Ball

1. Ball verloren, Spiel verloren.

Holl.: Bal verloren, spel verloren. (Harrebomée, I, 28.)


2. Bälle öffnen (zeigen) den Weg in die Hölle.


3. Der Ball läuft noch. (S. Kugel.)

Holl.: Die bal ligt nog niet stil. (Harrebomée, I, 28.)


4. Der Ball sucht den guten Spieler.

Das Glück wendet sich zu dem, der es am besten zu benutzen weiss.

Frz.: A bon joueur la balle vient. (Lendroy, 102.)


5. Ein Ball fliegt aus einer Hand in die andere.


6. Ein gut gespielter Ball findet immer sein Loch.Simrock, 712.


7. Grosse Bälle fliegen selten schnelle.


8. Gut geworfene Bälle haben gut Gefälle.


9. Je höher der Ball, je tiefer der Fall.


10. Leichte Bälle fliegen schnelle.


11. Man muss den Ball fassen, wenn er zurückprallt.

Frz.: Il faut prendre la balle au bond. (Lendroy, 101.)


12. Man muss den Ball nehmen, wie er kommt.

Holl.: Als het op een nijpen gaat, moet men den bal nemen, zoo als hij komt. (Harrebomée, I, 28.)


13. Man muss den Ball schlagen, solang' er springt.


14. Man muss den Ball spielen, wie er liegt.

Holl.: Men moet den bal slaan, zoo als hij ligt. (Harrebomée, I, 29.)


15. Mit kleinen Bällen kann man auch Beulen werfen.


16. Wie man den Ball wirft, so fliegt er.


17. Wirf den Ball auf die Erde, er steigt doch wieder in die Höh'.


*18. Auf den Ball gehen.


*19. Den Ball im Sprunge nehmen.

Den günstigen Augenblick erhaschen, etwas zur rechten Zeit thun.

*20. Der Ball ist mein.

Ich hab s gewonnen.


[224] *21. Der kann Balle mache'. (Jüd.-deutsch.) – Tendlau, 321.

D.h. aufschneiden.


*22. Einander den Ball ins Gesicht werfen. (Altgr.)

Von denen, die sich gegenseitig mit Lästerreden angreifen. Vom Ballspiel entlehnt.


*23. Einem den Ball zuschlagen.

Holl.: Zij geven malkander den bal op. (Harrebomée, I, 29.)


*24. Einen Ball geben.

Fülleborn leitet diese Redensart aus einer altdeutschen Sitte ab, die sich im Magdeburgischen und Halberstädtischen noch bis auf seine (unsere?) Zeit erhalten. »Am zweiten oder dritten Osterfeiertage«, erzählt er, »versammeln sich die erwachsenen Mädchen des Dorfs, um den neuen Frauen, auf deren Hochzeit sie getanzt haben, einen mit Wolle oder Federn ausgestopften und mit Seidenzeug überzogenen Ball zu überreichen. Erst wird er auf einer geputzten Stange durch das Dorf getragen, dann vor dem Hause aufgepflanzt, endlich im Hause selbst der jungen Frau überreicht, wogegen sie verpflichtet ist, der auf eigene Kosten schmausenden Gesellschaft und ihren Liebhabern freie Musik zum Tanzen zu geben. So viel junge Eheleute da sind, so vielen wird ein Ball gegeben und auf jedes Ballgeben wird getanzt.« (Breslauer Erzähler, 1800, S. 240, Wurzbach II, 13.)


*25. Er ist ein Ball, der hin- und herrollt (oder: geworfen wird).

Ein wankelmüthiger Mensch.

Lat.: Animo nunc huc, nunc fluctuat illuc. (Wiegand, 900.)


*26. Mit jemand Ball spielen.

Mit ihm machen, was man will.


*27. Sie schlagen eynander den Ball zu.Tappius, 13b; Henisch, 177.

Holl.: Zij kaatsen elkander de ballen toe. (Harrebomée, I, 29.)

Lat.: Sphaeram inter sese reddere. (Plutarch.) (Erasm., 688.)


[225]

zu13.

It.: Couvien dar alla palla, quando ella balza. (Gaal, 890.)


zu27.

»Den Ballen einander zuschlagen.« (Herzog Wilhelm von Sachsen.)


28. Der Ball geht nicht, wenn man ihn nicht stöckt (schlägt).

Lat.: Acer et ad palmae per se cursurus honores. Si tamen horteris, fortius ibit equus. (Philippi, I, 5.)


29. Hat man Ball und Stock, so finden sich bald Mitspieler.

Dän.: Hvo som haver boldog stav, han fangler vel den som leege vit. (Prov. dan., 78.)


30. Ich geb' einen Ball, spricht die Nachtigall.

Ironisch beim Billardspiel, wenn ein Ball zwar in ein Loch, aber nicht in das beabsichtigte geht.


31. Man muss den Ball im Fliegen fangen.


32. Wenn der Ball aufschnellt, kann jeder drauf schlagen.

It.: Quando la palla balza, ciascuno sa darle. (Giani, 1248.)


33. Bal as ke' Cassino.Dicks, I, 5.


*34. Den Ball an die Wand werfen, damit er wieder zurückkomme.

In dem Sinne: die Wurst nach der Speckseite werfen.

Frz.: Ietter la pile contre le paroy.

Lat.: Pilam allidere parieti. (Bovill, III, 150.)


*35. Den Ball beim Aufschnellen erwarten.

Den rechten Zeitpunkt benutzen.

It.: Aspettar la palla al balzo. (Giani, 1808.)


*36. Der Ball ist im Laufen.

Das Unternehmen geht vorwärts.


[893] *37. Einen Ball Zastrow spielen.

D.i. von hinten. In Breslau beim Billardspiel oft gebraucht. Anspielung auf den berliner Päderasten von Zastrow, dessen Process in Berlin 1868-69 verhandelt wurde.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Klein Zaches

Klein Zaches

Nachdem im Reich die Aufklärung eingeführt wurde ist die Poesie verboten und die Feen sind des Landes verwiesen. Darum versteckt sich die Fee Rosabelverde in einem Damenstift. Als sie dem häßlichen, mißgestalteten Bauernkind Zaches über das Haar streicht verleiht sie ihm damit die Eigenschaft, stets für einen hübschen und klugen Menschen gehalten zu werden, dem die Taten, die seine Zeitgenossen in seiner Gegenwart vollbringen, als seine eigenen angerechnet werden.

88 Seiten, 4.20 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon