Prälat

1. Ain vnnutzer Prelate ist wie ain Affe auff dem Dache.Agricola II, 450.


2. Jeder Prelat ist ein ordentlicher richter.Hug, 36; Graf, 549, 90.

Den Prälaten stand im Mittelalter in ihren Sprengeln die ordentliche Gerichtsbarkeit zu.


3. Man kann Prälaten sehn, die nicht in saubern Schuhen stehn.Eiselein, 515; Simrock, 7985.


4. Prälaten sind Esel, die Hörner tragen, sagt Bruder Felix.

»Bruder Felix, Münch zu Vlm, nennt die praelaten Cornutos asinos. Die Mitra, d.i. der geistlich Habit, in denen die Prälaten, sagt er, wirken eben so viel in demselben als die Geburtsglieder in den Mauleseln. Also haben sie eine gekrönte geistliche Kapp vnd Habit, bringen aber keine geistliche Frucht.« (Zinkgref, IV, 96.)


5. Prälaten (pflegen) viel (zu) verbieten, wovor sie sich selber nicht hüten.


6. Wenn der Prälat die Würfel auflegt, so spielen die Brüder.

»Wenn der Prälat Würffel aufflegt, so mag der Convent spilen wol.« (Ayrer, II, 1192, 22.)


7. Wie die Prälaten, so die Thaten.

Frz.: Bon prélat, bon exemple. (Leroux, I, 26.)


*8. Er hätte einen guten Prälaten abgegeben. Klosterspiegel, 38, 11.

Von einem, der sehr gut genährt und eine besondere körperliche Wohlbeleibtheit zeigt.


*9. Er kann noch Prälat werden, wie Bruder Konrad von Loslau.

Der Bruder Konrad war Kuchelmeister bei dem Hospital zum heiligen Geist in der breslauer Neustadt; ein Mann, der, weil man ihn für einfältig hielt, vielen Neckereien seitens der Brüder ausgesetzt war. Au 16. Oct. 1328 war der Prälat des Sandstifts Michaels gestorben; und als der Convent in der Kirche zum heiligen Geist einen feierlichen Gottesdienst behufs der Wahl eines neuen gehalten hatte, sahen die Brüder beim Zurückgehen ins Stift den Kuchelmeister stehen, und riefen ihm scherzend zu, er solle mit ihnen gehen, einen Prälaten wählen. »Das ist nicht nothwendig«, erwiderte er scherzend, »denn ich werde selber Prälat werden.« Die Wahl ging vor sich; man konnte sich aber nicht einigen, und übertrug sie den drei ältesten Mitgliedern des Stifts, die aber ebenso wenig einig werden konnten, da jeder selber Prälat werden wollte. Da nun jeder einzelne erklärte, ehe er einem der beiden andern seine Stimme gebe, wähle er den Bruder Konrad, so wurde dieser zum Prälaten ausgerufen. Man nahm es für einen höhern Wink an, und es hat die Brüder nie gereut, ihn gewählt zu haben, da er auf gute Ordnung hielt, die Güter des Stifts vermehrte, die jetzige Sandkirche zu unserer lieben Frauen erbaute und bis zu seinem Tode 1363 ein humanes Regiment führte. (Vgl. Fülleborn, Bresl. Erzähler, 1800, 442.)

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873, Sp. 1387.
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