Zwei

1. Bei zweien guter Rath, bei dreien oft Verrath.


2. Bei zweien kann man lang auf Ketzereien lauern: bei Glöcknern und Bauern.

Ihre Gedanken sind in der Regel des Herrn Pfarrers Gedanken.


[664] 3. Besser bei (zu) Zweien gut leben, als zu Vieren schlecht.

Gegen belästigende Besuche der Vorwand.


4. Besser zwei als drei.

Die beiden Füsse des Jünglings nämlich leisten mehr, als die des Greises mit dem Stabe.


5. Besser zwei als einer, denn so einer fällt, kann ihm der andere aufhelfen.

Schwed.: Bättre äro twä än en, enär den ene faller så hjelper den andre honom up. (Törning, 11.)


6. Besser Zwei als Eins.

Gegen Ehelosigkeit.


7. Das zweyen gerecht ist, ist eim zu eng, dreyen zu weit.Franck, I, 112a; Gruter, III, 14; Eyering, I, 365.

In Bezug auf Geheimnisse.

Holl.: Waar meer dan twee personen 't weten, komt een geheim hoast in 't licht. (Harrebomée, II, 179b.)


8. Eider Zwei in Leiden, besser Vier in Freuden. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

In Bezug auf Ehescheidungen. Ehe zwei Personen dauernd in unglücklicher Ehe leben, ist es besser, sie trennen sich und gehen eine andere Ehe ein, wobei die Möglichkeit vorhanden ist, dass zwei Paar glücklich leben.


9. Ihr zween von leib, vnd eins von muth im ehestand macht all vnglück gut.Henisch, 801, 55; Petri, II, 406.


10. Ist's heute zwei, morgen ist's vier.Graf, 76, 85.

Von der laufenden Verdoppelung des Zinses für säumige Zahler. (S. Sonne 164.) Im Westfälischen: Isst huider twee, morgen isst vier. (Steinen, I, 1686.)


11. Ja, ja, ehre Twei op Eenen, säd de Diewel, als hei säk mot dem Knecht rangt. (Samland.) – Frischbier, I, 3744.


12. Können zweie sich vertragen, hat der dritte nichts zu sagen.Simrock, 12240; Körte, 7197.

Weil zwei Stimmen mehr gelten als eine.


13. Mit Zweien soll man rathen, mit Dreien thaten.

Zur Berathung Wenige, besonders in Fällen, in denen Verschwiegenheit noththut, zur Ausführung Mehrere.

Böhm.: Dvá rada, tři zrada. – Kde dvá tu rada, kde tři tu zrada. (Čelakovsky, 248.)


14. Nimm's nicht mit Zweien auf einmal auf.

Lat.: Noli pugnare duobus. (Philippi, II, 30.)


15. So bald Zween wollen, so ist der Dritt ihr Narr.Opel, 373.


16. Twê unner ene Däke lehrt boll ene Spröke. (Rastede.) – Firmenich, III, 26, 15; Kern, 1282.

Zwei unter Einer Decke lernen bald Eine Sprache.


17. Twê vergât sik, men drê, de slat sik.Richey, 69; Deecke, 13; Eichwald, 1963; Körte, 7199.

Zwei begehen sich mit einem. Wird hauptsächlich von solchen Verhältnissen verstanden, wo die dritte Person übrig ist, wie in Liebesangelegenheiten.


18. Twee aver Een sünd Mördners (Mörder). (Ostfr.) – Für Oldenburg: Goldschmidt, 85; Bueren, 1090; Hauskalender, III; Körte, 1283.


19. Twee könnt mehr als een. (Ostfr.) – Bueren, 1089; Hauskalender, I.


20. Twee mögen alle Tyt mehr, denn einer. Körte, 7196.


21. Twee, twee heff ik al dree, de slat sikk.


22. Tweie dauet mär asse ein, un wenn se det Stücke (Brot) âk mant baddelt.Schambach, II, 374; hochdeutsch bei Henisch, 523, 58; Petri, II, 858.

Zwei thun mehr als einer und wenn sie das Stück (Brot) nur betteln.

Jüd.-deutsch: In Zweien is starker. (Warschau.) Als Aufforderung zur Mitwirkung an einer Sache.


