Hirn

1. Das Hirn ist nicht wie die Stirn.Lehmann, 335, 46.


2. Das Hirn sihet (erkennt) man nicht an der Stirn.Lehmann, 28, 24; Eiselein, 317; Simrock, 4768; Braun, I, 1392.

Engl.: Every one's faults are not written in their foreheads.

Lat.: Frons, oculi, vultus persaepe mentiuntur. (Gaal, 1475.)


3. Der hat ein wurmstichigs Hirn, der jedem will auss einem Haffen anrichten, da die Personen vnd Complexionen vngleich.Lehmann, 331, 95.


4. Ein müssig Him ist des Teufels Krambude, schrieb der Novize über die Klosterzelle, und kniff aus.Klosterspiegel, 12, 3.


5. Ein schwaches Hirn kann keinen starken Wein vertragen.


6. Kleines Hirn und grosses Herz kann grosse Dinge verrichten.

Dän.: Liden hiernen og dristigt hierte, udretter store ting. (Prov. dan., 384.)

7. Man sieht das Hirn nicht an der Stirn.Gaal, 1475.

It.: E mal giudicar gli uomini alla ciera. (Gaal, 1475.)


8. Sori, mein Gori, wie singt dir dein Hirn!

Lat.: Credideram, placido somnos te carpere lecto.


9. Wenig hirn vnd ein dapffer Hertz kau ein grosse Sach verrichten.Lehmann, 447, 29.


*10. Aus seinem Hirn spinnen. – Schottel, 1119a.


*11. Aus seinem Hirn wären gut Pafösen1 zu backen für die Lappländer.

1) Eine Art kleiner Klösse.


*12. Das Hirn ist ihm im Winter erfroren, dass er's in den Hundstagen nicht wieder zurechtbringen kann.Körte, 2870d.


*13. Das Hirn liegt ihm nicht recht.Körte, 2870c; Braun, I, 1393.


*14. Das Hirn schwindet (sinkt) ihm.Körte, 2870b.


*15. Dat sall äm noch lang in d' Häörn dräön. (Altmark.) – Danneil, 39.

Er wird noch lange daran denken.

*16. Dem fehlt 's Hirn. (Nürtingen.)


*17. Der ist nicht aufs Hirn gefallen. (Nürtingen.)

Soviel wie auf den Kopf.


*18. Er hat keyn hirn im kopff.Tappius, 211a; Eyering, II, 282.

Lat.: Caput vacuum cerebro. (Erasm., 487; Tappius, 211a.)


*19. Er hinckt am Hirn.Lehmann, 818, 1.


*20. Er ist im Hirn verrückt. (Nürtingen.)


*21. Er ist nicht aufs Hirn gefallen.

Ist nicht dumm.


*22. Er mag sein Hirn in die Wäsche geben.

»Der muss sein Hirn in die wäsch geben, oder mit einer Kratzbürsten lassen aussreiben, der meint: davon Krankheit kompt, davon vergehe sie.« (Lehmann, 51, 50.)


*23. Er rennt (schiesst) ihm fast 's Hirn hinein. (Nürtingen.)


*24. Kommt dir's endlich durchs Hirn herab? (Nürtingen.)


*25. Schreib dir's aufs Hirn. (Oberösterreich.)

Zum Vergesslichen.


*26. 'S hat im Hiarn g'schnellt. (Oberschwaben.)

Wenn die Schwaben im vierzigsten Jahre gescheit werden, thut es angeblich einen Schnall (Knall) im Hirn.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Der Weg ins Freie. Roman

Der Weg ins Freie. Roman

Schnitzlers erster Roman galt seinen Zeitgenossen als skandalöse Indiskretion über das Wiener Gesellschaftsleben. Die Geschichte des Baron Georg von Wergenthin und der aus kleinbürgerlichem Milieu stammenden Anna Rosner zeichnet ein differenziertes, beziehungsreich gespiegeltes Bild der Belle Époque. Der Weg ins Freie ist einerseits Georgs zielloser Wunsch nach Freiheit von Verantwortung gegenüber Anna und andererseits die Frage des gesellschaftlichen Aufbruchs in das 20. Jahrhundert.

286 Seiten, 12.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon