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Frau

[1104⇒] 1. Alle Frauen sind Eva's Tochter.

Dän.: Alle mandfolk ere Adams sönner og quindfolk Evæ døttre. (Prov. dan., 6.)


2. Alle Frauen sind gut.

Die Engländer fügen boshaft hinzu: zu etwas oder nichts. (Reinsberg I, 59.)


3. Alte Frau – Liebe lau.

In Bezug auf das Alter sagt der Spanier: Wähle die Frau nicht so alt, dass sie beim Essen mit dem Munde wackelt, noch so jung, dass sie nichts als schäkern will. Man weiss sich jedoch auch über ein etwas vorgeschrittenes Alter wegzusetzen. Der Italiener meint, im Dunkeln seien alle Frauen gleich, bei Nacht seien alle Kühe schwarz. Der Perser: Bei Nacht sehe ein Eselsfüllen wie ein Pfauhahn aus. Oder: Die Katze wie ein Marder, eine junge Aethiopierin wie eine Jungfrau des Paradieses. (Reinsberg I, 112.)

Frz.: Les vieilles savent faire bonne soupe. (Cahier, 1808.)


4. Alte Frauen und Hühner, die täglich zwei Eier legen, sind seltene Vögel.

Die Frauen sind nicht gern alt und der Mailänder empfiehlt, einer Frau ihre Jahre nicht nachzuzählen. (Reinsberg I, 4.) Dennoch behauptet Jochmann (Reliquien): »Die Frauen werden heutzutage früh alte Weiber und – die Männer dazu.« Und V. Roqueplan beklagt die Nachtheile für den geselligen Umgang, dass es so wenig Frauen mehr gibt, die sich entschliessen, alte Frauen zu sein.


5. An einer Frau und an einer Mühle gibt's immer was zu basseln und zu flicken.Eiselein, 180; Simrock, 2635.


6. An Frauen und Steuern ist kein Mangel.

It.: Moglie, e malami non manciano mai. (Pazzaglia, 229, 7.)


7. An 're junge Frau und e Mühle gits immer z' verbessern. (Aargau.) – Schweiz, 184, 18.

Holl.: Die een oud huis heeft en eene jonge vrouw, heeft werk genoeg. – Een jonge vrouw en molenrad, daaran ontbreekt gemeenlijk wat. (Harrebomée, II, 419 u. 420.)


8. Auch eine fromme Frau zeucht wol ein Hürlein.Eiselein, 180.


9. Auf der Frauen Weinen und der Krämer Schwören muss ein kluger Mann nicht hören.

Die Basken sagen: Man muss sich nicht auf eine Frau, die weint, verlassen. (Reinsberg I, 22.)


10. Auf eine Frau muss man immer eine Stunde warten. (S. 75.)

Die Frauen stehen in dem Rufe, nie zur bestimmten Zeit fertig zu sein. In Toscana sagt man daher: Die Frauen sind Töchter des Zauderns. In Mailand: Warte einmal, warte zehnmal, immer kommt die Frau nachher. In Venetien: Wer mit einer Frau geht und einen Esel treibt, meint zu Mittag dort zu sein und kommt kaum zum Abendessen. (Reinsberg I, 8.) – Die Neugriechen haben das Sprichwort: Wann ist eine Frau flink? Am Sonnabend Abend. – Nur in dem einen Falle soll ihre Langsamkeit einem raschern Tempo weichen, nämlich wenn das Vergnügen naht. (S. Fest 25.) – Um zum Feste zu laufen, sagen die Sardinier, findet selbst die Träge Füsse. Eine Frau mit Geflecht, meinen die Venetier, sei ein Pferd mit Geschirr. (Reinsberg I, 8.)


11. Auss frommen1 Frawen werden Huren. Gruter, III, 7; Lehmann, II, 36, 75.

1) Vielleicht aus frömmelnden.


12. Bei junger Frau und altem Wein ist es gut fröhlich sein.

Holl.: Een jonge vrouw en oude wijn, die zijn bekwaam tot vrolijk zijn. (Harrebomée, II, 420.) [⇐1104]


[1105⇒] 13. Bescheidene Frauen haben an den Ohren noch Augen.Simrock, 2641; Reinsberg I, 136.


14. Bescheidene Frauen haben weder Augen noch Ohren.Steiger, 315; Eiselein, 180.

Engl.: Discret women have (sometimes) neither eyes nor ears. (Bohn II, 344.)

Holl.: Eene deugdzame vrouw heeft ooren noch oogen. (Harrebomée, II, 419.)


15. Besser ein zuschliessende fraw, denn ein kieffende fraw. (S. 20.)Henisch, 1196; Petri, II, 36.


16. Besser eine edle Frau als eine Edelfrau. Scheidemünze, I, 2153.


17. Besser eine Frau gefällt mit ihrem Gesicht Einem Manne, als geschminkt Tausenden.


18. Besser eine kleine Frau als eine grosse Magd. (Wien.)

Eine selbständige Frau in einer kleinen, armen Haushaltung sein, ist immer noch besser, als Magd in einer vornehmen.


19. Besser keine Frau als eine Närrin.

Frz.: Le célibat ou la femme de bien. (Leroux, I, 149.)


20. Beter en slutern Frô, as en kiefern Frô. (Holst.)

Besser eine geizige, alles verschliessende Ehefrau, als eine zänkische, keifende. (S. 15.)


21. Bringt dir dein fraw vil Heyratgut, dass wirdt betrüeben deinen muth.Henisch, 1196.

Denn »sie ist dein Herr, du bist jhr Knecht, dein Dienst gefellt jhr selten recht«. Darum sagen die Russen: Wünsche bei der Frau nicht Reichthum, sondern Treue. (Reinsberg I, 126.)


22. Dar is kêne Frô so rîk, of se is de Kô glîk. Eichwald, 575; Frommann, II, 536, 114.


23. D' Frau ha Hosen a und ist Meister un nit de Ma.Kirchhofer, 201.

Wahrscheinlich schrieb auch deshalb Luther an seine Frau: »Lieber Herr Käthe.« Nach dem Preussischen Hausfreund (Berlin 1810, Nr. 56, S. 251) befindet sich auf der Wallenrod'schen Bibliothek zu Königsberg i. Pr. das Original eines Briefs, den Luther wahrscheinlich aus Weimar, wohin er nach Seckendorf Hist. Luth., lib. III, p. 74, im Jahre 1534 mit Melanchthon auf Erfordern des Kurfürsten gereist war, an seine Frau geschrieben hat. Nach der Einleitung: »Gnade und Fryde ynn Christo« beginnt er mit der Anrede: »Lieber Herr Käthe«, schliesst mit den Worten: »Dein Liebchen Martinus Luther«, trägt das Datum: »Am Mittwochens nach Jacobi 1534« und die Aufschrift: »Meinem freundlichen lieben Herrn Frawen Catharina von Bora D. Lutherin zu Wittenbergk.« Aus dem ganzen Briefe geht aber hervor, dass die Herrschaft, die Katharina über ihren Mann geübt hat, diejenige gewesen ist, zu der alle Frauen berechtigt, ja verpflichtet sind, und der sich zu unterwerfen den Mann mehr ehrt, als seine Würde beeinträchtigt.


24. De Frô kann mähr mit'n Läpel1 ût-, as de Mann mit'n Slêf2 inlaën. (Rastede.) – Firmenich, III, 27, 43.

1) Löffel.

2) Hölzerner Küchenlöffel.


25. De Frô kann mêr to't1 Fenster ûtlangen2, as de Mann in de Schürdör3 infört. (Ostfries.) – Eichwald, 576; Köster, 251.

1) Zu, aus dem.

2) Herausgeben.

3) Scheunenthor.


26. De Frow mot sulven sin de maget, wil se im huse schaffen radth.Ebstorf, 5.


27. De Fru erwarvt nicks un verdarvt nicks.Latendorf, 225.


28. De Frû iss in'n Husholt wat de Thêrpott1 (oder Theerbütt) an'n Wagen.Günther III.

1) Büchse mit der Wagenschmiere.


29. De Frû kann mihr ut de lütt Döer dregen, as de Mann in de grôt Döer fäuert (fährt). Günther III.


30. De Frû un de Katt hüren achter de Dör, de Hund und de Mann dervör. (Rügen.) – Ruge, Aus früherer Zeit.


31. De Fruë Hört in't Hûs, de Besse (Besen) hinder de Dööre un de Hund upp'n How. (Eimbeck.) – Firmenich, III, 142, 16.


32. De Frugge kann mä in der Slüppe (Schürze) out deam House dreagen, oasse de Mann mit veir Pearen derin foüern kann. (Marsberg.) – Firmenich, I, 321, 10.

In Mecklenburg: ... as de Mann mit'n Auswagen infährt. [⇐1105]


[1106⇒] 33. Den Frauen ist das Beste zu schlecht und das Schlechteste gut genug.

Die Toscaner behaupten: Die Frauen hängen sich immer an das Schlechteste. (Reinsberg I, 8.) Die Basken: Ziegen, Frauen und Esel laufen hinter dem Schlechtesten her. Und die Venetianer sagen vergleichend: Frau und Kuh suchen sich das Schlechteste aus. (Reinsberg I, 9.)


34. Den Frauen und dem Dukatengold sind gar viele Leute hold.


35. Der Frau gehören die Hosen nicht.

Wenn sie diese aber hat, sagt ein russisches Sprichwort, so soll man ihr auch die Tragbänder bestellen. (Altmann V.)


36. Der Frau geziemt keine andere Weisheit als der Spinnrocken, (Hebr.)

Die Juden unserer Zeit denken auch darüber anders und sind wie alle Gebildeten der Ansicht, dass es Pflicht der Gesellschaft ist, der Frau eine zeitgemässe, ihrer Stellung entsprechende Bildung zu geben.


37. Der Frau ihr Geld, dem Volk den Frieden, dem Fronboten seinen Bann.Graf, 323, 289.

Mit Bezug auf die Bussen und Strafgelder wegen Tödtung oder Körperverletzung.

Mhd.: De vrower eer ghelt, den volke eren vrede unde den frauen synen ban. (Richthofen, 35, 22.)


38. Der Frauen Butter soll immer oben schwimmen.

Holl.: De vrouw wil meesteresse zijn. (Harrebomée, II, 419.)


39. Der Frauen erster Rath ist der beste.

Aehnlich sagen die Chinesen: Der Frauen erste Entschlüsse sind die weisesten, die letzten die gefährlichsten.

Dän.: Der første raad en kvinde giver er det beste. (Prov. dan., 365.)


40. Der Frauen Müh' ersetzt des Mannes Arbeit nie.

Dän.: Forlad dig saa paa din kones flid, at du selv ei bliver uflittig. (Prov. dan., 329.)


41. Der Frauen Tod und der Schafe Leben macht die Männer reich.


42. Der Frauen Zunge geht wie ein Lämmerschwänzchen.

Die Spanier sagen: Die Zunge der Frauen wächst um so länger, je kürzer ihre Füsse sind. (Reinsberg I, 11.)

Holl.: Der vrouwen tong gaat heen eu weêr als de staart van een kwikstaartje. ( Harrebomée, II, 419.)


43. Der Frawen Augen kochen wohl, der Magd Augen nimmermehr.Petri, II, 87; Simrock, 2610; Körte, 1488; Sailer, 260.

Die Franzosen sagen: Die Frau macht den Topf kochen.


44. Der frawen, die die Küche gibt, verkündigt man die gantze Woche heylige Tage.Henisch, 1197; Petri, II, 88.


45. Der Frawen, die wünschen, jhre Kinder weren im ersten Bade ertruncken, sind viel mehr denn der, die ohn Kinder gestorben sind. Petri, II, 88.


46. Der frawen hüten hilfft nit oder bedarffs nit. (S. 413 u. 564.)Lehmann, 870, 12.

Frz.: C'est peine perdue de vouloir garder une femme de vie dissolue.


47. Der frawen mund schweigt nicht ein halbe stund.Henisch, 1197; Petri, II, 88.

Der Frauen Mund hat keinen Sonntag, sagen die Neger in den französischen Colonien. Und die Franzosen: Die Frauen müssen schwatzend stehn, so oft die Hunde pissen gehn. (Reinsberg I, 14.)

Lat.: Quando conveniunt Ludmilla, Sybilla, Camilla miscent sermones et ab hoc, et ab hac, et ab illa.


48. Der frawen trost ist ein frommer hausswirth.Henisch, 1197; Petri, II, 88.


49. Der frawen widerfehrt kein leid, die jhrem Mann gern alles vordreit.Henisch, 1197.


50. Der reichen Frauen Henne legt immer Eier mit zwei Dottern.Winckler, VI, 44.


51. Der schönsten Frau gehört der schönste Kranz.

Frz.: A la fleur de femme fleur de vin. (Leroux, I, 143.)


52. Des Doctors1 Frau wünscht ein Buch zu sein.

1) D.i. des Gelehrten.


53. Di Frâ on (und) di Katz gehör'n ins Haus. (Henneberg.)


54. Die beste Frau ist die, von der man am wenigsten spricht.

Frz.: La femme la mieux louée est celle, dont on ne parle pas. (Cahier, 673.)


55. Die erste Frau ist die Magd, die zweite die Herrin. [⇐1106]


[1107⇒] 56. Die erste fraw die liebste, die letzte die beste.Henisch, 1196.

Der Pole sagt: Die erste Frau von Gott, die zweite von Menschen, die dritte vom Teufel. Der Spanier: Die erste Frau ein Besen, die zweit' als Herrin auserlesen; und in Bergamo heisst es: Die erste Frau eine Arme, die zweite eine Dame. In der Lombardei: Eselin das erste Weibchen und das zweite Turteltäubchen. In Venetien: Die erste Gattin Dienerin, die andere aber Königin. (Reinsberg I, 183-184.)


57. Die Frau betrügt den Mann und hätte er so viel Augen als ein Aehrensieb. (Lausitz.) – Reinsberg I, 28.


58. Die Frau darf hinter ihrem Manne nicht mehr als achtzehn Pfennig weggeben.Hillebrand, 121, 167.

Im Canton Zürich, um zu sagen, dass die Frau ohne Einwilligung ihres Ehemannes nur zu kleinen Ausgaben befugt ist. (Bluntschli, Staats- und Rechtsgeschichte der Stadt und Landschaft Zürich, I, 430.) Das Görlitzer Rechtsbuch (Art. 15) gestattet der Frau ohne Einwilligung ihres Ehemannes nur über drei Schillinge zu verfügen. (S. 72 u. 492.)


59. Die Frau, das Feuer und das Meer sind drei Uebel schwer.


60. Die Frau des Schusters hat selten ganze Schuhe.

Aehnlich sagen die Russen: Die Frau des Bernsteindrehers trägt Glasperlen. (Altmann V.) Und die Finnen: Die Frau des Leinenhändlers hat eine zerrissene Mütze und die Wirthin des Schmiedes ein Holzschloss.


61. Die Frau, die bleibt daheim, erscheint wol gering, thut aber grosse Ding.


62. Die Frau hat den Mann im Bette und das Siegel im Schrein.Freyberg, Ueber d. altdeutsche öffentl. Gerichtsverfahren (Landshut 1824), IV, 430; Graf, 456, 498.

Das Zeugniss der Frau zu Gunsten ihres Ehemannes ist ein anfechtbares, weil sie in der Regel mit demselben gleiches Interesse hat. Das Sprichwort wird aber auch dahin verstanden, dass bei Rechtsgeschäften unter Ehegatten Brief und Siegel keine Sicherheit gewähren, wenn nicht eine dritte Person als Zeuge zugezogen wird.


63. Die Frau hat ihre Waffen bei sich.


64. Die Frau hol' aus dem Nachbarhaus, die Gevattern wähl' aus der Ferne aus. (Oberlausitz.)


65. Die Frau isst, wann (was) sie will, der Mann, wenn (was) die Frau vorsetzt.

Dän.: Hustruen æder naar hun vil, og hvad hun vil; men bonden hvad han faaer og naar han faaer. (Prov. dan., 318.)


66. Die Frau ist dem Mann ein Gewicht und ein Gottesgericht.


67. Die Frau ist dem Manne ein Pflaster und er ist ihr Paster (Hirt).


68. Die Frau ist der Schlüssel des Hauses.


69. Die Frau ist des Mannes bis auf den Kirchhof. (Luzern.)


70. Die Frau ist des Mannes Leben.

Holl.: De vrouw is's mans lijf en leven. (Harrebomée, II, 419.)


71. Die Frau ist kein Schuh, den der Mann, nachdem er vertreten, wieder ausziehen (oder: wegwerfen) kann.


72. Die Frau ist über ein Biesli Meister. (S. 58 u. 492.)Hillebrand, 121; Graf, 152, 57.

Ein Sprichwort im glarner Gebiet, um zu sagen, dass die Frau während der Ehe nur unbedeutende, das Hauswesen betreffende Geschäfte gültig vornehmen kann, da sie auch über ihr Vermögen nur mit Genehmigung ihres Ehegatten verfügen darf. (Blumer, Staats- und Rechtsgeschichte der schweizerischen Demokratien, I, 178.) Biesli ist eine kleine Geldmünze, ein Sechskreuzerstück. Bei Grimm (II, 563) Büsel.


73. Die Frau ist wie die Wage, wo sie hängt, kippt sie über.

Auch die Italiener vergleichen sie mit einer Wage, die sich nach der Seite hinneigt, wo man am meisten hineinthut. (Reinsberg I, 6.)


74. Die Frau ist wie eine sehnichte Sau.Meisner, 26.

75. Die Frau kann alles, was sie will.

Wenn die Frau es thun will, so thut sie es, sagt man in Venetien. (Reinsberg I, 36.)

Frz.: Ce que femme veut, Dieu le veut. ( Cahier, 691.)


76. Die Frau kommt immer zu spät. (S. 10.)

Eine Ausnahme hiervon scheint die Königin Victoria von England zu machen. Als das ausserordentliche Ereigniss in dem Leben derselben einmal vorkam, dass [⇐1107][1108⇒] sie eine Minute zu spät erschien, entschuldigte sie sich deshalb. (Vgl. Harriet Martineau in der Geschichte von England, Berlin 1853.)


77. Die Frau liebt mit dem Herzen, der Mann mit dem Kopfe.

Frz.: Femme ayme tant comme elle peut et homme comme il veut. (Leroux, I, 144.)


78. Die Frau macht oder verderbt die Haushaltung.

Frz.: La femme fait ou défait un ménage. (Kritzinger, 307.) – Les femmes font et défont les maisons. (Cahier, 672.)


79. Die Frau macht oft ein bös Gesicht und der Mann verdient es nicht.


80. Die Frau muss das kurze Messer führen und das lange dem Manne lassen.

Dän.: Lad din hustru have den stakkete kniv, og hav selv den lange. (Prov. dan., 318.)


81. Die Frau muss dem Zinsherrn weichen. Graf, 116, 292.

Gegenüber den Forderungen an Miethe oder Hauszins. Die ganze Habe des Miethers gilt dem Vermiether als Pfand, und selbst die Frau des Miethers muss mit den Vorrechten ihres Eingebrachten dem klagenden Zinsherrn auf Grund seines bevorzugten Pfandrechts im Range nachstehen.

Mhd.: Die frauwe mus dem czinsherren wichin. (Daniels und Gruben, Rechtsdenkmäler des deutschen Mittelalters.)


82. Die Frau muss selber sein die Magd, soll's gehen, wie es ihr behagt.


83. Die Frau nimmt alles an, Fleischwag' und Tortenpfann', kupferne Kessel und sammtene Sessel, auf die Tafel gute Bissel wie eine zinnerne Schüssel; wer ihr aber gibt Dukaten, der ist am besten berathen.Parömiakon, 3133.

Wer Beamte bestechen will, thut gut, die Geschenke der Frau desselben zu übergeben, sie sollen da ihre Wirkung nicht verfehlen.


84. Die Frau sei fleissig oder faul, sie hat ein Lästermaul.


85. Die Frau sei nicht so schön zum Tödten, noch so hässlich zum Schwerenöthen.

Weder soll sie durch ihre Schönheit tödlich verwunden, noch durch ihre Hässlichkeit in Verzweiflung bringen.


86. Die Frau soll im Hause das linke, der Mann das rechte Auge sein.

Dän.: Lad din hustru være dit venstre, men du selv det høire øie. (Prov. dan., 315.)


87. Die Frau und die Wölfin, wenn sie kann, nimmt unter allen den hässlichsten Mann.

Wie die Wölfinnen in der Brunstzeit ihre Wahl treffen, hat Graf Phöbus de Foix in seinem Werke über die Jagd nachgewiesen. (Vgl. Wurzbach II, 341.)


88. Die Frau verchuff d' Jüppe für e Wi. (Aargau.) – Schweiz, 144, 15.


89. Die Frau wähl' nicht bei Licht, das Pferd im Frühling nicht.


90. Die Frau will jederzeit Herrin im Hause sein.

Dies veranlasste auch eine Buchdruckerwitwe, um ihrem Geschlecht die angemessene Stellung zu verschaffen, bei einer neuen Bibelausgabe, die bei ihr gedruckt wurde, die Stelle 1 Mos. 3, 16 dahin abzuändern: Er soll dein Narr sein. (Vgl. Ostdeutsches Athenäum, Breslau 1856, Nr. 32.)

Frz.: Que les femmes fassent les femmes et non les capitaines.


91. Die Frauen alle sind ihrer Mutter Eva Kind; der Distel und der Dorn ist ihnen angebor'n.


92. Die Frauen bewegen wol den Mund, aber der Teufel gibt sich kund.


93. Die Frauen der Deutschen lieben mit dem Herzen, die der Franzosen mit dem Verstande, die der Engländer mit dem Geiste, die der Italiener mit dem Leibe, die der Spanier mit Leib und Herz zugleich und die der Russen zum Vergnügen.Reinsberg VI, 117.


94. Die Frauen haben den Hühnersteiss gegessen.

Spott auf ihre grosse Mittheilsamkcit.


95. Die Frauen haben ein kleines (rundes) Herz, es zappelt gleich von (oder: hält nicht lange) Freud' und Schmerz.

Mhd.: Den frawen ist der ars ze prayt, daz hercz ze smal, daz ist gesayt. (Ring.) (Zingerle, 194.)


96. Die Frauen haben jedes Jahr vier Krankheiten und jede dauert drei Monate.

In Bergamo sagt man: Die Frauen sind fürwahr nicht mehr als dreizehn Monden krank im Jahr. (Reinsberg I, 9.) [⇐1108]


[1109⇒] 97. Die Frauen haben langes Haar und kurzen Verstand. (S. 120 u. 440.)Reinsberg I, 27.

Die Italiener behaupten: Die Frauen sind gedankenlos wie ein Huhn. In Venetien heisst es: Die Frau hat mehr Haare als Gehirn. In Hindostan sagt man, um die Beschränktheit des weiblichen Verstandes zu bezeichnen: Die Frau nennt Brot Krume, Wasser Blasen und den Ehemann Grossvater. (Reinsberg I, 27 u. 28.)

Mhd.: Dô hiet Mäczel langes hâr und churtzen muot, jâ daz ist wâr. (Ring.) (Zingerle, 194.)


98. Die Frauen haben Thränen genug, sie weinen vor Schmerz, aus Sehnsucht und Betrug. (S. 391.)

Die Venetianer sagen: Die Frauen haben die Thränen in der Tasche. Die Lombarden: Die Frauen tragen stets eine Schachtel mit Thränen bei sich. Und die Spanier behaupten: Es ist nichts Wahres an den Thränen der Frauen und an dem Hinken der Hunde. Denn die Frauen weinen, wie die Hunde pissen. Schon die Römer sagten: Die Frauen lernten zur Lüge weinen. Nur die Hebräer, in deren Sprichwörtern sich eine grosse Achtung vor den Frauen ausspricht, mahnen ab, eine Frau zu kränken; da sie leicht weine, so sei auch die Kränkung um so leichter. (Reinsberg I, 20.)

Holl.: De vrouwen hebben driërlei tranen: van leed, van ongeduld en van bedrog. (Harrebomée, II, 419.)


99. Die Frauen haben viel Haar, aber noch mehr seltsame Einfälle fürwahr.


100. Die Frauen lachen (tanzen), die Männer ärgern (denken, schaffen) sich zu Tode.

Holl.: De vrouwen sterven van blijdschap, de mannen van zwarigheid. (Harrebomée, II, 419.)


101. Die Frauen machen ihre Männer zu Docken und haben mehr Launen als Socken.


102. Die Frauen platzen, wenn sie schweigen sollen.

Nach einem andern deutschen Sprichwort altern sie von vielem Schweigen. (S. Reden.)


103. Die Frauen sagen wol die Wahrheit, aber nie ganz.

Aehnlich in Mailand und Toscana. (Vgl. Reinsberg I, 9.)


104. Die Frauen sind die Schlauen.


105. Die Frauen sind über den Teufel.

In der Lombardei heisst es: Die Frauen haben selbst dem Teufel was an. In Venedig: Die Frau hat dem Teufel die Suppe gekocht und sie ihn dann essen lassen. Sie behaupten sogar: Mit den Frauen ist nicht einmal der Teufel zu vergleichen. Und: Die Frau spielt selbst mit ihrem eigenen Vater. (Reinsberg I, 28 u. 29.)


106. Die Frauen sind unrichtige Uhren.

Die Frage, was die Frauen sind, wird durch dies deutsche Sprichwort noch am mildesten beantwortet. In Venedig sagt man: Die Frauen sind Heilige in der Kirche, Engel auf der Strasse, Teufel im Hause, Nachtvögel am Fenster und Elstern an der Thür. Und: Die Frauen sind Schuhe; wenn man sie lange trägt, werden sie Pantoffeln. In der Lombardei: Die Frauen sind Kohlen, sie schwärzen oder brennen, oder man giesst sie aus. In Mailand: Die Frauen, wenn sie gut sind, sind tölpisch. Man geht dort noch weiter und behauptet: Selbst die Frauen, die für gut gelten, sind Schandbälge. In Arabien heisst es: Die Frauen sind abgeschnittene Theile der Männer. (Reinsberg I, 6.)


107. Die Frauen sind verschwiegen wie ein Leib mit Rhabarber.

In Bergamo sagt man: Die Frauen bleiben verschwiegen wie Leibschmerzen. Und: Das Geheimniss der Frauen erfährt nicht eine, als ihr, als ich und die ganze Gemeine. (Reinsberg I, 16.)


108. Die Frauen sind zu nichts gut, als zum Flöhefangen.

Um den Werth der Frau aufs äusserste herabzusetzen, sagen die Lombarden: Wären die Frauen von Gold, so würden sie keinen Quatrin (1/60 Lira) werth sein. Der Franzose antwortet auf die Frage, was vorgehe: Es ist nichts, es ist nur eine Frau, die ertrinkt. (Reinsberg I, 42.)


109. Die Frauen und das Spiel verderben der Männer viel.


110. Die Frauen und Katzen sterben nur, wenn man sie auf die Nase schlägt.


111. Die Frauen verneinen mit Ja.


112. Die Frauen weinen mit Einem Auge und lachen mit dem andern.

Ob deshalb die Engländer sagen: Eine Frau weinen zu sehen ist so zum Erbarmen, wie eine Gans barfuss gehen zu sehen. (Reinsberg I, 21.)


113. Die Frauen wissen noch ein Blatt mehr als der Teufel.


114. Die frauwen haben einen witz mehr dann ein ganss, wann es regnet, so gehen sie an das trucken. (S. 214.)Pauli, Schimpf, XXIXb. [⇐1109]


[1110⇒] 115. Die Fraw erfrewet den Mann.Henisch, 1197.


116. Die fraw ist schön, die nicht von frembder farb gleisset.Henisch, 1196.


117. Die fraw muss selber sein ein Magd, will sie, dass jhr im Hauss behagt.Henisch, 1197; Simrock, 2608.


118. Die Fraw muss selber seyn die Magd, will sie im Hauss finden raht.Gruter, III, 21; Lehmann, 373, 145; Lehmann, II, 84, 154.


119. Die Fraw vertrawt jhrem Mann bayd, Gut vnnd Haut.Henisch, 1797; Petri, II, 835.


120. Die Frawen haben lange Kleyder vnd kurtze Sinne. (S. 97 u. 440.)Henisch, 1157.

»Viele Frauen haben mehr Mutterwitz im kleinen Finger, als manche Männer in ihrem ganzen Kopfe.« (Neuyorker Abendzeitung vom 30. Oct. 1850.)


121. Die Frawen sagen den Mannen vil zu und halten wie ein fûl Armbrust.Eiselein, 179.


122. Die frawen sind, wie geschriben steht, kein Hüterin der Heimlichkeit.Henisch, 1157.


123. Die Frugge makt sick so breit1 osse dat Hûs to Brake2. (Lippe.)

1) Nämlich mit ihrem stattlichen Anzuge.

2) Ein weitläufiges, vormals gräfliches, jetzt grösstentheils abgebrochenes Schloss im Fürstenthum Lippe.


124. Die gnädige Frau von Hermetschwyl weiss wol warum sie im Reussthal wandeln muss und mit den Schlüsseln läuten.Klosterspiegel, 62, 13.


125. Die guten Frauen sagen: thut uns darein, was euer Wille ist.Bebel.


126. Die hässliche Frau misfällt zu vielen, mit der schönen will ein jeder spielen.

D.h. bei der Wahl, weder zu hässlich, noch zu schön. Die Polen haben den Spruch: Das Gesicht einer schönen Frau sagt: veni mecum, und das einer hässlichen: noli me tangere. (Reinsberg I, 56.)


127. Die hässlichste Frau ist die beste Haushälterin.Riehl, 41.


128. Die karge Frau geht am meisten zur Kiste. Simrock, 2611; Körte, 1491.

Holl.: Die vrecke vrouwe gaet dicwijl ter kisten. (Tunn., 7, 2.)

Lat.: Ad cistam domina vadit sepissime parca. (Fallersleben, 203.)


129. Die junge Frau sitzt nicht auf Eid und Pflicht; sie kann wol bisweilen einen Schleifpfennig machen.Meisner, 128.


130. Die letzten Frauen sind der ersten Kinder Diebinnen.Henisch, 1196; Sailer, 261.


131. Die schmuzige Frau macht eher die Thür auf, als sie ihr Bett zudeckt.

132. Die unverständige Frau kauft die Leinwand nach dem Saume.

Unbesehen, ununtersucht.


133. Die vierte Frau bringt die Schüppe.Simrock, 10971; Reinsberg I, 183.


134. Die zuverlässigste Frau ist die, welche keiner will.


135. Die zweite Frau hat goldene Hinterbacken.


136. Dient die Frau nicht mehr als Topf, so dient sie als Deckel.


137. Drey frawen, drey gens vnd drey frösch machen ein jahrmarckt. (S. 621.)Franck, I, 86; Gruter, I, 22; Henisch, 1350; Simrock, 2627; Eiselein, 180.

Aehnlich sagen die Franzosen: Drei Frauen und ein Korb machen den Markt von Montebello. (Reinsberg VI, 21.) Ferner: Zwei Frauen machen ein Gericht, drei ein Geschnatter und vier einen vollen Markt. Die Toscaner: Drei Frauen machen einen Markt, vier eine Messe. Und in Brescia heisst es: Drei Frauen und eine (Lauch-) Zwiebel und der Markt hat kein Ende. Und ähnlich heisst es in der Lombardei und Venetien: Zwei Frauen und eine Gans machen einen Markt. Zwei Frauen und drei Hühner machen den Markt von Pralboi. (Reinsberg I, 18 u. 19.)

Frz.: Deux femmes font un plaid; trois un grand caquet, quatre un plein marché. (Cahier, 671.)

Holl.: Drie vrouwen en ééne gans maken eene markt. (Harrebomée, II, 419.)


138. E Fraa is leicht zu überrede'. (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 733.

Leicht ist des Weibes Sinn. [⇐1110]


[1111⇒] 139. E Fraa ohne Taam (hebräisch: Geschmack, Verstand) un ohne Rahm jagt den Mann von derhaam (daheim, aus dem Hause). Tendlau, 734.

Frz.: Une femme sans rime et sans raison chasse le mari de la maison.


140. E schöne Frau macht no chei guete Huusstand. (Gegend am Thunersee.) – Schweiz, 216, 129.


141. E schöne Frau übercho ist liecht, aber sie schön b'haltn ist schwer. (Luzern.)


142. Een olde Frô un'n olde Koh, dar kummt ên noch wat van tô; man'n olden Kerel1 un'n old Pêrd, de sünd gên Bohne werth. (Ostfries.) – Bueren, 440.

1) Das Wort Kêrel hat im Plattdeutschen nicht ausschliesslich die verächtliche Bedeutung wie im Hochdeutschen. Die Landfrau sagt z.B.: Min Kêrl is nig to Hûs, statt mein Mann, ohne ihn beleidigen zu wollen. (vgl. Schütze, II, 242.)


143. Een schmêri1 Fru is enn wärrerli2 Anblick. (Rendsburg.)

1) Schmierige.

2) Widerlicher. – Die Franzosen sagen von einer Frau, die unsauber und nachlässig in ihrem Anzuge erscheint: Sie gleicht den Frauen von Cambron, ihr Hemd geht unterm Unterrock vor. (Reinsberg V, 146.)


144. Ein ehrliche fraw ist ein gute farb an einem Weibsbild.Henisch, 1196.


145. Ein' Frau, ein' Pferd, ein Kuh ohn' Flecken, die sind noch zu entdecken.

Frz.: Il n'y a femme, cheval, ni vache, qui n'aye toujours quelque tâche. (Kritzinger, 307.)


146. Ein fraw aller frawen ehr.Henisch, 1157.


147. Ein fraw aller frawen schand.Henisch, 1157.


148. Ein fraw edel von natur ist ein preiss vber alle figur.Henisch, 1195.


149. Ein fraw hält jhren Mann nicht werth, wenn er nicht Hüll vnd Füll gewährt.Lehmann, 143, 48.


150. Ein fraw spinnt oder näet sobaldt eine Kuhe auss dem Stall als eine hinein.Henisch, 1197.


151. Ein frawe hat kein ander schwerdt dann die zungen.Pauli, Schimpf, XXVIa; Henisch, 1197.

Diese reicht auch vollständig aus. Auch die Engländer versichern, dass Eine Zunge genug ist für eine Frau. (Reinsberg I, 11.) Die Chinesen sagen: Eine Frau, die nicht stumm ist, weiss sich stets zu rächen.

Frz.: L'épée des femmes, c'est leur langue, et elles n'y laissent pas venir la rouille. ( Cahier, 675.)


152. Ein fromme Fraw senfftet des Mannes zorn. (S. 164.)Henisch, 1235.


153. Ein fromme Fraw zeugt offt ein Hur.Eyering, II, 69; Franck, II, 56b; Henisch, 1196.


154. Ein gute Frau ist aller ehren werth.Henisch, 1196.

Holl.: Eene goede vrouw is alle eer waard. (Harrebomée, II, 419.)


155. Ein hübsche fraw vnnd ein hübscher Ofen in einer stuben sind ein schön Hausszier.Henisch, 1196.


156. Ein hüpsche frauwe zu Cöln vnnd ein hüpsch zu Strassburg neiden eynander nicht.Pauli, Schimpf, XXVIIa.


157. Ein jeder spricht schlecht von den Frauen, aber man kann auch gute drunter schauen.

Die Bergamasken sagen: Alle sprechen schlecht von den Frauen und doch zieht das Herz alle zu ihnen. (Reinsberg I, 3.)


158. Ein schöne fraw in armuth, die jhr ehr behalten thut vnd liebt darzu jhren Mann, die tregt der ehren wol ein Kron.Henisch, 1196.


159. Ein schöne Fraw vnd schöner gang in Bergkwerck kan einen auch wol betriegen.Henisch, 1347.

Fast alle Völker finden an schönen Frauen eine bedenkliche oder gefährliche Seite. Der Franzose sagt: Eine schöne Frau ist eine schwache Stadt, leicht zu nehmen, aber schwer zu bewahren für den, der sie hat. Der Spanier: Eine schöne Frau hat das Privilegium anmassend zu sein oder – dumm. Ueber den Begriff einer schönen Frau sind die Ansichten bei den verschiedenen Völkern aber sehr verschieden, was auch in den Sprichwörtern hervortritt. Klein, gross, weiss, dunkel, schlank, beleibt, im Orient fett u.s.w. sind Eigenschaften, die hier zur Schönheit erfordert werden, dort dem Geschmack widersprechen. Im nördlichen Italien hat man eine Vorliebe für grosse Frauen. In Venetien sagt man daher: Die grosee Frau ist (schon) halb schön. Und: Ist eine grosse Frau nicht schön, so fehlt ihr doch [⇐1111][1112⇒] nicht viel dazu. In der Lombardei rühmt man die kleinen: Bevor die grosse Frau sich nur gebückt, hat die kleine schon das Holz aufgerafft. Die Toscaner sehen Schatten nach beiden Richtungen: Ist sie gross, so ist sie faul, ist sie klein, so ist sie schlimm. Der Sarde hält die magern für zähe, dem Bergamasken ist fettes Fleisch immer lockend. Was die Farbe betrifft, so sagen die Franzosen: Das braune Mädchen ist von Natur heiter und reinlich. Die Venetier: Besser eine Schwarze mit allen ihren Grillen, als eine Blonde mit hundert Dukaten. Das Dunkle nimmt nichts der Schönen, erhöht vielmehr das Sehnen. In Mailand hält man schwarze Augen und blondes Haar für die grösste Schönheit in dieser Welt. Wie man im Lombardisch-Venetianischen grosse Frauen liebt, so auch weisse. Man sagt daher in Mailand und Venedig: Einer weissen Frau fehlt die Schönheit nicht. (S. Klein.) (Reinsberg I, 46 – 47.)


160. Ein weise fraw bawet jhr Hauss.Henisch, 1196.

Holl.: Eene wijze vrouw is 's mans behou. – Eene wijze vrouw is twee werf zot. (Harrebomée, II, 420.)


161. Ein zornige fraw vnnd ein löcherichte pfanne seindt schädlich in einem Hause.Henisch, 1196.


162. Eine alberne Frau kennt man am Kleide.


163. Eine alte Frau, die den Kopf in die Höhe wirft, ein junger Mann, der ihn hängen lässt, blaue Rüben und rother Knobloch sind Dinge, die man meiden soll.


164. Eine anmuthige Frau sieht ihrem Manne den Zorn aus dem Gesicht. (S. 152.)

Sie dämpft ihn durch ihren Blick.

Dän.: Forstandig kvinde kand tale manden af harnisket. (Prov. dan., 365.)


165. Eine bärtige Frau soll man von ferne grüssen.Pistor., I, 77; Zeileri opus epistolic., I, 42.

Frz.: Femme barbue de loing la salue, un baston à la main. (Leroux, I, 145.)


166. Eine bärtige Frau und einen rothen Mann sieh dir nur von weitem an.


167. Eine böse Frau ist das Fegfeuer auf dieser Welt.Schmitz, 178, 17.

Um weibliche Bosheit zu veranschaulichen, sagen die Aethiopier: Gegen der Frauen Güte ist noch des Mannes Bosheit gut. (Reinsberg I, 159.) Die Franzosen: Eine böse Frau ist ein Teufel, keine – ist ein elendes Leben. (Reinsberg I, 103.) Die Hebräer: Ein bös Weib gleicht dem stürmischen Wetter. (Reinsberg I, 165.)

It.: Una moglie cattiva è il purgatorio in questo mondo. (Pazzaglia, 229, 12.)


168. Eine böse Frau ist der Schiffbruch des Mannes.Reinsberg I, 166.


169. Eine böse Frau ist des Mannes Todtengräberin.

Dän.: Onde kvinder giøre ei meere godt end at de hielpe manden til jorden, naar han er død. (Prov. dan., 365.)


170. Eine böse Frau verhaut dem Manne den Weg.


171. Eine böse Frau wünscht man zu allen Teufeln, und hat man keine, so will man verzweifeln.


172. Eine brave Frau steht nicht am Thor, sie denkt an Rocken und Spindel vor.


173. Eine dumme Frau erkennt man an der Haube.

Frz.: Femme sotte se connoist à la toque. (Leroux, I, 147.)


174. Eine dumme Frau macht heisse Liebe lau.

Frz.: A femme sotte nul ne s'y frotte. (Leroux, I, 143.)


175. Eine eitle Frau ist halb Gans, halb Pfau.

Frz.: Femme orgueilleuse se difforme en délaissant sa propre forme. (Leroux, I, 146.)


176. Eine Frau an der Thür (am Fenster) und ein Weinstock am Wege sind schwer zu hüten.

Dän.: Kone som er altid vindue og dørre, og ager ved land-vegen er ond at vare. (Prov. dan., 354.)

177. Eine Frau, die dem Manne nichts gebracht, wird gar leicht (oft) veracht't.

Lat.: Quae indotata est, ea est in potestate viri. (Plautus.) (Philippi, II, 117.)


178. Eine Frau, die der Fehlgeburten gewohnt ist, erschrickt nicht mehr.


179. Eine Frau, die gibt, bietet aus ihre Ehre; eine Frau, die nimmt, verkauft ihre Ehre, eine Frau, die ehrsam will leben, muss weder nehmen noch geben.

Auch die Lombarden sagen: Eine Frau, die nimmt, wird, wenn sie gut war, schlecht.

Dän.: Kvinde som giver boleren, byder sig frem; som tager af hannem sælger sig; som hverken giver eller tager, er ære veerd. (Prov. dan., 363.)

Frz.: Femme qui prend elle se vent, femme qui donne s'abandonne. (Leroux, I, 146.) [⇐1112]

[1113⇒] Holl.: Eene vrouw, die geeft, biedt hare eer; eene vrouw, die neemt, verkoopt hare eer; eene vrouw, die in ere wil leven, mag noch nemen, noch geven. (Harrebomée, II, 420.)

It.: Donna che piglia è nell' altrui artiglia. (Pazzaglia, 100, 10.)


180. Eine Frau, die heirathet, muss ein Schweinsmaul und einen Eselsrücken haben.

Sie muss alles essen und alles tragen können.


181. Eine Frau, die ihre Arbeit macht, beschmuzt sich nicht.


182. Eine Frau, die immer im Putz, ist dem Haus kein Nutz (oder: ist nichts nutz). (Lausitz.) Reinsberg I, 155.

Die Spanier sagen: Erscheint die Frau im grossen Putz, ist die Schwelle gekehrt und das Haus voll Schmuz. Und in Galizien heisst es: Die Frau eine Gräfin, die Stube unausgekehrt. (Reinsberg I, 155.)


183. Eine Frau, die immer lacht, ist eitel oder zur Närrin gemacht.

Die Sardinier sagen, sie sei eitel oder verrückt. (Reinsberg I, 9.)


184. Eine Frau, die in der Küche verhungert, muss wenig Appetit haben.

Frz.: La femme qui meurt de faim n'a garde d'estre grasse. (Leroux, I, 149.)


185. Eine Frau, die lateinisch spricht, ein Kind, das mit Wein erzogen ist, und die Sonne, die am Morgen scheint, nehmen kein gutes Ende. (S. 192 u. 231.)

Frz.: Soleil qui luit au matin, femme qui veut parler latin, petit enfant nourri de vin vont rarement à bonne fin. (Cahier, 694.)


186. Eine Frau, die Mann spielen will, hört auf Frau zu sein.

It.: Donna che vuol far da huomo, perde il preggio d'honesta donna. (Pazzaglia, 100, 21.)


187. Eine Frau, die nach den Sternen sieht, vergisst den Küchentopf.


188. Eine Frau, die nährt, ist nie satt und nie rein.

So sagen die Spanier. Die Lombarden: Eine Frau, die selbst tränkt, man weiss nicht, ist sie gescheit oder beschränkt. (Reinsberg I, 175.)


189. Eine Frau, die nicht gern spinnt, trägt ein grobes Hemd.

Frz.: Femme qui envie file, porte chemise vile. (Kritzinger, 306.)


190. Eine Frau, die nicht spricht, ist ein selten Gericht.

Dän.: Man finder sielden eu stum kvinde. (Prov. dan., 363.)


191. Eine Frau, die sich anbeten lässt von allen, wird bald keinem mehr gefallen.

It.: Donna ch' ha molt' amicizie ha molte lingue mordaci. (Pazzaglia, 100, 20.)


192. Eine Frau, die spricht Latein, und ein Kind, genährt mit Wein, wie wird das Ende sein! (S. 185 u. 231.)

Holl.: Een kind, dat met wijn wordt opgevoed, eene vrouw, die Latijn spreekt, en eene zon, die te vroeg schijnt, maken zelden eene goede rekening. (Harrebomée, II, 420.)


193. Eine Frau, die über viel Dinge erröthet, hat deren viel kennen gelernt.


194. Eine Frau, die unbegleitet, ist immer schlecht geleitet.


195. Eine Frau, die ungern spinnt, wenig für ein fein Hemde gewinnt.

Die Spanier sagen: Die Frau, die wenig spinnt, trägt ein schlechtes Hemde. Und: Die Frau, die eine Läuferin, ist Festtags eine Spinnerin. (Reinsberg I, 150.)


196. Eine Frau, die verdient, und eine Henne, die Eier legt, sind schlimmer als der Teufel im Hause.

Frz.: Femme qui gagne, poule qui pond, sont le diable en la maison.


197. Eine Frau, die vorm Spiegel steht, spinnt wenig.

Dän.: Kvinder som staaer meget for speilet, sidder lidet ved rokken. (Prov. dan., 364.)

Frz.: Dame (femme) qui moult se mire, peu file. (Cahier, 1101; Leroux, I, 139.)


198. Eine Frau, die waschen will, hat bald Wasser gefunden.


199. Eine Frau findet leicht einen Fund.Eiselein, 179.


200. Eine Frau fragt mehr, als hundert Männer beantworten können.Börne, Briefe aus Paris.


201. Eine Frau gibt das Leben und nimmt es.

In Italien: Die Frauen und die Liebe geben und nehmen den Männern das Leben. (Reinsberg I, 59.) [⇐1113]


[1114⇒] 202. Eine Frau hält das am geheimsten, was sie nicht weiss.

Engl.: A woman conceals, what she knows not. (Bohn II, 304.)

Frz.: Une femme ne cèle que ce qu'elle ne sait pas. (Bohn I, 61.)


203. Eine Frau hat kurzen Muth und lange Kleider.Kirchhofer, 348.


204. Eine Frau hat oft mehr Grütze (im Kopfe) als der Mann.

Frz.: C'est un mariage d'épervier, la femelle vaut mieux que le mâle. (Lendroy, 1601.)


205. Eine Frau hat während der Ehe nichts als den blauen Himmel und den Spinnrocken.Graf, 152, 53; Berck, Bremer Güterrecht der Ehegatten (Bremen 1832), 52, 25.

Spricht den Grundsatz vermögensrechtlicher Unfähigkeit der Frau während der Ehe aus.


206. Eine Frau ist am schönsten daheim.Kirchhofer, 348.


207. Eine Frau ist ein Gedicht, zwei versteht man nicht, drei machen ein Gericht, auf vier leistet der Teufel Verzicht.


208. Eine Frau ist ein halbgebackener Mann. Opel, 379.


209. Eine Frau ist ein theuer Möbel.

Die Spanier behaupten, eine Schiffsladung Silber reiche nicht hin, sie zu befriedigen. (Reinsberg I, 9.)


210. Eine Frau ist eine Heimsuchung.


211. Eine Frau ist gut, wenn sie nicht ärger wird.Winckler, VI, 37.


212. Eine Frau ist gut, wenn sie nur öffentlich böse ist.Winckler, VI, 37.


213. Eine Frau ist keine Geige, die man wieder an die Wand hängen kann, nachdem man darauf gespielt.

Die Sarden sagen: Es ist leicht, eine Frau zu nehmen, aber schwer sie wieder los zu werden. Die Russen: Die Frau ist kein Schuh, den man vom Fuss herunterwirft. (Reinsberg I, 101.)


214. Eine Frau ist klug genug, wenn sie so viel Verstand hat, unterzutreten, wenn's regnet. (S. 114.)Winckler, III, 30.

Daher beschränkte man früher die Schulbildung des weiblichen Geschlechts aufs Aeusserste. Die Mädchen sollten nicht schreiben lernen, damit sie keine Liebesbriefe schreiben könnten, nicht lesen, um die Suppe nicht zu versalzen und keine schlechten Gedanken in den Kopf zu bekommen. Schon die Chinesen sagten: Warum sollten die Frauen nicht lesen lernen? Weil es schlechte Bücher gibt.


215. Eine Frau ist leichter zu erhalten als eine Küche.

Erhalten steht hier als doppelsinnig, einmal für bekommen und das zweite mal für unterhalten.


216. Eine Frau ist leichter zu haben, als eine Küche (ein Haus) zu unterhalten.

Dän.: En hustru er lættere at faae, end et huus er at holde. (Prov. dan., 318.)


217. Eine Frau ist nie beredter, als wenn sie ihren Mann lobt oder über ihre Schwiegermutter klagt.


218. Eine Frau ist schwer zu überzeugen.

Die Polen sagen: Eine Frau ist so wenig zu überzeugen, als Safran zu durchhecheln. (Reinsberg I, 7.)


219. Eine Frau ist übel dra, wenn sie den Mann nicht b'schissen ka.Kirchhofer, 201.


220. Eine Frau kann das Bett nicht schmal genug haben. (Franz.) – Reinsberg I, 142.


221. Eine Frau kann in der Schürze mehr aus dem Hause tragen, als der Mann mit dem Erntewagen hineinzufahren vermag. Blum, 333; Körte, 1485; Simrock, 2617.

Aehnlich sagen die Russen: Der Mann schleppt nicht so viel mit dem Geldbeutel fort, als die Frau mit dem Kochtopf.

Holl.: De vrouw kan met den boezelaar meer uit het huis dragen, dan de man er met den hooiwagen kan inrijden. (Harrebomée, I, 73.) – Het helpt niet, of de man het er al met de schep inbrengt, als de vrouw het er weêr met den wagen uitvoert. (Harrebomée, II, 421.)

Ung.: Nem kereshet annyit a jó gazda, a mit a rosz gazdaszszony el nem tékozolhat. (Gaal, 487.)


222. Eine Frau kann in keinem Stücke einen Mann überzeugen.Graf, 456, 504; G. Oelrichs, Samml. der Gesetzbücher Bremens (Bremen 1771), 73, 11.

Sinn: Das Zeugniss einer Frau war im allgemeinen gewichtlos einem männlichen Zeugniss gegenüber. Die [⇐1114][1115⇒] Chinesen erklären die Frauen in noch höherm Grade für unzurechnungsfähig, indem sie sagen: Eine Frau kann für kein Verbrechen verantwortlich sein; der Mann ist's für sie.


223. Eine Frau kann mehr auslöffeln, als der Mann einscheffelt.

Holl.: Een vrouw draagt meer uit met een' lepel, dan een man inbrengt met een schepel. (Harrebomée, II, 420.)


224. Eine Frau kann mit dem Fingerhute mehr verschütten, als der Mann mit dem Eimer schöpfen kann.Simrock, 2619.


225. Eine Frau küsst oft den Knecht lieber als den Herrn.

Dän.: Qvinde kysser ofte svenden for herren. (Prov. dan., 463.)


226. Eine Frau lacht, wenn sie kann, und weint, wenn sie will.

Frz.: A toute heure chien pisse et femme pleure. (Leroux, I, 143.) – Femme rit quand elle peut et pleure quand elle veut. (Bohn I, 18; Kritzinger, 306; Leroux, I, 146.)


227. Eine Frau macht den Mann grau.


228. Eine Frau mag ihr Gut nicht hingeben ohne ihres Mannes Willen.Graf, 152, 58.

Weil ihr die vermögensrechtliche Selbständigkeit als Ehefrau abgeht und der Gatte ihr Vormund ist.

Mhd.: Ein wib mag ires guts nicht hingebn an jrs manns willen. (Rupr. v. Freysingen I, 29.)


229. Eine Frau mag ihre Ehre wol kränken.Eisenhart, 89; Pistor., III, 68; Hillebrand, 33; Simrock, 2643; Körte, 1501; Eiselein, 134.

Der Sinn dieses Sprichworts ist nach dem Sächsischen Landrecht (I, 5, 2), aus dem es entlehnt ist, der, dass eine Frauensperson deshalb nicht von der Erbschaft ihrer Aeltern ausgeschlossen werden kann, weil sie durch schlechte Aufführung und unzüchtiges Leben ihre Ehre verloren hat, was nach dem Justinianischen Gesetzbuche der Fall ist, nach welchem öffentliche Dirnen enterbt werden können, und Ehefrauen, die eine ausschweifende Lebensart erwählt, ihren Brautschatz verlieren. (S. 561.)


230. Eine Frau mit Bart soll man von fern (schon) grüssen.Eiselein, 179.


231. Eine Frau mit Latein und eine Magd, die widerspricht, taugen beide nicht. (S. 185 u. 192.)


232. Eine Frau nehmen und für sich allein bleiben ist das Beste.

Gegen das Zusammenleben mit Verwandten.


233. Eine Frau nimmt keinen alten Mann um Gottes willen.

Holl.: Eene vrouw neemt geen' ouden man om Gods wil. (Harrebomée, II, 420.)


234. Eine Frau ohne Kinder ist wie eine Kuh ohne Schelle.Kirchhofer, 201.

In Moskau sagt man: Eine Frau ohne Kinder ist wie eine Wiese ohne Gras, und das russische Sprichwort behauptet: Frauen schämen sich, keine Kinder zu haben. Auf Sardinien meint man: Eine Frau, die keine Kinder bekommt, erfindet nicht gut. (Reinsberg VII, 3.)


235. Eine Frau ohne Mân is verlân (verloren).

Holl.: Eene vrouw zonder man is eene vrouw zonder ziel. (Harrebomée, II, 420.)


236. Eine Frau ohne Mann ist eine Reb' ohne Pfahl, eine Flasche ohne Stöpsel, ein Schloss ohne Klinke.Eiselein, 180.

In Mailand sagt man: Die Frau ohne Mann gleicht einem Winde, der Mann ohne Frau der Trommel vom Kinde.

Frz.: Femme seule est rien. (Leroux, I, 147.)


237. Eine Frau ohne Scham ist ein Pelz ohne Bram.

Die Araber sagen: Eine Frau ohne Scham ist eine Speise ohne Salz. (Reinsberg I, 141.)


238. Eine Frau ohne Witz und Verstand treibt den Mann aus seinem Land.

Frz.: Femme sans rime ni raison chasse l'homme de maison. (Kritzinger, 307.)


239. Eine Frau ohne Zank ist so selten wie eine Kirmes ohne Klang (Trank).


240. Eine Frau ohne Zucht ist eine Brühe ohne Salz.


241. Eine Frau sei noch so klein, sie stellt dem Teufel ein Bein.


242. Eine Frau sitzt nicht auf Eid und Pflicht. Graf, 488, 51; Simrock, 2644; Pistor., II, 49.

Es galt der Grundsatz, wer im Lande wohnte, sei, wenn er nicht besonders befreit war, Landesunterthan und müsse dem Landesherrn den Huldigungseid leisten; nur Frauen waren davon befreit, sie konnten aus einem Lande in das andere heirathen, ohne dass ihr Wegzug als unerlaubte Auswanderung betrachtet wurde. [⇐1115]


[1116⇒] 243. Eine Frau und einen Gott, aber viel Freunde in der Noth.

Holl.: Eén God, ééne vrouw, maar veel vrienden. (Harrebomée, II, 420.)


244. Eine Frau und etwas Trübseligkeit fehlt zu keiner Zeit.


245. Eine Frau weint, weil's ihr ums Herz so ist, die andre weint aus List.


246. Eine Frau will lieber Ein Mass und Scherz dabei, als zehn Mass mit Ernst.Tendlau, 733.

Denn sie ist gern froh. Der Name Frau stammt von einer Göttin her, von Frouva, der frohen Frau, der huldvollen Schwester des Fro. »Aber«, sagt Riehl (Familie, 35), »der Name der Göttin selbst ist wieder aus der Rippe eines Mannesnamens genommen, wie das Urweib aus des Urmanns Rippe.« Ueber die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Frau vgl. Grimm, IV, 72.


247. Eine Frau will lieber schön als fromm sein.

Dän.: Mangen kvinde vil heller være skiøn end from. (Prov. dan., 363.)


248. Eine Frau zu nehmen macht wenig Beschwerden, aber viel, sie wieder los zu werden.


249. Eine Frau zu überzeugen und Safran durchhecheln, heisst seine Zeit verknöcheln.

D.h. seine Zeit verspielen, unnütz vergeuden, weil Frauen nicht zu überzeugen sein sollen.


250. Eine fromme Frau ist der Schmuck des Hauses, wie die Sonne der Schmuck des Himmels. (Böhm.)


251. Eine fromme Frau ist ein gross Gut.

Dän.: Hustruens dyd giør manden et langt levnet; thi hun er god læge-blad for sorgen. (Prov. dan., 318.)

Frz.: Femme de bien est un grand bien. (Kritzinger, 306.)


252. Eine fromme Frau ist Goldes werth.

Frz.: Femme de bien vaut un grand bien. (Leroux, I, 145.)

It.: Donna da bene vale gran bene. (Pazzaglia, 100, 15.)


253. Eine geizige Frau macht nie eine gute Suppe.


254. Eine gelehrte Frau und eine versalzene Suppe sind beide ungeniessbar.


255. Eine gemalte (geschminkte) Frau trägt ein hässlich Bild zur Schau.

In Toscana heisst es mit Bezug hierauf: Die Frau, welche schön erscheinen will, muss es mit Schmerzen im Gesicht bezahlen. Und: Der geputzten Frau kehre den Rücken zu. (Reinsberg I, 47 u. 48.) Die Chinesen sagen: Eine Frau, die Schminke kauft, will sie auch wieder verwerthen.


256. Eine geputzte Frau ist ein schmuziges Haus mit gekehrter Thür.


257. Eine geschmückte Frau wahrt den Mann vor (hält ihn ab von) fremder Schau.

Eine Frau, die durch ihre äussere Erscheinung den Mann fesselt, hält ihn ab, andern Frauen den Hof zu machen.


258. Eine gute Frau beherrscht ihren Mann mit Liebe.

Die Araber sagen: Der Frau Ergebenheit besteht darin, dass sie ihrem Manne gehorcht. Und die Hebräer: Eine Frau ist nur brav, wenn sie ihrem Manne gehorcht.

Dän.: From hustru vinder med kierlighed mandens hierte af. (Prov. dan., 317.)


259. Eine gute Frau betet nur Ein Vaterunser.

Dän.: En from hustru beder kun et fader vor, og ingen fleere. (Prov. dan., 317.)


260. Eine gute Frau ist besser als alle Verwandtschaft.

Holl.: Wie eene goede vrouw heeft, is wel vermaagschapt. (Harrebomée, II, 423.)

261. Ein gute Frau ist besser als ein Freund.

Die Franzosen sind anderer Meinung: Fol est, qui perd bon ami pour femme. (Cahier, 79.)


262. Eine gute Frau ist der beste Hausrath.

Dän.: En god hustru er beste boskab i huuset. (Prov. dan., 317.)

Holl.: Eene goede vrouw is het beste huisraad. (Harrebomée, II, 419.)


263. Eine gute Frau ist des Mannes Ehrenkrone.

Eine gute Frau ist des Mannes Stolz, sagen die Russen. Die Walachen: Für eine gute Frau gibt's keinen Preis. Und die Czechen flehen zum Himmel: Erhalte uns, Herr Gott, die gute Frau. (Reinsberg I, 161 – 162.)

Dän.: Dydig kvinde er huusets (mandens) ære. (Prov. dan., 363.) – En flittig quinde hendes huusbonds krone. (Prov. dan., 318.)


264. Eine gute Frau ist eine Krone werth.

Aber es gehört viel zu einer guten Frau. Die Lombarden sagen: Die gute Frau muss viererlei sein: Matrone [⇐1116][1117⇒] auf der Strasse, Nonne in der Kirche, Magd im Hause und Buhlerin im Bett. (Reinsberg I, 160.)

Frz.: Femme bonne vaut une couronne. – Si la femme vaut, elle vaut un empire, si est autre au monde n'y a beste pire. (Leroux, I, 151.)

265. Eine gute Frau ist Goldes werth.

Die Walachen sagen: Eine gute Frau ist besser als eine Säule von Gold. (Reinsberg I, 158.)

Holl.: Eene goede vrouw kan men met geen goud betalen (opwegen). (Harrebomée, II, 420.)


266. Eine gute Frau ist nie müssig.

Die Spanier: Die gute Frau steht niemals an der Thür, sie denkt an Rocken und Spindel nur. (Reinsberg I, 150.)

Holl.: Eene goede vrouw zal nimmer ledig zijn. (Harrebomée, II, 420.)


267. Eine gute Frau macht aus dem Achtziger einen Vierziger, eine böse aus dem Vierziger einen Achtziger.


268. Eine gute Frau macht einen guten Mann.

Lemesle behauptet sogar: »Die meisten ihrer Fehler verdecken die Frauen uns, die meisten unserer guten Eigenschaften wir ihnen.« (Vgl. Deschaud, Le Bien etc.)

Frz.: Bonne femme fait le bon homme. ( Cahier, 683.) – Femme bonne qui a mauvais marry a souvent le coeur marry. (Leroux, I, 145.)

Holl.: Eene goede vrouw maakt een' goede man. (Harrebomée, II, 420.)

269. Eine gute Frau nimmt Beulen für Liebsiegel.Fischart.


270. Eine gute Frau scheut die Küche nicht.

Holl.: Die vrouw heeft meer van eene kamer-, dan van eene keukenmeid. (Harrebomée, II, 417.)


271. Eine gute Frau und ein guter Mann sind besser als gross Erbgut.

Frz.: Bonne femme, bon renom, patrimoine sans paragon. (Leroux, I, 132.)


272. Eine gute Frau zeigt dem Manne den Weg. (Lit.)

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Eine Frau bringt den Mann nie auf den rechten Weg.


273. Eine hässliche Frau ist ein Mittel gegen die Liebe.

Der Russe sagt vom ökonomischen Standpunkte: Eine hässliche Frau verbraucht viel Geld für Schleier. Und: Sie opfert lieber den seidenen Gurt als den wollenen Schleier. (Reinsberg I, 56.) Der Spanier warnt: Nicht um eines Hauses, noch um eines Weinbergs willen nimm eine Frau, die einem Affen gleicht. (Reinsberg I, 109.)

It.: A donna vecchia di non bel sembiante può ben tornar amor, ma non amante. ( Pazzaglia, 132, 33.)


274. Eine häusliche Frau ist eine schöne Frau.

Die Russen sagen: Der Frauen Schönheit ist ihre Häuslichkeit. (Reinsberg I, 154.) Die Lombarden: Die Frau, die still in ihrem Hause bleibt, sei sie auch wenig, dennoch thut sie Grosses. (Reinsberg I, 156.) – Der Kaiser von China, um den Geschäftskreis der beiden Geschlechter (chinesisch) abzugrenzen, erliess unter dem 3. März 1853 unserer Zeitrechnung ein Decret, in welchem es heisst: »Die Männer haben sich um das zu kümmern, was ausser dem Hause vorgeht, und nicht auf das zu hören, was im Hause geschieht. Die Frauen aber haben sich mit den häuslichen Angelegenheiten zu beschäftigen und sich in andere nicht zu mischen. Wir befehlen, dass die Weiber im allgemeinen Frauen genannt werden. Unter keiner Bedingung dürfen sie Gegenstand eines Gesprächs sein. Jeder Zuwiderhandelnde soll ohne Gnade enthauptet werden« u.s.w.


275. Eine junge Frau muss man nicht eher loben, bis man sie einmal überwintert hat.


276. Eine junge Frau ohne Scham, ein Acker ohne Sam', ein junger Gesell ohne Zucht, bringen selten gute Frucht.


277. Eine junge Frau, weiches Brot und grünes Holz richten ein Haus zu Grunde.


278. Eine karge Frau hütet Keller und Schrein.

Holl.: De karige vrouw gaat dikwijls ter kiste. (Harrebomée, II, 418.)


279. Eine kleine Frau hat das Haus gefegt, eh' die grosse den Besen bewegt.


280. Eine kleine Frau hat zehn Späne zusammengelesen, eh' die grosse ergriffen den Besen.

Die Italiener sagen: Eh' die grosse Frau sich gebückt, hat die kleine schon gezückt.


281. Eine kleine Frau scheint immer jung.


282. Eine kluge Frau schützt ihren Mann vor.

Wenn ihr ungebührliche Zumuthungen gemacht werden.


283. Eine launische Frau ist das Fegfeuer im Hause.

Dän.: Den som har en arrig quinde, regner sig i svogerskab med fanden. (Prov. dan., 462.) [⇐1117]


[1118⇒] 284. Eine leichtsinnige Frau sieht den Mann lieber mit den Fersen als mit den Zehen.

Dän.: Ond kone ønsker sin mands hæl til gaarde, og ikke hans taae. (Prov. dan., 354.)


285. Eine liederliche Frau macht einen liederlichen Mann.


286. Eine müssige Frau ist selten tugendhaft.


287. Eine müssige Frau liebt die Tugend wie ein Pfau.

Frz.: Femme oiseuse ne peut être vertueuse. (Kritzinger, 307.)


288. Eine närrische Frau wird an ihrem Kleide erkannt.

Frz.: Femme sotte se connaît à la cotte. (Cahier, 689; Kritzinger, 306.)

Holl.: Eene zotte vrouw kent men aan haar rokje. (Harrebomée, II, 420.)


289. Eine naschhafte Frau sammelt keine sauere Milch.

Dän.: Lekkere kone samler sielden suur melk. (Prov. dan., 381.)


290. Eine reiche Frau im Haus treibt den Frieden aus.

Dän.: Rig hustrue er trætte-tynder. (Prov. dan., 475.)


291. Eine reiche Frau ist ein stolzer Pfau.

Die Russen sagen: Auf der Welt ist nichts elender als eine reiche Frau zu haben. Die Franzosen: Wer die Frau nimmt ihrer Mitgift wegen, kehrt seiner Freiheit den Rücken. Die Czechen: Für Vermögen lud er sich Nichtigkeit auf den Hals. Dann: Der Teufel nimmt das Opfer weg, aber der Altar bleibt. (Reinsberg I, 114.)


292. Eine schöne Frau bedarf der Künste einer Kammerfrau nicht.

Der Begriff einer »schönen Frau« ist aber noch nicht festgestellt. W. Menzel in seiner Reise nach Oesterreich im Jahre 1831 behauptet, es gebe Frauen, an denen alles schön ist und die doch nicht schön seien. Darüber, was sprichwörtlich zu einer schönen Frau gehört, s. Weib.


293. Eine schöne Frau bringt den gescheitesten Mann aus dem Text.

Die Mailänder behaupten, es sei gefährlicher, mit Frauen zu lachen, als mit Männern zu streiten, und setzen hinzu: Wer mit Frauen zu thun hat, verliert den Kopf. (Reinsberg I, 34.) – »Berechnest du auch ganz genau die Rolle, so du übernommen, bei einer schönen klugen Frau wirst du aus dem Concepte kommen.« (L. Schücking, Welt und Zeit, Berlin 1855, Nr. 144.)


294. Eine schöne Frau gewinnt jeden Process.

Frz.: Les belles femmes portent leur gain de cause. (Leroux, I, 149.)


295. Eine schöne Frau gewinnt nicht durch Putz.

Und sie weiss dies auch. Daher sagen die Basken: Eine schöne Frau verabscheut die Verhüllung. Und die Italiener: Eine Frau, die hässlich werden will, muss schön erscheinen wollen. (Reinsberg I, 52.)

It.: Le donne quasi tutte per parer belle, si fanno brutte. (Pazzaglia, 105, 26.)


296. Eine schöne Frau hat immer recht.

Frz.: Femme fort belle rude et rebelle. (Leroux, I, 145.)


297. Eine schöne Frau ist ein eigensinniger Pfau.

Frz.: Veut-on jamais femme belle qui aussi ne feust rebelle. (Leroux, I, 152.)


298. Eine schöne Frau ist ein Himmelstränklein für den Mann.

Holl.: Eene schoone vrouw, eens mans kort leven. (Harrebomée, II, 420.)


299. Eine schöne Frau ist eine halbe Nahrung.

Dagegen die Franzosen: Beauté de femme n'enrichit homme. (Leroux, I, 143.)

Lat.: Pulchritudo uxoris crumenam non implet viri. (Bovill, II, 175.)


300. Eine schöne Frau macht Kopf-, eine hässliche Herzweh.

Dän.: Skiøn kvinde giør tit hoved-vee, en grim giør hierte-vee. (Prov. dan., 363.)


301. Eine schöne Frau sitzt gern müssig zur Schau.

So sehr von der einen Seite schöne Frauen bevorzugt werden, so wenig werden ihre Schattenseiten übersehen. Die schöne Frau ist gewöhnlich eine Nichtsthuerin, sagen die Basken. Die Venetier: Es ist selten, dass ein schönes Mädchen an Körper und Gemüth ganz heil sei. Die Spanier: Die schöne Frau ist entweder thöricht oder anspruchsvoll. Die Russen: Schön wie eine Mohnblume und dumm wie ein ausgebrannter Baumstock. Die Polen: Das Köpfchen wie ein Mohnkopf und an Verstande leer.


302. Eine schöne Frau stirbt nicht am Verstande.


303. Eine schöne Frau und geil ist für jeden Käufer feil.

Holl.: Geile vrouwen, die schoon zijn, heet men juweelen bij het zwijn. (Harrebomée, II, 420.) [⇐1118]


[1119⇒] 304. Eine schöne Frau will jeder küssen.

It.: Chi ha una bella moglie non è tutta sua. (Pazzaglia, 229, 13.)


305. Eine schwatzende Frau redet (macht) den blauen Himmel grau.

In Venetien sagt man: Eine Frau, die nie schweigt, ist ein Satan im Hause. Und in Mailand: Eine Frau, die nie schweigt, ist so schlimm wie vier Teufel. (Reinsberg I, 13.)


306. Eine sorgliche Frau füllt das Haus bis unters Dach.


307. Eine sparsame (haushälterische) Frau ist eine sichere Rente.

Frz.: Bien entretiendra sa maison cil qui a bonne sage femme, mais une folle sans raison rend son hôtel tout infame. (Leroux, I, 143.)

Holl.: Eene zuinige vrouw is een middelbaar pachtgoed. (Harrebomée, II, 420.)


308. Eine sparsame Frau weiss mit wenig hauszuhalten.

In Hindostan sagt man: Eine sparsame Frau macht aus einem Mass Erbsen drei Mahlzeiten. (Reinsberg I, 151.)

Frz.: Femme sage et de façon de peu remplit sa maison. (Leroux, I, 146.)


309. Eine trunkene Frau ist ein gut Recept gegen die Ehe.

Dän.: Drukken kone er en engel i sengen, men dievel i huuset. (Prov. dan., 126.)

Frz.: Femme y vrogneresse de son corps n'est pas maîtresse. (Kritzinger, 306.)


310. Eine tugendhafte Frau ist blind und taub.

Nämlich für verführerische Lockungen.

It.: Una donna da bene non ha nè occhi, nè orecchie. (Pazzaglia, 102, 31.)


311. Eine tugendhafte Frau nimmt keinen zweiten Mann.

Die Chinesen drücken den Gedanken, eine Frau solle sich nicht zum zweiten mal verheirathen, so aus: Eine Frau in einem Hause kann nicht den Reis von zweien essen.


312. Eine verliebte Frau ist mild und führt weniger Lügen im Schild.


313. Eine verständige Frau hat weder Augen noch Ohren.

Auch in Mailand sagt man: Eine kluge Frau sieht nicht und hört nicht. (Reinsberg I, 135.)

Frz.: Femme de bien n'a ni yeux ni oreilles. (Cahier, 688.)


314. Eine verständige Frau ist die Zierde des Hauses.

Frz.: Femme prudente et bien sage est l'ornement du ménage. (Kritzinger, 306.) – Femme sage reste à son ménage. (Cahier, 681.)

It.: Donna prudente è una gioia eccellente. (Pazzaglia, 100, 13.)


315. Eine verständige Frau lässt dem Manne die Hosen.

Holl.: Eene verstandige vrouw weet wel, dat de man de broek aan moet houden. (Harrebomée, II, 420.)


316. Eine verständige Frau macht das Haus, eine Närrin zerstört es.

Die Türken sagen: Die Frau macht das Glück oder den Ruin des Hauses.


317. Eine verständige Frau macht einen glücklichen Mann.

It.: Beato colui, ch' ha femmina savia. (Pazzaglia, 128, 1.)


318. Einer aufgeputzten Frau kehre den Rücken zur Schau.


319. Einer faulen Frau ist's ein guter Behelf, dass sie ein kleines Kind hat.

Dän.: Lad kone und skylder sig gierne med barnet. (Prov. dan., 370.)


320. Einer Frau Arbeit ist nie gethan. (S. Frauenarbeit u. Frauensleute 7.)


321. Einer Frau, die schlecht vom Manne spricht, es selbst an Ehr' gebricht.

Holl.: Als de vrouw kwaad van den man spreekt, dan is zij zelve niet veel. (Harrebomée, II, 418.)


322. Einer Frau, die weint, einem Pferde, das schwitzt, und einem Juden, der schwört, muss man nicht glauben, sonst wird man bethört.


323. Einer Frau ist es keine Ehre, ihren Mann zu beschimpfen.


324. Einer Frau muss man die Jahre nicht nachzählen.


325. Einer Frau muss man nicht alles glauben.

Der Venetianer behauptet sogar: Dem Weibe darfst du nur drei Dinge glauben: Wenn es nicht isst, so hat es schon gegessen; wenn es ein Kind gebärt, so war es schwanger, und wenn es stirbt, so ist es krank gewesen. [⇐1119][1120⇒] Die Mailänder sagen gar: Den Frauen man nur zwei Dinge glauben soll: Wenn sie nicht essen, sind sie voll, und wenn sie sterben, wird es offenbar, dass ihre Krankheit eine wirkliche war. (Reinsberg I, 25.)


326. Einer Frau steht kein Kleid besser als schweigen.Simrock, 2625; Eiselein, 178.


327. Einer Frau und einem Glas drohet jede Stunde was.Eiselein, 179; Steiger, 48.

Span.: La muger y el vidrio siempre están en peligro. (Bohn I, 227.)


328. Einer Frauen Härlein ziehen mehr als ein Glockenseil. (S. Frauenhaar.)


329. Einer reichen Frauen Mann ist Hausknecht.

Span.: Eu casa de muger rica, ella manda siempre, y él nunca. (Bohn I, 221.)


330. Einer reinlichen Frau fehlt es nie an Wasser.

Frz.: Femme salle a tost trouvé de l'eau. (Leroux, I, 147.)


331. Einer schönen Frau fehlt's nie an Verstand.

»Eine hübsche Frau ist (nämlich) gegenüber von Männern nie dumm; sie besitzt die vornehmste Sorte von Geist, welche diese verlangen – Schönheit. Schöne Zähne und Rosenlippen verwandeln die grösste Dummheit in Geist.« (Les femmes d'esprit etc. par P.J. Stahl, Brüssel 1853.)


332. Einer schwangern Frau steht das Grab allzeit offen.


333. Einer verheiratheten Frau und einem gescheiten Kopf fehlt es nie an Bewerbern.


334. Einer vnkeuschen Frawen hüeten vnd ein fliessendes Wasser verstopffen ist verlohren arbeit.Henisch, 1196.

Frz.: Femme deshontée met son pain au four. (Leroux, I, 145.)


335. Einer wirthschaftlichen Frau wächst der Speck am Balken.

Die Spanier sagen: Ist die Frau wirthlich, kann ihr der Mann sterben, das Haus geht nicht mit ihm zu Grunde. (Reinsberg I, 150.)

Dän.: Naar hustruen vel holder huus, voxer flesket paa bielken. (Prov. dan., 318.)


336. Einer zänkischen Frau gehört ein eichener Mann.


337. Eitle Frauen und Gänse drehen gern die Schwänze.


338. En âl Frâ on en âl Kuh, die lehr1 neisd mieh zu. En âle Mân on en âl Pährd, die sei noach immer ebbes2 währd. (Trier.) – Firmenich, III, 546, 27.

1) Lernen.

2) Etwas.


339. En Frau es (ist) e got Tüdderhault1. (Solingen.) – Firmenich, I, 442, 12.

1) Man versteht darunter dasjenige Holz, womit Kühe auf der Weide festgemacht werden, dass sie sich nur in einem kleinen Bezirk bewegen können.


340. En hübsche Fru is en gefährli Stück Möbel. (Rendsburg.)


341. En ôle Fro' un en ôle Koh, de kann 'n brûken bet an är Enn'1 hanto; man2 en ôlen Keerl un en ôlt Pärd sund de Stä3 nich werth. (Stadland in Oldenburg.) – Firmenich, III, 25, 28; Weserzeitung, 4057.

1) Bis an ihr Ende.

2) Aber.

3) Stelle.


342. Enne jedere Frugge lôwet erre Eggere. (Waldeck.) – Curtze, 330, 196.


343. Es gehet nicht leicht ein Fraw aussm Hauss, sie hab denn zuvor in Spiegel gesehen. Lehmann, 799, 30.

»Also sollen wir vnser thun vnnd lassen vor dem Spiegel der vernunfft stellen, vnd wol betrachten, die mengel bessern vnnd die vernunfft lassen rathgeb sein.«


344. Es gibt drei Sorten Frauen unter der Haube wie unter dem Hute: liederliche, heil'ge und gute.


345. Es gibt manche Fraw jhrem Mann ein Kind, wer es ein Ganss, so were nicht ein feder dran sein.Lehmann, 399, 23.


346. Es gibt nur Eine gute Frau und jeder meint, er habe sie.

Die Spanier behaupten: Die guten Frauen sind die begrabenen. Bis zum Grabe gibt's nicht eine gute. (Reinsberg I, 158.)


347. Es gibt wieder eine andere Frau, aber nicht vor Ostern, sagte der Schwab, als ihm die seine am Charfreitag gestorben war. Kirchhofer, 349. [⇐1120]


[1121⇒] 348. Es hat nicht eine fraw alle Schlüssel.Henisch, 1197.

Holl.: De sleutels hangen niet aan een' vrouwen aars. (Harrebomée, II, 419.)


349. Es ist besser Frauen begraben, als zur Kirche führen.


350. Es ist eine üble Frau, ohne die man nicht leben will, und mit der man nicht leben kann.

Dän.: Ond hustru hvilken man kand hverken være hos eller fra. (Prov. dan., 317.)

Lat.: Nec sine te, nec tecum vivere possum. (Faselius, 159; Wiegand, 875.)


351. Es ist keine Frau besser, als die am Spinnrocken.


352. Es ist keine Frau, sie hat ihre Mucken.


353. Es ist keine Frau, sie liebt den Spiegel.

Holl.: Eene vrouw versiert zich van nature gaarne. (Harrebomée, II, 420.)


354. Es ist leicht, eine schöne Frau zu bekommen, aber schwer, schön zu behalten.Simrock, 9175.


355. Es ist nur eine böse (gute) Frau; aber jeder meint, er habe sie.Simrock, 2620.

Im Aachenschen: Et get (gibt) märr eng (nur eine) büs Frau op der Welt, märr (aber) en jedder glöift, he hütt' se. (Firmenich, I, 492, 66.) – In Frankfurt a.M. jüdisch-deutsch: Es get nur aan böse Fraa uf der Welt, jeder Mann maant, es wär seine. (Tendlau, 735.) – Der Engländer dagegen sagt: There is one good wife in the country, and every man thinks, he has her.


356. Es ist offt armer Frawen vnglück, wenn sie schön sein.Lehmann, 705, 20.


357. Es kostet einer Frau die Augen nicht, wenn der Mann stirbt. (S. 532.)

Dän.: Faa kvinder graane for deres mands og børn for deres faders død. (Prov. dan., 365.)


358. Es lehrt die Fraw wol das Netz pletzen (flicken) wan der Man (Meister) nicht zu hauss ist.Gruter, III, 35; Lehmann, II, 157, 168.


359. Es meynt ein jede Frau, ihr Kind sey ein Pfau.Sutor, 591; Simrock, 5592; Reinsberg VII, 34.


360. Es sind weise Frawen, die in volle Heuser kommen.Petri, II, 295; Henisch, 1196.


361. Et es ka Fra su faul und krank, se hot den Mertestag ihren Strank. (Nassau.) – Kehrein, VIII, 234; hochdeutsch bei Schmitz, 177, 5.

Es ist keine Frau so faul und krank, sie liefert Sanct-Martin einen Strang.


362. Et gift tweerlei Froens; de êne hort to dat Göse- un de annere to dat Höhnergeslecht, denn de êne hallt tohope un de annere kratzt utenanner. (S. 559.)Köster, 252.


363. Et is kenne Frugge sau rîke, se is midde enner Koh te verglîke. (Waldeck.) – Curtze, 424, 120; für Holstein: Schütze, I, 311; für Mecklenburg: Latendorf, 225; für Seehausen: Firmenich, III, 123, 34; für Hannover: Schambach, 41; für Altmark: Danneil, 206.

Es ist keine Frau so reich, sie ist einer Kuh gleich. Die reichsten und vornehmsten der Frauen haben, was die natürlichen Verrichtungen des Lebens betrifft, wie z.B. das Gebären, vor den Aermsten ihres Geschlechts, ja vor den Thieren keinen Vorzug. Namentlich um zu sagen, dass die Schwangerschaft der Frau so lange dauert wie die der Kuh. (S. 558.)

364. Et jövt mar1 ên bües Frau, mar malk2 ment, hä höt se. (München.) – Firmenich, III, 517, 67.

1) Nur.

2) Jeder.

Dän.: Der er kun en ond kone i verden, og hver meener at have den. (Prov. dan., 354.)


365. Fiyne Frugge, fiynen Mann; sett se up'n Disk un iet dervan. (Büren.)


366. Fleissige Frau, faule Magd.

Holl.: Eene goede vrouw, eene luije meid. (Harrebomée, II, 419.)


367. Frau, lass ihn ein, er ist mir ähnlich, sagte der Mann.Hoefer, 738.

Holl.: Vrouw, laat hem in, hij is mij zeer gelijk. (Harrebomée, II, 423.)


368. Frau und Fraus sind verwandt wie Ratt' und Maus.Parömiakon, 1264.

It.: Se più che peli avesse occhj il marito, non potria far che non fosse tradito.


369. Frau und Garten lassen sich nur von Einem Herren warten.


370. Frau und Kinder sind laufende Rechnungen. [⇐1121]


[1122⇒] 371. Frau und Magistrat haben vom Himmel ihr Mandat.

Sind von ihm bestimmt, sind »von Gottes Gnaden«.


372. Frau und Mond leuchten mit fremdem Licht.

Dän.: Hustruen han sit lys of manden som maanen af solen. (Prov. dan., 318.)


373. Frau und Schiff gerathen bald auf ein Riff.


374. Frau und Tod bestimmt Gott.


375. Frauen, alte Esel und Ziegen nehmen das Schlechte und lassen das Bessere liegen.

Die Ziegen klettern auf die steilsten Abhänge, Esel suchen den Rand der Strasse; und von den schönen Frauen behauptet man, sie nähmen gern die dümmsten Männer.


376. Frauen, Amt und Alter sind ein schweres Malter.


377. Frauen, die in der Woche tanzen und minnen, müssen Sonntags spinnen.


378. Frauen, die nicht gern spinnen, geben gute (Gast-) Wirthinnen.


379. Frauen, die nicht widersprechen, und Hühner, die goldene Eier legen, sind seltene Vögel.

Der jüdische Philosoph Salomon Maimon lebte in stetem Unfrieden mit seiner Frau, wiewol sie hundert Meilen weit auseinander waren. Einst mahnte sie ihn in einem Briefe an seine Rückkehr. Er antwortete ihr: »Liebe Frau, ich bin nicht klug. Denn schreibe ich: Du bist nicht klug, so liest du: ich sei nicht klug. So aber schreibe ich: Ich bin nicht klug, und du liest nun ganz richtig: Du bist nicht klug.« (Preuss. Hausfreund, Berlin 1810, Nr. 30, S. 396.)


380. Frauen, Esel und Nüsse verlangen derbe Küsse. (S. 689 u. 690.)

Ueber das hier angedeutete Disciplinarmittel in der Ehe sind die Ansichten sehr verschieden. Die Franzosen meinen, die Frauen seien zu süss, sie müssen gesalzen werden. Die Walachen, eine ungescholtene (ungeschlagene) Frau gehe schwer wie eine unbeschlagene Mühle. Die Litauer behaupten, ein durchstampftes Fell sei weicher und eine durchstampfte Ehefrau stiller. Die Polen: Eine Nuss, ein Stockfisch und ein junges Weib müssen geschlagen werden, sollen sie gut sein. Die Sardinier: Knaben, Esel und Frauen thun nichts ohne Sporn. Die Toscaner sagen: Frauen, Esel und Nüsse verlangen eine harte Hand. Die Russen dagegen: Klopfe deinen Pelz aus mit Hitze, dein Weib aber mit Sanftmuth. (Reinsberg I, 172.)


381. Frauen fahen selten das Beste an.


382. Frauen, Gunst und Geld machen aus Eseln Ritter in der Welt.


383. Frauen haben keinen Bart, sind aber alle von einer Art.

Holl.: De vrouwen zijn van éénen aard. (Harrebomée, II, 419.)


384. Frauen haben lange Kleider und kurzen Muth. (S. 95.)Reinsberg I, 27.


385. Frauen haben stets die Religion ihres Buhlen (Gatten, Geliebten u.s.w.).

»Die Bekehrung der Weiber ist stets die natürlichste und einfachste Sache von der Welt, denn eine Frau wird doch immer von der Religion ihres Liebhabers sein, und der Liebe, als dem grossen Missionar, folgen, dem nicht zu widerstehen ist.« (Th. Mundt, Krim-Girai, Berlin 1855, S. 204.)


386. Frauen haben unter der Masche stets eine Schachtel mit Thränen in der Tasche.


387. Frauen ist selten zu trauen.


388. Frauen, Katzen und Mücken brauchen die meiste Zeit sich zu schmücken.


389. Frauen kommen nie zu spät nieder, sie heirathen nur nicht immer früh genug. (S. 452.)Eiselein, 181.


390. Frauen kommen, um zu schauen und geschaut zu werden.

Lat.: Spectatum veniunt, veniunt spectentur, ut ipsae. (Philippi, II, 196.)


391. Frauen lachen, wenn sie können, und weinen, wenn sie wollen. (S. 98.)

Die Frauen sollen die Kunst verstehen, das Gesicht in ernste Falten zu legen, nach Umständen mit Thränen zu überziehen und dabei innerlich zu lachen. In Venetien sagt man: Die Frau jammert, die Frau klagt, die Frau wird krank, wenn's ihr behagt; aber, wie die Franzosen wissen wollen, auch wieder gesund, wenn sie's der Jungfrau Maria gibt kund. Aehnlich in Toscana: Die Frau ist froh, wird traurig und stille, und lacht und weint, sobald es ihr Wille. (Reinsberg, I, 21.)

Frz.: Femme rit quand elle peut, et pleure, quand elle veut.

392. Frauen ohne Zucht sind Bäume ohne Frucht. [⇐1122]


[1123⇒] 393. Frauen, Pfauen und Pferde sind die drei stolzesten Thiere der Erde.

Holl.: Vrouwen, paauwen en paarden zijn de trotschte dieren der aarde. (Harrebomée, I, 6.)


394. Frauen, Pferd und Uhren soll man nicht verleihen.Pistor., IX, 33; Simrock, 6335; Reinsberg I, 140.


395. Frauen schlagen (selbst) dem Teufel ein Schnippchen.


396. Frauen sind, als wie man seit, bös Hüterin der Heimlichkeit.Eiselein, 181.

Lat.: Tota sum rimata, huc atque illuc perfluo. (Eiselein, 181.)


397. Frauen sind Netze, zu fahen männliche Spätze.

Holl.: Vrouwen zijn de angels, om mannen aan te vangen.


398. Frauen sind schwache Gefässe, die man binden muss, sagte der Böttcher, als er seine Frau mit einem Reifen schlug.

Holl.: De vrouwen zijn zwakke vatten, daarom leg ik er een' band om, zei de kuiper, en hij roste zijne vrouw. (Harrebomée, I, 30.)


399. Frauen sind schwer zu durchschauen.

Die Inder sagen: Willst du die Reinheit des Goldes prüfen? Reibe es auf dem Probirstein. Oder die Stärke des Ochsen? Belade ihn. Oder die Natur eines Menschen? Belausche ihn Oder die Gedanken einer Frau kennen? Dafür gibt's kein Urtheil. (Cahier, 2222.)


400. Frauen sind Wetterfahnen.

Die Chinesen sagen: Der Frauen Geist ist wie Quecksilber und ihr Herz wie Wachs. (Reinsberg I, 32.)

Holl.: Vrouwen zijn twijfelmoedig van harte. (Harrebomée, II, 423.)


401. Frauen sind wie Kastanien, schön von aussen und schlecht im Innern.

Frz.: La femme est comme une chataigne: belle en dehors, mauvaise en dédans. (Kritzinger, 307.)

It.: La donna è come la castagna: bella di fuori; dentri è la magagna. (Kritzinger, 307.)


402. Frauen sollen sprechen, wenn die Hühner pissen.

Frz.: Femme à son tour doibt parler quand la poule va uriner. (Leroux, I, 144.)

403. Frauen sprechen die Wahrheit zwar, aber immer nur die Hälfte, nie gar (ganz, vollständig).


404. Frauen und Aepfel sind auswendig schön, inwendig aber wurmstichig.


405. Frauen und Birnen sind gut, wenn man wenig von ihnen hört. (S. 560.)

Die Birne ist gut, wenn sie ein weiches, zerfliessendes Fleisch besitzt, nicht knirscht, wenn sie zwischen die Zähne kommt. Die Frauen sind aber noch seltener als die Birnen, die obiger Anforderung entsprechen.

Holl.: Vrouwen en peren, die niet kraken, die plegen allerbest te smaken. (Harrebomée, II, 423.)


406. Frauen und Coteletten werden um so besser, je mehr man sie klopft. (S. 380.)


407. Frauen und Dohlen werden um so schwärzer, je mehr man sie wäscht.


408. Frauen und Drachen sind am besten in der Erde.


409. Frauen und Eier, je mehr geschlagen, je besser werden sie. (S. 380.)


410. Frauen und Geld regieren die Welt.Venedey, 79; Körte, 1482; Simrock, 2640.

Frz.: Ce que femme veut, Dieu le veut.


411. Frauen und Gewehre kann man zeigen, aber nicht verleihen.


412. Frauen und Gläser schweben in steter Gefahr.


413. Frauen und Hühner, gehen sie fern, so nimmt sie der Habicht gern.

Frz.: Poule ou femme qui s'écarte, se perd. (Cahier, 670.)

Holl.: Vrouwen en hennen, als zij ver van huis gaan, dolen ligt. (Harrebomée, II, 433.)

Span.: La muger y la gallina por mucho andar se pierde aína. (Cahier, 3558.)


414. Frauen und Katzen gehören ins Haus. (S. 421.)

Kant sagte: »Eine Frau muss sein wie eine Schnecke, – häuslich, und auch nicht wie eine Schnecke – nicht alles, was sie hat, an ihrem Leibe tragen.« (Preuss. Hausfreund, Berlin 1810, S. 400.)


415. Frauen und Kirschen färben sich zu ihrem Schaden.

Wenn die Kirschen sich färben, so bricht man sie; und Frauen, die sich schminken, werden als eitel getadelt.

It.: La donna e la cerasa mal per loro s'imbellettano.(Pazzaglia, 102, 23.)


416. Frauen und Könige glauben, dass ihnen alles gehöre. [⇐1123]


[1124⇒] 417. Frauen und Leinwand muss man nicht beim Licht besehen.

Dän.: Kvinder og lærred skal man ei kiøbe ved lys. (Prov. dan., 364.)

Frz.: Il ne faut prendre ni femme ni étoffe à la chandelle. (Cahier, 678.)


418. Frauen und Maulthiere gehorchen leichter (lieber) dem Kosen, als dem Tosen.

Man richtet mehr aus bei ihnen mit Güte, Milde, Sanftmuth, als mit roher Behandlung und Härte.


419. Frauen und Melonen sind schwer zu erkennen.

Dän.: Kvinder og melonen ere onde at kiende. (Prov. dan., 364.)


420. Frauen und Mönche thun nicht gut auf der Strasse.


421. Frauen und Oefen müssen daheim bleiben. (S. 414.)


422. Frauen und Pfaffen können niemand verzeugen.Graf, 456, 505.

Weil sie unfähig zum Gerichtsstand waren, so waren sie im allgemeinen auch unfähig ein Zeugniss vor Gericht abzulegen.


423. Frauen und Pferde sind betrügliche Waare.

Frz.: En femmes et chevaux souvent on se méprend, tel pense avoir bien fait, qui bientôt s'en repend. (Kritzinger, 306.)

Holl.: Vrouwen, wijn en paarden, dat is koopmanshoop van tarra. (Harrebomée, II, 423.)


424. Frauen und Pferde sind nie ohne Fehler.

Frz.: Des femmes et des chevaux il n'en est point sans défauts. (Cahier, 391.)


425. Frauen und Priester sind die schlimmsten Biester.


426. Frauen und Schwerter wollen gebraucht werden, sonst rosten sie.

Holl.: Wapenen, vrouwen en boeken behoeven dagelijksche behandeling. (Harrebomée, II, 423.)


427. Frauen und Uhren gehen selten richtig.

Kant sagte einmal in einer Gesellschaft: »Eine Frau muss sein wie eine Thurmuhr, pünktlich, und auch nicht wie eine Thurmuhr, nicht alle Geheimnisse laut ausplaudern.« (Preuss. Hausfreund, Berlin 1810, S. 400.) Die Lombarden sagen: Frauen und Uhren machen Aerger und Noth. (Reinsberg I, 100.) Die Türken halten die Frau für besser als die Uhr. (Cahier, 2649.)


428. Frauen und Verschwiegenheit sind so gern beieinander wie der Teufel und das Weihwasser.


429. Frauen und Wagen neigen sich dahin, wo man am meisten hineinthut. (S. Frauendienst 2 u. Frauengunst 2.)

Die Mailänder sagen, diese Neigung bezeichnend: Frauen weisen weder Briefe noch Geschenke zurück. (Reinsberg I, 134.)


430. Frauen und Wein wollen mit Mass genossen sein.

Die Frauen und der Wein, sagen die Spanier, berauben den Mann der Vernunft. (Reinsberg I, 39.)

Holl.: De wijn en de vrouwen zijn gevaarlijke klippen. (Harrebomée, II, 419.)


431. Frauen und Ziegen wollen einen langen Strick.

Nicht zu strenge Ueberwachung.


432. Frauen verlieren beim Feste den Kopf sammt dem Neste.


433. Frauen verschweigen alle Geheimnisse, die sie nicht wissen.

Frz.: Une femme ne cèle que ce qu'elle ne sçait pas. (Leroux, I, 152.)

Holl.: Der vrouwen heimelijkheden zijn gespleten, zij zwijgen wel, wat zij niet weten. (Harrebomée, II, 419.) – Men zal eener vrouw niets heimelijk zeggen, want zij kan niet zwijgen. (Harrebomée, II, 422.)

It.: Quello che sanno le donne resta nascosto come l'oglio in un drappo di lana. (Pazzaglia, 102, 32.)


434. Frauen, Wind und Glück wechseln im Augenblick.


435. Frauen, Wind und Mondenschein täglich anderer Laune sein.

Um die Veränderlichkeit der weiblichen Neigungen zu charakterisiren, sagen die Franzosen: Die Frauen sind von Natur flüchtig. Sie kommen und gehen wie der Cyperwein. Die Venetianer: Frauen wechseln wie der Mond. Sie haben mehr Launen als Locken. Die Bergamasken: Die Frauen haben mehr wunderliche Einfälle als Haare auf dem Kopfe. Die Basken: Der Sinn der Frau ist leicht wie Mittagswind. (Reinsberg I, 31.)

Frz.: Femme varie comme la lune, aujourd'hui claire, demain brune. (Kritzinger, 307.)


436. Frauen wollen immer das letzte Wort haben.

Mitunter auch sogar das erste.

Holl.: De vrouwen willen altijd het laatste woord hebben. (Harrebomée, II, 419.)


437. Frawe hat in sich froh vnd wehe. (S. 247.) Gruter, III, 38; Lehmann, II, 176, 32.

Mhd.: Durch fröude frouwen sint genant: ir fröude fröuwet elliu lant. (Freidank.) – Daz vröuwen an in ist bekant, [⇐1124][1125⇒] des sint si vrouwen genant. (Stricker's Frauenehre.) – Vrouwe der name hoeret vrouwen an, die mit tugenden vröuwen âne wê die heiz ich vrouwen. (Frauenlob.) – Die vrouwe vröuw unde unvröuwet maniger muoter kint. (Sunnenburg.) (Zingerle, 35.)


438. Frawen, ampt vnd alter soll man ehren. Henisch, 1196.

Eine gute Frau ist aller Ehren werth, sagen die Araber. (Reinsberg I, 161.)


439. Frawen, die zu nacht auff Gassen gahn, vnd den Gesellen Klipplein schlan, vnd die viel Tantzen und viel trincken, die lassen alle den Hund gern hincken.Petri, II, 313.


440. Frawen haben lange haar, kurtze sinn (Muth), wers nicht glaubt, der werd es inn. (S. 97 u. 120.)Guter, III, 38; Bacmeister, 70, 182; Lehmann, II, 176, 33; Simrock, 2633 – 34; Venedey, 80; Körte, 1496.

Mhd.: Ich hort ie sagen, daz ist wâr: vrouwen die haben langez hâr, dâ bi einen kurzen sin. (Reiger.) – Vrouwen die habent kurzen muot, saget man, und langes hâr. (Heidin.) – Die vrouwen haben langez hâr und kurz gemüete, daz ist wâr. (Rädlein.) – Kurzen muot unt langez hâr habent die meide sunderbâr. (Renner.) – Langez hâr und kurzen muot spricht man, suln die vrowen hân. (Teichner.) (Zingerle, 35.)

Holl.: Vrouwen hebben lanc cleder ende corten moet. (Tunn., 25, 1; Harrebomée, II, 423.)

Lat.: Sub longis tunicis brevis est animus mulieris. (Fallersleben, 773.)


441. Frawen hüten ist ein vergeben arbeyt. (S. 45 u. 579.)Franck, I, 25b; Lehmann, II, 172, 11.

Mhd.: Swer der frouwen hüetet, dem künd ich den ban. – Wer überig huot an sîn wîp leit, der verliuset michel arbeit. – An swachen frowen ist alle huote gar verlorn. (Zingerle, 37.)


442. Frawen soll man loben, es sey wahr oder erlogen.Henisch, 1196.


443. Frawen vnd Jungfrawen soll man loben, es sei wahr oder erlogen.Lehmann, 869, 2; Luther, 205; Simrock, 2638; Eiselein, 181.

Auch der Araber rechnet die Frau zu den Dingen, denen man nur Angenehmes sagen müsse (s. Ding 1188). In Mailand sagt man: Einer Frau thut man nie den Schimpf an, ihr zu sagen, sie sei alt oder hässlich. (Reinsberg I, 3.) Und in Bergamo ist man der Ansicht: Wer einer Frau sagt, sie sei hässlich, begeht eine Sünde, die nie vergeben wird. (Reinsberg I, 4.)


444. Frô up den Disk, Geld in der Kist. (Ostfries.) – Frommann, V, 428, 471; Goldschmidt, 126; Eichwald, 577.

Wenn die erste Frau auf dem Todtenlager, so kommt durch die Ausstattung der zweiten Geld in die Kiste.


445. Frôens Dôd un Elnbagens Stot1 dei lîk2 weh.Eichwald, 578; Frommann, V, 428, 472; Eichwald, 558.

1) Stoss.

2) Gleich. – Der Tod der Frau ist im ersten Augenblick wol sehr unangenehm, jedoch der Schmerz verliert sich bald.

Dän.: Naar hustruen døer, er det for manden som han stødte sin albue. (Prov. dan., 318.)

Holl.: Eener vrouwe dood is eens mans elleboogstoot. (Harrebomée, II, 420.)

It.: Doglia di donna morta dura fino alla porta. (Cahier, 2902.)


446. Frömmelnden Frauen ist niemals zu trauen.


447. Frû to hêten un nix to genêten, dat schull den Hagel1 verdrêten.Eichwald, 574.

1) Glimpfform für Teufel.


448. Gelehrte Frauen sind unangenehm zu schauen.

In Venetien ist man ebenfalls gegen sie eingenommen. (Reinsberg I, 125.) – »In Frankreich«, sagt Madame de Girardin, »sind alle Frauen geistreich, die Blaustrümpfe (s.d.) ausgenommen.« (Vgl. Le Bien qu'on a dit des femmes, par Em. Deschaud, Brüssel 1855.)


449. Gelt, Frau, ich such' dich nicht?Tendlau, 1046.

Um zu sagen: Das Verlangen, das du bei mir voraussetzest, kam mir nicht in den Sinn. Eine Frau hatte sich in der Erwartung versteckt, ihr Mann werde sie suchen, der aber an seine Arbeit ging.


450. Geschminkte Frauen und geschäfelter Himmel sind nicht von langer Dauer.

Frz.: Temps pommelé, pomme ridée, femme fardée, courte durée. (Cahier, 693.)


451. Geschmückte Frauen sind alle schön.


452. Gross frawen gebeeren inn dreyen monaten.Franck, I, 19b; Petri, II, 358; Henisch, 1196; Guter, I, 45; Eiselein, 189; Sailer, 102; Wurzbach II, 112; Simrock, 2645.

Angesehenen Personen wird alles zum Besten gedeutet; eher müssen Naturgesetze irren, ehe sie fehlen können. Franck (I, 19b) bemerkt zu diesem Sprichwort: »Den Reichen legt man all ding wol auss, [⇐1125][1126⇒] also wan sie zornig sindt, so sindt sie ernsthafft vnd streng; vol sind die herren fröhlig vnnd guter ding. Als Liuia mit Augusto 3 wochen hochzeyt hett gehabt, gebar sie Claudium Tiberium, nyemandt aber dorfft sagen. Da kam das Sprichwort vff: die Reichen hetten das glück, das sie im dritten monat gebern. Wir sagen: Grosser herren hennen legen eyr mit zweyen dottern. Der herrn scheyss stinkt nitt.« Aehnlichen Ursprungs soll die vor einigen Jahren in Belgien sprichwörtlich gewordene Rede sein Eine Kaiserin kann auch ohne Niederkunft Mutter werden. (Reinsberg VII, 14.) Der Volkshumor hat übrigens denselben Gedanken noch auf andere Verhältnisse angewandt. (S. Herr.) Bei den Russen scheinen die »grossen Frauen« weniger begünstigt, denn sie haben das Sprichwort: Grosse Frauen haben schwere Geburten.

Dän.: Kone kand vel gaae over sin regning, men ei over sin tid. (Prov. dan., 354.)

Frz.: A Bulles en Bullois, les femmes quelquefois accouchent au bout des trois mois; seulement la première fois. (Reinsberg V, 146.)

Lat.: Felicibus sunt et trimestres liberi (filii). (Gaal, 492; Eiselein, 181; Philippi, I, 152.)


453. Gute Frau und böses Bein sollen nicht auf der Strasse sein.

Holl.: Is uwe vrouw goed en uw been kwaad, houd ze beide van de straat. (Harrebomée, II, 422.)


454. Hässliche Frauen lieben schöne Kammerjungfern nicht.

Holl.: Jonge vrouwen, die niet schoon zijn, hebben gaarne leelijke kamenieren. (Harrebomée, II, 422.)


455. Hat die Frau das Waschen und Backen, so halte dich fern von ihren Hacken.

Die Mailänder sagen: Hat die Frau die Wäsche, so bleib vierzig Meilen fern. (S. 590 u. 615.) (Reinsberg I, 138.)


456. Hat die Frau für den Ofen keinen Stummel (Holz), so summt sie wie eine Hummel.


457. Hat 'ne Frau 'ne schwachen Mann, so hat sie auch gleich die Hosen an.