen rin. (Frauenlob.) (Zingerle, 71.)


56. Nach Honig schluckt man, nach Wermuth spuckt man.


57. Nicht aus allem Honig wird Meth gemacht. Altmann V, 112.


58. Such nicht zu viel Honig, dass dir nicht Galle drauss werde.Petri, II, 543.


59. Unter süssem Honig ist offt der schedlichste Gifft versteckt.Petri, II, 564.


60. Verbotener Honig wird zu Galle.


61. Vil haben das Honig im Munde vnd die Galle beim hertzen.Henisch, 1339, 61.

Lat.: Ex gutta mellis generantur flumina fellis. (Gaal, 1125.)


62. Von Honig reden macht den Mund nicht süss.

Die Russen: Wer immer von Honig spricht, hat keine Zeit Honig zu essen. (Altmann VI, 422.)


63. Wäre der Honig nicht süss, man leckte ihn nicht.

It.: Il miele si fà leccare perchè è dolce. (Pazzaglia, 225, 4.)


64. Was Honig der Biene, das ist Liebe dem Menschen. (Finn.)


65. Was nützt es Honig bauen, wenn man ihn selber isst.


66. Was soll der Honig in des Esels Maule! Körte, 2951; Reinsberg III, 60.


67. Wat schall Honnig in de Theerbütt!Globus, VIII.

Was soll Honig in der Pechtonne!


68. Wegen des süssen Honigs lecket die Katz die Schüssel.Petri, II, 613.


69. Wem der Honig schmeckt, der schelte nicht die Bienen.


70. Wen (wer) den Hunneg êten well, mott ock liën, dat ön de Beien (Bienen) steken. (Meurs.) – Firmenich, I, 401, 54.

71. Wenig Honig versüsst viel Bitterkeit.


72. Wenn der Honig aufgetragen, muss man rasch zulangen.

Böhm.: Když med, ber lžíci hned. (Čelakovsky, 260.)


73. Wenn der Honig fertig ist, vertreibt man die Bienen.


74. Wenn du Honig findest, so geneuss es mit Mass.


75. Wenn nach Honig gelüstet den Fliegen, bleiben sie auf der Leimruthe liegen.

»Dan wann nach Honig glust vns Flügen, dörffen wir wol inn d Leimrut fligen.« (Fischart, Flöhh., in Kloster, X, 799.)


76. Wenn nur Honig da ist, ein Löffel findet sich bald.


77. Wenn's Honig regnet, do ho ich kenn Löffel, und wenn's Dräk (Dreck) regnet, do spärr' ich 's Maul uf. (Zwickau.)

Wenn jemand kein Glück zu haben vermeint, oder kein Geschick besitzt, es zu erfassen.


78. Wer den Honig kaufen muss, dem schmeckt er nicht so süss.

Die Osmanen sagen: Anders ist der Honig, anders sein Preis. (Schlechta, 131.)


79. Wer den Honig mit dem Bären theilt, bekommt stets das wenigste.Winckler, XX, 62.

It.: Chi divide il miele con l'orso ha la minor parte. (Bohn I, 79.)


80. Wer den Honig von den Dornen lecken muss, der bezahlt ihn theuer.

Frz.: Trop achète le miel qui le lèche sur les épines. (Bohn I, 60.)

Holl.: Hij koopt den honig wel duur, die ze van de doornen moet lekken. (Harrebomée, I, 324.)


81. Wer den Honig will, muss der Biene Sumsum leiden.Eiselein, 320; Simrock, 4925.

Lat.: Feras quod laedit, aut quod prodest perferas. – Neque mel, neque apes. ( Eiselein, 320.)


[769] 82. Wer des Honigs will geniessen, der muss sich auch Bienen stechen lassen.Fischer, Psalter, 708c.


83. Wer einmal Honig nascht, heisst immer Honigmaul.

Die Letten sagen: Der Bär naschte einmal Süsses, nun heissen seine Enkel Honigfresser. (Reinsberg II, 51.)


84. Wer gut Honig will haben, der muss der Imen biss gewertig sein.Lehmann, II, 350, 4.


85. Wer Honig essen wil, der muss leiden, das jhn die Bienen stechen.Petri, II, 719; Henisch, 371, 45.

Die Osmanen sagen: Kein Honig ohne Mühe. (Schlechta, 247.)


