Mütze

1. Besser eine schlechte Mütze als barhaupt.

Holl.: Beter eene slechte muts op, dan blootshoofds te slapen. (Harrebomée, II, 110b.)


2. Dröckt die de Mötz, denn kêp di e Hôt. Frischbier2, 2698.


3. Dröckt die de Mötz, schwelle die de Haar, güke (jucken) die de Flöcker, hast Stöch ön e Hacken?Frischbier2, 2697.


4. Eine Mütze ist mehr werth als hundert Hauben.


5. Hurtig zur Mütze war manchem schon nütze.


6. Löschpapierene Mützen werden schlecht vor Regen schützen.


7. Mit der Mütze in der Hand kommt man durch das ganze (durch alle) Land. (S. Hut 34.)


8. Mütz' unner de Hôd, dat bêdeld goed.Bueren, 878; Hauskalender, III.


[819] 9. Mützen hahlen (halten) ehmohl lange, weil ma nie uf'm Kuppe gieht. (Oberlausitz.)

10. Mützen in allen Wäschen und Mädchen auf allen Kirchmessen halten nicht.


11. Oess di de Mötz to dönn, legg di e Pölzflöck rön.


12. So mancherlei Mützen, so mancherlei Narren.Eiselein, 481; Simrock, 7235; Körte2, 5501; Braun, I, 2849; Richard, 395; Vulpius, 237.


13. Stopp mi de Mütz', segt Kraw.(?)Hoefer, 639.


14. Unter einer schlechten Mütze steckt oft ein guter Kopf.

Frz.: Sous tel bonnet il y a plus qu'il ne paraît. (Cahier, 244.)


15. Wem die Mütze passt, der setze sie auf.

Wer sich durch den ausgesprochenen Tadel getroffen fühlt, wende ihn auf sich an.

It.: Se piace a quel matto questa berretta, lasciatelo farne uso.


16. Wer keine Mütze hat, fürchtet nicht, sich zu erkälten.


*17. Dar is gên Smîten mit de Mütz' na.Frommann, II, 536, 25; Kern, 1060.

Die ostfriesischen Bauern haben die Gewohnheit, ihren Hund oder ihre Katze mit der Schlafmütze zu werfen, wenn sie dieselben verscheuchen wollen. Was sie mit der Mütze nicht erreichen, ist gewissermassen ausser ihrem Bereich.


*18. Dat ess em noh der Mötz. (Bedburg.)

Darüber hat er seine Freude; es ist so, wie er's wünscht.


*19. Dat geit wie e Mötz.Frischbier, 513; Frischbier2, 2696.


*20. Dat öss mi man e Mötz. (Ostpreuss.) – Frischbier, 512; Frischbier2, 2696.

Um die Leichtigkeit einer Arbeit, eines Geschäfts u.s.w. zu bezeichnen. Vielleicht liegt dabei der Gedanke an die Schnelligkeit zu Grunde, mit welcher der Wind eine Mütze vom Kopfe treibt.


*21. Den drückt die Mütze. (Ostpreuss.)

Es fehlt ihm etwas, er ist durch sein Benehmen auffällig.


*22. Diar kân hia Mots eftersmitj. (Amrum.) – Haupt, VIII, 363, 206.

Der Vortheil ist hin, der Gewinn entgangen.


*23. Die Mütz' muss ran. (Pommern.)

Damit nämlich jedesmal der Kartengeber sie aufsetze und dann nicht zweifelhaft sein kann, wer nun zu geben hat.


*24. Die Mütze steht ihm nicht gut (recht). Frischbier2, 2694.

Er ist nicht gut gelaunt.

Holl.: De muts staat hem niet goed. (Harrebomée, II, 111a.)


*25. Die Mütze wird ihm weggenommen. Frischbier2, 2695.

Geschieht von der Hebamme, wenn man in ein Haus tritt, in welchem eine Wöchnerin liegt. Die Mütze muss dann durch ein Geschenk ausgelöst werden. Uneigentlich wird die Redensart angewandt, wenn einem unvorhergesehen ein Unfall begegnet.


*26. Em dröckt de Mötz, on e Hôt heft hei nich. Frischbier2, 2699.


*27. Em sett de Mötz schêf. (Danzig.)

Er ist verstimmt.

Holl.: Hij zet zijne muts op half elf (half zeven). (Harrebomée, II, 111a.)


*28. Er hat die Mütze schief, er hat wol alten Weizen zu verkaufen.


[820] *29. Er hat heute die gute Mütze (nicht) auf.

Ist (nicht) in guter Laune.


*30. Er hat seine Mütze, über die Mühle geworfen.

Er hat sich über alles weggesetzt.


*31. Er hat seine Mütze verkehrt auf.

Er ist verdriesslich, übler Laune, verstimmt, unwillig.

Holl.: De muts staat hem op zij.


*32. Er ist wie eine hohe Mütze, sie fällt durch den leisesten Stoss herab.Burckhardt, 398.

Von einem feigen, entnervten Menschen.


*33. Er trägt die Mütze nach dem preussischen Pfiff.Klix, 46.

Darüber, worin der »preussische Pfiff« bestehe, sucht man in Real-Encyklopädien und Wörterbüchern jetzt noch vergeblich nach Belehrung; die Staatsgelehrten scheinen den Gegenstand ganz übersehen zu haben.

Holl.: Hij draagt de muts op drie haartjes. (Harrebomée, II, 111a.)


*34. Er wird was auf seine Mütze kriegen.

Holl.: Hij heeft wat op zijne muts gekregen. (Harrebomée, II, 111a.)


*35. Es ist unter seiner Mütze nicht richtig. (Köthen.) (S. Oberstübchen.)


*36. He hett wat in de Mütz'.Kern, 1061.

D.h. im Kopfe, er führt was im Schilde.


*37. He is under kên Mütze to fangn. (Ostfries.) – Bueren, 701; Frommann, V, 523, 576; Eichwald, 1368.


*38. Hei het em de Müske fäuert. (Sauerland.)

Hat ihm geschmeichelt.


*39. Ich warf meine Mütze über die Mühle hinaus, und was daraus geworden ist, weiss ich nicht mehr.

Schlussphrase der Märchenerzähler.


*40. Ik kan es gar nich unner de Müssen krîgen.Lyra, 109.

Nicht begreifen, fassen, verstehen.


*41. Man kann e Mötz mank sine Wôrd dorchschmîte. (Ostpreuss.)

Zwischen seinen Worten kann man eine Mütze hindurchwerfen.


[821]

42. Er hat die Mütze drei Viertel auf Zwölf auf dem Kopfe.Ruppius, Geschichten, 147.


*43. Doas öss an âl Mötz (Mütze). (Lusdorf bei Böhmisch-Friedland.)

Eine alte längst bekannte Geschichte. (S. Jacke und Haube.)

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1623.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Autobiografisches aus dem besonderen Verhältnis der Autorin zu Franz Grillparzer, der sie vor ihrem großen Erfolg immerwieder zum weiteren Schreiben ermutigt hatte.

40 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon