Schade

1. Alt (verheylt) schäden bluten leicht.Franck, II, 208b; Gruter, I, 4; Petri, II, 12; Henisch, 431, 1; Eyering, I, 58 u. 389; Schottel, 1115b; Simrock, 8799; Körte, 5238.


2. Alte Schäden brechen leicht auf.Eiselein, 542.


3. Alte Schäden heilen schwer.Lohrengel, I, 40.

Engl.: It's ill healing an old sore. (Bohn II, 15.)


4. Alte Schäden sind bös zu heilen.Eiselein, 542; Simrock, 8000.


5. Alte Schäden sol man nicht auffkratzen.Petri, II, 12.


6. Alte Schäden und Gebräuche muss man lieber dulden als unzeitig arzneien.Körte, 5239.


7. Alte Schäden vnd alte missbräuch soll man viel mehr dulden, als mit vnzeitiger Artzney verbösern.Lehmann, 317, 43.


8. Alten Schaden curiren, heisst Binde und Salbe verlieren.

Ebenso schwer sind alte Fehler und böse Gewohnheiten los zu werden.


9. Besser durch fremden Schaden klug werden als durch eigenen.

It.: Saggio è colui ch' impara a spese altrui. (Pazzaglia, 180, 1.)

Lat.: Optimum est, aliena insania frui. (Plinius.) (Binder II, 2433.)


10. Besser durch Schaden klug, als durch Vortheil unklug.


11. Besser durch Schaden klug werden als durch Schande.Braun, I, 3774.


12. Besser heimlicher Schadt, dann offene schand.Gruter, III, 87; Simrock, 8786; Körte, 5232; Braun, I, 3775.

Mhd.: Es ist bezzer heimlich schade zwâr, dan schande lîden offenbâr. (Morolf.) – Heimlicher schad ist pesser vil, dann offne schand, wer es merken wil. (Fastnachtsspiel.) (Zingerle, 130.)

Dän.: Bedre en hemmelig skade end aabenbare spot.

Frz.: Une perte cachée vaut mieux qu'une ignominie connuë.


13. Besser ists, man werde mit schaden, dann mit schanden weiss.Tappius, 10b; Gruter, I, 32; Lehmann, II, 69, 12; Suringar, III, 5, 7 u. 18.


14. Besser Schad, denn Schand (schändlicher Gewinn).Petri, II, 39; Henisch, 1601, 10.

Schwed.: Bättre skada än orätt wunnet. ( Grubb, 76.)


15. Besser schaden als vnrechter gewinn.Lehmann, 852, 16.


16. Da is kên Schaan so grôd, da is immer Woddel (Vortheil) darbi. (Rendsburg.)


17. Das ist ein alter Schaden, sagte der Doctor, als sich die Aebtissin am Eisenrohr die Jahreszahl 1568 auf die Posteriora gebrannt hatte.Klosterspiegel, 74, 15.


18. De de Schâ(de) hett, hett de Schimp dertô. (Ostfries.) – Bueren, 126; Kern, 1536; Stürenburg, 210a; Hauskalender, I.


[42] 19. De den Schaden hôt, hôt uch de Schpôt. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 770.


20. De Schaden doit, mott Schaden betern.Eichwald, 647; Frommann, IV, 143, 356.


21. De Schaed gaht vor de Baat.Schottel, 1131a.

Holl.: De schade gaat vóór de baat. (Harrebomée, II, 240b.)

22. Den müsse Schad vnd Schand bestahn, der mehr sagt, als er hat gethan.Petri, II, 79.


23. Den Schaden büsst der Reiter.Graf, 191, 51.

Im allgemeinen galt in den deutschen Rechten der Grundsatz, dass kein Thier (s.d.) Gewette (Strafgeld) zahle; doch gab es Fälle, wo man den Schaden auf den Herrn des Thieres wies, wenn dieser ihn abwehren konnte, aber dennoch geschehen liess. So zahlte, so lange Ross und Mann beisammen waren, der Reiter, nicht das Pferd die Busse u.s.w. »Verletzt eines Mannes Ross, darauf er reitet, einen andern Mann, so soll er es so thun büssen, als habe er es selbst gethan. Verwundet das Ross einen Mann im Stalle, so braucht man nichts zu geben.« (Hettema, Wetten, I, 42, 108; II, 90.)


24. Den schaden empfind niemand, ohn der jhn tragen muss.Henisch, 880, 59; Petri, II, 79.


25. Der erste Schaden warnt vor dem zweiten (einem grössern).

Schwed.: Första skadan är bäst at styra. (Grubb, 237.)


26. Der im schaden fehlet, trifft zu nutzen.Lehmann, 756, 20.

27. Der kleinste Schaden und der nächste Weg sind am besten.

Holl.: Ter minste schade en ten naasten weg. (Harrebomée, II, 241b.)


28. Der letzte schad wird immer ärger, denn der dritt.Henisch, 931, 33.


29. Der letzte Schaden ist ärger als der erste. Petri, II, 99.


30. Der schad betrübt vnnd läst nach.Lehmann, 852, 16.


31. Der Schade bleibt, wo er ist.Graf, 467, 573.

Der Schwächste erliegt.

Mhd.: De schade sy, wor he sy. (Westphalen, III, 1753, 235.)


32. Der Schade mâcht in't klâch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 1079 a.


33. Der schaden hat, muss auch das gespött tragen.Werdea, Bi; Suringar, CXI, 2.


34. Der Schaden ist gut, der zwei Nutzen bringt.

Mhd.: Ein schade is guot, der zwêne frumen gewinnet. (Walther.) (Zingerle, 128.)


35. Der Schaden kommt zum Schaden.


36. Des einen schaden (Verderben) ist des andern glück (Nutzen).Henisch, 1661, 23; Petri, II, 116; Simrock, 8793; Braun, I, 3777.

Holl.: Des eenen kleine hinder helpt den anderen veel. (Harrebomée, I, 308a.)


37. Die alten schaden sol man nit wider auffkratzen.Tappius, 114a.


38. Döör Skâs wârd'm klûk, an nimmer wis (rîk). (Amrum.) – Haupt, VIII, 367, 273; Johansen, 151.

Durch Schaden wird man klug, aber niemals reich.

Schwed.: Af skadan blijr man wijs, och ick rijk. (Wensell, 5; Grubb, 7.)


39. Doppelt Schad', wenn de Oss ent Wate schett. (Jerentowitz.)

Der Bauer verliert den Dung, und das Wasser wird unrein.


40. Dôr Schaden werd men klauk.Schambach, II, 107.


41. Drey schaden bringt vbel studieren: erstlich thut man die zeit verlieren, demnach hat man das gelt verzert, vnd zu dem dritten wenig glehrt.

Lat.: In stadio tria damna luo, si non bene disco nummos consumo, modicum scio tempora perdero. (Loci comm., 49.)


42. Duich Schoan bit man geschaid. (Ungar. Bergland.) – Schröer.


43. Durch fremden Schaden ist wohlfeil klug werden.Braun, I, 3779.


44. Durch Schaden wird der Narr klug.Blum, 426.

Der Kluge wird durchs Unglück und Erfahrung klüger, aber den Thoren verwirren und verstocken sie gänzlich. – »Widerwärtigkeiten machen auf den Dummkopf denselben Eindruck, wie Prügel auf den Esel, nur [43] so lange die Schläge noch brennen, lässt er seine Streiche

Böhm.: Škoda i hloupému nĕkdy oči otvirá. (Čelakovsky, 156.)

Engl.: Wise men learn by other harms, fools by their own. (Gaal, 1347.)

Lat.: Nunquam sapiunt stulti, nisi in angustiis. (Gaal, 1347.)


45. Durch Schaden wird man klug.Bücking, 162; Blum, 424; Broma, II, 2; Siebenkees, 147; Körte, 5228; Latendorf II, 22; Gaal, 1345; Simrock, 8779; Ramann, Unterr., II, 3; Steiger, 173; Schlechta, 447; Lohrengel, I, 186; Suringar, CVI, 2, 5 u. 16; schlesisch bei Frommann, III, 412, 484; für Waldeck: Firmenich, I, 325, 9.

»Mit Schaden werden wir all glert.« (Waldis, IV, 99, 522.) Die Russen dagegen: Schaden macht die Narren wol mistrauisch, aber nicht vorsichtig. (Altmann VI, 492.)

Mhd.: Von schaden, giht man, manger wîse werde. (Zingerle, 128.)

Böhm.: Co k škodĕ bylo, to přiučilo. (Čelakovsky, 156.)

Engl.: Bought wit is best. (Gaal, 1345.)

Frz.: Apres dommaige chascun est saige. – Belle doctrine prent en luy qui se chastie par aultruy. (Bovill, II, 133; III, 6; Bohn I, 4.) – Dommage fait (rend) sage. (Cahier, 1585; Kritzinger, 244a.)

Holl.: Door schade en schande wordt men wijs. – Men moet leeren met schade of met schande. (Harrebomée, II, 241a.)

It.: D' un disordine nasce un' ordine. – Il danno fà il savio. (Pazzaglia, 76, 1.)

Lat.: Calamitate docemur. (Philippi, I, 68.) – Cumani sero sapiunt. (Philippi, I, 101.) – Egregia doctrina alieno sese corrigere malo. (Bovill, III, 6.) – Nocumenta sunt documenta. (Binder I, 1144; II, 2117; Weber, I, 85; Philippi, II, 30; Schonheim, N, 22.) – Piscator ictus sapiet. (Frob., 531; Hauer, Kij, Philippi, II, 96; Hanzely, 109; Tappius, 10a.) – Post acerba prudentior. (Philippi, II, 102.) – Post jacturam quis non sapit? (Binder II, 2620.) – Post iacturam sapiens quilibet. (Bovill, II, 133.) – Rem factam stultis cognoscit. (Philippi, II, 154.) – Scitum est, periculum ex aliis facere, tibi quod ex usu siet. (Terenz.) (Philippi, II, 170.)

Poln.: Co bardziéj dokuczy, to rychléj nauczy. – Co zaszkodziło, to nauczyło. – Škoda vtipu dodáva. (Čelakovsky, 156.)

Schwed.: Af skadan blir man wis. (Rhodin, 1.)


46. Durch Schaden wird man klug, ist aber theueres Lehrgeld.Simrock, 8784; Braun, I, 3773.


47. Durch Schaden wird man selten klug.Simrock, 8789.


48. Ein alter Schaden ist bös zu heilen.Parömiakon, 2527.


49. Ein gemeiner Schad ist gut zu wagen.Waldis, III, 95, 49; Petri, II, 189.

Woran viele zu tragen haben, das erdrückt den einzelnen nicht. (S. Bürde 13 u. 15.)


50. Ein kleiner schad bringt offt ein grossen frommen mit sich.Henisch, 1252, 23; Petri, II, 208.


51. Ein kleiner schad ist besser als ein grosser. Lehmann, 693, 33; Eyering, I, 191.

»Besser du leidst einen kleinen schaden, denn das du sollst in grösserm baden.« (Waldis, I, 18, 53.)

Dän.: Liden skade bedre end stor. (Prov. dan., 500.)


52. Ein kleiner Schaden macht oft grosses Wehe.

Böhm.: Mala skoda, rovný žel. (Čelakovsky, 157.)


53. Ein schad bringt den andern vnd wechst auss dem andern.Petri, II, 223.

Mhd.: Ein alt Sprichwort hân ich vernomen, das manigem ze tiure ist komen: wenn es dem manne missegât, daz, nôte ein schade eine stât, er enbringe zwêne oder drî. (Livl. Chronik.) – Ein schade dicke den andern bringet, ein tugent nâch der andern dringet. (Haslan.) (Zingerle, 128.)


54. Ein Schaden geschieht, wenn man sich's am wenigsten versieht.

Schwed.: När man minst troer är skadan närmast. (Grubb, 582.)


55. Ein Schaden ist gut, der zween Frumen (Vortheile) gewinnt.Eiselein, 542.


56. Ein Schaden ist leicht geschehen, aber schwer gut gemacht.

Dän.: Skade es snarere gjort end forsvaret. (Prov. dan., 499.)

Frz.: Dommage rend sage. – On devient sage à ses dépens. (Masson, 107.)

Schwed.: Skadan är snart gjord, men ej så snart botad. (Grubb, 719; Rhodin, 110; Wensell, 67.)


57. Einen alten Schaden curiren, heisst Binde und Salbe verlieren.Parömiakon, 470.


[44] 58. Einen Schaden, den man sich selber thut, muss man nicht an die grosse Glocke hängen.

Holl.: De schade, die men zelf doet, moet men niemand aantijgen. (Harrebomée, II, 240b.)


59. Einer macht den Schaden und der andere muss es ausbaden.

Engl.: One doth the scath, and another hath the scorn. (Bohn II, 112.)


60. Eines andern Schaden ist bald vergessen.

Schwed.: Andras skada glömmes snart. (Grubb, 28; Wensell, 7.)


61. Eines andern Schaden ist eine glückliche Lehre.

Lat.: Bonum est fugienda aspicere in alieno malo. (Philippi, I, 63.)


62. Eines andern Schaden macht keinen Kopfschmerz.

Niederd.: He lont sick sulven mit velem quaden, de sick pinigt umme eines andern schaden. (Lübben, Reinke de Vos, 5099.) (Herrig, 43, 410.)

Schwed.; Ingen bekymbrar sig om Josephs skada. (Törning, 88.)


63. Eines andern Schaden soll nicht dein Frewd seyn.Lehmann, II, 566, 19.


64. Eines andern Schaden soll niemand begehren.

Schwed.: Ingen kan begära en annars skada. (Törning, 86.)


65. Em wird gemach durch seinje Schade klach. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 1079b.


66. Es ist besser mit schaden, dann mit schanden weiss (oder reich) werden.Franck, II, 9a; Schottel, 1143b; Eiselein, 542; Sailer, 287; Körte, 5231; Simrock, 8785.


67. Es ist besser mit schaden geflohen; denn mit ehren todt bleiben.Henisch, 815, 42.


68. Es ist doch Schade, sagte der Bauer, da die Kuh ins Wasser schiss, das Land ist gross genug.Hoefer, 171a.


69. Es ist ein kleiner schad, der grossen nutzen bringt.Lehmann, 696, 76.


70. Es ist kein Schad so gross, es ist ein kleiner Nutz dabei.Petri, II, 270.


71. Es ist kein Schaden so gross, man verschmerzt ihn endlich.

Böhm.: Skoda a smrt' nejdříve se oželí. (Čelakovsky, 315.)


72. Es lest sich ohn schade denn vnglimpff oder scheltwort vberwinden vnd verschmertzen.Petri, II, 285.


73. Es ist schad, wenn man gute Wein in ein böss Fass schütt.Lehmann, 879, 30.


74. Es ist schade um jeden Schlag, der vorbeigeht.


75. Es ist selten ein Schaden, es ist ein Nutzen dabei.Simrock, 8795; Gaal, 1583; Siebenkees, 150.

Lat.: Carnibus est dignus, qui bene mandit olus. (Chaos, 1044.) – Quod ungit pungit. (Chaos, 166 u. 725.) – Rarus est fortunae furor sine favore immisto. (Chaos, 271.)


76. Furt mit Schaden, sagte der Bauer, als ihm sein Pferd verreckte. (Oberlausitz.)


77. Gemeiner Schade trägt sich leichter.

Mhd.: Von man ze man hoere ich jehn: gemeiner schade tuot aller minnest we. (H.v. Meissen.) – Gemeiner schade tuot allerminnest wê. (Frauenlob.) (Zingerle, 128.)


78. Gemeiner Schaden betrifft viele.


79. Geringen Schaden soll man nicht verachten.Petri, II, 179.


80. Hast du dir selbst gemacht den Schaden, näh's zusammen mit dem Faden.Ehrmann, 150.


81. Im Schaden muss man sehen, dass man das wenigst vors meiste nimpt.Lehmann, 694, 62.


82. Jeder mag seinen Schaden verschweigen so lange er will.Graf, 425, 202.

Zur (Civil-)Klage wird niemand gezwungen.

Mhd.: Manlic mut sines scaden wol swigen de wile he wil. (Ortloff, IV, 31, 5.)


83. Jeder muss sich vor Schaden hüten.

Holl.: Elk hoede zich voor schade, niemand is te betrouwen. (Harrebomée, II, 241a.)


84. Kann mancher nicht schaden, so kann er doch verwirren.Lehmann, 774, 3.


85. Kleinen Schaden muss man achten, grosser achtet sich selber.Körte, 5241.


86. Kleiner Schaden ist bald verschmerzt.

Schwed.: Ringa skada är snart plåstrad. (Grubb, 688.)


[45] 87. Kleiner Schaden lehrt oft grossen Nutzen.


88. Lieber Schaden als Schimpf.Blum, 622; Lohrengel, I, 472.

Ist keine Entschuldigung für den Verschwender. Zu Ehren soll man freilich nichts sparen, wer sich aber in beschränkten Verhältnissen befindet, muss überhaupt kein Ehrenmahl geben, muss allen Aufwand in Kleidung und Geräthen vermeiden und sich in seine Vermögensumstände fügen. Das Sprichwort wird auch als Rathschlag angewandt, dem Dienstpersonal nicht zu wenig zu geben.


89. Lieber Schaden leiden als verdienten Nutzen meiden.


90. Man kann nicht alle Schäden mit Einem Pflaster heilen.Simrock, 7901; Petri, II, 456.

Dän.: Man kand ikke bruge een salve til alls skader. (Prov. dan., 487.)


91. Man soll durch fremden Schaden klug werden.

Lat.: Optimum aliena insania frui. (Tappius, 173b.)


92. Man muss schaden gegen schaden abziehen.Lehmann, 693, 46.


93. Man soll vmb kleinen schadens willen ein grossen nutzen vnd vortheil nicht versaumen.Lehmann, 285, 101.


94. Man theilt niemand Schaden nach Briefes Laut.Graf, 458, 548.

Mhd.: Man teilt nymant schaden nach briffs laut. (Rössler, I, 94, 138.)


95. Mancher holt sich seinen schaden mit seinem Ross vnd Karch selbst herbey.Lehmann, 696, 77.


96. Mancher thut sich selbst den grössten Schaden.

Schwed.: Mången taar sigh sjelf til skada. – Ofta tijger man til sin egen skada. (Grubb, 548 u. 608.)


97. Mir ohn schaden, so mach ich mit.Lehmann, 693, 45.


98. Mit fremdem Schaden ist wohlfeil klug werden.Simrock, 8782.

Dän.: Det er ærlig exempel at blive viis af andres skade. (Prov. dan., 148.)

Schwed.: Bäst att bli klok af andras skada. (Wensell, 10.)


99. Mit fremdem Schaden soll man nicht reich werden.

Holl.: Niemand moet baat hebben (rijk worden) uit eens anders schade. (Harrebomée, II, 241a.)

Schwed.: Ingen må rikta sig med en annars skada. (Törning, 86.)


100. Mit Schad' und Schanden wird man klug. Eiselein, 542.


101. Mit Schaden werden die Narren klug. Gaal, 1347.

Lat.: Eventus stultorum magister. – Sero sapiunt Phryges. (Chaos, 165; Gaal, 1347.)


102. Mit schaden wird man weiss, oder mit schande.Tappius, 10b.

»Wenn sie jn denn geführt auffs eiss, wirdt er zuletst mit Schaden weiss.« (Waldis, I, 79, 24.)


103. Mit seinem Schaden wird man witzig.Gruter, III, 69; Lehmann, II, 413, 82.


104. Nach dem Schaden folgt der Spott.Petri, II, 485.


105. Nach dem Schaden macht der Narr Friede.Petri, II, 485.

»Da gemein sprichwort ist: Stultus post damnum pactum facit. Nach dem schaden macht der narr fried.« (Pauli, Schimpff, VIIIb.)


106. Nach dem Schaden, nach der That, weiss jedermann guten Rath.Körte, 5233; Petri, II, 485.

Frz.: Après dommage chacun est sage. (Kritzinger, 244a.)

107. Nach dem Schaden richten, treugt.Petri, II, 485.


108. Nach dem Schaden wird man witzig.

Lat.: Experientia docet. – Experientia est optima rerum magistra. (Chaos, 809.) – Non mihi per damnum commoda nostra fiunt. (Chaos, 140.)


109. Nachdem die Schaden sind, nachdem braucht man die Aerzten.Petri, II, 485.


110. Niemand hilft dem andern seinen Schaden gelten.Graf, 222, 278.

Die deutschen Rechte hielten es für unbillig, dass ein Erbe die Schulden des Erblassers weiter decke als der Nachlass reiche. (S. Gut 20, Hals 22, Kind 390 und Mage 2.)


111. Ohne Schaden wird niemand witzig.Gruter, III, 74; Lehmann, 691, 1; Lehmann, II, 490, 21; Petri, II, 504.


[46] 112. 'S ist Schad derfür, hot der hailfinger Mann g'sagt. (Rottenburg.) – Birlinger, 223.


113. Schad macht weyss.Franck, I, 74a u. 82b; Gruter, I, 64; Eyering, III, 292.


114. Schad' öss, wat de Wulff opfrett. (Dönhofstädt.)


115. Schad vnd verlust ist besser dann schentlicher gwin.Franck, I, 158b.


116. Schaden gebiert Schaden.Eiselein, 542; Simrock, 8797.

Lat.: Lis litum parit, nox item nocum. (Eiselein, 542.)


117. Schaden können verhüten, ist nit eine geringe Weissheit.Petri, II, 526.


118. Schaden macht klug.Müller, 34, 2.

Lat.: Post mala prudentior.

Ung.: Káron tanúl az okos. (Gaal, 1345.)


119. Schaden macht zwar klug, aber nicht reich.Simrock, 8787; Körte, 5230; Braun, I, 3772.

»Macht Schaden mich nicht reich, so macht er mich doch klug, macht Vortheil dich nur reich, so hast du auch genug.« (W. Müller, 38.)

Dän.: Af skade bliver man klog, men sielden rig. (Bohn I, 346.)

Engl.: Adversity makes a man wise, not rich. (Gaal, 1346.)

It.: Guastando s'impara.

Lat.: Vexatio dat intellectum.

Schwed.: Af skadan blir man wis, men icke rik. (Marin, 4.)


120. Schaden scheidet freundschafft.Lehmann, 691, 4; Lehmann, II, 566, 17; Simrock, 8776.

Holl.: Schade scheidt vriendschap. (Harrebomée, II, 241b.)


121. Schaden, Sorge, Klage wachsen alle Tage. Simrock, 8804; Gerlach, 54; Körte, 5227; Braun, I, 3771.

Bei Tunnicius (813): Schade, Sorge unde klage wassen alle dage. (Assidue crescunt damnum, cura atque querela.)

Holl.: Schade, zorg (onregt) en klage wassen alle dage. (Harrebomée, II, 241b.)


122. Schaden thust du, Schaden nimpstu.Petri, II, 526.


123. Schaden thut weh.Simrock, 8777.


124. Schaden und Unglück bringt oft zu grossen Ehren.Gaal, 1583.


125. Schaden wacht, (wenn auch) die Leut schlaffen.Lehmann, 719, 21.


126. Schaden witzigt.Schottel, 1116b; Simrock, 8778; Sailer, 66.

Schwed.: Skadan skjärper ögon. (Grubb, 719.)

127. Seinen Schaden wendet, wer gute Boten sendet.Simrock, 8801.


128. Séinjen Schade kân nemest entgôn. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 1070.

Seinem Schaden kann niemand entgehen.

Mhd.: Swer deheinen schaden vertragen kan, dâ wehset dicke schade van. (Tristan.) (Zingerle, 128.)


129. Sieben Schaden seynd nit klein: Bauren, die wöllen Junker seyn; Metzger, die ungern nach Vieh gehen; Schmid, die nit nach Kohlen sehen; ein Fischer, der das Wasser hasst; ein Bot', ders Gehen im Regen lasst; ein Weidmann, den das Stellen (Stehen) verdriesst; ein Müller, dem kein Wasser fliesst.Chaos, 342.


130. Skâd mâkt klôk, man to lât. (Sylt.) – Haupt, VIII, 367, 273.

Schaden macht klug, aber zu spät.


131. So der Schade geschehen, macht er hernach witzig.Lehmann, II, 566, 18.


132. Thiar thi Skath hä, thi hä thi Skimp tu. (Nordfries.)


133. Uebel geheilte Schäden brechen leicht wieder auf.

Schwed.: Illa läkt sår, är snart uprifwet. (Grubb, 382.)


134. Ueber fremden Schaden soll man sich nicht freuen.

Schwed.: Ingen släcke sin lust med annars skada. (Grubb, 387.)


135. Unsichtbaren Schaden kann man nicht schätzen.Graf, 453, 434.

Auf Rügen: Vnbesichtlichen Schaden kan men nicht werdigen. (Normann, 138, 109.)


136. Verdeckte Schäden werden grösser.

»Du, Polle, schminkest dein Gesicht? Die Schminke tilgt die Runzeln nicht. Geh, wie du bist, so thust du besser, bedeckte Schäden werden grösser.« (Witzfunken, IIIb, 196.)


[47] 137. Von fremdem Schaden hinkt niemand.

Fremdes Unglück geht selten besonders zu Herzen.

Schwed.: Ingen haltar aff annars skada. – Ingen luchtar affannars swett. (Grubb, 392.)


138. Von kleinen Schaden kommen die grossen. Petri, II, 581.

Lat.: De minimis crebro flunt quam maxima damna. (Tunn., 1081.)


139. Vor Schaden sich verwahren, ist Weisheit.

»Gross Weisheit ist's schaden verwaren, das er eim nicht mög widerfahren.« (Froschm., Hii.)


140. Wä d'r Schade hät, da, hät och d'r Schemp. (Düren.) – Firmenich, I, 483, 46.

In Bedburg: Wä der Schad hät, broch für die Schang net zo sorgen.

Holl.: Die de schade heeft, heeft de schande toe. (Harrebomée, II, 242 b.)


141. Was man mit schaden lernet, das behelt man lange.Lehmann, 692, 13; Lehmann, II, 834, 132; Henisch, 249, 1.

Lat.: Quae pro parte nocent, plurima saepe docent. (Henisch, 249, 16.)


142. Weisst du den Schaden nicht zu meiden, so musst du ihn leiden.


143. Wenn der Schad geschehen ist, so ist der Rath halb gewonnen.Petri, II, 638.

It.: Quando è caduta lascola ognuno sa consigliare.

Lat.: Post factum sapere.

Schwed.: Sedan skadan är skedd wet hwar man råd.


144. Wenn der Schad geschehen ist, so ist er niemand anders als Herrn vnd frawen, das gesind achtens nicht.Petri, II, 638.


145. Wenn der Schad geschehen, so sieht man erst zum Pferdt, vnd will darnach alles zu Polzen drehen.Lehmann, 679, 222.


146. Wenn der Schad in Seckel gath, denn kompt sein rew viel zu spat.Petri, II, 623.


147. Wenn der Schaden geschehen ist, wissen alle guten Rath.

Schwed.: Sedan skadan är skedd, weta alla goda råd. (Rhodin, 109.)


148. Wenn der Schaden zu arg wird, muss Stahl und Feuer heilen, was sonst eine Salbe gethan.


149. Wenn einer ist im Schaden, so sollen viele mit ihm baden.

»Denn so geht's zu: wer schwimbt in schaden, der hat gern, das viel mit jm baden.« (Waldis, IV, 86.)


150. Wenn man einem will schaden thun, so findt man vrsachen auff Hecken vnnd Zäunen. Lehmann, 856, 24.


151. Wenn nicht schaden erfolgt, so ist weichen das best.Lehmann, 528, 6.


152. Wer den Schaden gesteht, schuldet ihn auch.Graf, 276, 297.

Sobald man anerkannt hat, jemand Schaden zugefügt zu haben, ist man auch verpflichtet, ihn zu vergüten, auch wenn man nicht die Absicht gehabt hat, ihn zuzufügen.

Fries.: Di den scada tostaen deen da scild aeg. (Richthofen, 460, 17.)


153. Wer den Schaden hat, bekommt den Spott umsonst. (Kamnitz.)


154. Wer den Schaden hat, darf für den Spott (vors gespot) nicht sorgen. (S. Unglück.) – Henisch, 652, 55; Petri, II, 692; Hollenberg, I, 95; Luther, 180; Bücking, 377; Luther's Ms., S. 19; Luther's Tischr., 259b; Eiselein, 522; Siebenkees, 156; Körte, 5236; Gaal, 1344; Müller, 53, 1; Simrock, 8798; Ramann, Unterr., I, 37; Steiger, 589; Lohrengel, I, 798; für Franken: Frommann, VI, 23, 332; für Hannover: Schambach, II, 517; für Waldeck: Curtze, 348, 426; Firmenich, I, 326, 55; Braun, I, 3778.

Unter diesem Titel erschien 1798 zu Wien eine komische Oper in zwei Aufzügen von K.F. Hensler. »Den Spott muss er zum Schaden han.« (Waldis, I, 11, 48; II, 69, 18; III, 58, 28; III, 86, 38.) »Wenn eim das glück thut entlauffen, schlecht jedermans dreck auff mit hauffen.« »Wer schaden vnd den Vnfall hat, der darff nit sorgen für den Spot.« (Waldis, III, 46, 25.) Die Dresdner Nachrichten wandten es 1869 in folgender Form an: »Wer Margarethenhütten- Actien besitzt, darf für Spottpreise bei Verkaufsanerbietungen nicht sorgen.« Denselben Sinn hat in Warschau die jüdisch-deutsche Redensart: Schand ün Spott ün Schuden.

Mhd.: Ist ein altes sprichwort, als ir dicke hânt gehôrt: schade der het gerne spot. (Martina.) – Der schade [48] hafte erwarb ie spot: saelden pflihter dem half got. (Parzival.) (Zingerle, 128.)

Böhm.: Kdo má škodu, o posmĕch se nestarej. (Čelakovsky, 183.)

Dän.: Han leer taabeligen der skaden fanger. (Prov. dan., 379.)

Frz.: C'est la coutume de Lorris, les battus paient l'amende. (Gaal, 1344; Cahier, 66; Lendroy, 25.)

Holl.: Die de schade heeft, behoeft voor den spot niet te zorgen. – Die de schade heeft, heeft den spot toe. (Harrebomée, II, 240a.)

It.: Chi hà il danno, spesse volte tiene ancor le beffe. (Pazzaglia, 76, 2.)

Lat.: Ad dedecus mala quoque pati cogitur. (Peters.) – Damnum sequitur ludibrium. (Philippi, I, 110.) – Habent damnum cum sanna. (Binder II, 1266.) – In felix nimium: cum damno dedecus aufert. (Buchler, 80; Binder II, 1499.) – Ludibri haud expers, mala quem fortuna fatigat. (Binder I, 896; II, 1704; Buchler, 80; Henisch, 652, 56; Chaos, 274; Philippi, I, 230.)

Poln.: Czyja szkoda tego e grzech. (Masson, 297.)

Schwed.: Den som missgår, honom missbjudes, Wenzell, 18. – Man skal hafwa både skadan och spotten. (Rhodin, 114.) – Spott och skadan följas gjärna åt. (Grubb, 756.) – Ty den skadan får, honom tryter intet spott.


155. Wer den schaden hat, der bedenkts zu spet.Henisch, 232, 12; Petri, II, 692.


156. Wer den Schaden hat, der hat den Schimpf (auch: die Schuld) dazu.

Altfries.: Dear de skaad heed, heed de skemp tö. (Hansen, 8.)

Böhm.: Čí škoda, toho i hřchí. (Čelakovsky, 158.)

Holl.: Die de schaade heeft, heeft de schande toe. (Harrebomée, II, 240b.)

Poln.: Czyja szkoda, tego i grzech. (Čelakovsky, 158.)


157. Wer den Schaden hat gewonnen, dem wird gern die Schande dazu gesponnen.


158. Wer den Schaden hat, hat des Spottes nicht Mangel.Schmitz, I, 186, 45.


159. Wer den Schaden nicht weiss, hat nichts verloren.

Lat.: Dimissum quod nescitur non amittitur. (Philippi, I, 121.)


160. Wer den Schaden thut, soll ihn widerlegen.Graf, 276, 294.

In Bremen: De ohme den Schaden dede, schal ohme den Schaden wedder legen. (Oelrichs, 594.)


161. Wer durch eines andern Schaden klug wird, der steht am besten.Petri, II, 697.


162. Wer durch fremden Schaden klug wird, der ist recht klug.

Engl.: It is good to learn at other men's cost.

Frz.: Sage et prudent celui, qui apprend aux dépens d'autrui.

Holl.: Hi castijt hem sacht, die hem bi enen andern castijt. (Tunn., 15, 14.)

Lat.: Alterius poenis fit castigatio lenis. – Feliciter sapit, qui alieno periculo sapit. – Felix quem faciunt aliena pericula cautum. (Fallersleben, 424.) – Felix quicunqae dolore alterius discit posse carere suo. (Tibull.) (Philippi, I, 153.)


163. Wer durch Schaden klug wird, zahlt theueres Lehrgeld.


164. Wer einem andern schaden thun will, dem kompts selbst vber seinen eigen halss.Henisch, 828, 65.


165. Wer in Schaden lit, dem kommt Rüw zu spater Zit.Eiselein, 542.


166. Wer jhm selbs schad vnd schand bereit, billich bleibt jhm zu lohn hertzleid.

Lat.: Infamis uere debet uel semper habere. (Loci comm., 91.)


167. Wer mir Schaden zufügt, der kann mir auch dienen.Simrock, 8796.


168. Wer Schaden deit, môt Schaden bätern. (Oldenburg.) – Goldschmidt, 80.

It.: Chi ha mangiato le noci, spazzi i gusci.

169. Wer Schaden hat, hat auch Sünde.

In einer Erzählung der Marie von Roskowska.


170. Wer Schaden leidet, dem vergeht das Lachen.


171. Wer schaden ohne grossen schaden nicht rechen kan, der soll durch die Finger sehen.Lehmann, 727, 12.


172. Wer Schaden stiftet und Schaden thut, sind beide gleich gut.Graf, 305, 140; Henisch, 1647, 11.

Der Anstifter und der Ausführer eines Vergehens erscheinen gleich sträflich.


[49] 173. Wer Schaden sucht, darf nicht weit gehen.

»Man sagt: Zu Schaden, Spott und Hass, kompt man allzeit frü genug zu wass.« (Waldis, IV, 41, 27.)


174. Wer Schaden thut, muss Schaden bessern (wenden).Graf, 276, 293; Körte, 5240; Hillebrand, 202, 289.

D.h. er muss den Zustand, welcher ohne seine beschädigende Handlung bestanden hätte, wieder herstellen oder doch den Werthunterschied leisten. Hillebrand bemerkt indess, dass die Fassung des Sprichworts in Bezug auf die Lehre vom Schadenersatz zu allgemein sei.

Frz.: Qui casse les verres les paye. (Kritzinger, 111b.) – Qui fait la folie, la boit. (Kritzinger, 74b.)

Holl.: Die de schade veroorzaakt, moet ze vergoeden. (Harrebomée, II, 240b.)


175. Wer schaden thut, muss schaden leiden. Lehmann, 691, 7; Simrock, 8802.


176. Wer schaden thut vnd schaden stifft, ist einer so gut als der ander.Lehmann, 692, 14.


177. Wer schaden will thun vnd zuvor drawet, der thut sich selbst schaden.Lehmann, 134, 1.


178. Wer Schaden zu verhüten hindert, muss den Schaden belegen.Graf, 276, 298.

Wenn auch niemand, falls er nicht durch Vertragsverhältnisse und öffentliche Pflichten dazu verbunden war, für Unterlassungen verantwortlich ist, so doch dann, wenn er die Abwendung eines Nachtheils geradezu hindert. In Hamburg: We hindert schaden to vorhodunde, de schal den schaden beleggen. (Lappenberg, 179, 5.)


179. Wer Schân mâk, de mutt ock Schân bedern. (Rendsburg.)


180. Wer seinem Schaden könnt fürkommen, der hat es gross frommen.Henisch, 1252, 32.


181. Wer (sich) über fremden Schaden (freut) spottet, dem blüht der eigene.Schlechta, 283.

»Offt frewet sich eyner eyns andern schaden vnd weyss nicht das er selbst damit wirt beladen.« (Werdea, Biiij.)


182. Wer unwillig Schaden gethan, soll willig gelten.Wilda, 553.

Auch der, welcher absichtslos einem andern Schaden zugefügt, ist in vielen Fällen verpflichtet, denselben zu vergüten.


183. Wer wil ohn Schaden bleiben, der muss die Augen nicht in die Tasche stecken.Petri, II, 780.


184. Wer wil von Schaden bleiben rein, soll böse Gesellschaft achten klein.Petri, II, 781; Henisch, 1558, 20.


185. Wer will, mag seinen Schaden verschweigen.Simrock, 10901.


186. Wer wird durch fremden Schaden klug, der hat den Nutzen wohlfeil genug.

Lat.: Multorum disce exemplo, quae facta sequaris, quae fugias. (Catull.) (Philippi, I, 263; Sutor, 561.)


187. Wiltu nicht schaden nemen, so bewar dein Zung fleissig.Petri, II, 795.


188. Wo Schade, da Herz; wo Hand, da Schmerz.

Holl.: Daar de schade is, is het hart; daar de hand is, is de smart. (Harrebomée, II, 240b.)


189. Wohl dem, der mit Schaden klug wird.Eiselein, 542.

Lat.: Casus dementis correctio fit sapientis. (Eiselein, 542.)


190. Wolan, mir on schaden, sagt ein Storckennest, brand das Haus.Fischart, Trostb. in Kloster, X, 659.


191. Zufälliger Schaden bleibt hängen, wo er hinfällt.Graf, 279.

Wer von einem Schaden betroffen wird, der durch niemandes Schuld verursacht worden ist, muss ihn allein tragen.


192. Zum Schaden den Hohn ist aller Welt gemeiner Lohn.Eiselein, 542.


*193. Auf alten Schaden ein neues Pflaster legen.Frischbier2, 3232.


*194. Dar wâkt dîn Schaden.Dähnert, 398b.

Du musst aufmerken, um einen Verlust abzuwenden.


*195. Dat schall dîn Schade nig sîn.Dähnert, 398b.

Ich will deine Mühe vergelten.


*196. De slimme Schaden.Dähnert, 398b.

Schlag- oder Fallsucht.


*197. Den Schaden ans Bein binden.Körte, 5241a.

Sich darüber wegsetzen.


[50] *198. Den Schaden mit Salz abschaben.Körte, 5237.


*199. Den Schaden zu der Schande gewinnen. Eiselein, 542.

Ueber die nahe verbale Verwandtschaft von Schade und Schande (vgl. Grimm, Grammatik, II, 11.)


*200. Der Schaden ist gross wie ein Meer.Klagel, Jer, 2, 12; Fabricius, 24.


*201. Der Schaden wird über ihn hinauslaufen.

Der Verlust wird ihn treffen.

Frz.: Cela tombera sur ses coffres. (Kritzinger, 153a.)


*202. Der wirt mit seinem schaden weyss. Hauer, Kij.


*203. Dos is ä Schoden von Leiwe.Lohrengel, II, 159.


*204. Dös ist für älle Schäde guat. (Ulm.)


*205. Durch eignen Schaden klug werden.Eyering, I, 131.


*206. Durch fremden Schaden klug werden.Luther's Tischr., 11a.


*207. Einen mit Schaden klug machen.Kritzinger, 587a.

Ihn überlisten, übervortheilen, betrügen.


*208. Er hat alle Schäden wie ein Judengaul.

Lat.: Maculosum ut nutricis pallium. (Plautus.) (Binder II, 1732.)


*209. Er bat den Schaden zum Gewinn.

Frz.: La boire tout du long. (Kritzinger, 75b.)

Holl.: Hij heeft er de schade van, en den spot daaren boven. (Harrebomée, II, 241a.)


*210. Er hat en alten Schade(n). (Ulm.)


*211. Er muss seinen Schaden selbst lecken und hüten wie ein Hund.


*212. Er wird durch fremden Schaden klug.

Engl.: He profits by the pain and suffering of others.


*213. Es ist ein alter Schaden.

Lat.: Ogygia mala. (Erasm., 460; Philippi, II, 64.)


*214. Es wäre schade, dass ihm Leid widerfahren sollte.Agricola I, 534.


*215. Et wär scha'e, wann dai nitt opfott wär. (Iserlohn.) – Frommann, III, 188, 101; Woeste, 88, 146.

Er wäre schade, wenn der nicht aufgefüttert wäre. Wird auch von einem tüchtigen Esser gesagt.


*216. Etwas für Schaden und Koth achten.Luther's Tischr., 157b.


*217. Fort mit Schaden, der Profit kommt nach.Frischbier2, 3233.


*218. Für den Schaden stehen.

Frz.: Répondre du dommage. (Kritzinger, 244a.)


*219. Ich werde meines (deines) Schadens nicht begehren.


*220. Ihr hant Schaden unde Spott sam mir von Schafhusen der gross Got.Liedersaal, II, 526.

Er war ein Standbild von Holz, bemalt und 27 Fuss hoch. Ueblicher: »Sam mir von Schafhusen der gross Hergott.« (Eiselein, 543.)


*221. Ihr wart meines Schoadens nicht begahren.Robinson, 656; Gomolcke, 639.

»O ihr werd men Schoaden nich begahren.« (Keller, 171b.)


*222. Mir ohne Schaden.Schamelius, 83, 1.

Will sagen: Man kann dem Nächsten dienen, so lange man selbst keinen Schaden dabei hat.

Lat.: Officium suum nemini debet esse damnosum. (Schamelius, 83, l.)


*223. Mit andrer Leut schaden weiss werden. Franck, Chronik, I.

Frz.: Faire son profit du mal d'autruy. (Kritzinger, 567a.)


*224. Mit seinem schaden gewitzigt werden. Mathesy, 191b; Pauli, Schimpff, XXVIb.


*225. Mit seim schaden weiss (klug) werden. Franck, II, 9a.

»Wer gern vorn vor das Maul in allem führet, würd, wenn er den Credit bey aller Welt verlieret, mit seinem Schaden klug.« (Keller, 164b.)


*226. 'S lîd a kein wachsige Schade.Sutermeister, 20.

Man kann die Sache ansehen, abwarten, sie eilt nicht, es ist keine Gefahr im Verzuge.


*227. Schad' wat de Wulf opfrett. (Stallupönen.) – Frischbier2, 3234.

Trostwort für jemand, der einen geringen Schaden bedauert.


*228. Schaden und Schiffbruch leiden.

» ...Durch welchen Verlust (der Ptolemäischen Bibliothek) die Studia vnd freyen Künste einen vnerlöschlichen Schaden vnd Schiffbruch erlitten« (Friedeb., III, 27.)


[51] *229. Seines Schadens wieder beikommen.

Wieder gewinnen, was man verloren hat.

Frz.: Se raquiter de ses pertes. (Kritzinger, 584.)


*230. Uhn' dein Schuden. (Warschau.)

Nicht zu deinem Schaden sei es gesagt. Wird bei Erwähnung von Unglücksfällen hinzugefügt.


*231. Zu dem Schaden han den Spott.

Lat.: Habent damnum sequitur ludibrium. (Eiselein, 542.)


[Zusätze und Ergänzungen]

232. Anderer Schaden auf sich laden, ist auf sich laden grössern Schaden.


233. Auf grossen Schaden gehört ein grosses Pflaster.Herberger, Ib, 199.


234. Aygner schad thut am wehesten.Ayrer, III, 2223, 15.


235. Es ist ein schlimmer Schaden, der niemand Vortheil bringt.


[1696] 236. Mit ander Leuth Schaden wird man weiss, dass nehm ein jeder war mit fleiss.Pauli, Schimpff, 15.

Lat.: Optimum est, aliena frui insania.


237. Lieber Schaden als Spott.


238. Schaden macht klug, aber zu spät.Hollenberg, I, 68.


239. Welcher seim Schaden könt fürkommen, der häts warlich grossen frommen.Pauli, Schimpff, 16.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1696-1697.
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