Schermesser

1. Kein schermesser also scharpff schiert, als ein bawr (Knecht), der zum herrn (Edelmann) wirt. (S. Messer 36, Scherm und Schwert.) – Tappius, [148] 136a; Latendorf II, 20; Zinkgref, IV, 358; Lehmann, II, 312, 22; Chaos, 628; Braun, I, 172; Parömiakon, 2501.

»Et gewt kên Schêrmetz dat härter schêrt, as wenn de Plunnermatz Eddelmann ward.« (Schlingmann, 1142.) Mancher mag selbst, in seinen abhängigen Verhältnissen nur despotisch behandelt, denken, es müsse so sein; und um die Sache recht gut zu machen, macht er es recht schlimm. »Nieman so nahe schirt, als ma ein Bur Herr wird, Arneis, Bonen, Linsen setzet er ze Zinsen.« (Eiselein, 61.)

Lat.: Asperius nihil est humili, cum surgit in altum. – (Henisch, 346, 26; Frob., 36; Philippi, I, 45; Eiselein, 60.) – Dum surgunt miseri nolunt miseris miseri. – Magistratus uirum ostendit. (Egenolff, 94b.)

Schwed.: Ingen hårknijf skjär så skarpt, som bonde då han herre wardt. (Grubb, 389.)


2. Kein schermesser, das herter schirt, dann so ein betler ein herr wirt.Franck, I, 93b; Henisch, 346, 25; Gruter, I, 52; Egenolff, 94b; Schmitz, 200, 245.


3. Kein schermesser scherffer schirt, als wenn die Magd zur frawen Zird.Zinkgref, IV, 358.


4. Mit einem Schermesser spalt man kein baum.Lehmann, 782, 26.


5. Wer das Schermesser schlecht wetzt, dem wird leicht das Gesicht zerfetzt.

Holl.: Het scheermes kwalijk gewet, den baard slecht ingezeept en ruwe handen, doen menigen man kriezeltanden. (Harrebomée, II, 244b.)


6. Wer unter dem Schermesser des Kriegs gewesen, der weiss am besten, was Mars für eine harte Hand hat.


*7. De wêt na 't Schärmest (Schermesser) to liepen (den Mund zu ziehen). (Rastede.) – Firmenich, III, 28, 91.


*8. Es ist ein Schermesser in eines Narren Hand.

Eine gefährliche Waffe in ungeeigneten, schlimmen Händen. Die Russen: Ein Schermesser in Mörders Händen kann den Hals des weisesten Mannes durchschneiden. (Altmann VI, 470.)


*9. Es ist ein Schermesser in Kieselsteinen. (Altröm.)

Von denen, die zufällig in Umstände gerathen, in die sie nicht kommen wollten.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876, Sp. 148-149.
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