23. War sik twê umme verdreget, dar heft de drudde nichts to seggen. (Lübben.)


24. Was für Zwei ist, ist net für Drei.Schwäb. Michel, 281; Nefflen 457; Auerbach, Dorfgeschichten, IV, 94.

Einem liebenden Paar soll sich niemand als Gesellschafter aufdrängen. Auch: Ein Geheimniss hört als solches auf, wenn es ein Dritter erfährt.


25. Was Zwei ziehen, wird Einem nicht schwer. Fr. Reuter.


[665] 26. Was Zweie beschliessen ernst und fest, die beiden gewiss nicht im Stiche lässt.

Lat.: Non caret effectu, quod voluere duo. (Philippi, II, 82.)


27. Was zweie wissen, erfahren hundert.Simrock, 12238.

Kroat.: Kaj tri znaju, sto ih lehko sezna. (Čelakovsky, 80.)

Schwed.: Det som twä wetta kommer snart til den tridie. (Törning, 72.)


28. Wenn sich zwei die Hand geben wollen, so hindert's das Meer nicht.Sprichwörtergarten, 181.


29. Wenn zwei beieinander liegen, so wärmen sie sich.Pred. 4, 11; Schreiber, 119.


30. Wenn zwei beieinander stehen, pflegt's über den dritten herzugehen.

Die Serben: Wo zwei sich unterhalten, ist ein dritter der Knochen im Halse. (Čelakovsky, 85.) Die Finnen sagen: Zwei haben das Geschäft, der dritte (es ist hier der Horcher gemeint) bekommt die Ohrfeige. (Bertram, 57.)

Frz.: Où il y en a deux, qu'an troisième ne vienne. (Cahier, 1931.)


31. Wenn zwei blasen in Ein Horn, ist der dritte Mann verlor'n.


32. Wenn Zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe.

Holl.: Al doen er twee hetzelfde het is daarom niet hetzelfde. (Harrebomée, II, 349a.)


33. Wenn zwei sich keilen, kann der dritte mit der Beute enteilen.


34. Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.


35. Wenn zwei sind miteinander im Rauf, so liest der dritte die Haare auf.


36. Wenn Zwei streiten, sagen sie nicht dasselbe.

Lat.: Dissona dictorum lis est rixosa duorum. (Reuterdahl, 287.)

Schwed.: Första twe traetta tha sigha the ey bade eeth. (Reuterdahl, 217.)


37. Wenn Zwei über Kreuz pissen, so stirbt ein Jude.Frischbier, 1823.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das jüdisch- deutsche Sprichwort unter Pissen 4 das abweisende Echo des vorstehenden ist.


38. Wenn zwei wollen ist der dritte ihr Narr.

Die Osmanen sagen daher: Zu Zweien geselle dich nicht als Dritter. (Schlechta, 119.)


39. Wenn Zwei zanken um ein Ei, steckt es der Dritte bei.Lohrengel, I, 782.


40. Wenn zwei zusammen sollen, können weder Berg noch Thal (weder Mensch noch Teufel) es hindern.Gotthelf, Käthi, II, 123.


41. Wenn zweie gern beieinander sein (sind), so ist die Ehe fein.


42. Wenn Zweie nichts reden und der Dritte hört zu, dann ist unter den Dreien Ruh.


43. Wenn Zweie sich zanken, ist die Reihe kurz.

Es kommt schnell wieder an Einen.


44. Wer nach zweien greift, bekommt nicht eins.

Dän.: Man griber efter to, og mister begge. (Prov. dan., 253.)

Frz.: Qui court deux lièvres n'en prend point.


45. Wer zwei nimmt, nimmt auch wol drei.

Wer zwei Ehen eingegangen, heirathet wol auch zum dritten male.


46. Wir Zwei haben viel zu denken, sagte die Laus auf dem Kopfe eines Philosophen. Altmann VI, 414.


47. Wo sich zwei zanken, da gewinnt der dritte. Simrock, 12234; Körte, 7198.


48. Wo zween essen, die halten den dritten frey. Henisch, 754, 21.


49. Wo zween gehen, tragen sie den dritten.Henisch, 1430, 20.


50. Wo zween miteinander rathschlagen, da soll man nicht zugehen, man ruff jhn denn. Henisch, 1434, 50.


51. Wo zween spilen, da muss eines verlieren. Henisch, 847, 41.


52. Wo zwei beisammen stehn, kann man einen Narren sehn, und welchen man genommen, man hat den rechten bekommen.


[666] 53. Wo zwei schreien, hört man's dritte nicht.