86. Wer Honig genascht, beleckt sich die Finger.


87. Wer Honig lecken will, muss den Stachel der Bienen nicht scheuen.Körte, 2925; Schulfreund, 88, 131; Simrock, 4926; Braun, I, 1472.

Die Russen: Wer den Honig nicht strafen will, verklage nicht die Bienen. (Altmann V, 122.)

Mhd.: Iz ist ein êwiclîcher val, swer daz honic bûtet dar, dâ der angel scharf vor war inne lît vorborgen. (Marienlegende.)

Dän.: Hvo der vil honning slikke, maa ikke ræddes for bier. (Bohn I, 378.)

Engl.: The honey is sweet, but the bee stings. (Gaal, 212.)

Holl.: Die den honig wil uithalen, moet het steken der bijen ondergaan. (Harrebomée, I, 324; Bohn I, 308.)

It.: Non si può aver il mele senza le pecchie. (Gaal, 212.)

Lat.: Fecem bibat vinum qui bibit. (Seybold, 175.) – Quisquis apes, undasque timet, spinasque roseti, non mel, non pisces, non feret ille rosas. (Gaal, 212.)


88. Wer Honig sammeln will, muss zur Biene in die Schule gehen.

Die Russen: Willst du Honig bereiten, dann nimm dir die Biene zum Vorbild, nicht die Wespe. (Altmann VI, 475.)


89. Wer Honig sucht, findt Gall.Sutor, 1002.

Lat.: Ne quaeras mollia, et contingant dura. (Sutor, 1002.)


90. Wer Honig will sammeln und Rosen will brechen, muss leiden, dass Bienen und Dornen ihn stechen.Lohrengel, I, 815.


91. Wer kann Honig speien, wenn er den Mund voll Galle (Wermuth) hat.

Dän.: Det er ondt at sidde imellem to ilde. (Bohn I, 361.)


92. Wer keinen Honig im Bienenkorbe hat, muss ihn im Munde haben.


93. Wer mit Honig umgeht, dem bleibt auch etwas an den Fingern hängen.

Die Russen: Wer sich zu Honig macht, den belecken die Bären. (Altmann VI, 450.)

Holl.: Die met den honig omgaat, hem blijft altijd wat aan de vingers hangen. (Harrebomée, I, 234.)


94. Wer mit Honig umgeht, leckt auch einmal die Finger.Goethe's Reineke.

Frz.: Celui gouverne bien mal le miel qui n'en taste et ses doigts n'en lêche. (Bohn I, 9.)

Holl.: Die honig eet, mag wel zijne vingers lekken. (Harrebomée, I, 324.)


95. Wer mit Honig umgeht, mag wol seine Finger lecken, er muss es aber nicht zu grob machen.Winckler, IV, 68.

Span.: Quien la miel menea, siempre se le pega de ello. (Bohn I, 249.)


96. Wer offt Honig isset, der wird sein vberdrüssig.Petri, II, 747.


97. Wer seinen Honig auf den Markt bringt (oder: in Kuchen verbäckt), kann ihn nicht auf Semmel streichen.

Aehnlich die Russen Altmann V, 131.


98. Wer sich selber zu Honig macht, wird von den Bienen aufgefressen.Winckler, V, 87.

Böhm.: Kdo rukama med míchá, prsty olíže. (Čelakovsky, 129.)

Holl.: Die zich zelven honig maakt, wordt van de bijen opgegeten. (Harrebomée, I, 324; Bohn I, 311.)


99. Wer sich zu Honig macht, den benaschen (fressen) die Fliegen.Körte, 2950; Braun, I, 1471; Simrock, 4933; Reinsberg III, 145.

Die Russen: Wer sich zum Honigfass macht, an dem will jeder lecken. (Altmann VI, 442.)

Engl.: Daub yourself with honey, and you'll never want flies. (Gaal, 1348.)

It.: Fatti di miele, e ti mangeran le mosche. (Bohn I, 98.)

Port.: Fazei-vos mel, comer-haõ as moscas. (Bohn I, 277 u. 294.)

Span.: A quien se hace miel, moscas se le comen. – Haceos miel y paparos han las moscas. (Cahier, 3539.)


[770] 100. Wer sich zu Honig macht, der hat gut Fliegen fangen.

Holl.: Besmeer u met honig, zoe vangt gij vlijgen. (Harrebomée, I, 324.)


101. Wer sich mit Honig schmiert, den fressen die Fliegen.

It.: Fatevi miele, che le mosche vi mangieranno. (Pazzaglia, 225, 1.)


102. Wer viel Honig leckt (schleckt), muss auch viel Wermuth schlucken.Sailer, 158; Simrock, 4930.

Folgen der Unmässigkeit.


103. Wer vil honig hat, der honigt auch sein brey.Henisch, 706, 8.

Die Russen: Wer genug Honig hat, schmiert seine Räder damit. (Altmann VI, 440.)

Böhm.: Budeš-li med, slíží tĕ; badeš-li jed, rozplvají tĕ. (Čelakovsky, 85.)


104. Wer will Honig lecken, muss nicht vor Bienenstichen schrecken.


105. Wer will Honig schneiden, muss den Kopf in eine Kappe kleiden.


106. Wer zu viel Honig isset, der speiet.Spr. Sal. 25, 16; Schulze, 90; Zaupser, 151.

Mhd.: Des honges süeze verdriuzet, sô mans ze vil geniuzet. (Freidank.) – Daz süeze honec ist bitter einem jegelîchen man der ez niezen niene kan. (Gregor.)

Lat.: Habet et mel satietatem. (Seybold, 207.)

107. Willst du guten Honig haben, so musst du der Bienen Biss gewärtig sein.

Dän.: Hvo hunning vil slikke, maae ei reddes for bier. (Prov. dan., 315.)


108. Wo es Honig gibt, da ist auch Gall bey. Gottfr., XXII.

Dän.: Honning giver vel sødhed i munden, men galde udi blodet. (Prov. dan., 299.)

Lat.: Ubi mel, ibi fei. (Wahlspruch Luther's.)


109. Wo es Honig gibt, da sammeln sich die Fliegen (Wespen).

»Wo Honig ist, da samlen sich die fliegen, wo Kinder sind, da singt man vm die wigen.« (Rochholz, 300; Fischart, Trostb., im Kloster, X, 729.)

Dän.: Hvor honning er da sankes fluer. (Prov. dan., 288.)

It.: Non si dà miele senza mosche. (Pazzaglia, 225, 2.)


110. Wo Honig feil ist, fliegen Imen vnd Mücken zu.Lehmann, 401, 60.


111. Wo man Honig verkaufft, da fallen die Fliegen zu mit hauffen.Henisch, 1147, 7; Petri, II, 812.

»Wo man Honig thut verkauffen, fallen die fliegen zu mit hauffen.« (Waldis, II, 89, 5.)


112. Zu seinem Honig legt der Teufel einen Löffel, zum fremden zwei.


113. Zu viel Honig essen ist nicht gut.Petri, II, 828.


114. Zu viel Honig ist bitter (bekommt nicht). Lehmann, II, 905, 23; Gruter, III, 119; Petri, II, 828.

Alles Zuviel schadet. Zu viel Honig, sagen die Russen, säuert den Magen. (Altmann VI, 411.) Und die Neugriechen: Auch der Honig erzeugt Uebersättigung. (Reinsberg III, 139.)

Dän.: For meget hunning smager bitter. (Prov. dan., 315.)

Frz.: Au desgouté le miel amer est. (Leroux, I, 57.)

Lat.: Mel invenisti, comede quod sufficit tibi, ne forte satiatus evomas illud. – Sicut qui mel multum comedit, non est ei bonum. (Schulze, 90.)


*115. Aus Honig eitel Essig machen.Luther's Tischreden, 45b.


*116. Das honig vmb das maul streichen.Eyering, I, 186.

Auch russisch Altmann VI, 520.

*117. Dem Honig verkaufen, der Bienen hat.

Frz.: Vendre du miel à celui qui a des ruches. (Kritzinger, 457a.)

It.: Vender il miele a chi ha le api. (Bohn I, 131.)

Port.: Vender mel ao colmeiro. (Bohn I, 295.)


*118. Den Honig mit Zucker bestreuen.Altmann VI, 520.


*119. Den Honig vom Bären kaufen.

Die Russen: Der Honig, den der Bär verkauft, ist bitter. (Altmann VI.)


*120. Der1 hat immer Honig im Maul.

1) D.i. dieser Mensch.


*121. Der (= dieser) Honig ist nicht ohne Galle.

Mhd.: In dîner spîs lît gallen vil. (Boner.) (Zingerle, 72.)


*122. Der (= dieser) Honig ist nicht von Dauer.

Dies glückliche Verhältniss wird keinen Bestand haben.


[771] *123. Du kannst ihm Honig vorsetzen, er wird dich mit Galle speisen.


*124. Du streichst mir honig vmb das maul vnd streichst mir dreck drein. (S. Eiter 2.) – Franck, II, 11b; Tappius, 44a; Lehmann, II, 74, 101; Frischbier2, 1652; Körte, 2952a; Braun, I, 1473.

Holl.: Hij smeert hem honig om den mond. (Harrebomée, I, 324.)


*125. Einem den Honig nehmen.Jer. Gotthelf, Erzählung, V, 316.

Einen über den Löffel barbieren.


*126. Er hat das honig im Maul, die Gale im Hertzen.Eyering, II, 263; Henisch, 1339, 51.


*127. Er hat Honig gesäet und Pfeffer ist aufgewachsen.


*128. Er nimmt's Hungg d'rab. (Solothurn.) – Schild, 89, 358.

Er nimmt den bessern Theil, den Vortheil vorab.


*129. He schmêrt em Honig um den Bârt. (Holst.) – Schütze, II, 153; Eichwald, 70.

Frz.: Tenir quelqu'un en abboi. (Kritzinger, 2.)


*130. Honig im Maule und ein Schermesser in der Hand.

Freundschaftliche Gesinnungen heucheln und Hass im Herzen hegen.

Frz.: Bouche de miel, coeur de fiel.

Holl.: Honig in den mon den een scheermes aan den riem. (Harrebomée, I, 324.)

It.: Tal ti fà il bellino, che ti mangerebbe il cuore.


*131. Honig im Sprachhaus (Abtritt) suchen. Sendbrief von der Messkrankheit.


*132. Honig ins Maul nehmen.

»Wie hab ich Hönig inss Maul genommen.« (Ayrer, I, 598, 8.) – »Der Moniteur hat wieder Honig für Italien im Munde.« (Vossische Zeitung, 1868.)


*133. Honig ums Maul und Hühnerdreck hinein schmieren. (Niederrhein.)


*134. Jemes (jemand) den Hunneg öm den Bart schmeren on den Dreck dren. (Meurs.) – Firmenich, I, 401, 69.


*135. Man muss es mit Honig versüssen.

Mhd.: Ê wolt ich gebüezen, ob smers vluz waere galle gar, mit honec ez übersüezen. (Frauenlob.) (Zingerle, 72.)


*136. Nu will der Honig in Theerammer kam'n.Eichwald, 810.


*137. Sein ganzer Honig ist sauer geworden.

Mit dem Glück ist's zu Ende.


*138. Sein Honig wird zu Galle.

Mhd.: Ir honec ist worden zeiner gallen. (Walther.) – Und machte zeiner gallen daz vil honicsüeze spil. (Engelhart.) (Zingerle, 72.)


*139. Seinen Honig dem Bienenvater verkaufen.

Die Russen: Suche deinen Honig dem anzumarkten, der keine Bienen hat. – Dem brauchst du den Honig nicht zum Kauf anzubieten, der selber Bienenstöcke besitzt. (Altmann VI, 430 u. 446.)


*140. Sich ganz mit Honig überstreichen.

Ein süsses und angenehmes Leben führen.


*141. Wenn er Honig aufschmierte, es würde doch stets nach Theer riechen.


[772]

142. Das Wort »Honig« macht noch nicht süss. Neue Freie Presse, 4592.


143. Haunig ist über hübsch.Nefflen, 461.

Liebenswürdigkeit spricht mehr an als Schönheit.


144. Vorne Honig, hinten Galle.Schuller, 37.


145. Wenn man auch von Honig spricht, der Mund wird davon süsser nicht.Neue illustrirte Zeitung, V, 25.


146. Wer hält Honig und leckt nicht seine Finger darnach?Sanders, 126.


147. Wer Honig will, der kommt zur Biene, die Schlange hat nur Gift.

Böhm.: Od včely pochází med, od hada jed. (Čelakovský, 32.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Horribilicribrifax

Horribilicribrifax

Das 1663 erschienene Scherzspiel schildert verwickelte Liebeshändel und Verwechselungen voller Prahlerei und Feigheit um den Helden Don Horribilicribrifax von Donnerkeil auf Wüsthausen. Schließlich finden sich die Paare doch und Diener Florian freut sich: »Hochzeiten über Hochzeiten! Was werde ich Marcepan bekommen!«

74 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon