Flachs

1. Auss grobem Flachs kan man kein subtil (fein) Garn spinnen oder Seiden auss groben Hanff.Henisch, 1123, 43; Petri, II, 29.


2. Dem Flachs geht's immer vbel, wenn er nicht gar geradbrecht wird.Fischart, Prakt.; Kloster, VIII, 640.


3. Den Flachs, der nicht an den Rocken kam, kann man nicht davon abspinnen.


4. Der Flachs dringt durch eine Schuhsohle.


5. Der Flachs geräth denen oft am besten, die nicht spinnen.

Wird zuweilen angewandt, um zu sagen, dass diejenigen die meisten Kinder haben, welche sich keine wünschen.


6. Der Flachs ist gut, aber der Spinner taugt nichts.

Holl.: Het vlas is wel goed, maar de spinster deugt niet. (Harrebomée, II, 388.)


[1044] 7. Der Flachs, woraus Ehrliche ihre Hemden spinnen, gibt auch den Dieben ihre Linnen.


8. Es hat immer am Flachs gelegen, wenn die Leinwand schlecht gewebt ist.


9. Flachs bei Feuer ist nicht geheuer.

Holl.: Vlas dient niet wel bij 't vuur. (Harrebomée, II, 388.)


10. Flachs liegt sich zu Seide, sprach der Mönch, und Mist zu Wolle, sagte die Nonne.Klosterspiegel, 21, 7.


11. Flachs muss man binden wie eine Braut1, Werch wie einen Dieb2.

1) Locker, sanft.

2) Fest.

Dän.: Hør skal bindes som brud, men blaar som tyve. (Prov. dan., 71.)


12. Flachs und Reben geben nichts vergeben. Simrock, 2497; Körte, 1414; für die Schweiz. Kirchhofer, 316.

Es lässt sich alles davon gebrauchen.


13. Flachs zum fewer thun, ist thorheit.Henisch, 1122, 34.

Lat.: Stultitia stupas igni apponere.


14. Flass, Flass, Feadervei daut der armen Seile wei. (Büren.)

Wer Flachs oder Federvieh stiehlt, soll dafür in der andern Welt ganz besonders büssen.


15. Grober Flachs gibt kein feines Linnen.


16. Je gröber Flachs, je stärker Faden.


17. Kein Flachs ohne Werch, kein Weib ohne Laster.


18. Kurtzer Flachs gibt auch wol ein langen faden.Henisch, 969, 11; Lehmann, 262, 30; Körte, 1415; Simrock, 2495.


19. Man kann nicht aus jedem Flachs gut Garn spinnen.

Holl.: Men kan geen goed garen van alle vlas spinnen. (Harrebomée, II, 388.)


20. Man muss den Flachs nicht loben, bevor das Leinen gewebt ist.


21. Man muss den Flachs nicht loben, man hab' ihn denn am Kloben.Simrock, 2498.


22. Nicht jeder Flachs wird zu einem Brauthemd versponnen.


23. Old Flass is so gôd as old Geld. (Ostfries.) – Bueren, 960.


24. Sä' Flachs zu Petronell, so wächst er schnell.Boebel, 27.

25. Schlechter Flachs ist nicht zu spinnen (oder: gibt schlechtes Garn).

Holl.: Zij spinnen niet dan kwaad vlas. (Harrebomée, II, 388.)


26. Soll der Flachs gut werden, so muss die Saat eh' die Sonne steigt, in die Erden.

Aehnlich bei Boebel, 137.


27. Stehlt Flachs, das gibt für die Kinder Stricke. (Nassau.)


28. Was zu Flachs gewachsen ist, muss sich auch durch die Hechel ziehen lassen.Parömiakon, 1414.

Jeder muss leiden, was Beruf und Stellung mit sich bringen.


29. Wenn der spate flachs vnd kraut wol gerathen, so wirt wenig vnd saurer Wein.Henisch, 1123.


30. Wenn man guten Flachs brav klopft, gibt er gutes Linnen.

Dän.: Hør skal bindes som brud (let); men blaar som tyve (hart). (Prov. dan., 71.)


31. Wie der Flachs, so das Garn.


*32. Aus diesem Flachs lässt sich kein gut (besser) Garn spinnen.

Holl.: Dat vlas is niet te spinnen. ( Harrebomée, II, 388.)


*33. Du bindest flachs mit flachs.Henisch, 1122, 25.

D.i. »du wilt schwache liederliche ding mit schwachen liederlichen dingen festigen«.


*34. Du knüpffst kein flachs aneinander.Henisch, 1122, 27.

Es lassen sich nicht alle Sachen auf dieselbe Weise behandeln.


*35. Du spinnest weissen flachs vmb gewin.Henisch, 1122.

Wird z.B. angewandt um zu sagen: Du nimmst die Frau nur des Geldes wegen.

Lat.: Candidum linum lucri causa ducis. (Philippi, I, 70.)


[1045] *36. 'Et Flass es brutgail, et is 'ne Brût (Braut) im Huse.Firmenich, III, 188, 90; für Iserlohn: Woeste 82, 12.

So sagt man, wenn der Flachs recht lang wird.


[1046]

37. Hab' ich nur guten Flachs, so krieg' ich auch gutes Werg.Herberger, I, 761.

»Sagte jener geistliche Vater


38. Verworrenen Flachs und (Kinder-, Weiber-) Grillen zu lösen, ist kein Geschäft für Männer.


39. Wo Flass is, is ôk wol Schöäw, söä' de Dêr'n, ass se 'n Kind krêgen har.Schlingmann, 293.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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