Werth (Adverb.)

1. Der ist eins dings nicht werth, der nicht das Hertz hat, dass er's begehrt.Lehmann, 66, 21; 100, 7.


2. Der ist wenig werth, der sich um seinen guten Namen nicht wehrt.


3. Die sind werth zu leben, die jedem das Seine geben.

Holl.: Zij zijn wel waard te leven, die ieder 't hunne geven. (Harrebomée, II, 431a.)


4. Jeder ist nur so viel werth, als er nützt.Müller, 175.


5. Nichts werth ist alle scheen vnd zierd, dabey khain frümbkait ghalten wierd.Rasch, Ciij2.


6. Was einer werth ist, das widerfährt ihm.Simrock, 11573.

Lat.: Ut mores sunt, ita fortuna respondet. (Plautus.) (Binder I, 1813; II, 3441; Schonheim, U, 31; Philippi, II, 238; Seybold, 659.)


7. Was mehr werth ist als eine Laus, das nimm mit nach Haus (das hebe auf).


8. Wat mehr werth es as en Lûs, böhrt (hebt) me op, on nemmt me met no Hus. (Meurs.) – Firmenich, I, 406, 353.


9. Wat sou viël weiert es, all 'ne (als eine) Lûs, mott man hiagen (hegen) to Hûs. (Bielefeld.) – Firmenich, I, 281, 2.

In Schwaben (Deisslingen): Wenn etwas mehr werth ist, als eine Laus, der heb's auf und nehm's mit nach Haus. (Birlinger, 339.)


10. Wer viel werth, dem wird viel beschert.


*11. Das ist nicht wert, dass mans für ein ollen Ofenloch flickte.Herberger, I, 617.


*12. Das ist so viel werth als eine taube Nuss. Braun, I, 3098.


*13. Dat iss nich Bessas wäth, man müsst oall Säg fäm Oass geten. (Ukermark.)

Das ist nichts Bessers werth, als der Sau vor den Hintersten gegossen. – Die Bauersfrauen brauen häufig selber das zu ihrem Gebrauch nöthige Bier, »Trinken« genannt. Geräth es einmal sehr schlecht, so wird obige Redensart auf dasselbe angewandt.

*14. Dat öss nich werth, de Su ver e Asch to gête.Frischbier, 3213.

Von einem schlechten, unschmackhaften Getränk, ungeniessbarer Suppe.


*15. De is werth, dat he mit heeter Myge (Harn) begotten were. (Holstein.)


*16. Du bist nicht werth, dass dich der Teufel hole.

Jemand klagte wegen dieser Aeusserung, und der Verklagte sollte Abbitte leisten. Ich widerrufe, sagte dieser: ja, du bist werth, dass dich der Teufel hole. (Witzfunken, IVb, 82.)


*17. Du bist nicht werth, dass man sich einen Thaler Geld bei dir borgt.Klix, 124.


*18. Du bist nicht werth, d'r hen te ruken, wur eck hen schierten (scheten) hebbe. (Schaumburg.)

Ausdruck äusserster Verachtung.


*19. Du böst nich wäät, dat se di op e Rodacka ledde, on möt Hunddreck dodt schöte. (Stawangen.) – Frischbier, 281.


*20. Du büst nich werth, dat di'n ehrlich Hund wat schitt. (Pommern.)


*21. Du büst nig wêrt, dat du an Galgen hangst.Schütze, II, 7.

D.h. in dem Sinne: du verdienst nicht, dass du gehängt wirst, es muss dahin kommen, dass du dich selbst hängst.


[203] *22. Er ist es so gut werth, wie ein Ei einen Kreuzer.


*23. Er ist nicht mehr werth als ein Schuss Pulver.Frischbier, 4033; Schleicher, 170.

Böhm.: Není hoden, aby mu střevíce zul – vody podal. (Čelakovsky, 567.)


*24. Er ist nicht werth, dass er mit einem braven Mann aus derselben Kanne trinkt.

Holl.: Hij is niet waard, dat hij met een' vroom man uit dezelfde kan drinkt. (Harrebomée, I, 379a.)


*25. Er ist nicht werth, dass ihn die Sonne bescheint.Schottel, 1115a; Eiselein, 570; Frischbier, 4034; Mayer, I, 62; Braun, I, 4123.

Lat.: Telluris inutile pondus. (Binder II, 3295; Tappius, 80b.)


*26. Er ist nicht werth, dass ihn ein guter Wind anbläst. (Troppau.)


*27. Er ist nicht werth, dass ihn ein Hund anseicht.Mayer, I, 63; Frischbier2, 4034.


*28. Er ist nicht werth, dass man ihm einen Fusstritt gibt.

Frz.: Il ne vaut pas, il ne gagne pas l'eau qu'il boit. (Starschedel, 156.)


*29. Er ist nicht werth, dass man ihm einen Trunk Wassers reicht.

Böhm.: Neni hoden, abymu vody podal. (Čelakovsky, 567.)

Lat.: Nitro caput asini ne laves. (Seybold, 358.)