54. Wo zwei sich streiten um ein Brot, da leidet der dritte keine Noth.


55. Zwee sind eins Herr, dreie fressen jhn gar. Gruter, I, 89; Henisch, 749, 74; Eyering, III, 614; Petri, II, 829; Eiselein, 661; Simrock, 12231; Körte, 7195; Körte2, 9006.

»Zwen sein aines man.« (Hauer, L2.)

Mhd.: Diu liute habent sich joch dar an, daz zwêne sîn eines her. (Iwein.) – Ween zwên sint immer eines her. (Iwein.) – Zwêne sint eines her. (Iwein.) (Zingerle, 186.)

Böhm.: Dvá jednoum pán, a tři celé vojsko. (Čelakovsky, 369.)

Dän.: To ere en mands herre. (Prov. dan., 551.)

Frz.: Contre deux Hercules ne peult. (Leroux, I, 20.)

Holl.: Twee mannen zijn één mans her. (Harrebomée, II, 63a.)

Lat.: Duo sunt exercitus uni. (Reinhart, XCII.) – Ne Hercules quidem adversus duos. (Binder II, 1997; Schonheim, N. 9.) – Viri continue praevenere duo. (Reuterdahl, 1091.)

Poln.: Dwa pan, trzij wojako. – Dwaj na jednego pan, a trzej wojako. – Siła złego, dwaj na jednego. (Čelakovsky, 369.)

Schwed.: Maera magho twe aen een. (Reuterdahl, 1091.)


56. Zween erwärmen einander bald; wer schläft allein, bleibt lange kalt. (S. 28.)


57. Zween haben (heben) mehr, den einer.Petri, II, 829; Mayer, I, 177.


58. Zween halten ein beyn.Gruter, III, 120.


59. Zween sind eins todt.Gruter, III, 120; Lehmann, II, 906, 31.


60. Zween sind immer Eines Meister, drei sein Tod.Eiselein, 459; Simrock, 6964.


61. Zween umb ein ist fadenrecht.Petri, II, 829; Eiselein, 661; Simrock, 12232.


62. Zween vermögen mehr dann eyner.Tappius, 205b; Lehmann, II, 903, 42.

Bei Tunnicius (41 u. 332): Twe mogen alle tyt mêr dan ein. (Vincit et Alcidem vegeto cum Gaspare Paulus.) – Non unus tantum quantum duo viribus audent. Die Russen: Zwei können wol mehr als Einer, aber Einer kann mehr als Zehn.

Dän.: Meere due to end een. (Prov. dan., 551.)

Holl.: Twee kunnen (weten, zien) altijd meer, dan één alleen. (Harrebomée, II, 349b.)

Schwed.: En möt en, täw möt raggen. (Grubb, 195.) – Twä kunna altid meer än en. (Grubb, 827.)


63. Zween werden nimmer satt: der Weisheit und der Güter suchet.Olearius, 358, 50e.


64. Zwei als eine Schand, drei als Erkenntlichkeit, vier als ein Staat, fünf als ein Freiath, sechs eine Heirath.Schmitz, I, 196, 182.

Bezieht sich auf den an der Eifel herrschenden Brauch der Mädchen, den jungen Burschen Ostereier zu schenken und die durch die Zahl derselben ausgedrückte Bedeutung.


65. Zwei es e Paar, drej sönd e Kött (Cötus, ein Haufen). (Aachen.) – Firmenich, I, 494, 171.

Von Menschen oder Sachen.


66. Zwei gegen Einen ist ein ungleicher Kampf.

Lat.: Uni cum duobus non est pugnandum. (Philippi, II, 233.)


67. Zwei gegen Einen ist weder Kunst noch Ehre.

Nordfr.: Ta nom Jen es nogwedder könst of Ear. (Hanselius, 16.)


68. Zwei können den dritten an den Galgen lügen.

Schwed.: Twä kunna ljuga den tredje i galgan. (Grubb, 829.)


69. Zwei können etwas verschweigen; weiss es der Dritte, so weiss es die Stadt.

Dän.: Kommer det til den tredie, saa veed en heel by det.

To kunne ilde tie en ting. (Prov. dan., 551.)


70. Zwei können wol miteinander singen, aber nicht reden.


71. Zwei machen die Welt irre, Narren und Weibergeschirre.


72. Zwei mal zwei ist nicht immer vier.


73. Zwei sehen mehr als Einer.

Lat.: Plus vident oculi, quam oculus. (Philippi, II, 100.)


74. Zwei sind besser als Einer.

Dän.: To er bedre end een. (Prov. dan., 551.)


75. Zwei sind weniger zu fürchten als Einer.Altmann VI, 413.

Einer kann zum Verräther werden oder als Zeuge dienen.


[667] 76. Zwei so einen Bulen haben, die Eulen und die Raben, zwei Hunde an einem Bein, kommen niemals überein.


77. Zwei steigen besser als Einer.

Holl.: Twee klimmen meer dan één.


78. Zwei wissen nicht, was sie reden: ein Verliebter und ein Betrunkener.


79. Zweie thun immer verschieden.Simrock, 12233.

Lat.: Duo cum faciunt idem non est idem. – Multa sint actum, sed aliter.


80. Zweien ist nicht zu trauen: lachenden Wirthen und weinenden Bettlern.


81. Zweien oder dreien steht eine Wahrheit zu glauben. (Mann 1004-5, Zeuge 8 u. 14, Zeugniss, 3.)Graf, 456, 493.

Altfries.: Twam off trim steet een wird to lyowen. (Hettema, XV, 64, 118.)


82. Zweimal Zwei ist nicht immer Vier.Frischbier, 3927.


83. Zwen sind, der keiner sehen kann: ein Blinder vnd der kein Vernunft hat.Hans Sachs, I, XLVIII1.


84. Zwey für eins ist Wrackes recht.Petri, II, 830.


85. Zwey machen einen Edelmann: wer Krieg versteht und Künste kann.

»Denselben lass ich edel seyn, dem Gut und Feld viel tragen ein.« (M. Opitz, Deutsche Poemata, Bresslau 1625.)


86. Zwey sorgen mehr denn eins.Luther's Ms., S. 2.


87. Zwu seîn a Poar. (Schles.)


*88. Die Zwei sind über Einen Leisten.

Holl.: Twee op ééne leest gepast. ( Harrebomée, II, 349b.)


*89. Er könne nit kein »Zwei« überzählen. (Warschau.)

Von einem sehr beschränkten, einfältigen Menschen; wie wir sagen: Er kann nicht auf drei zählen.


*90. Er zählt lieber zwei als eins.Parömiakon, 1326.

Von zänkischen oder rechthaberischen Personen.


*91. Es sind zwei in Einem Kleide. (Breslau.)

Von einer Schwangern.


*92. Sie gehen zwei und zwei miteinander wie die Franziskaner.

Frz.: Deux à deux, comme les frères mineurs. (Leroux, I, 20.)


*93. Twê ut Five tehn.Eichwald, 1962.


*94. Von Zwei den Dritten. (Dönhoffstädt.) – Frischbier, II, 3021.

Antwort auf die Frage des Neugierigen: Was machst du da?


[Zusätze und Ergänzungen]

95. Wo Zwei sprechen, ist der Dritte ein Knochen im Halse.

Also sehr überflüssig und mit seiner Gegenwart peinlich.


96. Zwei bleiben klagend (heulend, wund) am Ufer: die Frau eines Soldaten und der Hund eines Fischers.Bertram, 67.


*97. Er lässt zwei mal zwei fünf sein.Frommel V, 103.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 664-669,1824.
Lizenz:
Faksimiles:
664 | 665 | 666 | 667 | 668 | 669 | 1824
Kategorien:

Buchempfehlung

Droste-Hülshoff, Annette von

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Nach einem schmalen Band, den die Droste 1838 mit mäßigem Erfolg herausgab, erscheint 1844 bei Cotta ihre zweite und weit bedeutendere Lyrikausgabe. Die Ausgabe enthält ihre Heidebilder mit dem berühmten »Knaben im Moor«, die Balladen, darunter »Die Vergeltung« und neben vielen anderen die Gedichte »Am Turme« und »Das Spiegelbild«. Von dem Honorar für diese Ausgabe erwarb die Autorin ein idyllisches Weinbergshaus in Meersburg am Bodensee, wo sie vier Jahre später verstarb.

220 Seiten, 11.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon