Kachelofen

1. Der Kachelofen gehört in die Stube.


2. Der Kachelofen hat einen Klubb1. (Baiern.) – Körte, 3943.

1) Klubb = Riss, Spalte. – Empfiehlt Vorsicht im Handeln und Reden, weil man selbst durch eine Ofenritze belauscht werden kann.


[1086] 3. Der Kachelofen sol mehr gelten als eine Kachel.Fischart, Gesch.


4. Die Kachelöfen und die Deutschen sind schwer zu heizen, halten aber lange warm.


*5. Achtern Kachelaven liggen.Dähnert, 213a.

Faulenzen, oder die Arbeit in der Kälte scheuen. Das Brem. Wb. (II, 713) bemerkt in Bezug hierauf: »Zwischen dem geräumigen Ofengebäude und der Wand ein genügender Raum mit einer Bank, sich von Kälte und Beschwerde, von des Tages Noth zu erholen, aber auch Raum genug für einen oder zwei zu einem warmen Nachtlager, aussen am Ofengestelle bleibend angebracht, um Kleider u.s.w. zu trocknen, kurz der Kachelofen einst der wesentlichste Theil des häuslichen Behagens

*6. Der Kachelofen steht im Wege.


*7. Einen Kachelofen für ein Bierglas ansehen. Parömiakon, 2626.


*8. Er ist nicht weit vom Kachelofen weggekommen.

Hat keine Erfahrungen in der Welt gesammelt, ist nicht vom öffentlichen Leben geschult.

Frz.: Il n'a jamais rien vu que par le trou d'une bouteille.


*9. Er sieht einen Kachelofen für ein Kalb an.

Die Redensart erklärt sich (nach Grimm, V, 13) aus einer Erzählung Th. Plattner's (S. 15), wo es heisst: »Als wiener über den berg Grimslen nachts in ein wörtshus kamen, hatt ich nie kein kachelofen gesächen, und schien der mon in d' kachlen, do wônd ich, es weri so ein gross kalb, dan ich gsach nur zwo kachlen schinen, das meint ich die ougen sein.«


*10. Hinter dem Kachelofen ist er ein Held.

Frz.: Il est brave en peinture. (Kritzinger, 512.)


*11. Ich habe nicht allezeit hinter dem Kachelofen gesessen.Schuppius, 611.

»Sondern bin unter leuten gewesen.«


*12. Plautz, Kachelofen.

Ausruf bei einem unvermutheten, plumpen Falle.


*13. Und wenn man den Kachelofen einschlägt.

Es bleibt so, es wird dadurch nicht geändert. Bei ausbrechenden Händeln ward er wol zertrümmert. (Vgl. Brem. Wb., II, 713.) »Fürsten bleiben Fürsten, wenn jhr schon die Kachelöfen einschlagt.« (Kloster, VIII, 353.)


[Zusätze und Ergänzungen]

*14. Der Kachelofen steht in der Stube. (Oderbruch.) – Engelien, 222.

Wird warnend gesagt, wenn Personen im Zimmer sind, die etwas nicht hören sollen, besonders in Beziehung auf Kinder.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
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