*30. Er ist nicht werth, ihm die Schuhriemen aufzulösen.Tendlau, 163; Braun, I, 3956; Körte, 5415b; Eiselein, 509.

Alle Verrichtungen, die der Herr von seinen Sklaven fordern kann, ist auch ein Schüler des Gesetzes seinem Lehrer zu leisten schuldig, ausgenommen das Auflösen des Schuhriemens. (Math., 3, 11.)

Engl.: Not worthy to be named the same day. – Not worthy to carry his books after him. – Not worthy to wipe his shoes.

Frz.: Il n'est pas digne de me déchausser.

Holl.: Hij is niet waardig, diens schoen riem vast te binden. (Harrebomée, II, 431a.) – Ik ben niet waardig te kussen de schaduw van den spijker, daar uw schoen borstel aan hangt. (Harrebomée, II, 255b.)

Lat.: Indignus es, ei praestare matellam. – Indignus es, porcos pascere Pirithoi. (Martial.) (Faselius, 63.) – Indignus qui illi matulam porrigat. (Tappius, 64b; Eiselein, 556.)


*31. Er ist nicht werth, mit Pferdedreck todtgeschmissen zu werden. (Ostpr.)

Holl.: Hij is niet waard, den pispot te langen. (Harrebomée, II, 197b.)


*32. Er ist nicht werth, vor seinem Schatten zu stehen.

Holl.: Hij is niet waardig in zijne schaduw te staan. (Harrebomée, II, 431b.)


*33. Er ist nit werdt, dass er jm die schuch aussziehen solt.Tappius, 64b; Suringar, CX.

Holl.: Hij ia niet waardig, diens schoenriem vast te binden. (Harrebomée, II, 254a.)


*34. Er ist nit werdt, dass jn der erdbod trag. Franck, II, 53b; Eyering, II, 359.

Böhm.: Není hoden, že ho zemĕ nosí. – Schne pod ním zemĕ. (Čelakovsky, 528.)

Engl.: Not worthy to carry guts after a bear. (Bohn II, 184.)

Lat.: Ne ligula quidem dignus. (Suringar, CXXXV.) – Telluris onus. (Erasm., 178; Philippi, II, 213; Tappius, 80b.)

Poln.: Nie wart že go święta ziemia nosi (Schnie podnim ziemia). (Lompa, 22.)

Span.: No vale sus orejas Ilenas de agua. (Bohn II, 184.)


*35. Er ist nit werdt, dass jn die erd tragen solt. Franck, II, 68a; Herberger, I, 602; Tappius, 53b u. 81a.

Frz.: Cet homme n'est pas bon à jeter aux chiens. (Lendroy, 889.)


*36. Er ist werth wie e Sou im Judehûs.Sutermeister, 83; Eiselein, 540.

Lat.: Tam acceptus, quam scrofa in doma Judaei. (Eiselein, 540.)


*37. Er wer werth, das jm die erd verschlünd. Eyering, II, 458.


*38. Es is werth a Rettig mit Essig. (Warschau.)

D.h. nur wenig.


*39. Es isch si nit der werth, wege' 'me Leibli Brod der Ofe z'heize. (Solothurn.) – Schild, 65, 105.


[204] *40. Es ist nicht mehr werth, als dass man's dem Hunde unter den Schwanz schütte. (Wasungen.)


*41. Es ist nicht so viel werth, als man vom Nagel schabt.

Holl.: Het is geen nagelschraapsel waard. (Harrebomée, II, 116b.)


*42. Es ist nit so vil werth, dass man darumb hadern sollte.

Lat.: Quisquis rixatur modico vilis reputatur. (Sutor, 52.)


*43. Es ist so viel werth, als ein Narr dafür geben will.

Holl.: Het is zooveel waard, als er een gek vorgeven wil. (Harrebomée, II, 214a.)


*44. Es ist so viel werth, als mit Erbsen an eine Steinmauer geschossen.

»Alle diese Verleumdungen werden eindruckslos abprallen, wie die Erbsen von der steinernen Mauer.« (Magdeburger Zeitung, 1875, Nr. 525a.)


*45. Es ist werth an ausgeblusen Ei. (Warschau.)

D.h. wenig oder gar nichts.


*46. He is wêrt, dat he de Johannisstrât mit dem Rüggen ansütt. (Hamburg.)

Er ist des Staupbesens und Brandmarkens werth, weil der Pranger (Kaak) in Hamburg auf dem Berge und dieser wie der Rücken des Gestäupten der grossen Johannisstrasse zugekehrt ist.


*47. Hei is nit wê(r)t, dat'n ein dügend Ruie bepisst. (Sauerland.)


*48. Hi as egh muar wearth üs an feer Hahn. (Nordfries.)

Er ist nicht mehr werth, als eine unfruchtbare Henne, d.i. die keine Eier legt, sich mauset. Eine solche Henne heisst feer.


*49. Sie ist nur werth zwischen zwei Späne genommen zu werden.Frischbier, 4035.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 203-205.
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