Jacke

1. Pua Modders wil niin ruad Knappe sii haa, an dat hi niinen fo küd. (Sylt.)

Paul Moders wollte keine rothe Jacke haben, weil er keine bekommen konnte.


2. Wea z'an Janggar geboren is, kimp za kuanen Rouk. (Steiermark.) – Firmenich, II, 764, 1.

Wer zur Jacke geboren ist, kommt zu keinem Rock.


3. Wer zur Jacke geboren ist, kommt zu keinem Rock und wenn er 's Tuch beim Schneider hat. (Eifel.)


*4. Dat öss ên Jack, ên Pack.Frischbier2, 1777.


*5. Dat öss Jack wie Hos'.Frischbier2, 1777.

Eins wie das andere.


*6. Dat öss Jack wie Pigg.Frischbier2, 1777.

Pigge = Wams, Jacke.


*7. Einem die Jacke ausklopfen.

Holl.: Iemand het jak afsehuijeren. (Harrebomée, I, 352a.)

Span.: Zurrar á uno la badana.


*8. Einem die Jacke flicken.

»Vnd schelten vns vor Ebriacken, wie wol wir jn jetzt recht die jacken mit gottes wort gar weidlich sticken.« (Waldis, IV, 17, 22.) – »Die Walen schelten uns Deutsche als ›ebriacken‹, und doch haben wir ihnen die zerlöcherte jacke ihrer kirchenlehre mit Gottes Wort eben erst durch das Werk der Reformation gestickt.«


*9. Einem etwas auf die Jacke geben.


*10. Enem de Jacke utwaschen.Dähnert, 203b.


*11. Enem de Jacke vull schellen.Dähnert, 203b.

Einen sehr heftig scholten.


*12. Enem de Jacke vull slan.Dähnert, 203b.

Einen derb durchprügeln.


[973] *13. Er hat die Jacke voll und sieht den Bock für den Gärtner an. – Für Detmold: Firmenich, I, 360, 12.

Ist betrunken.


*14. Er soll die Jacke voll haben.

Wenn u.s.w.. nämlich Prügel; Drohung.

Dän.: Holde ham en trøie. – Jeg skal være dig god nok. – Møde dig paa halv-vegen. (Prov. dan., 254.)

*15. Es ist eine abgetragene Jacke.

Bekannte Sache, veraltete Geschichte, abgedroschene Rede u.s.w.


*16. He hett sick de Jack begaten.Dähnert, 203b.

Er hat sich betrunken. (S. Ansehen 29 und Boden 38.)


*17. He hett sick de Jack vull freten.Dähnert, 203b.

Er hat sehr viel, hat übermässig gegessen.


*18. 'S ist Jacke wie Hose und Strumpf wie Niederschuh. (Schles.) – Lohrengel, II, 268; Reinsberg IV, 43.

Gleichviel, ein wie das andere. (S. Gurr 4.)

Frz.: C'est bonnet blanc et blanc bonnet. – C'est tout un. – C'est jus vert et vert jus. (Gaal, 1017; Reinsberg IV, 43.)

Ung.: Szür dolmán, vagy dolmán szür mind egy. (Gaal, 1017.)


*19. 'S îs Jacke wi Plänte.Peter, 448.

Um zu sagen, dass mehrere Dinge oder Personen von einerlei Werth sind, hat man ausser der obigen in Oesterreichisch-Schlesien auch die Redensart: Der Kessel (s.d.) straft den Ofentopf. Ae Nischo gülts wî d'r and'rt 's îs hock m'r d' Hôse oan fleck m'r d' Meze.


[Zusätze und Ergänzungen]

20. Wem die Jacke passt, der mag sie anziehen.

Wer glaubt, dass er getroffen sei, der beziehe die Rede auf sich.


*21. Das ist eine alte Jacke.

Eine längst bekannte Geschichte.


*22. Es geht noch einmal in der alten Jacke.

Die Sache hat sich noch einmal ermöglichen lassen.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Die Serapionsbrüder

Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon