Kopf

[1499] 1. Abgehauener Kopf braucht keine Sturmhaube mehr.


2. Am Kopf des Narren lernt der Junge scheren.

Die Araber in Algerien: Am Kopfe der Waise macht der Chirurg Versuche. Die ägyptischen Araber: Er lernt das Schröpfen an den Köpfen der Waisen. (Reinsberg VII, 53.)


3. An deinem Kopfe klingt's am hellsten, sagte Boleslaw zum Narren. (Schles.)


4. An einem Kopf, der schlecht geschoren, ist die Ehr' verloren.


5. An manchem Kopf ist das beste der Zopf.

»Da war einmal an einem Schopf ein Zopf, der hing so stattlich an dem Kopf; dess freute sich der Tropf. Und als der Zopf geschnitten war vom Haar, da ward zuerst es allen klar, dass weiter nichts dahinter war.« (R. Prutz. Neue Gedichte, Manheim 1849.)


6. Anderer Kopf, andere Gedanken.


7. Auch den gelehrten Kopf nimmt der Tod beim Schopf.Parömiakon, 2886.

8. Auch ein krauser Kopf wird kahl.


9. Auch grosse Köpfe haben zuweilen eine Platte.

Sie sind mangelhaft.


10. Auf dem Kopfe der Riesen sind Zwerge grosse Leute.


11. Auf dem Kopfe des Schelmen brennt die Mütze.

It.: In conca macca pagu durat berritta.

Poln.: Na złodzieja czapka gore.

Ruth.: Na złodija szopka horyt.


12. Auf Kopf steht der Teufel auf und isst die Supp', dann fährt er unterirdisch durch bis zur Altburg.

Nach der Sage steht der Nerother Kopf mit der Altburg (Ruinen des Schlosses Altenburg) bei Schalkenmehren (Kirchdorf im Regierungsbezirk Trier, Kreis Daun) in der Nähe des weinfelder Maares, durch einen unterirdischen Gang in Verbindung, worauf sich das noch im Volksmunde lebende uralte, obige Sprichwort bezieht. (Vgl. darüber Schmitz, Die Sage vom Nerother Kopf, II, 53.)


13. Auf solchen Kopf gehört ein solcher Hut.

»Es ist schädlich und schimpflich wenn man Esel und Strohköpfe promovirt; darum Rahel gar wohl gehandelt, wie sie aufs Stroh, worunter Götzenbilder gelegen, gesessen hat; denn auf solchen Kopf gehört ein solcher Hut.« (Parömiakon, 818.) Abraham a Sancta Clara wendet das Sprichwort auf die Sündflut und die verdorbene Welt an. (Parömiakon, 1048.)


14. Auff böss köpff gehört ein scharpffe laug. Franck, II, 74b; Lehmann, II, 30, 41.


[1500] 15. Auff einen grindigen Kopf gehört eine scharffe Lauge.Petri, II, 24; Simrock, 5857; Körte, 3497; Masson, 258; Braun, I, 1947.

»Ich leugne dieses nicht, dass von der Farbe man offt wie ein Blinder spricht. Es reimt sich manches Wort, wie eine Faust aufs Auge, und mancher harter Kopf verdienet scharffe Lauge.« (Keller, 131a.)

Böhm.: Na prašivou hlavu ostrý louh. (Čelakovsky, 357.)

Dän.: Til skurvede hoveder hører skarpeste lud. (Prov. dan., 509.)

Frz.: A chair de loup, sauce de chien.


16. Aus einem kleinen Kopfe kann auch ein grosser Gedanke kommen.

Frz.: En petite teste gist grand sens. (Leroux, I, 185.)


17. Aus einem Kopf von Stroh kommt kein spitzfindiger Gedanke.


18. Aus einem leeren Kopfe macht's Geld einen vollen.Parömiakon, 1761.


19. Ausgetrocknete Köpfe und ausgewaschene Schlafröcke werden niemals wieder frisch.Welt und Zeit, I, 138, 55.


20. Auss einem finstern Kopff kompt Finsterniss.Lehmann, 407, 43.


21. Auss einem vollen kopff kommen lauter Tannheusers bedencken.Eyering, I, 782; Henisch, 231, 49; Petri, II, 28.


22. Auss geschickten (vnd geschwinden) Köpffen werden gern Schwermer vnd Ketzer.Henisch, 1484, 49.


23. Auss vielen Köpffen ist gut Rath holen. Petri, II, 30.


24. Bann (wenn) der Kôpf ro (herunter) es, hat der Orsch Feierabet. (Henneberg.) – Frommann, II, 409, 75.


25. Bei gemeinen Köpfen und Krähen (kleinem Gethier) kann man keine Grundsätze sehen.

26. Besser am Kopfe, denn am Hintern, so wird man nicht beschmissen.Eiselein, 390.

Holl.: Het is beter, bij het hoofd te grijpen dan bij den staart. (Harrebomée, I, 326b.)


27. Besser dem eigenen Kopfe folgen, als allen gefallen wollen.Opel, 379.


28. Besser den Kopf flöhen als den Hintern, man wird oft beschmissen davon.


29. Besser den Kopf verlieren als die Seele (oder: das gute Gewissen).

Böhm.: Lépe ti jest ztratit' hlavu, nežli ohřešiti. (Čelakovsky, 26.)


30. Besser der Kopf am Esel als der Schweif am Pferde.

Um die schon seit Julius Cäsar bekannte Ansicht auszusprechen: Lieber der erste in Krähwinkel als der zweite in Rom. Auch: Besser der erste seines Stammes, als der letzte seines Geschlechts. Die Araber sagen: Besser der Kopf des Hundes als der Schwanz des Löwen. (Cahier, 228; Reinsberg III, 126.) – Die Russen dagegen: Lieber einen Katzenschwanz denn einen Mäusekopf. Aber auch: Lieber den Kopf der Laus, als den Schwanz des Drachen. (Altmann VI, 443 u. 445.)

Engl.: Better be the head of an ass than the tail of a horse. (Bohn II, 101.) – Better the head of a dog than the tail of a lion. (Bohn II, 101.) – Better the head of a pike (sprat), than the tail of sturgeon. (Bohn, II, 101; Gaal, 364.)

Frz.: Mieux vaut être tête de chien que queue de lion. (Bohn I, 38.)

Holl.: Beter het hoofd van eene rat, dan de staart van een' leeuw. (Harrebomée, I, 325.)

It.: E meglio esser capo di lucertola (di gatto) che coda di dracone (di leone). (Gaal, 364; Cahier, 2842.) – E meglio esser capo di gatto che coda di leone. (Bohn I, 96; II, 104.) – E meglio esser testa di lucco che coda di storione. (Bohn II, 101.)

Span.: Mas vale cabeza de raton que cola de leon. (Bohn I, 231.)


31. Besser der Kopf des Bürgers als der Schweif des Adels.

Engl.: Better be the head of the yeomanry than the tai of the gentry.


32. Besser ein hastiger kopff, denn ein düden topff.Henisch, 762, 24; Petri, II, 35.


33. Besser ein toller hastiger Kopff, den ein faulentzer.Petri, II, 36.


[1501] 34. Besser im Kopf als im Buch.

»Kaustu etwas vnd wilt sein klug, so schreibs ins hertz vnd nicht ins buch. Dan was ists, das dein buch ist gelehrt, verleurst du es, so bist nichts werth.«

Lat.: Cordi, non chartae tradas, quae noveris arto: nam si charta cadit, mox tota scientia vadit. (Loci comm., 47.)


35. Besser Kopf im eigenen Hause als Schwanz im fremden.


36. Better ennen Kopp as ennen duwen Dopp1. (Meurs.) – Firmenich, I, 403, 218.

1) Holländisch = Schale. – Die Italiener wollen gar lieber zwei Köpfe als einen haben.

It.: Due teste son migliore che una. (Bohn I, 95.)


37. Blutiger Kopf ist Schlichtfried's Lohn.

Menge dich nicht in die Händel anderer.


38. Darnach der Kopff ist, so macht man die Laug.Lehmann, 328, 56; Körte, 3492; Frost, 41.


39. De alltîd up sîn Kopp besteit, de kummt der tolest noch up to stân.Kern, 493.

Wer nur auf seinem Willen besteht, kann zuletzt ganz ausser sich werden (desperat).


40. De 't nich in'n Koppe hett, de mutt et in de Föte hebb'n.Eichwald, 1104; Kern, 494.


41. De up de Kop steit, ward dwillsk1. (Ostfries.) – Eichwald, 1111; Frommann, IV, 143, 372; Bueren, 393; Kern, 490.

1) Auch: Dwirlsk = im Kopfe wirr, wie im Fieber, wirsch, schwindlig. (Vgl. Stürenburg, 44b.)


42. Dem harten Kopf nicht bald entfällt, was er mit vieler Müh' behält.

Lat.: Firmiter obtusum tenet ingenium sibi fusum. (Sutor, 921.)


43. Dem harten Kopf nicht bald entfällt, was er nur einmal recht behält.


44. Dem weissen kopff thut man selten ehr.Henisch, 814, 25; Petri, II, 76.


45. Den Kopf des Feindes lass die Hand deines Feindes schlagen.

»Dem Feinde muss man gefährliche Geschäfte überlassen oder ihn dazu veranlassen.«

46. Den Kopf etwas ab, lieb Täubchen, sagte der Koch zur Taube, da drehte er ihn herunter.

Engl.: I'll give you a turn now, as the curling-irons said to the straight hair. (Hagen, VI, 103.)


47. Den Kopf halt kühl, die Füsse warm, das macht den besten Doctor arm.Schaltjahr, I, 267; Körte, 3499; Simrock, 5862; Braun, I, 1945.


48. Den Kopf kann man einem nur einmal nehmen.


49. Den Kopf lässt sich nicht jeder gern kratzen (waschen).


50. Den Kopf nicht zu warm, nicht zu viel Salat in den Darm.

Frz.: Ne fai une four de ton bonnet, ni de ton ventre un jardinet. (Kritzinger, 385b.)


51. Den Kopp lat frêrn, de Föt holt warm, slaog nich so vööl in dînen Darm, dat Achterpôrt laot aopen staon, denn kann de Dokt'r un Aptek'r spazêren gaon (oder: denn kann de Dokt'r tun Deiw'l gaon). (Altmark.) – Danneil, 232.

Nach Ansicht der Italiener kann man am Tage den Kopf bedecken so viel man will, aber des Nachts so viel man kann: Di giorni quanto voi, di notte quanto poi. (Bohn II, 30.)

Engl.: The head and feet kept warm, the rest will take no harm. (Bohn II, 30.)

Frz.: Tête froide, ventre libre et pieds chauds, sûrs remêdes à tous les maux. (Cahier, 1709.)


52. Der dümmste Kopf bekommt das beste Kissen.

Holl.: Het domste hoofd krijgt het beste kussen. (Harrebomée, I, 326a.)


53. Der erste Kopf ist der beste.

Lat.: Praesentem mulge. (Binder II, 2637; Tappius, 123a.)


54. Der hat einen gelenken Kopf, der sich hinten und vorn flöhen kann.Eiselein, 390; Simrock, 5863.


55. Der hat einen saubern Kopf, der weniger Mücken darin hat, als Domitian in seinem Gemach.


56. Der kahle Kopf braucht (hilft) keine Schere.


57. Der Kopf altert eher als die Beine.


58. Der Kopf am Krebs ist dem Arsche gleich. Fischart.


[1502] 59. Der Kopf des Fisches geht zuerst in Fäulniss über.

Die Fehler und Laster der Vornehmen bringen Unglück über das Volk.


60. Der Kopf des Furchtsamen geht nicht in Stücken.

Weil er sich der Gefahr nicht aussetzt.


61. Der Kopf des Weibes darf nicht weiter gehen als bis zum Herzen des Mannes.Immermann, Münchhausen, III, 60.


62. Der Kopf eines Achtzigers ist besser als beide Hände eines Zwanzigers.

Wenn er sich nämlich gut gehalten hat.


63. Der Kopf eines bösen Weibes ist ein Wetterhahn.

Holl.: De kop van een boos wijf is de slimste weêrhaan. (Harrebomée, I, 437a.)


64. Der Kopf eines Lachses ist mehr werth als hundert Frösche.

Der Herzog von Alba sagte, dass zehntausend Frösche nicht so viel werth wären, als der Kopf eines Lachses, womit er meinte, dass weit mehr daran gelegen sei, den Prinzen von Condé oder den Admiral Coligny aus dem Wege zu räumen als eine Menge geringer Personen. (Gesellschafter, Magdeburg 1783, 1, 101.)


65. Der Kopf eines Narren wird weder weise noch weiss.


66. Der Kopf gehört oben hin.

Böhm.: Hlava všeho počátek. (Čelakovsky, 201.)


67. Der Kopf ist bald abgeschlagen, aber schwer wieder aufgesetzt.

Böhm.: Hlava není makovice, by se zase postaviti mohla. – Netĕžko hlavu srazit', ale tĕžko naasadit'. (Čelakovsky, 355.)


68. Der Kopf ist das Ruder des Schiffs.

Verstand muss das Ganze leiten.


69. Der Kopf ist (oft nur) ein Trichter für den Magen.


70. Der Kopf ist keine Schrift. (Lit.)

D.h. was man sich im Kopfe merkt, hat man nicht so sicher, als was man sich aufgeschrieben hat.


71. Der Kopf ist nicht am Barte, sondern der Bart am Kopfe.Sprichwörtergarten, 147.

Man muss nicht unbedingt von einem grossen Barte oder einem hohen Alter auf einen gleich ausgebildeten Verstand und grossen Erfahrungsreichthum schliessen.


72. Der Kopf ist so alt as Füdli, ond 's Füdli hed no nie zahnet. (Appenzell.) – Tobler, 197; Sutermeister, 10.

Wenn man auf die Frage, wie alt man sei, nicht gern antwortet. (S. Födlech.)


73. Der Kopf mit der Zunge hat doppelten Werth.

Wenn der denkende Kopf auch zugleich ein klar und gefällig redender ist.


74. Der Kopf muss oben, die Füsse müssen unten sein.Sailer, 50; Simrock, 5866.


75. Der Kopf steht an der Spitze.

Er regiert.


76. Der Kopf sucht den Hut, nicht der Hut den Kopf.

Poln.: Nie miejsce szuka głowy, ale głowa miejsca. (Čelakovsky, 207.)


77. Der Kopff ist böss zu streiffen.Petri, II, 98.


78. Der Kopff ist hin, den Hut hat er noch in Händen.Lehmann, 697, 1.


79. Der kopff ist stercker dann die hende. Franck, I, 103a; Gruter, I, 6; Petri, II, 98; Eiselein, 390; Simrock, 5860; Körte, 3491; Braun, I, 1944.


80. Der Kopff muss offt den Ars verkauffen. Gruter, III, 17; Lehmann, II, 80, 93.

Holl.: De kop moet het gad verkoopen. (Harrebomée, I, 437a.)


81. Der Kopff regiert vnnd nicht die Füss.Lehmann, 428, 1.

Böhm.: Hlava řídí, hlava táhne. (Čelakovsky, 201.)


82. Der mit seim Kopp will oben auss, schafft jhm darmit kein Brodt ins Hauss.Sutor, 49.

Lat.: Timor malus non est diuturnus magister officii. (Cicero.) (Philippi, II, 220.) – Vincere cor proprium, plus est, quam vincere mundum. (Sutor, 49.)


83. Der muss einen freundlichen Kopff auffsetzen, der Regieren will.Lehmann, 419, 21.

Denn wenn das Haupt seine Füsse liebt und wohl versorgt, so tragen sie das Haupt durch gute und böse Wege.

84. Dicker Kopf, klein Gehirn.

Böhm.: V tučnem tĕle hubený mozek. (Čelakovsky, 140.)

Frz.: Grosse têto et petit cou, c'est le commencement d'un fou. – Grosse tête, peu de sens. (Cahier, 1705-6; Bohn I, 19.)

[1503] Holl.: Een vette kop, een mager brein. (Harrebomée, I, 437a.)

It.: Capo grasso, cervello magro. (Pazzaglia, 46, 7; Bohn I, 77.) – Grossa testa non fa sottil ingogno. (Pazzaglia, 373, 2.)

Poln.: W barzo tłustémn ciele nauki niewiele. (Čelakovsky, 140.)


85. Die besten Köpfe stecken oft unter dem Strohhut.


86. Die geschwindesten Köpfe richten die grössesten Ketzereien an.Henisch, 1550, 52.


87. Die über den Kopf gewachsen sind, sind ausser dem Zwange.Reinsberg VII, 80.


88. Een klôker Kopp, een winscher Brägen. (Briesen.) – Frischbier 2, 2136.

Ein kluger Kopf, ein windiges, ränkevolles Gehirn.


89. Ein abgehauener Kopf hat keine Sturmhaube mehr nöthig.Winckler, XIV, 85.


90. Ein abgeschlagener Kopf lässt sich nicht wieder aufsetzen.


91. Ein böhmischer Kopf gibt mit jedem Schlage Funken. (Böhm.)


92. Ein eigener Kopf, ein armer Tropf.

Lat.: Sic volo, sic jubeo, stat pro ratione voluntas.


93. Ein feiner Kopf steht selten auf einem fetten Wanst.


94. Ein gelehrter Kopf ist ein Messer ohne Stiel.

Frz.: Tête blanche couteau sans manche. (Kritzinger, 678a.)


95. Ein gelehrter (gescheiter) Kopf redet auch nach dem Tode.Winckler, XV, 3.


96. Ein geputzter Kopf verkauft einen grindigen Arsch.

»Zwar verkaufft offt der auffgebutzte Kopff den hindern einer leichtfertigen Vettel und ein ansehnlicher Titel ein sonst schlimmes Buch.« (Grimmelshausen, Teutscher Michel.)


97. Ein grauer Kopf schützt nicht vor einem närrischen Arsch.

Poln.: Glowa siwie je, a tił szaleje. (Lompa, 12.)


98. Ein grindiger Kopf blutet leicht.

Dän.: Skurvet hoved er snart brudet. (Prov. dan., 303.)

Engl.: A scal'd head is soon broken. (Bohn II, 130.)

It.: Huomo assaltato è mezzo preso. (Bohn II, 130.)


99. Ein grindiger Kopf fürchtet den Kamm.

Holl.: Een schurftig hoofd vreest den kam. – Schurft kan den kam niet aanzien. (Harrebomée, I, 377a.)


100. Ein grosser Kopf braucht grossen Hut (grosse Mütze).Reinsberg II, 117.

Böhm.: Čím vĕtší hlava, tím vĕtsí klobouk. – Veliká hlava, veliký klobouk. (Čelakovsky, 165.)

Holl.: Groote koppen, groete docken. (Harrebomée, I, 437a.)


101. Ein grosser Kopf hat grosse Sorge.Schlechta, 173.


102. Ein guter Kopf hat hundert Hände.Kiesewetter, 16.

Böhm.: Na dobrou hlavu sto ruk. (Čelakovsky, 207.)


103. Ein guter Kopf ist eine gute Rente.

Lat.: Vivitur ingenio. (Gaal, 1002.)


104. Ein guter Kopf kommt nirgends in die Fremde.


105. Ein guter Kopf nährt hundert schwache.

Böhm.: Dobrá hlava sto hlav krmí. (Čelakovsky, 207.)


106. Ein guter Kopf steht selten auf einem fetten Bauche.

Lat.: Ingenium excellens non gignit venter obesus. (Binder I, 745; II, 1506; Philippi, I, 197; Seybold, 242.)


107. Ein guter Kopf verdient einen guten Hut.


108. Ein guter Kopff, grosser fleiss vnd harte arbeit erhebt mit Ehren in Himmel.Petri, II, 193; Henisch, 815, 21.


109. Ein hochmüthiger Kopf stösst leicht (überall) an.

Böhm.: Pokorná hlava dvĕ viny zahlazuje, vzdorná ani jedne. (Čelakovsky, 96.)

Kroat.: Pokorna glava dva duge obalja, nepokorna nijednoga. (Čelakovsky, 96.)


110. Ein jeder hat sein eigen Kopff wie die Ganss auch.Petri, II, 200.


111. Ein jeder ist sein kopff der best.Lehmann, 430, 37.


112. Ein jeder kompt mit seinem Kopff zu Marck.Lehmann, 414, 5.

Frz.: Chaque tête, chaque avis. (Gaal, 1034.)

It.: Tante uomini, tanti pareri. (Gaal, 1034.)


113. Ein jeder Kopf hat seinen Sinn.Coler, 164; Heyl, 222.

Lat.: Quot capita tot sensus. (Coler, 164.)


[1504] 114. Ein junger Kopf sieht oft schärfer als ein alter.

Böhm.: I z mladé hlavy soud pravý. (Čelakovsky, 305.)


115. Ein kahler Kopf ist bald geschoren.Reinsberg IV, 7.

Engl.: A bald head is soon shaven. (Bohn II, 69.)

Span.: Quien pequeña heredad tieno á pasos la mide.

Ung.: Könnyü a' kopaszt beretválni. (Gaal, 831.)


116. Ein kleiner Kopff, ein unnützer tropff. Petri, II, 208.


117. Ein kluger Kopf hat eine kurze Zunge und scharfe Ohren.

Er macht und braucht nicht viel Worte.

It.: Testsa savia rende la bocca stretta. (Cahier, 3096.)


118. Ein kluger Kopf mit festem Willen kann viel Verwirrung stillen.


119. Ein kluger Kopf sieht mit Einem Auge mehr als ein Pinsel mit zweien.

Böhm.: Moudré hlavĕ dosti jednoho oka. (Čelakovsky, 206.)

Ill.: Mudroj glavi jedno oko dosta. (Čelakovsky, 206.)


120. Ein Kopf allein rennt (stösst) keine Mauer ein.


121. Ein Kopf braucht zwei Hände.

Engl.: Two hands are for the defence of one head.


122. Ein Kopf, der mit anderer Leute Augen sieht und mit fremden Ohren hört, wird meist (leicht) betrogen.

123. Ein Kopf, der täglich gekämmt wird, liefert kein Grossvieh.

Das Ungeziefer kann unter solchen Umständen nicht gedeihen.


124. Ein Kopf für drei Pfennige geht in einen Hut für zehn Thaler.


125. Ein Kopf mit einer Zunge ist zwei Köpfe werth.

Verstand mit Beredsamkeit.

It.: Una testa con la lingua vale il cuore. (Pazzaglia, 199, 16.)


126. Ein Kopf ohne Gehirn ist auf jeder Wage zu leicht.

Er passt in kein Lebensverhältniss. Die Russen sagen, er sei eben nur ein Puppenkopf. ( Cahier, 2014.) Und: Der Kopf ist nicht des Menschen Zar, sondern das Gehirn ist der Zar des Kopfes. (Altmann VI, 446.) Die Araber: Was nützen die Augen einem Kopfe ohne Gehirn. (Cahier, 2417.)

Böhm.: Hlava bez rozumu pivni kotel. (Čelakovsky, 201.)


127. Ein Kopff ohne Zung ist nichts werth.Lehmann, 429, 25.

Und ein Kopf mit einem zu grossen Maul nicht viel.

Böhm.: Hlava dražší s jazykem, než bez jazyka. (Čelakovsky, 75.)

Frz.: Un cerveau ne vaut guère sans langue. (Bohn I, 61.)

It.: Capo senza lingua a zuccas' assomiglia. (Pazzaglia, 46, 8.)


128. Ein langsamer Kopf hält fest.

»Ein grober kopff, was der behelt, gar schwerlich jhm das wider entfelt.«

Lat.: Firmiter obtusum tenet ingenium sibi fusum. (Loci comm., 113.)


129. Ein leerer Kopf bekommt Schwindel, wenn er hoch steigt.


130. Ein leerer Kopf passt nicht auf die Kanzel.

Böhm.: Neučená hlava na knĕžstvo se nesvĕtí. (Čelakovsky, 215.)


131. Ein listig Kopff mit Tichten thut offt mal aussrichten, was Gewalt vnd grosse Macht nicht hat zu wegen bracht.Petri, II, 212.


132. Ein Melancholischer Kopff ist dess Teuffels topff, darin er viel böses (viel Mucken) kocht.Lehmann, 755, 17; Eiselein, 390 u. 459; Körte, 3490 u. 4375.

Lat.: Caput melancholicum est balneum diabolicum. (Theatrum Diabolorum, 93b; Eiselein, 459.)


133. Ein melankolischer Kopff ist des Teuffels Haffen vnd Topff.Petri, II, 214; Latendorf II, 11.


134. Ein melankolischer Kopff ist des Teuffels zugerichtet Bad.Petri, II, 214.


135. Ein schofler Kopf braucht eine schöne Mütze.

Dän.: Der vil skarp lud til skurvet boved. (Bohn I, 357.)


136. Ein schöner Kopf, aber hohl wie ein ausgelaufenes Ei (oder: leer wie eine alte Scheune).

Böhm.: Hlavička jak makovička a rozum na poušti. (Čelakovsky, 304.) – Hlavička jako makovička, a rozumu jakby naplval. (Čelakovsky, 209.)

Poln.: Głowka by makowka, a rozumu by naplwał. (Čelakovsky, 209.) – Głowka jako makowka, a rozumu pusto. – Urody dość, rozumu ni kąska. (Čelakovsky, 304.)


[1505] 137. Ein stoltzer Kopff richt viel Hader (Vnlust) an.Petri, II, 228.


138. Ein Thörichter Kopff vnd schön gesicht gehen gemeiniglich mit einander.Lehmann, 706, 32.


139. Ein toller (dummer) Kopf ist der (macht den) Füsse(n) Arbeit.


140. Ein überladener Kopf und ein überladener Wagen richten leicht Unglück an.


141. Ein wirrer Kopf macht wirre (confuse) Leute.

Holl.: Een dwars hoofd maakt dwalende leden. (Harrebomée, I, 326a.)


142. Ein zorniger Kopf ist leicht blutend zu machen.Pistor., VIII, 65; Simrock, 12147.


143. Einem solchen Kopf gehört ein solcher Hut.


144. Einem wunderlichen Kopfe kann niemand recht thun.


145. Einen eisernen Kopf bringt man schwer auf andere Gedanken.


146. Einen Kopf ohne Zunge mag ich nicht, sagte der Bauer, und gab dem Metzger den Kalbskopf zurück.


147. En schwer'n Kopp unn en lerrigen Büdel sünd oft tosammen. (Rendsburg.)


148. Erst des Kopfes Rath, dann der Hände That.

Böhm.: Nerozmluviv s hlavou nechvátej rukama. (Čelakovsky, 259.)


149. Es gehört ein küler kopff darzu, das recht ein hauptmann kriegen thu.Vom luth. Narren in Kloster, X, 126.


150. Es hat schier jeder seinen eigenen Kopff, wie die Gänse im Lande zu Rügen.Oee. rur., 536.


151. Es ist besser der Kopf an einer Maus als der Schwanz am Leuen zu sein.Winckler, VI, 30.


152. Es ist besser man ist der Kopf am Hechte als der Schwanz am Stier.Winckler, VI, 66.


153. Es ist kein Kopf, man kann ihm eine Beule schlagen (werfen).

Böhm.: Málo tĕch hlav, na nĕž by se utrhačova kukla nehodila. (Čelakovsky, 89.)


154. Es ist kein Kopf so heilig, der Teufel macht ein Nest hinein.

Holl.: Daar was geene kap zoo heilig, of de duivel kreeg er zijn hoofd wel in. (Harrebomée, I, 325b.)


155. Es ist kein Kopff so listig als der Schlangen kopff.Petri, II, 268.


156. Es ist viel verricht, wenn zwey Köpff sich mit Einem Hut behelffen.Lehmann, 164, 6.


157. Es kann wol ein gescheiter (kluger) Kopf aus einer Narrenkappe hervorgucken.

Holl.: Men kan wel een wijs hoofd uit eene narren kap steken. (Harrebomée, I, 336b.)


158. Es muss ein Gottgelehrter Kopff, ein weiss vnd wol bereitet Hertz vnd gute Lenden vnd starcke Beinen sein, die gute täge, ehre vnd Majestat ertragen sollen.Henisch, 1692, 44.


159. Es stecken oft die besten Köpfe unter dem Strohhut.

Lat.: Saepe summa ingenia in occulto latent. (Sutor, 123.)


160. Es steht kein fröhlicher Kopf auf einem traurigen Herzen.Heuseler, 83.


161. Es steht schlimm um die Köpfe, wo die Rosen weniger gelten als die Knöpfe.Parömiakon, 826.


162. Es will kopff vnd schwantz vngestraffet sein.Mathesius, Historia, XXVIIIa.


163. Et is beter den Kopp as de Föte küss'n. Eichwald, 1105.


164. Fäl Köp, fäl Sinn, sä de Bûr, as he mit'n Fôr Kôl fan'n Dîk ful. (Süderdithmarschen.)

Viel Köpfe, viel Sinne, sagte der Bauer, als er mit einem Fuder Weisskohl vom Deiche fiel.


165. Fehlt's im Kopff, so fehlt's im gantzen Leib.

Lat.: Dum caput infestat, labor omnia membra molestat. (Sutor, 86.)


166. Feine Köpff machen leichte Werck vnd ersparen viel Vnkosten.Petri, II, 310.


167. Fetter Kopf, mageres Gehirn.Winckler, XIII, 98.


[1506] 168. Für einen guten Kopf findet sich auch ein Hut.

Frz.: Qui a bonne tête ne manque pas de chapeaux. (Bohn I, 48.)


169. Für solchen Kopf gehört keine andere Lauge, sagte Eulenspiegel, als er einen Trunkenen in eine Kothlache fallen sah. Parömiakon, 458.


170. Gelehrten Kopf bekommt man auch beim Schopf.


171. Gemeine Köpfe lesen in der Geschichte die Vergangenheit, kluge die Zukunft.


172. Gemeine Köpfe und Mücken dürfen nicht viel Wasser, um zu ersaufen.

Jene ertrinken in Kleinigkeiten, diese in einem Glase Wasser.


173. Gezwungene Köpfe thun selten gut.

Lat.: Ingenia coacta male respondent. (Binder I, 739; II, 1504; Fischer, 111, 37; Schonheim, J, 17; Philippi, I, 196; Seybold, 240.)


174. Gleicher Kopf, gleicher Hut.Parömiakon, 1884.

Gleichheit der Gesinnung und Denkungsart zeigt sich auch gern im Aeuesern, daher die Volkstrachten, Cocarden, die Abzeichen verschiedener politischer Parteien.


175. Graue Köpfe und blonde Gedanken passen nicht zusammen.

Aehnlich die Russen. (Altmann VI, 443.)


176. Grindiger Kopff zielt viel Läuss, die darin zu der Glieder verderben Nester machen. Lehmann, 565, 8.

Schlimmer Einfluss schlechter Obrigkeit.


177. Grob köpff behalten lang.Franck, I, 85b; Egenolff, 345a; Gruter, I, 45; Petri, II, 357; Schottel, 1128a.


178. Grober Kopf und dünner Hals ist Ansatz zu einem Narren.


179. Gross Kopf, gross Weh.

Böhm.: Vĕtší hlava, vĕtší hlavobol. (Čelakovsky, 179.)


180. Grosse Köpffe gehen gross an vnd klein auss.Petri, II, 360.


181. Grosse Köpffe, wunderliche Köpffe.Petri, II, 360.


182. Grosser Kopff, kleines Gehirn.Winckler, XVII, 48.

Dän.: For stort eller lidet hoved er ei gierne forstandigt. (Prov. dan., 303.)

Engl.: A great head and a little wit. (Bohn II, 101.)

Frz.: Grosse tête, peu do sens. (Kritzinger, 362a.)

Holl.: Hen groot hoofd en een klein verstand. (Harrebomée, I, 326a.)

It.: Grossa testa non fa sottil cervello.

Span.: Cabello luengo y corto el seso.


183. Guter Kopf und fleissige Hand sind goldeswerth in jedem Land.


184. Guter Kopf und hungriger Magen können sich nicht vertragen.

»Des Kopfes erklärtester Feind ist ein hungriger Magen.« (Welt und Zeit, I, 134, 7.)


185. Hâld den Kop kôld un de Foite warm un den Darm ôpen, sau brûkst de nig na'n Dokter te lôpen.Schambach, II, 404.

Holl.: Houd uw hoofd en voeten warm, en vul matig uwen darm; houd daarbij uw achterste open, dan kan de dokter naar den drommel loopen. (Harrebomée, I, 328a.)


186. Halt Kopf frisch, Füsse warm, Leib offen und lass den Doctor laufen.Bremser, 10.

It.: Piscia chiaro e fatti beffe del medico.


187. Harte Köpfe kommen selten überein.

Böhm.: Dvĕ tvrdé hlavy nebrzo spolu strefí. (Čelakovsky, 116.)

Kroat.: Dve tvèrde glave nikaj dobra neobave. (Čelakovsky, 116.)


188. Hastige Köpfe dienen nicht bei verworrenen Herrn.Petri, II, 372.


189. Hätte der Kopf nicht harte Knochen, es wäre bald ums Gehirn geschehen.

Böhm.: Trp hlavo, na to jsi z kostí ukuta. (Čelakovsky, 111.)


190. Hätten wir alle Einen Kopf, so brauchten wir auch nur alle Einen Hut.

Dän.: Havde alle et hoved paa, saa havde man kun en hat behov. (Prov. dan., 303.)

Holl.: Als wij allen één hoofd hadden, hadden wij maar één' hoed noodig. (Harrebomée, I, 325a.)


191. Hau em de Chopf ab, so hed's Födlech (s.d.) Firobend.Tobler, 197.

Wenn man eine Sache nur recht anfasst, so bewältigt man sie auch.


192. Hitzige köpff vnd gehe (jähe) daten gehören in kein rat.Vom luth. Narren in Kloster, X, 126.


[1507] 193. Hitzige Köpffe wöllen das Euangelium auss der schaiden erklären vnd verthädigen. Henisch, 954, 17; Petri, II, 381.


194. Hôl Kopp un Föte warm, föll nig so sêr den Darm, de Achterpôrt lât âpen stân, so mut de Dokter spazêren gân. (Holst.) – Schütze, I, 16.

Sorge für regelmässige Leibesöffnung.


195. Höltzerne Köpffe geben höltzerne rethe. Hayneccius, Drey Comedien, Vorr.

»So ist nu derwegen mit nichten ein schlecht vnd gering ding vmb Schulen. Jener Rathherr sagte auch wol, man könne den Schreiber entperen, könnte eben so wol Kerbholtzern, als mit der Feder, vber Land handeln. Aber höltzerne Köpffe geben höltzerne rethe.«


196. Hundert Köpfe voll Gedanken bezahlen nicht eine Hand voll Schuld.


197. Hunert Köpfe, hunert Sinne, seg de Biûer, däu laet e hunert Kapstköppe den Berg herunnerläupen, un jeder léip suinen eigenen Weg. (Sauerland.)


198. Ich hab' meinen Kopf für mich, sagte Hans, da kam er mit einem Schweinskopf daher.


199. Ich weiss nicht, wo mir der Kopf steht, sagte der Küster, da sollte er einen Lebenslauf für ein todtgeborenes Kind machen.


200. In einem kleinen Kopf steckt oft grosser Verstand.

Holl.: In een klein hoofd ligt dikwijls veel wijsheid. (Harrebomée, I, 328b.)


201. In einem schönen Kopf ist auch wol ein wüstes Hirn.

Dän.: Skurvet hoved sanker mange luus som komme ned til de andre lemmer. (Prov. dan., 304.)

It.: Bella testa è talvolta una maluagia bestia. (Pazzaglia, 32.)


202. In einem vollen Kopff ist wenig verstandes.Petri, II, 403.


203. In jedem Kopfe ist etwas Weisheit.

Nur nicht in einem so viel als im andern.


204. Ist der Kopf abgeschlagen, so wird niemand nach dem Hute fragen.


205. Ist der Kopf krank, so legen alle Glieder Beileid an.


206. Ja, de hadd'n verschlagen Kopp, as he de Trapp herunner full. (Ostfries.)


207. Je grösser der Kopf, je grösser der Kopfschmerz.


208. Je leerer der Kopf, desto geschwätziger die Zunge.

Frz.: Les tonneaux vides sout ceux qui font le plus de bruit. (Lendroy, 1611.)


209. Je leerer der Kopf, desto lauter das Maul.

»Je hohler der Resonanzboden, desto lauter der Schall; je leerer der Kopf, desto lauter das Geschrei; je hirnloser das Werk, desto lauter die Posaunen.« (Friedrich, Satir. Zeitspiegel, IV.)


210. Je schöner der Kopf, je weniger Gehirn. Winckler, VII, 55.


211. Jedem ist sein Kopf der beste.


212. Jeder hat seinen Kopf für sich.Blum, 518.

In Rendsburg: Jeder hett sin Kopp vör sick.

Frz.: Chacun a sa manie. (Kritzinger, 437b.) – Chacun a sa teste, Martin le veau et autre beste. (Leroux, II, 196.)


213. Jeder Kopf hat sein eigenes Hirn.

Böhm.: Co hlava, to rozum. (Čelakovsky, 202.)

Poln.: Co głowa, to rozum. (Čelakovsky, 202.)


214. Jeder Kopf hat seinen Schatten.


215. Jeder Kopf will seinen eigenen Hut.Altmann VI, 460.

Mhd.: Jedes haubt dasz wil seinn huot ieglich haus daz wil sein feur. (Ring.) (Zingerle, 196.)

Dän.: Hver hoved har sit sind. (Prov. dan., 303.)


216. Jeder Kopff hat seine Stirn vnd sein Gehirn.Herberger, II, 408.


217. Jederman ist einem Vernünfftigen Kopff gehorsam, aber nicht den Füssen.Lehmann, 853, 11.


218. Kahler Kopf dämpft keine Traurigkeit.


219. Kann man den Kopf retten, so mag man den Bart opfern.


220. Kann man mit dem Kopf nicht durch die Wand, so kann man durch die Thür.

Lat.: Destitutus ventis, remos adhibe. (Manutius.) (Binder II, 748.)


[1508] 221. Kein kluger Kopff ist je gewesen, den nicht der Narr hat vberleseu.Petri, II, 417.


222. Klare Köpfe und Glas lassen sich nicht biegen.


223. Kleine Köpfe können keinen grossen Gegenstand umspannen.

»Ein grosser Gedanke geht ebenso wenig in einen kleinen Kopf, als eine Bombe in eine Nussschale.« (Welt und Zeit, I, 144, 95.)


224. Kleine Köpfe, lange Zöpfe.


225. Kommt man über den Kopf, so kommt man auch über den Schwanz.


226. Kopf ab ist das Schlimmste, was kommen kann.

Holl.: Het kan niet erger dan den kop af. (Harrebomée, I, 437b.)


227. Kopf ab ist ein gut Mittel gegen Grind.

Die Russen bemerken aber: Um des Grindes willen köpft man sein Kind nicht. (Altmann VI, 140.)


228. Kopf, Geduld und Ellenbogen sind drei edle Sachen. (Brandenburg.)


229. Kopf, Kopf, was ist dir? Der Mund hat mich umgebracht.

Die Neger in Surinam, um zu sagen, dass Hoffnung den Menschen nicht verlässt, so lange er noch athmet.


230. Kopf kühl, Füsse warm, macht den Doctor arm.Eiselein, 399.


231. Kopf oben ist die Hauptsache.

Die Russen: Der Kopf ist der Zar, das Herz ist das Reich. (Altmann VI, 440.)


232. Kopf ohne Geld hat wenig Werth in der Welt.


233. Kopf und Hand gehören dem Vaterland.


234. Kopf weg, schreit der Bursch zu Halle. Frischbier2, 2127.


235. Köpfe, die man zwingen soll, die gerathen selten wohl.


236. Köpfe und Eisen rosten ungebraucht.


237. Köpfe und Filzhüte behalten ihre (alte) Form.

Sie würden, bereits trocken geworden, springen, wenn man sie gewaltsam über eine andere Form biegen wollte.


238. Köpfe voll Hauben, Häuser voll Tauben, Keller voll Wein fressen viel und bringen nichts ein.


239. Köpfe wollen wir, Köpfe.Kirchhofer, 97; Simrock, 12361.

Als 1798 die Landleute eines schweizerischen Cantons bewaffnet in die Stadt zogen; so drückten sich entweder einige Erhitzte so aus, dass sie Köpfe verlangten, oder diese Sage ging vor ihnen her. Nach überstandener Angst wurde nachher auf die Frage: Was wollt ihr? wenn jemand wohin kam, die Antwort gegeben: »Köpfe will ich, Köpfe.« Man sieht daraus, wie schnell eine sprichwörtliche Rede entstehen oder eine Rede sprichwörtlich werden kann.


240. Kopff ab ist eine tödtliche Wunde.Lehmann, II, 315, 65; Petri, II, 426; Simrock, 5868.

Dän.: Kop-af er et dödeligt saar. (Prov. dan., 355.)

Hall.: De kop of is eene dood wonde. – Thooft af is een dode wonde. (Harrebomée, I, 437.)

Lat.: Vulnus letale caput abscisum voco tale. (Fallersleben, 691; Sutor, 496.)


241. Kopp aff, Zogel önn e Löschke. (Königsberg.)

Sagt man, wenn man eine Sache über Hals über Kopf abfertigt.


242. Kopp glatt, Foite glatt is de halwe Brûtschat. (Bremen.) – Bremer Sonntagsblatt, 1853, Nr. 4; Köster, 253; für Hannover: Schambach, I, 386.

Empfiehlt heirathslustigen Mädchen wohlgekämmtes und nett geordnetes Haar, so wie kleidsames Schuhwerk, was als der halbe Brautschatz bezeichnet wird.


243. Kopp kalt, Föte warm, Achterport open, denn brukt ji nich na'n Dokter to lopen. (Oldenburg.) – Goldschmidt, II, 28.

In Strelitz: Kopp koll (kalt) un Föte (Füsse) waarm! Füll nich to sir den Daarm, holl 't Achterpüürtken (Hinterpförtchen) oapen (offen), denn hett de Dokter nicks to hoapen. (Firmenich, III, 74, 145.)


244. Kopp un Föt holl warm, slâ nich to vull de Dârm, de Achterpûrt lat apen stahn, denn kann de Dokter wîrer (weiter) gahn. (Mecklenburg.) – Schiller's Ms.


245. Kopp verloren, Ollens verloren. (Waldeck.)


246. Kopp weg, e Prehmke föllt vom Dack (Dach). (Königsberg.) – Frischbier2, 2140.

Ist der stehende Warnruf königsberger Arbeiter, wenn sie einen Gegenstand von der Höhe auf die Erde werfen. [1509] Prehmke ist eigentlich ein kleiner Ballen Kautaback; Zimmerleute und Maurer bezeichnen aber damit auch Ziegelsteine, Balken u. dgl.


247. Langsame Köpfe behalten lange.Eiselein, 390; Simrock, 5861; Braun, I, 1952.

Lat.: Ingenio tardo praeceptum firmius haeret. (Binder I, 743; II, 1505; Eiselein, 390; Seybold, 241.)


248. Lass dir's auf den Kopf regnen, dass du noch etwas wächst.

In Anhalt zu Kindern.


249. Leere Köpfe lieben lange Titel.

Holl.: Ledige hoofden hebben zonderlinge gedachten. (Harrebomée, I, 328b.)


250. Leichte Köpfe, gute Herzen.

Holl.: Een los hoofd, een goed hart. (Harrebomée, I, 326a.)


251. Man kan nicht alle Köpffe vber einen Kamm scheren, noch alle Schuh vber einen Leist machen.Petri, II, 456.


252. Man kan nicht zwei köpffe zugleich mit einem hut decken.Petri, II, 456; Henisch, 669, 52.


253. Man kann einem den Kopf nehmen, aber nicht seine Gedanken.

Die Türken: Meinen Kopf gebe ich, aber nie mein Geheimniss. (Cahier, 2747.)

254. Man kann nicht alle Köpfe unter einen Hut bringen.Eiselein, 390; Körte, 3497; Petri, II, 456; Henisch, 669, 51.

»Vergebens wiltu darnach ringen all Köpf in einen Hut zu bringen; solch mühsam Arbeit magst wol sparn.« (Kirchhof, Wend Vnmuth, IV, 161.)


255. Man kann nicht mit dem Kopfe durch die Wand.

Holl.: Men kan met zijn hoofd niet door den muur loopen. (Harrebomée, I, 328b.)


256. Man kann nicht mit einem fremden Kopf aus dem Fenster sehen.

Holl.: Men kan niet uit het venster kijken, als men geen hoofd heeft. (Harrebomée, I, 328b.)


257. Man kann wol einen klugen Kopf in eine Narrenkappe stecken.


258. Man muss den Kopf nicht verlieren.

Man muss den Muth nicht sinken lassen; wenn's übel geht, nicht verzagen.

Frz.: Il faut faire contre fortune bon coeur. (Lendroy, 705.)


259. Man muss den Kopf streicheln, um Läuse (Ungeziefer) zu fangen. (Surinam.)

Man muss die Leute bei ihrer schwachen Seite fassen.


260. Man muss immer den Kopf über Wasser halten.

Sich nicht vom Geschick niederbeugen lassen. Goethe schrieb (5. Juli 1786) an Herder. »Der Kopf ist' mir manchmal toll genug; doch hab' ich ihn noch immer oben erhalten.« (Herder's Briefwechsel, S. 62.)

Lat.: Et mihi res, non me rebus subjungere conor. (Faselius, 77.)


261. Man muss nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen.

Frz.: Il ne faut pas faire de sa tête massue.

Poln.: Łbem muru nie przebijesz. (Masson, 321.)


262. Man muss seinen eigenen Kopf haben, weil man keinen zu leihen kriegt.Eiselein, 390; Simrock, 5846.


263. Man muss seinen Kopf weder ins Feuer noch ins Wasser stecken.

Die Araber: Bringe deinen Kopf weder unter den Zorn eines Königs, noch in die Ueberschwemmung eines Flusses. (Cahier, 2421.)


264. Man muss sich so lange an seinen Kopf halten, bis man ihn verloren hat.

It.: Non bisogna fasciarsi il capo prima di romperselo. (Bohn I, 111.)


265. Man schlägt den Kopf nicht ab, weil er grindig ist.

Dän.: Man hugger ikke hovedet af fordi det er skurvet. (Bohn I, 387.) – Man skal ei hugge hovedet af for det er luuset og skurvet. ( Prov. dan., 303.)


266. Man sieht einem wol an den Kopf, aber nicht in den Kropf.

Holl.: Men ziet hem wel voor den kop, maar niet in den krop. (Harrebomée, I, 438a.)


267. Man sol nicht begeren alle Köpffe in ein Bockshorn zu zwingen.Petri, II, 476; Gruter, III, 67; Lehmann, II, 409, 35.


268. Man thut besser, so einer den Kopff zu flehen kompt, alss den hindern.Lehmann, 154, 29.


269. Manch guter Kopf kommt nicht hervor, dieweil verdränget ihn ein Thor.

Lat.: Saepe summa ingenia in occulto latent. (Plautus.) (Philippi, II, 162; Schonheim, S, 3.)


[1510] 270. Manchem Kopf fehlt nichts als das Gehirn.

Wenn die Chinesen recht haben, so wird dies nichts schaden, denn sie behaupten in einem ihrer Sprichwörter: Nicht im Kopfe, im Bauche sitzt der Geist. (C.A. Fischer, Curiositätenalmanach, Mainz 1826, S. 280.)

Frz.: Touteg têtes ne sont pas coffres à raison. (Bohn I, 59.)


271. Mancher gute Kopf bleibt nach aus Mangel an Gelde.


272. Mancher hat den Kopff voll mücken und kan keine im gemach leiden.Lehmann, 430, 32; Körte, 4318b.


273. Mancher hat ein Kopff wie ein mörsel, man muss alles drin stossen.Lehmann, 429, 26.

Dän.: Mange have hoved som en morter, man skal støde alt deri; andre have en reve i hiernen, saa det løber ud. (Prov. dan., 303.)


274. Mancher Kopf hat zehn Splitter und elf Zwickel zu viel und neun zu wenig.Körte, 3500.


275. Mancher Kopf ist glatt (geputzt u.s.w.) von aussen und verworren im Innern.

Böhm.: Na hlavé šperky, a hlavĕ třeba čemerky. (Čelakovsky, 97.)

Kroat.: Na glavi kinč, vu glavi nič. (Čelakovsky, 97.)


276. Mancher will den Kopf aus der Schlinge ziehen und fällt mit dem Hintern hinein.Ettliche offentliche not Brieffe Martini Luthers an den Kurfürsten zu Brandenburg (Wittenberg 1530).


277. Mancher will mit dem Kopff hindurch vnnd könnt wol neher kommen.Petri, II, 454.


278. Me süht enem wuol vör den Kopp, oawer nit innen Kropp. (Iserlohn.) – Woeste, 71, 157.


279. Mein Kopf ist so viel werth, als du mit Bauch und Schwanz, sagte der Stockfisch zur Grundel.


280. Melancholischer Kopf ist des Teufels Hafen und Topf, darein er tropf und darein er koch seinen Hopf.Fischart, Gesch.


281. Min Kopp is gên Allmnack. (Ostfries.) – Bueren, 870.


282. Mit altem Kopf und frischer Hand kommt man durch jedes Land.

Engl.: Old head and young hand. (Bohn II, 120.)


283. Mit dem Kopfe gegen die Wand läuft kein kluger Mann im Land.

It.: Protestare e dare del capo nel muro, lo può fare ognuno. (Bohn I, 122.)


284. Mit dem Kopfe getrauert, mit dem Marse gehauert (gehurt). (Braunschweig.)


285. Mit dem Kopfe stosset man keinen Baum vmb.Lehmann, 894, 1.


286. Mit dem Kopff hindurch wollen, thut kein gut.Petri, II, 474.


287. Müssige Köpfe haben seltsame Gedanken.


288. Niemand läst jhm gern den Kopff anderst setzen.Lehmann, 511, 14.


289. Nur ein toller Kopf rührt dies in Einen Topf.Eiselein, 390.


290. Ohne Kopf ist bös leben.

Dennoch ist, wie die Legende erzählt, der Küster, dem ein heidnischer König in Paris hat enthaupten lassen, mit dem Kopfe in der Hand bis Saint-Denis gelaufen, um sich dort begraben zu lassen und dem Orte seinen Namen zu geben. H. Heine bemerkt zwar, es sei, wenn man die Entfernung bedenkt, zu verwundern, dass jemand ohne Kopf so weit gehen könne.

It.: Corpo non l'è che senza capo viva. (Pazzaglia, 44, 6.)


291. Schön Dank, du stulzer Kôp, a andermôl bîs ne su grôp. (Oberlausitz.)


292. Schöner Kopf, fauler (wilder) Arsch.Lehmann, 149, 138 u. 705, 23.


293. Schöner Kopf – schlimme Bestie. (Bergamo.)

Eine schöne Frau kann einen bösen Charakter haben.


294. Schwarzer Kopf, rother Bart, böse Art. Simrock, 740; Sailer, 86; Reinsberg I, 123.


295. Sind wir über den Kopf, so kommen wir auch weiter.Schuppius, Tractätlein.


296. So lange der Kopf nicht herunter ist, trägt der Mensch einen Hut.


297. So mancher Kopff, so mancher Sinn.Eyering, III, 309.

Böhm.: olik hlav, tolik i smyslův. – Kolik dĕr, tolik syslův, [1511] kolik hlav, tolik smyslův. – Kolik hlav, tolik kloboukův (rozumův). (Čelakovsky, 202.)

Krain.: Kolikor glav, toliko misel. – Kolik pánkův, tolik žbánkův. – Kólko ljúdi, tólko čúdi. (Čelakovsky, 202.)

Kroat.: Kuliko ljudih, tuliko cudih. – Kolik brad, tolik rad. (Čelakovsky, 202.)

Poln.: Co dzbanek, to panek. – Každa glowa ma swoję czapkę. – Každy dudek ma zwoj czubek. (Čelakovsky, 202.)

Wend.: Hač hłojička, da wašničko. (Čelakovsky, 202.)


298. So mancher Kopf, so mancher Tropff; so manches Hirn, so manche Stirn.Herberger, II, 507.


299. So mennig Kopp, so mennig Sinn, säd' Ulenspegel, un smêt 'n Sack mit Dôdenköpp von'n Bârg' (de ên lêp gôr nâ'n Krôg). (Mecklenburg.) – Hoefer, 1090.


300. So viel Köpfe, so viel Hälse (Hüte).Winckler, XVII, 49.


301. So viel Köpfe, so viel Kröpfe.Simrock, 5842.


302. So viel Köpfe, so viel Tröpfe.

Von einer dummen Gesellschaft.


303. So völ Koppen, so völ Sinnen.Bueren, 1061; Hauskalender, I.


304. Taugt auch der Kopf nicht viel, das Herz ist desto besser.

Frz.: Mauvaise tête, bon coeur. (Cahier, 1707.)


305. Tausend Köpfe, tausend Sinne.

Frz.: Vingt têtes, vingt avis. (Masson, 218.)

Lat.: Mille hominum species et rerum discolor usus. (Binder II, 1857.)


306. Tolle Köpfe wollen auch durch metallene Mauern laufen.


307. Um den Kopf zu retten, muss man den Bart preisgeben.


308. Unter jedem hängenden (gesenkten) Kopfe wohnen tausend Bubenstücke.Burckhardt, 542.

Man sieht, dass die Kopfhänger in Aegypten nicht besser sind als bei uns.


309. Väl Köpp, väl Sinnen, sä de Fôrmann, as he 'n Foor Kohlköpp umsmieten harr. (Jever.) – Hoefer, 614a; Hauskalender, III.

310. Väl Köppe hefft väle Sinnen, sä de Knecht, as he mit'n Wagen voll Bûskôl umsmêt, un de êne trüllde hierhen, de anner trüllde darhen. (Oldenburg.) – Firmenich, I, 232, 14; Hagen, 100, 2; Frommann, III, 38, 17.


311. Vêl Köpp, vêl Sinn, säd' de Jung, dôr smêt he 'n Wagen mit Kohlköpp üm.Hoefer, 546.


312. Vel Köpp, vel Sinn, seggt dei Düwel, da harr hei 'n Fäurer Poggen (Fuder Frösche) laden. (Mecklenburg.) – Raabe, 10; hochdeutsch bei Simrock, 5843; Hoefer, 1040.


313. Vêl Köpp, vêl Sönn, säd jen Bûr, as he met den Feder Komst omstölpt. (Danziger Nehrung.) – Frischbier 2, 2147.


314. Vel Köppe, vel Sinne, se' de Duiwel, osse he eun Fäouer Höppers (Fuder Frösche) laden hadde. (Lippe.) – Firmenich, I, 269.


315. Verschrobene Köpfe und Eulen lieben die Nacht.


316. Vff eyn solchen kopff gehört eyn solche lauge.Tappius, 14a; Lehmann, II, 31, 47; Sailer, 84; Parömiakon, 1006 u. 1685; Eiselein, 359; Körte, 3494.

Dieser Mensch muss so behandelt werden. (S. Kammerlauge.)

Lat.: Asper equus duris contunditur ora lupatis. (Ovid.) (Binder I, 94; II, 263; Philippi, I, 44; Seybold, 41.)


317. Viel Chöpf, viel Sinn, viel Narrenwerch drin. (Luzern.)


318. Viel Köpf müssen viel Hüt haben und keiner kann dem andern seinen recht aufsetzen. Opel, 380.


319. Viel Köpf', viel Sinn; viel Hasen, viel Sprüng'. (Eifel.) – Reinsberg II, 69.

Nicht blos jede Gattung hat ihre, jedes einzelne Wesen hat seine Eigenthümlichkeiten, was sich in den Sprichwörtern aller Völker ausgesprochen findet. Die Italiener: So viel Köpfe, so viel Gehirne. Die Engländer: So viel Hunde, so viel Arten. Die Walachen: Die Hand hat fünf Finger, und doch ist keiner dem andern gleich. Die Mailänder: Ein Mensch ist viereckig, [1512] der andere ist rund; nichts in der Welt kann sich gleich sein. Die Serben: Der Stern unterscheidet sich vom Stern und der Mensch vom Menschen. Die Neugriechen: Die Augen des Hasen sind anders als die der Eule. Die Franzosen: Niemand ist auf gleiche Weise toll. Die Albanesen: Zwei Menschen haben nicht denselben Kummer. (Reinsberg II, 69.)


320. Viel Kopf, wenig Mund.Sprichwörtergarten, 146.

Der gründliche Denker liebt kein leeres Geschwätz.


321. Viel Köpfe gehen schwer unter Einen Hut. Simrock, 5845.

Dän.: Det er ondt at faae mange hoveder unden een hat. (Bohn I, 361.)

Holl.: Het valt moeijelijk, veel hoofden onder ééno kaproen te vergen. (Harrebomée, I, 326b.)


322. Viel Köpfe, viel Sinne, viel Dächer, viel Gerinne. – Schlesisch bei Gomolcke, 1050.


323. Viel Köpff in ein bringen kostet mühe. Petri, II, 573.


324. Viel Köpff, viel Sinne (Hüt).Lehmann, 429, 11; Lehmann, II, 151, 80; Petri, II, 573; Hollenberg, II, 7; Beyer, I, 1; Eisenhart, IV, 34; Gaal, 1034; Bücking, 82; Masson, 30; Pistor., VII, 42; Mayer, II, 49 u. 224; Siebenkees, 377; Nas, 11; Ramann, Unterr., I, 51; Körte, 1350 u. 4389; Parömiakon, 2782; Braun, I, 1953; Reinsberg II, 69; für Franken: Frommann, 17, 319, 236; für Innsbruck: Frommann, VI, 35, 45; für Hannover: Schambach, II, 387; für Schlesien: Frommann, III, 242, 12; für Waldeck: Curtze, 355, 517.

»Man thut gemeinlich sagen, dass viel heupter viel sinn tragen.« (Loci comm., 81.) »Viel Köpfe, viel Sinne; jedem gefällt seine Kappe.« (Grimmelshausen, Teutscher Michel.) »Und da wol allemahl wahr bleibt, viel Köpffe sind viel Sinne, so bleibet doch ieder bei seinen 5 Augen und denckt die seinen sind die besten.« (Keller, 150a.) Die Mechanik mancher menschlichen Köpfe ist ebenso verschieden, wie die Mechanik einer Repetiruhr und eines Bratenwenders. Wer die Eigenthümlichkeiten anderer nicht achtet, verdient auch nicht, dass man die seinigen achte.

Dän.: Saa mange hoveder, saa mange sind. (Bohn I, 397.)

Engl.: Many men, many minds; so many dogs, so many kinds. (Eiselein, 389; Bohn II, 114; Gaal, 1034.)

Frz.: Autant de têtes, autant d'avis (opinions). (Leroux, I, 185; II, 177; Gaal, 1034; Kritzinger, 644b.) – Autant de têtes, autant d'opinions. (Lendroy, 98; Bohn I, 7; Kritzinger, 49a.) – Chaque tête, chaque avis. (Lendroy, 1372.) – Les gens du même avis ne sont jamais d'accord. (Masson, 217.) – Tant de gens, tant de sens. (Eiselein, 389.)

Holl.: Also menich hooft so menighen sin. (Tunn., 3, 7.) – Veel hoofden, veel zinnen. (Bohn I, 341.)

It.: Quanti capi, tanti cervelli. (Pazzaglia, 46, 19.) – Quante teste, tanti pareri. (Gaal, 103; Pazzaglia, 373, 4.)

Lat.: Homines studia in diversa feruntur (Binder II, 2318.) Pectoribus mores to sunt, quot in orbe figurae. (Ovid.) (Binder II, 2514.) – Quolibet in capite viget ingenium speciale. (Loci comm., 81; Fallersleben, 46; Sutor, 921.) – Quot capita (homines), tot sententiae (sensus). (Eiselein, 389; Gaal, 1034; Froben., 555; Sauer, Kiij2; Hanzely, 24; Seybold, 518.) – Quot capitum vivunt, totidem studiorum millia. (Horaz.) (Binder I, 1529; II, 2910; Philippi, II, 148.) – Quot homines, tot capita. (Egenolff, 134.)

Poln.: Co dzbanek, to panek. – Co głowa, to rozum. – Každy dudek ma swój czubek. – Každa głowa ma swoję czapke. (Masson, 218.)

Schwed.: Så mång Hufwud, så mång Sinne, (Grubb, 26.)

Ung.: Mennyi az ember, annyi a tetszés. (Gaal, 1034.)


325. Viel Köppe, viel Sinne, der Duiwel sitt darinne. (Büren.)


326. Viel Köppe, viel Sinne, hadde Ulenspiegel sagt, da hadde 'ne Schuwkar vull Föerske1 hat; wann'e den einen derup dä, hüppede de annere wiyer herunner.

1) Föerske, d.i. Frösche.


327. Viel Köppe, viel Sinne, sach de Düwel, doa hadd' 'e 'ne Schufkar vull Füörske. (Iserlohn.) – Woeste, 64, 36.


328. Viel Köppe, viel Sinne, siä jener Knecht, as he 'n Föör Kumstköppe1 ümmeschmîten harr, un de êne hîer- un de annere dârhen turrelde.Lyra, 193.

1) Kabusköpfe.


329. Vil Chöpf, vil Sinn, het de Chobisma geseit, wo'n em s' Fueder uenand gfare-n ist.Sutermeister, 45.


330. Vill Käbb, vill Sönn, vill Hoase, vill Spröng'. (Trier.) – Laven. 193, 114.


[1513] 331. Vill Köpp, vill Sen, vill Wösch, vill Pen. (Köln.) – Weyden, II, 5.


332. Vom kahlen Kopff raufft man keine Haare.Petri, II, 578; Froschm., C.c.VIII.


333. Vom Kopfe bis zum Fuss, vom Scheitel bis zur Ferse.

Lat.: A capillis usque ad ungues. (Petron.) (Binder II, 4.) – A capite usque ad calcem. – Talos a vertice pulcher ad imos. (Horaz.)


334. Von vielen Köpfen ist guter Rath holen.

Der viele Rath kann uns aber leicht so irre machen, dass wir nicht wissen, was, wie und womit zu beginnen ist.


335. Wä welld halde der Kopp ganz, dä muss blieve vom Bûren Danz. (Bedburg.)


336. Wann man den Kopff erhalten wil, so führt der Teufel den Leib gar hin.Gruter, III, 82.


337. Wär singe Kopp verwaat, der verwaat kein dauf Noss. (Köln.) – Firmenich, I, 471, 2; für Düren: Firmenich, I, 483, 43.


338. Was dem Kopfe hilft, schadet den Füssen.


339. Was der Kopf vergisst, müssen die Füsse entgelten.

Durch vermehrte Gänge.


340. Was ein harter (langsam aufnehmender) Kopf behält, später schwerlich ihm entfällt.


341. Was einen Kopf (Anfang) hat, muss auch einen Schwanz (Ende) haben.

Holl.: Heeft het ding een' kop, dan moet het ook een' staart hebben. (Harrebomée, I, 437a.)


342. Was gut für den Kopf, ist schlimm für den Rücken.Reinsberg II, 127.


343. Was hilft's, wenn man mit dem Kopfe gegen die Wand rennt.

Böhm.: Tluc hlavu o zed', co si vytlučeš? (Čelakovsky, 192.)

Lit.: Bau musza galwa in akmenin? (Čelakovsky, 192.)

Poln.: Trudno muru głową przebić. (Čelakovsky, 192.)


344. Was man nit im Kopf hat, muss man in Füssen (den Beinen) haben.Gruter, III, 99; Lehmann, II, 865, 80; Gaal, 1033; Eiselein, 389; Lohrengel, I, 718; Simrock, 5853; Körte, 3489; Frischbier, 291; Frischbier2, 2130; Braun, I, 1938; für Düren: Firmenich, I, 484, 103; für Steiermark: Firmenich, II, 765, 34; für Strelitz: Firmenich, III, 72, 82; für Waldeck: Curtze, 331, 201.

Der Vergessliche muss manchen Weg machen, den er sich hätte ersparen können.

Böhm.: Kdo nemá v hlavĕ, musí míti vnohou. (Čelakovsky, 253.)

Dän.: Hvo ei haver det i hovedet, faaer at have det i födderne. (Prov. dan., 304.)

Engl.: Who has not understanding, let him have legs. (Bohn II, 21.)

Frz.: Les jambes portent la faute de la tête. (Gaal, 1033.) – Les jambes doivent réparer les fautes de la mémoire. – Qui n'a mémorie, qu'il ait jambes. (Cahier, 1070.) – Sa tête donne bien de l'exercice à ses pieds. (Starschedel, 420.) – Qui n'a pas bonne tête, doit avoir bonnos jambes.

It.: Chi non ha capo (testa) cervello (cuore) habbia gambe. (Gaal, 1033; Pazzaglia 44, 3; Bohn I, 92.) – Chi non ha cuore habbia gambe. (Masson, 218.)

Krain.: Kdor nejma ve glavi, mora v' petah imeti. (Čelakovsky, 253.)

Kroat.: Koi nema v glavi, niora v petah imati. (Čelakovsky, 253.)

Lat.: Pedibus compensanda memoria est. (Gaal, 1033.)

Poln.: Kto niema w głowie, mieć nicí w nogach. (Lompa, 18.)


345. Was nützt der kluge Kopf, wenn die Füsse ihren eigenen Weg gehen.

Die Russen: Der Kopf soll nicht allein weise sein, sondern auch die Füsse. (Altmann VI, 503.)


346. Was nützt der krause Kopf, wenn er mit Stroh gefüttert ist.Parömiakon, 154.


347. Was nützt ein guter Kopf, wenn der Toches (Arsch) nischt taugt. (Jüd.-deutsch.) – Kremm, 337.

Was nützen die schönsten Anlagen, wenn dem damit Begabten der Fleiss fehlt, wenn er kein Sitzfleisch hat.


348. Was nützt mir ein weiser Kopf, wenn er kahl ist, sagte die Laus.

Die Russen: Der Kahlköpfige mag ein Weiser sein, der Laus gilt er aber als Verbrecher. (Altmann VI, 425.)


349. Was soll dem der Kopf, der Geld im Beutel hat.

Engl.: He that has money in his purse, can not want a head for bis shoulders. (Gaal, 1306.)


[1514] 350. Wass der Kopff thut, das müssen die Füss entgelten (und was die Füsse thun, muss der Kopf nicht entgelten).Lehmann, 179, 7.


351. Wat de Kopp vergettet, möttet de Fäute (Füsse) nohalen (nachholen). (Lippe.) – Firmenich, I, 269.


352. Wat man nich inn Kopp hett, mot man in de Föte hebben.Goldschmidt, 159; für Paderborn: Firmenich, I, 362, 18; für Driburg: Firmenich, I, 363, 51; für Aachen: Firmenich, I, 494, 138; für Rastede: Firmenich, III, 29, 120; für Niederösterreich: Frommann, III, 389, 3; für Franken: Frommann, VI, 319, 235; für Hannover: Schambach, II, 264.


353. We me'n eim der Chopf abghaue het, so brûcht me-n em