Lust

1. Auf Lust folgt (leicht) Unlust.

Frz.: Plaisir engendre deuil. (Cahier, 1391.)

Holl.: Uit lust volgt onrust. – Volg den lust en hij baart onlust. (Harrebomée, II, 42.)

Lat.: Omnibus in rebus voluptatibus maximis fastidium finitimum est. (Cicero.) (Philippi, II, 72.)


2. Aus der Lust in den Wust ist nur ein Schritt.


3. Aus Lust küsst einer die Kuh, wo sie hübsch ist.Eiselein, 439; Simrock, 6689.


4. Das bringt keinem lust, was einem zuwider ist.Lehmann, 497, 5.


5. Das is rechte lust, darauff keine rew folgt. Lehmann, 497, 12.


6. Das ist der beste lust auff der Welt, der kein vnlust im Gewissen hat.Lehmann, 907, 27.


7. Das ist die rechte Lust, die du nicht bereuen musst.

Dän.: Det er ret lyst, hvor paa følger ingen ulyst. (Prov. dan., 405.)


8. De de Lust to danssen hett, de is der licht upspählt. (Ostfries.) – Bueren, 123; Eichwald, 284; Frommann, II, 430, 288; Hauskalender, I.


9. Der eine hat Lust zur Mutter, der andere zur Tochter; so kommen beide zur Frau.


10. Der muss grosse Lust zum Dreckkauen tragen, der auch den Sack davon frisst und noch an den Zipfeln will nagen.Fischart, Garg.; Grimm, II, 1356, 7.


[287] 11. Die Lust baut das Land.Siebenkees, 73; Simrock, 6692; Körte, 3988; Braun, I, 2441.

Nur in dem Stande, in welchem man mit Lust und Liebe arbeitet, darf man auf Gelingen seiner Arbeit hoffen.


12. Die Lust kostet viel, der Hunger nicht viel. Petri, II, 138.


13. Die Lust des menschen ist sein himmelreich.Lehmann, 210, 19.

Ueber dieses Sprichwort hat auch Spangenberg in seiner Schrift: Elegantiae veteris Adami oder Formular-Büchlein der alten Adamssprache, gedruckt zu Eissleben 1563, geschrieben.


14. Ein jede lust hat zuletzt eine vnlust.Lehmann, 498, 28.


15. Ein jeder hat seine Lust in der Welt.Herberger, II, 430.

Lat.: Trahit sua quamque voluntas. ( Herberger, II, 430.)


16. Eine kleine lust ist offt zweyfach vnlust.Lehmann, 498, 26.

Frz.: Pour un plaisir mille douleurs. (Gaal, 1125.)

Ung.: Egy kis gyönyörüség sereges jajjal jár. (Gaal, 1125.)


17. Eine Lust, die Unlust bringt, muss man fliehen.


18. Eine Lust macht Appetit zur andern.

Holl.: Lust lokt lust.


19. Einer Lust, der man nicht kann entbehren, soll man sich nach Kräften wehren.

Engl.: Rule lust, temper the tongue and bridle the belly. (Bohn II, 18.)


20. Enner hat Lust zu Vogeln und enner zu Tauben. (Oberlausitz.)


21. Es ist eine böse Lust, die einem Ehr' und Leben kust.

Schwed.: Ond lustmat, som giör tungan sår. (Grubb, 167.)


22. Es ist eine kurze Lust, wenn eine Kuh auf dem Hofe springt.


23. Es ist keine grössere Lust, als wenn Bettler miteinander schmausen.


24. Es ist keine Lust, sie hat jhre vnlust. (S. Freude 86.) – Lehmann, 498, 27; Gaal, 1124; Simrock, 6696.

Dän.: Ingen lyst uden ulyst, eller honning uden galde. (Prov. dan., 405.)

Engl.: No joy without annoy. (Gaal, 1124.)

Frz.: Plaisirs mondains finent en pleurs. (Leroux, II, 282.)

It.: Gli stremi dell' allegrezza occupa il pianto. (Gaal, 499.)

Lat.: Commoditas omnis sua fert incommoda secum. (Gaal, 1124.)


25. Gekaufte Lust ist um jeden Preis zu theuer.


26. Hastu lust zum süssen, so lass dich auch das bitter nicht verdriessen.Petri, II, 844; Lehmann, 559, 25; Gaal, 216; Körte, 5301; Simrock, 10048.

Frs.: Qui veut le doux, ne doit pas refuser l'amer.

It.: Chi vuol il dolce, non rifiuti l'amare.

Lat.: Mel nulli sine felle datur. (Gaal, 216.)


27. Keine Lust ohne Last.

Holl.: Alle lusten hebben hunne lasten. – Die de lusten heeft, moet ook de lasten dragen. (Harrebomée, II, 42.)


28. Keine lust ohne verlust.Gruter, III, 58; Lehmann, II, 320, 31; Körte, 3990; Gaal, 1124; Braun, I, 2442.


29. Kurtze lust bringt lange rewe.Lehmann, 906, 13; Gaal, 1125; Simrock, 6694; Lohrengel, I, 461.

Dän.: Kort lyst, langvarig anger. (Prov. dan., 405.)

Frz.: De court plaisir long repentir. (Gaal, 1125.)

It.: Da diletto temporale temi pur qualche gran male. (Pazzaglia, 80, 2.)

Lat.: Sperne voluptates, nocet emta dolore voluptas. (Gaal, 501.)

Ung.: Egy két napi dinom dánom, holtig voló szánom bánom. (Gaal, 1125.)


30. Kurtze lust wird mit langer vnlust versaltzen.Petri, II, 429.

Frz.: Une goutte de miel apporte un gouffre de fiel. (Kritzinger, 354b.)

Lat.: Voluptatis usura est mala valetudo. (Lehmann, 906, 13.)


31. Kurze Lust, langes Weh (lange Unlust).

Dän.: En liden lyst fører lit med sig en stora sorg. (Prov. dan., 405.)


32. Leibliche lust die seel thut krencken, das soll ein jeder mensch bedencken.

Lat.: Spiritus inde perit, dum corpus dulcia quaerit. (Loci comm., 207.)


33. Lust an Weibern, Krieg und Hunden ist mit Kosten und Weh verbunden.

Dän.: Af hunde, fugle, krig og løs kierlighed saa har man dog megen ulyst. (Prov. dan., 405.)


[288] 34. Lust, die man vom Spielmann kauft, dauert nicht lange.

Dän.: Kiøbt lyst varer ei længere end klangen høres. (Prov. dan., 405.)


35. Lust, Ehr' und Geld sind die Götzen dieser Welt.J. Crüger, Entwurf einer entw. Katechismuslehre, S. 19.

36. Lust gebiert Unlust.

Frz.: Les plaisirs ont leur déboire. (Gaal, 1599.) – Nul plaisir sans déplaisir. (Gaal, 1599.)

Holl.: Hoe hooger lust, hoe minder rust. (Harrebomée, II, 42.)

It.: Dai diletti è facil il passaggio ai delitti. – Il piacere è l'esca della malattia. (Pazzaglia, 84, 1 u. 286, 3.)


37. Lust haben zur Tugend ist auch Tugend. Petri, II, 442.


38. Lust hin, Lust her, sagte jener, da er ohne Dank sollte lustig sein.Hoefer, 476.


39. Lust kost Geld, see de Junge, hadde en Ôrtje verdanst. (Ostfries.) – Bueren, 812; Kern, 206; Hoefer, 521; Hauskalender, III.


40. Lust lehret Kunst.Mathesy, 31a.


41. Lust lehrt pfeifen.Seybold, 581.

Lat.: Amor docet musicam.


42. Lust macht Arbeit leicht.Schottel, 1134a.


43. Lust macht Leuth.Lehmann, 498, 17.


44. Lust muss man mit vnlust nicht verpfeffern. Lehmann, 497, 10.

It.: Faggasi il piacere presente, che prepara il dolor futuro. (Pazzaglia, 286, 5.)


45. Lust ohn frucht vnd nutz ist verlust.Petri, II, 442.


46. Lust ohne Wust wohnt nur in einer (eigener) Brust.


47. Lust on frucht vnd nutz.Agricolo I, 238.

Von aller eiteln, leeren, der sogenannten Weltlust.


48. Lust schafft Leute.Simrock, 6693; Eiselein, 439.


49. Lust u Liabî zô n' m' Ding macht alli Müj u n' Arbet ring. (Bern.) – Zyro, 27.


50. Lust und Liebe zum Dinge macht alle Mühe geringe, sagte der Bräutigam.


51. Lust und List wachsen auf der Weiber Mist.Parömiakon, 1036 u. 1263.


52. Lust und Unlust wohnen in Einer Flasche beisammen.


53. Lust vnd lieb lehrt singen.Petri, II, 442.

Schwed.: Lust och wilja lärer pilten gilja. (Grubb, 469.)


54. Lust vnnd begir zu lob vnd ehrn steckt in allen Menschen.Lehmann, 156, 2.


55. Lust vnnd Lieb zu einem Ding macht alle mühe vnnd arbeit gering.Lehmann, 38, 29 u. 498, 22; Petri, II, 442; Henisch, 713, 52 u. 1519, 21; Lehmann, II, 375, 116; Mayer, I, 35; Bücking, 239; Eiselein, 439; Herberger, II, 354; Chaos, 814; Siebenkees, 74; Ramann, Unterr., II, 16; Gaal, 1126; Simrock, 6685; Körte, 3985; Birlinger, 1180; Lohrengel, I, 482; Braun, I, 2438; Parömiakon, 2487; Reinsberg III, 89; Schweiz, I, 144, 86.

Böhm.: K čemu kdo chut' má, v tom tĕžkosti nepozná. (Čelakovsky, 130.)

Dän.: Lyst og villie giør arbeydet ringe. (Prov. dan., 33 u. 405.)

Engl.: Nothing is hard to a willing mind.

Frz.: Avec de la volonté on vient à bout de tout. – On vient aisément à bout d'une affaire, quand l'inclination et l'amour sont de concert.

Holl.: Lust en liefde tot een ding maakt de moeite zeer gering. – Lust maakt den arbeid ligt. (Harrebomée, II, 42.)

It.: Buona volontà supplisce a facoltà. – Il piacere scema la fatica, e la pena. ( Pazzaglia, 286, 2.) – Quello, che si fa volontieri non è fatico. (Pazzaglia, 124, 4.)

Lat.: Amor est omni exceptione major. (Chaos, 59, 12.) – Amor sine onere portat. (Altdorf, 1; Binder II, 164.) – Omnia conando docilis solertia vincit. (Manil.) (Philippi, II, 69; Binder I, 1286; II, 2370; Seybold, 409; Gaal, 1126; Froberg, 509; Schonheim, O, 14.) – Quae nosti, impertire libens facilisque roganti esto: quae nescis, discere non pudeat. (Chaos, 814.)

Schwed.: God wilja drar lasset till bys. (Grubb, 469; Marin, 13.) – Lust och flit gör bördan lätt. (Grubb, 259.) – Lust och wilja giör arbetet lätt. (Grubb, 469; Törning, 94; Wensell, 49.)


56. Lust zu viel hat Unlust zum Ziel.


[289] 57. Man muss der Lust nicht die Zügel schiessen lassen.

Die Russen: Die Lust hast du, die Lüste haben dich. (Altmann, VI, 486.)


58. Man soll der Lust einen Knüttel an den Hals hängen.

»Henge der Lust einen Knüttel an den Halss und mache ihr ein Mass, das sie nicht überfahre.« (Luther's Werke, VIII, 314b.)


59. Ohne Lust is Studiren umsust.

Span.: Donde hay gana hay maña. (Cahier, 3439.)


60. 'S îs kêne bessre Lust, as di ma sich salber macht. (Schles.) – Frommann, III, 416, 621.


61. So as du Lust (zur Arbeit) häst, geiht die ok va Hännen. (Ukermark.)

Wie die Lust dazu, so geht die Arbeit von Händen.


62. Von lust küsset einer ein Kuh.Lehmann, 498, 21.

Schwed.: För lust skull kysser mången en koo. (Grubb, 134.)


63. Warzu einer lust hat, das beschert jhm Gott genug.Gruter, I, 74; Petri, II, 818; Simrock, 6687; Körte, 3986.


64. Was dem einen eine Lust ist, das ist dem andern eine Unlust.


65. Wat heff wi'n Lüst hadd, sä de Kerl, do harr'n se mit säfen (sieben) ên Glas (oder: Krôs) Bêr ûtstoken (oder: drunken). (Ostfries.) – Hauskalender, IV.

Bei Kern (33) steht statt Kerl »Feling«. Die »Felnks« oder »Felings« (westfälische Strumpfhändler), wie man die Fälinger, Westfälinger, Westfalen nennt, gelten in ganz Ostfriesland als Krähwinkler und Schildaer, und spielen auch in den ostfriesischen Sprichwörtern und Erzählungen die Rolle der Schildberger, Buxtehuder und Büsumer. In den Schwänken, die das Volk von ihnen erzählt, geht die Spitze stets darauf hinaus, dass der Felnk (Feling) ein Tölpel, ein Dummrian oder auch ein Pechvogel ist. Schon seine Heimat ist dem Volkswitz verfallen, welche dieser mit dem Namen »Fürstenenland«, das wie hochdeutsch Fürstenland aussieht, aber plattdeutsch »Feuersteinland« (Füerstên = Kieselstein), d.i. Land, wo die Kieselsteine wachsen, heisst. Es ist damit die zwischen Papenburg und dem Wesergebirge liegende, mehr einer Sand- und Kieswüste, als einem angebauten oder anbaufähigen Boden gleichende Gegend gemeint, die auch wol Muffrika (vom holländischen Schimpfwort mof = Deutscher, und dem niederdeutschen Schimpfwort mof = Holländer) heisst. Nach dem Volkswitz müssen im Füerstenenlande, infolge der Kieselproducte, die Einwohner stets hungern (= schmachten) oder aber Kiesel schlucken, daher man sie bald Schmachtlappen (Hungerleider), bald Fürstênfreters nennt. Mitunter heisst der Feling auch wol ein Münstermann. (Vgl. Ostfries. Jahrbuch, I, 44.) (S. Drang, Gewissen 222, Kitzeln 5, Pflaume, Piepen, Preisen, Sache, Salzkraut, Sand, Stein, Volk und Wagen [Verb.].) Man erzählt von ihnen, dass sie einst um ein Feuer gesessen haben, und, um der Glut des ihnen lästigen Feuers zu wehren, fortwährend Torfsoden von aussen angesetzt, wodurch aber die Glut stets erhöht worden, sodass ihnen zuletzt die Schienbeine förmlich versengt worden sind und sie sich nicht mehr zu helfen gewusst haben vor der Hitze. Ein Fuhrmann, den sie in diesem kläglichen Zustande um Hülfe gebeten, gab ihnen mit der Peitsche einige derbe Streiche über die Schienbeine. Da sprangen sie sofort auf den Fuhrmann los, um sich zu rächen, besannen sich aber schnell und dankten ihm für die Errettung. Einer dieser Leute hatte sich einmal an einem Teller voll Senf versucht, um sich was zu Gute zu thun, weil er gesehen hatte, dass selbst vornehme Leute denselben nur so sparsam genossen. (Vgl. die Sagen in Redelköst und Schnipp-Schnapp-Schnarren, Aurich 1866.)


66. Well het Lüst to mîn Dochter, ûtbêden will ick se nich. (Ostfries.) – Hauskalender, IV.


67. Wenn auf Lust nicht Unlust folgt, so ist's gute Lust.Simrock, 6690.


68. Wenn man lust zur sach hat, wie ein krancker zur artzeney, so kan es sobald hinter sich als für sich gehen.Lehmann, 498, 33.


69. Wer alles nach Lust studirt, der wird nimmer reich.Petri, II, 678.


70. Wer den Lüsten nicht das Messer an die Kehle setzt, den bringen sie ums Leben. Sailer, 176.


71. Wer Lust haben will zu Bett und Tische, der verheirathe sich an eine Frische.

Das Frische hat man dahin ausgelegt, dass sie nach den einzelnen Buchstaben folgende Eigenschaften habe: Fromm, reich, jung, schön, (c)keusch, häuslich, ehrlich.


[290] 72. Wer Lust hat, sieht einem andern in den Hintern.Eiselein, 439.


73. Wer Lust hat zu tauschen, der hat auch Lust zu betrügen.Simrock, 10129; Braun, I, 4407.


74. Wer Lust ze tauschen hott, der stehlt o gärne.Curtze, 365, 629.


75. Wer Lust zu Krieg hat, nehm' ein Weib, so darf er nicht danach reisen.


76. Wer lust zu tantzen hat, dem mag man leicht pfeyffen.Agricola I, 363; Gruter, I, 81; Hollenberg, II, 14; Egenolff, 191b.

Holl.: Het is haast genoeg gepijpt (gefloten) voor die lust heeft tot dansen. (Harrebomée, II, 42.)

Lat.: Audiens non audit, nisi bene placita sibi. (Chaos, 1083.)

Schwed.: God pipa för den som gärna danzar. (Grubb, 271.)


77. Wer Lust zu zanken hat, kann leicht ein Kunkel von Hader anlegen.Eiselein, 268.


78. Wer Lust zur Täuschung hat, dem läuft der Wahn überall voran.


79. Wer mit Lust will essen, darf nicht kochen sehen.


80. Wer nicht Lust hat zu einem wackern Pferd, auch nicht Lust zu einem blanken Schwert, und nicht Lust zu einem schönen Weib, fürwahr der hat kein Herz im Leib.

81. Wer nicht Lust zum Frieden hat, der findt leicht Vrsach zum Krieg.Lehmann, 442, 101.


82. Wer nicht lust zum leidlichen frieden hat, der hat auch kein glück.Lehmann, 216, 59.


83. Wer nur lust zu Krieg vnd vnruh hat, der gehört nicht in Himmel, da nichts den fried vnd ruhe ist.Lehmann, 445, 157.


84. Wer seine Lust beherrscht, ist ein gewaltiger Herr.

Dän.: At tvinge sin lyst er dydens prøve. (Prov. dan., 406.)


85. Wer will haben die Lust, der nehme auch die Last.


86. Wo die Lust fehlt, ist der Tanz schlecht.

Poln.: Bez ochoty nie spore roboty. (Lompa, 6.)


87. Wo einer Lust zu hat, das gehet jhm leicht von stat.Petri, II, 802.


88. Wo keine Lust, da ist auch kein Vortheil.Eiselein, 439.


89. Wozu ein yeder lust vnd liebe hat, des bekompt er sein lebenlang genug.Agricola I, 11; Lehmann, 498, 30 u. 1500, 56; Eyering, III, 588; Egenolff, 6a; Petri, II, 802; Lehmann, II, 858, 458; Eiselein, 439; Simrock, 6688; Körte, 3987; Sprichwörterschatz, 71.

Böhm.: Kdo k čemu má chut', najde toho dosti. (Čelakovsky, 281.)

Schwed.: Det man lyster åt, kommer aldrig för snart. (Grubb, 90.)


90. Wozu einer am meisten lust hat, dass gereicht jhm zu verderben.Lehmann, 498, 29.

Böhm.: Co líbost plodí, to často škodí. (Čelakovsky, 241.)

Poln.: W czem się kochamy, to nam często szkodzi. (Čelakovsky, 241.)

Slow.: Co kto lubí, to ho hubí. (Čelakovsky, 241.)


91. Wozu einer lust hat, dass würd jhm nicht sauer.Lehmann, 498, 24.

Böhm.: S chutí do toho, je půl hotovo. (Čelakovsky, 130.)


92. Wozu man keine Lust hat, dem geht man aus dem Wege.

Böhm.: Kdo nemá chutí, snadno vykrútí. (Čelakovsky, 281.)

Poln.: Kto niema chęci, wié jak wykręci. (Čelakovsky, 281.)

Slow.: Kdo nĕmá vóli, všecko ho bolí. (Čelakovsky, 281.)


93. Wozu man Lust hat, dazu hat man auch Andacht.Ramann, II, Pred., I, 558; Körte, 3987; Braun, I, 2439.

Böhm.: K čemu chut', k tomu láska. (Čelakovsky, 281.)


94. Zu viel lust bringt vnlust.Petri, II, 828; Gruter, I, 89; Lehmann, 498, 25; Simrock, 6695; Körte, 3989.

Dän.: Enhver lyst har omsider en ulyst. – For megen lyst er ulyst. (Prov, dan., 406.)

Holl.: Overdreven lust is der nieren kwaad. (Harrebomée, II, 42.)

Schwed.: Allt för mycken lust är olust. (Grubb, 238; Wensell, 7.) – Lust föllier olust. (Grubb, 479.)


[291] 95. Zur Lust oder Qual, man freit doch einmal. Lohrengel, I, 917.


*96. Dat kumt van de Lüst.Bueren, 278; Hauskalender, III.


*97. Die Lust vergeht ihnen wie der alten Köchin das Trinken.Geiler.


*98. Er hat Lust dazu wie der Hund zum Hechellecken.Parömiakon, 2455; Chaos, 458.


*99. Er hat Lust zu Unlust.

Der Uebermüthige.


*100. Er hat so viel Lust dazu wie der Esel zum Lautenschlagen.Bücking, 316.


*101. Er hat so viel Lust zur Arbeit wie der todte Hund zum Bellen.


*102. Es ist weder lust noch freüd in jm.Tappius, 146b; Henisch, 1216, 8.

Lat.: Salsitudo non inest illi. (Erasm., 494; Tappius, 146b.)


*103. Mit Lust wäs'n.Danneil, 130.

Ein Gelüst nach etwas haben, besondere von Schwangern gebraucht.


*104. Seine Lust büssen.Eiselein, 429; Braun, I, 2443.


*105. Wer hat Lust zu meiner Hanne. (Hirschberg.)


[292]

106. All myt Luyst, wass es koist.Weinsberg, 54.


107. Blinde Lust ist die Lockspeise des Bösen.

Lat.: Voluptas malorum esca. (Sailer, Sprüche, 118, 83.)


108. Böse Lust sitzt in jeder Brust.Weingärtner, 46.


109. Es ist kein grösser Lust, als Gott zu loben aus voller Brust.

Böhm.: Chval boha mĕdĕným tĕlem, železným srdcem, a konopnou duší. (Čelakovský, 8.)


110. Heute die Lust, morgen die Last.

Archias hatte das Sprichwort: »Die Geschäfte auf morgen.« (Kornmann, IV, 198.)


111. Ich habe noch keine Lust zu sterben, sagte der Kranke, als man ihn fragte, warum er keinen Arzt rufen lasse.Wirth, I, 298.


112. Lust soltu büssen liederlich, dein gsundheit lass mehr kosten dich.

Lat.: Pauca uoluptati debentur, plura saluti. (Loci comm., 1.)


113. So wird einem alle Lust zum Arbeiten verleidet, sagte Faulert, als ihn der Aufseher zum Fleiss ermahnte, weil er eine Stunde nichts gethan hatte.


114. Was man mit Lust fängt an, das ist schon halb gethan.

Lat.: Magna pars profecta est velle perficere. (Philippi, I, 234.)


115. Wenn Lust aus schönen Augen glänzt, und Liebe uns den Trank kredenzt, dann träumen wir beim Cerevis uns ins verlorne Paradies.Frieske, 7.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1571.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Prinzessin Brambilla

Prinzessin Brambilla

Inspiriert von den Kupferstichen von Jacques Callot schreibt E. T. A. Hoffmann die Geschichte des wenig talentierten Schauspielers Giglio der die seltsame Prinzessin Brambilla zu lieben glaubt.

110 Seiten, 4.40 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon