Held

1. Auch Helden siegen nicht immer.

Dän.: Kemper falde ofte seyerløse. (Prov. dan., 335.)


2. Besser mit einem Helden kämpfen als mit einer Memme spielen.

Böhm.: Radĕji se bíti s hrdinou, nežli se líbati s Schadimou. (Čelakovsky, 244.)


3. Das sind nicht die grössten Helden, die ein Hufeisen über der Nase zerbrechen können. Winckler, VIII, 61.


4. Ein rechter Held, ein trewer schatz.Petri, II, 220.


5. Es ist nicht jeder ein Held, der einen Harnisch trägt.

Die Russen: Ein Held zu sein, ist nur leicht für Beherzte. (Altmann VI, 407.) »Man unterschied vormals gar gut zwei Species von Heldenmuth: Virtus activa und passiva. In Schlachten muss man beide wagen, muss Hiebe geben, Hiebe tragen; doch wenn man unterliegt, so thut Virtus passiva weit mehr gut.« (Butler.)


6. Es müsste sein ein starcker Held, der gegen den Todt behielt das Feld.Petri, I, 38; Henisch, 1057, 49.


7. Grossen Helden fehlt es nicht an Beute (oder: an Anhängern).


8. Helden führen den Krieg, aber sie machen ihn nicht.

Dän.: De allertapperste helte raade allermindst til krig. (Prov. dan., 279.)


9. Helden hetzen keine Hasen.Sprichwörtergarten, 494.

Der Starke rächt Beleidigungen schwacher Menschen nicht.


10. Helden macht nur die Schlacht.

Die einen; aber der Friede hat seine Helden so gut wie der Krieg, und diejenigen, welche Wahrheit und Recht schützen, sind der Menschheit oft nützlicher als die Tapfern im Felde. Der furchtlose Vertheidiger der verlassenen Unschuld gegen die Gewalt, und der Arzt, welcher zum Besten der Menschen sein Leben wagt, sind ebenso gut Helden als der Soldat, der eine Schanze stürmt. »Blickt nur verächtlich ihr Helden in Kriegen auf meines ländlichen Meierhofs Thür, weiss ich im Leidenschaftskampfe zu siegen, bin ich der Palme so würdig als ihr.« (Zernitz.)

Lat.: Effugere cupiditatem regnum est vincere. (Publ. Syr.) (Philippi, I, 131.) – Fortissimus ille est qui promtus metuenda pati, quae cominus instent et differre potest. (Lucanus.) (Philippi, I, 160.)


11. Helden sind Gottes gab.Petri, II, 375; Henisch, 1328, 26.

Butler behauptet aber in Bezug auf eine bestimmte Art von Helden: »Sie wuchsen einst im Garten, wie jetzo andre Unkrautarten.«


[485] 12. Helden und Weiber verderben die Leiber.

Nur mit Unterschied, wie die Dänen sagen: Helte dræbe deres fiender, frnentimmeret deres venner. (Prov. dan., 117.)


13. Helden zeugen Helden.Parömiakon, 2911.


14. Hie stehn wir beiden, sagt der frosch zum schwaben.Franck, II, 47b; Sailer, 133; Simrock, 4304; Körte, 2732; Hoefer, 344.

Jedes deutsche Land hat seine Vexirsprüche, mit dem es ein anderes neckt. So wirft den tapfern Schwaben die neckende Laune in diesem Sprichwort das Gegentheil vor.


15. Je grösser der Held, je schöner der Sieg.


16. Je mehr der Held mit Worten prahlt, je schlechter er mit Thaten zahlt.Körte, 2732.


17. Mancher ist ein feiner held, da man harte Eyer schelt; so man blosse Wehr auszeucht, ist er der erst, der vnter die banck kreucht.Henisch, 424, 37.


18. Merck auff, Held, gute tag kosten gelt.Henisch, 1474, 59.


19. Niemand ist ein Held vor seinem Kammerdiener.

Die Holländer sagen von einem, der sich besonders da auszeichnet, wo es aufs Nichtsthun ankommt: Het is een held in de koelte. (Harrebomée, I, 300.)


20. Tapfere Helden, tapfere Thaten.


21. Wo ein Held auf den andern trifft, muss auch ein Held wol weichen.


*22. Er hat des Helden Legel bekommen.Eiselein, 297.

»Wie Bebel erzählt, kamen zwei Fahrende Schüler auf die Rauhe Alp in Schwaben. Der eine Namens Held trat in die Stube eines bemittelten Bauern und bat um Nachtessen und Herberge, was ihm gewährt wurde. Während des Essens langte er zum Fenster der Hütte seine Weinflasche herein, die er dort hingesetzt hatte, und brachte es seinen Wirthsleuten zu. So oft die Flasche leer war, setzte er sie wieder zum Fenster hinaus, damit sein Kamerad sie aus der Legel füllen konnte, die Leute thaten sich gütlich und waren verwundert, dass die Flasche nie leer wurde; daher fragten sie, wie das zugehe. Es ist, sagte Held, Sanct-Othmar's (s.d.) Fläschlein, das nie leer wird. Der Bauer wünschte es zu kaufen und erhielt es für hundert Gulden; aber es hat sich hernach nie wieder von selbst mit Wein gefüllt.«


*23. Er ist ein Held, der alle will erbeissen.

»Ficht einen Hochmuth an, weil er sich selbst vergisst, so sagt man: er dencket nicht, dass Staub sein Vetter ist. Es scheint, der grosse Held will alle fast erbeissen, und seine Farbe soll vor allen andern gleissen.« (Keller, 134a.)


*24. Er ist ein Held hinter dem Kachelofen.

Frz.: N'être bon qu'au cabinet. (Kritzinger, 100a.)

Lat.: Fortis in tabula. (Seybold, 291.)


*25. Er ist ein Held in Liebessachen.Kritzinger, 272a.


*26. Er ist ein Held mit dem Maule.

Holl.: Het is een held met zijn' mond. (Harrebomée, I, 300.)


*27. Er ist ein Held, wenn's zu laufen gilt.

Holl.: Het is een eerste held, als 't op loopen aankomt.


*28. Er ist ein rechter Held.Braun, I, 1256.


*29. Ich bin kein solcher Held.Eiselein, 296.

Lat.: Non sum ex istis heroibus. (Eiselein, 296.)


[Zusätze und Ergänzungen]

30. Der Held frisst keine Käskörbe.Schaltjahr, III, 530.


31. Der Helden Kinder sind und werden gemeiniglich Landschäden.Mathesy, Syrach, 374a.


32. Der ist ein Held und edler Mann, der sich selber überwinden kann.

Lat.: Fortitudo in fortunam, non in homines. (Sailer, Sprüche, 120, 88.)


33. Der ist ein rechter Held, der in Leid und Freud den Kopf (Muth) behält.

Lat.: Scopulus in undis (esto). (Sailer, Sprüche, 94, 18.)


34. Ein held, der hat eins löwen mut, kein gwalt den vnterworffnen thut.Loci comm., 51.

Lat.: Parcere subiectis, seit nobilis ira leonis.


35. Helden tödten ihre Feinde, schöne Leute ihre Freunde.Wirth, I, 209.


36. Keiner gebe sich für einen Helden aus, dessen Haut noch ganz ist.Arpagaus, 409.


37. Wer ein Held ist, der hat Pulver genug, und wer's nicht ist, den macht alles Pulver der Welt nicht dazu. (Montenegro.) – Unsere Zeit, XI. Jahrg., S. 770.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1422.
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