Krämer

1. An der Krämer Schwören soll sich niemand kehren.Pistor., V, 20.

Böhm.: Kupecké vĕrováni a ženský pláč na korec es nemĕrî. (Čelakovsky, 329.)

Lat.: Phoenicum pacta. (Erasm., 426; Tappius, 102b; Binder I, 1361; II, 2568.)


2. An iada Gröma lobt sein Woa. (Niederösterreich.) – Frommann, III, 391, 50.


3. Bei Krämern lernt man kaufen, bei Säufern lernt man saufen, bei Lahmen lernt man hinken, bei Trinkern lernt man trinken. Eyering, I, 200; Simrock, 5542.


4. Bis sich der Krämer (jüdisch: Soocher) besinnt, besinnt sich der Zöllner (Mohsin) aach. Tendlau, 880.


5. Das ist ein kluger Krämer, der den Darm theurer verkauft als die Wurst.


6. Der Krämer bester Gewinn ist der Betrug.


7. Der Krämer ist nicht anders als der Kram.


8. Der Krämer raucht den schlechtesten Taback.


9. Der Krämer vnnd Wucherer Gedancken stecken stets im Geltsack.Lehmann, 254, 20.


10. Der Krämer Wagen und Pflug ist Betrug.


11. Die Krämer kennen einander.

Holl.: Twee kramers kennen malkander wel. (Harrebomée, I, 248b.)


12. Ein hungriger Krämer lobt auch seine schlimmste Waare.

Lat.: Cilix haud facile verum decit. (Seybold, 75.)


13. Ein ieder Kramer lobt seine war.Petri, II, 201; Lehmann, II, 148, 39; Gaal, 1039; Sutor, 415; Pistör., V, 19; Bücking, 133; Eiselein, 393; Mayer, II, 36; Simrock, 5896; Braun, I, 1978; Masson, 365.

Engl.: Every man likes his own things best. (Gaal, 1351.)

It.: Ognun loda il suo mestiero. (Gaal, 1351.)

Lat.: Laudat venales, qui vult extrudere merces. (Binder I, 855; II, 1636; Schonheim, L, 3; Frobenius, 412; Eiselein, 393; Gaal, 1039; Philippi, I, 220; Seybold, 274.) – Malum est, malum est, dicit omnis emtor et cum recesserit, tunc gloriabitur. (Sutor, 415.)

Span.: Lada buhonero alaba sus agujas. (Bohn I, 206.)

Ung.: Minden, czigánya mag a' lovát dicséri. (Gaal, 1039.)


[1572] 14. Ein Kramer der nicht gerne leugt, ein Jud der niemand betreugt, ein Wasser das ohn Schaden fleust, ein Wolff der kein Schaff zureist vnd ein Wucherer ohn Geld sind fünff Merwunder in der Welt.Petri, II, 210.


15. Ein Kramer kann sich schwerlich hüten für vnrecht.Petri, II, 210.


16. Ein Kramer muss seiner War das Wort reden, sie kans selber nicht.Petri, II, 210.


17. Ein Kramer schemet sich, ledig wider zu kommen.Petri, II, 210.


18. Ein Krämer, der nicht Mausdreck für Pfeffer einschwatzen kann, hat sein Handwerk nicht wohl gelernt.Eiselein, 393; Simrock, 5899; Braun, I, 1980.

Die Russen: Mit vielem Loben vertauscht ein Kluger wol die Borsten gegen das Schwein. (Altmann VI, 444.)


19. Ein Krämer kan bald sehen, was er vor ein Kauffmann vorm Kram hat.Lehmann, 77, 42.


20. Ein Krämer macht keinen Jahrmarkt.Parömiakon, 345.


21. Ein Krämer neidet den andern. (S. Bettler 91 u. 94.)

Frz.: Gens de mesme estat gens envieux. (Leroux, II, 226.)


22. Ein Krämer ohne Verstand kommt bald ausser Land. (S. Kaufmann 31.)


23. Ein Krämer versäumt nicht leicht einen Markt.Pistor., VIII, 2; Simrock, 5905.


24. Ein schlechter Krämer, der seine (eigene) Waare veracht't.


25. Es ist ein schlechter Krämer, der nicht Mäusedreck für Pfeffer verkaufen kann, sagte der Ablassmönch.Klosterspiegel, 32, 3.


26. Es legt kein kramer von eins kauffmans (Käufers, Kunden) wegen auss.Franck, II, 70a; Gruter, I, 37; Petri, II, 284; Lehmann, 399, 7; Eiselein, 393; Simrock, 5904; Körte, 3525; Reinsberg III, 48.

»Ein Krämer, der will haben feil, der bindt nit uf sin Sak und Seil, dass einer von ihm kouf allein, wann er ufbindt, wart(et) er der Gemein.« Die Russen: Um Eines Herings willen wird keiner Fischhändler genannt. (Altmann VI, 417.)


27. Es sind nicht die grossen Krämer allein, welche die Messe machen.


28. Für einen Krämer ist's ein Glück, wenn er auf einem Fuss lahm ist.


29. Gehe hyn, werd ein kramer, ein schalck, sagt der hencker zu seinem knecht.Agrcola I, 226; Egenolff, 124a; Eyering, II, 55; Lehmann, 421, 75; Eiselein, 393; Sailer, 143; Simrock, 5901.

Nach diesem Sprichwort muss in deutschen Ländern die Krämerei für so unehrlich gehalten worden sein, als in vieler Augen noch diese Stunde das Amt des Henkers ist. »Dem Krämergeiste«, bemerkt Sailer (a.a.O.), »thut man auch nicht unrecht, wenn man ihn für ehrlos hält. Und wenn eine ganze Nation von dem Krämergeiste beseelt sein könnte, so würde ich sie für die verdorbenste halten müssen.« Denselben Abscheu ob dem Krämergeiste drücken auch andere Sprichwörter aus, in denen die Krämer sich in einer Gesellschaft befinden, die symbolisch ist. (S. Bettler 69 u. Hund 33.)


30. Jeder Krämer hält seinen Laden für den schönsten.

Böhm.: Můj krám jest nejpĕknĕjší. (Čelakovsky, 245.)

Poln.: Každemu zwoje najpiękniejsze. (Čelakovsky, 245.)


31. Jeder Krämer lobt seinen Kram.Körte, 3523.

Holl.: Elke kramer prijst zijne waaren aan. (Harrebomée, I, 448b.) – Elke mars kramer staat voor zijne kram. (Harrebomée, I, 446 b.)

Lat.: Laudat venales quos vult extrudere merces.

Schwed.: Hwar kiöpman roosar sina wahror. (Grubb, 354.)


32. Jeder Krämer ruft in seine Bude.

Holl.: Elk kramer moet zijne mars dragen. (Harrebomée, I, 448b.)


33. Jeder Krämer trägt seine eigene Hocke.

Engl.: Let every pedlar carry his own burden. (Bohn II, 16.)

Frz.: Chacun mercier portera son panier. – Chacun mercier prise ses aiguilles et son panier. (Leroux, II, 103.)


34. Kein kramer verspricht sein eigen wahr.Henisch, 831, 11; Petri, II, 417.


[1573] 35. Kein Krämer gedeiht zu Hause.

Lat.: Impiger extremos currit mercator ad Indos, per mare pauperiam fugiens, per saxa, per ignes. (Horaz.) (Philippi, I, 190.)


36. Kleine Krämer, kleine Körbe (Hocken, Butten).

Frz.: A petit mercier, petit panier. (Gaal 279; Leroux, XII, 103; Cahier, 1232.)

Holl.: Kleine kramer, kleine kraam. (Harrebomée, I, 446b.)


37. Kleine Krämer treiben keinen grossen Handel.

Holl.: Ligte kramers drijven geen' zwaren handel. (Harrebomée, I, 449a.)


38. Kramer habens für ein rechtmässigen gewin, dass sie sich mit ander Leut schaden bereichen.Lehmann, 414, 7.


39. Krämer, die nach dem Markte kommen (wenn die Kaufleute fort sind), werden nicht reich.

Aber sehr bald und leicht arm.


40. Krämer, die wenig Wahren haben, machen gross gesperr, dass sie den grossen gleich sehen.Lehmann, 263, 36 u. 714, 3.


41. Krämer liegen gern.Franck, I, 51b; Lehmann, II, 315, 67; Petri, II, 426; Körte, 3522.


42. Krämer schwören ums Geld, wie's ihnen gefällt.


43. Krämer und Käufer messen (wägen, zählen) verschieden.

Die Russen: Zählt der Krämer, gehen neun aufs Zehnt; rechnet der Käufer, gehen elf darauf. (Altmann VI, 493.)


44. Loep hen und werde eyn kramer, alle dynen fründen to schande, sprack de Scharprichter tho synem knechte, alse he nicht dôgen wolde.Reineke, CCXIII.

Holl.: Ga weg, word een kramer, zei de beul tot zijnen knecht. (Harrebomée, I, 448b.)


45. Man kennt den Krämer am Schilde (an der Waare).

Holl.: Aan de mars kent men den kramen. (Harrebomée, I, 448a.)


46. Nigge (neue) Kroamers un alle (alte) Fäuertroanen, doa mot me sik vööer waren. (Büren.)


47. Töf, du schallst na de Stadt to'n Kramer in de Lehr', da schallst du achter de Bod' staen as en Lueropenpenning, sagte der Bauer zu seinem Sohne, da er nicht in der Wirthschaft arbeiten wollte.Diermissen, 230.


48. Verdorbener Krämer, guter Mäkler.Körte, 3524. (S. Kaufmann 39).


49. Was kann ein Krämer vom Seehandel verstehen!

Wer immer in beschränkten Verhältnissen gelebt hat, kann die Combinationen der höhern Politik ebenso wenig begreifen, als der Dorfkrämer mitten im Lande den Seehandel.


50. Wenn der Krämer den Mund aufzuthun weiss und der Käufer die Augen, so ist beiden geholfen.Altmann V, 117.


51. Wie der Krämer, so der Korb.

Die Haushaltung, der Aufwand soll sich nach der Einnahme richten.

Frz.: A petit mercier, petit panier. (Lendroy, 999; Bohn I, 4.)


52. Wie der Krämer, so der Kram.

Böhm.: Jaký pán, takový krám. (Čelakovsky, 376.)


53. Zwei Krämer wissen wol, was eine Nadel kostet.

Holl.: Twee kramers kennen wel den prijs van eene naald. (Harrebomée, I, 448b.)


*54. Der Krämer wird länger leben als seine Elle.Simrock, 5902; Körte, 3525.

Mit dem Ton auf: der. Diese Elle schliesst ihre Thätigkeit mit Bankrott.


[Zusätze und Ergänzungen]

55. Wann der Krämer heischt viel vnd der Käuffer lobt viel; glaub Krämer darumb nicht, dass er es zahlen will.Zinkgref, IV, 140.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
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