Busse

1. Buss' gehört auf die Sünd' wie die Laus in den Grind.Simrock, 1418; Eiselein, 104.


2. Die beste Buss' ist Nimmerthun.

Dän.: At angre og trœ, er beste bœd. (Prov. dan., 29.)


3. Die Busse ist nicht viel werth, die ein Rabe dem Geier predigt.


4. Es ist ein schwere buss, wer lieb durch leid leiden muss.Henisch, 571.


5. Frische Busse für alte Sünden.

Frz.: Pénitence nouvelle pour de vieux péchés. (Kritzinger, 523.)

It.: Peccato vecchio, penitenza nuova (Kritzinger, 523.)


6. Man muss Busse thun einen Tag vor seinem Tode.


7. Rechte Busse kommt nie zu spät.

It.: Un buon pentirsi non fu mai tardo. (Pazzaglia, 272.)

Lat.: Poenitentia vera nunquam est sera. (Philippi, II, 100.)

8. Spate buss ist wol auch rechte busse.Henisch, 572.


9. Spate buss, vngeratene buss.Mathesy, I, 108a.


10. Spate busse ist selten geraten busse.Henisch, 572.

Lat.: Poenitentia sera raro est vera. (Augustin.) (Mathesy, I, 108a.)


11. Thue Busse, weil dir das Licht hier scheint.


12. Wahre buss kompt nimmer zu spat.Henisch, 572.


13. Wer Busse thun will, findet überall einen Sack mit Asche.


14. Wer sein buss auffs alter spart, der hat sein sach nicht wohl verwahrt.Henisch, 572.


15. Wie eine harte Buss, drei Gläser mit Wein auf eine schimmlige Nuss.Fischart, Trunken Gespr.; Schaltjahr, III.


16. Zwungen buss gefelt Gott nicht.Henisch, 572.


*17. Die busse auff die Marterwoche auffschieben.Mathesy, I, 23a.


*18. Er gibt sich selber eine geringe Busse wie die Geistlichen.


*19. Er spart seine Busse auf blaue Enten und Gänse.Geiler, 14.


*20. Frische Busse für alte Sünde.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu10.

Dän.: Silde bood sjelden god. (Prov. dan., 498.)


zu14.

Mhd.: Wer sein buose ins alter spart, der hat sein sel nit wol bewart. (Freidank.) (Germania, II, 141b.)


21. Busse ist zuweilen nicht zu spät, aber nie zu früh.

Dän.: Penitentse er undertiden ey for sildig, men aldrig for tiilig. (Prov. dan., 454.)


22. Busse und Wette gibt man nicht, da man Leib und Leben verwirkt.Graf, 321, 163.

Mhd.: Buze ooch wette gibt man nicht, da man lib oder haut verwirket. (Sachsenspiegel, III, 50.)


23. Die Bussen gehen und fallen nach den Erbschaften.Graf, 222, 291.

Altfries.: De bote gaen ende fallen na den erfnissen. (Richthofen, 321, 9.)


24. Die grössere Busse thut die kleinere allweg ab. (S. Wundenbusse.)Graf, 320, 241.

Mhd.: Allwägens möge di gröst buss die kleiner dannen than. (Grimm, Weisthümer, I, 217.)


25. Ein jeden Buss vnd vexirt sein Lust.Petri, II, 199.


26. Heimliche Busse hilft vor Geldbusse.Graf, 549, 101.

Geheime Uebertretungen wurden in der Beichte gerügt und mit geistlicher Busse belegt, blieben aber mit der Oeffentlichkeit verschont.


27. Man gibt niemand Busse als dem Kläger. Graf, 36.

Man hat behauptet, dass, weil der Edelmann geborener Richter war, der, welcher gegen ihn klagte, auch noch Strafe oder Kosten zu zahlen hatte.


28. Niemand hat doppelte Busse zu geben für Eine Sache.Graf, 320, 231.

Altfries.: Nymmen acgh nentwin pina totyelden nerto hebben fan een ro seeck. (Hettema, II, 62.)


29. So manche Busse, so manch Gewette.Graf, 322, 269.

So oft jemand an den Kläger für zugefügten Schaden Busse (Strafe) zu gewähren hatte, musste er auch Gerichtsgebühren (Wette) an das Gericht oder den Richter zahlen.

Mhd.: Alse manche busse, als mannych geweth. (Lehmann, II, 3.)


30. Wer die Buss bezahlt, dankt mit einem Toast.Graf, 321, 253.

Altfries.: Di da bethna betelhet, di danck et met ien thoast bêer. (Resch, 508, XVI.)


31. Wer will die Buss' aufs Alter sparen, will laufen, wenn der Athem fehlt.Weingarten, 73.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Mickiewicz, Adam

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz erzählt die Geschichte des Dorfes Soplicowo im 1811 zwischen Russland, Preußen und Österreich geteilten Polen. Im Streit um ein Schloß verfeinden sich zwei Adelsgeschlechter und Pan Tadeusz verliebt sich in Zosia. Das Nationalepos von Pan Tadeusz ist Pflichtlektüre in Polens Schulen und gilt nach der Bibel noch heute als meistgelesenes Buch.

266 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon