Tanzen

1. Bai gerne dansset, diäm es lichte te spielen. Woeste, 69, 99.


2. Dantzen, buhlen, trüncken, spielen an Sonn- und Feirtag bey vilen ist ihr böss gewohnter Wandl und des teuffels bester Handl.

Lat.: Mihi est hic nec seritur, nec metitur. (Sutor, 704.)


3. Das Beste beim Tanzen ist umkehren.

»Das best am tantzen ist, das man nicht immerdar für sich gan, vnd auch bey zeit vmbkeren kan.« (Brant, Nsch., 61, in Kloster, I, 551.)


4. De (dem) der Lüst to danzen het, de is licht upspält (aufgespielt). (Ostfries.)


5. Der tanzt auch, der tanzen muss.

Lat.: Nulla res est tam facilis, quin difficilis fiet, si invitus facias.

Schwed.: Den danzar och, som nödigt danzar. (Grubb, 97.)


6. Der tanzt wohl, dem das Glück aufspielt.

Dän.: Den dandser vel som lykken piber for. (Prov. dan., 105.)

Engl.: He dances well, whom fortune pipes.

Frz.: Bien dance à qui la fortune chante. (Kritzinger, 199a.)

It.: Ognum sa ballar quando la fortuna suona. (Cahier, 2930.)


7. Die einen tanzen barfuss, die andern haben keine Schuhe.

Dän.: Somme dandser barfodet, og somme har ingen skoe, somme har mist deres, møedom, og somme har ingen troe. (Prov. dan., 105.)


8. Die einen tanzen, die andern jammern (weinen).

Böhm.: Půl svĕta skáče, a půl plâče. (Čelakovsky, 187.)


9. Em miss âldist dânze, wä em enem gicht. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 885.


10. Entweder schön tanzen oder gar nicht.

Die Neugriechen: Nun entweder tanzt schön oder lasst den ganzen Tanz. (Sanders, 50.)


11. Es gehört mehr zum Tanzen als Aufspringen.


12. Es ist böss tantzen ohn Füss.Petri, II, 257; Lehmann, II, 130, 171.

Holl.: Tis quaet dansen sonder voet. (Tunn., 21, 20.)

Lat.: Nemo chorizare valet abs pedibus scio clare. (Fallersleben, 658; Sutor, 295.)


13. Es tanzt der Wolski und der Dobrowolski, das Schwein des Popen und der Hofeber.

In Polen zur Verspottung einer bunten Ballgesellschaft.

Poln.: Tańcuje Wolski, i Dobrowolski; Swinia popowa i kiernoz dworski. (Weryha-Darowski, S. 98.)


14. Es tanzt keiner wol, er sei denn trunken oder toll.

Dän.: Ingen dandser uden drukken eller gal.(Prov. dan., 105.)


15. Es tanzt mancher, der lieber weinte.

Dän.: Han dandser og, som dandsen nodigt. (Prov. dan. 105.)

It.: Mai si balla bene se dal cuor non viene. (Pazzaglia, 26.)


16. Es tanzt nicht immer, der die Geiger bezahlt.

Frz.: Qui paie les violons ne danse pas toujours. (Cahier, 1840.)


17. Ich lieb das Tanzen und das Springen, schlag auch nicht ab, mit Jungfern ringen; und wären dis Kartäuser orden, so wär' ich längst ein Mönch geworden.Gerlach, 152.


18. Ich werde tanzen, wie sie pfeifen.

Port.: Como me tangerem, assim bailarei. (Bohn I, 273.)


19. Ich will wohl tanzen, sagt die Moskite, aber der Wind ist zu stark. (Surinam.)

Um jemand zu sagen, dass es ihm nie an einer (leeren) Ausrede fehlt.


20. Jeder tanzt, auf seine Weise.

Freut sich nach seiner Natur.

Lat.: Diverso diversa juvant. (Maximus.) (Binder I, 349; II, 817; Philippi, I, 123; Seybold, 131; Kruse, 216.)


[1028] 21. Jeder tanzt lieber in einem andern Hause. Winckler, XII, 2.

It.: A ciascun piace ballare in casa d' altri. (Pazzaglia, 26.)


22. Jeder tanzt, wie er kann.


23. Man kann nicht zugleich tanzen und aufspielen.

Die Russen: Zugleich tanzen, singen und die Balalaika spielen. (Altmann VI, 518.)


24. Man tanzt am besten mit seinesgleichen.

Schwed.: Bäst med sin lijke danza. (Grubb, 63; Törning, 27.)

25. Man tanzt nicht nach jeder Pfeife.Winckler, XVII, 32.


26. Mancher tanzt noch, während das Unglück vor der Thür steht.

Dän.: Mangen glædes mod sin egen ulykke. (Prov. dan., 241.)


27. Mit tantzen, pfeiffen und springen, mit spielen, löfflen und singen, wanns nutz und gut den Alten, wer wirds den Jung verhalten?

Lat.: Si damnosa senem juvit alea ludit et haeres. (Sutor, 291.)


28. Mit Tanzen und Springen geht's sanft zur Hölle.Simrock, 10097.

Mit Tanzen und Singen schaffen sich andere aber den Himmel, denn es sind Künste, die höher geachtet und besser bezahlt werden, als alle Wissenschaften. Daher sagt C.F. von Schweitzer in einem seiner Epigramme: »Rath', Vetter, mir zu einem Stand'; ich möcht' es gern zu etwas bringen.« »Mein Gott, das liegt ja auf der Hand: lerne tanzen, fideln oder singen.« (L. Schücking, 549.)


29. Mit Tanzen verdoppelt man die Schuhe nicht.Parömiakon, 1317.


30. Nüchtern tanzen und nüchtern weinen, ist wol bekommen noch gar keinem.


31. Tantzen lernt man nit vom Pfeiffer, sondern vom Tantzmeister, fechten vom Fechter, schmidten vom Schmidt.Lehmann, 475, 52.


32. Tanz mit mir, tanz mit mir, hab 'ne bunte Schürze für. Mit mi ôk, mit mi ôk, mîne is van Kammerdôk. (Lübeck.) – Deecke, 13.


33. Tanze, wenn das Glück dir pfeift.Gaal, 1504; Simrock, 3776.

It.: Bisogna pigliar le venture, quando Iddio le manda. (Gaal, 1504.)


34. Tanzen bringt Unkeuschheit, Hoffart und Schaden.

Bei Tunnicius (1265): Dansen brinkt unkûscheit, hoverdye unde schaden. (Luxuriam, fastus pariunt et damna choreae.) Murner (Nb, 47, in Kloster, IV, 767) schildert: »Wir dantzen nit mit frummen kindern, Frumbkeit hört nit an den reyen: es kum an dantz Pfaff oder Leyen, so hatt die erbarkeit ein end. Das kritzen kratzen in der hend, das winkellauffen, heimlich fragen, freundlich grüss hernider sagen, als ich verstand vnd ist auch war, kein frumen thochter hört nit har.«


35. Tanzen lernt man nicht vom Pfeifer.Braun, I, 4389.


36. Tanzen mag i nit allein, es muss no öppert bei mir sein. (Schweiz.) – Simrock, 10996a.


37. Tanzen, singen und springen, mit schönen jungfrawen ringen; wer das der Carthuser orden, so were ich lengst ein münch geworden.Töppen, 92.


38. Tanzt die Frau, so hüpft die Magd.


39. Tanzt ein Alter, so macht er grossen Staub.


40. Taum Danzen hät Twoi. (Sauerland.)


41. Tüchtig tanzen und tüchtig singen hindern nicht, vorwärts zu dringen.

Frz. Schweiz.: Bin tsanta et bin danhii ne grâvon pas d'avanhii.


42. Wär gären danzet, dän mag et sachte 'ne Musik (sîn).Schambach, II, 535.

Wer gern tanzt, dem mag es leicht eine Musik sein. Wer eine bestimmte Neigung zu etwas hat, findet leicht Anlass und Gelegenheit sie zu befriedigen.


43. We ömmer danzt en ömmer sprengt, si Enkd bau fengt. (Aachen.) – Firmenich, III, 233.

Wer immer tanzt und immer springt, sein Ende bald findet.


44. Wei gedansset hät, betalt de Musekanten. (Waldeck.) – Firmenich, I, 326, 60.


45. Wei gêrne danzet, demme is lichte te spillen. (Waldeck.) – Curtze, 357, 542; für Iserlohn: Woeste, 69, 99[1029] ; für Aachen: Firmenich, I, 494, 147; für Eifel: Schmitz, 183, 8; für Steiermark: Firmenich, II, 765, 15.

Dän.: Den er god at faae til at dandse som selv hopper. – Den er god at lokke som medhopper. – Godt at pibe for den som gierne dandser. (Prov. dan., 105.)

Holl.: Het is licht ghenrech ghepepen die gheern danst. (Tunn., 15, 12.)

Lat.: Quis leve musat here si prona sit ipsa chorei. (Fallersleben, 425.)

Span.: Quien bien bayla, de boda en boda se anda. (Bohn I, 246.)


46. Wei nit danssen kann, mot dotten1. (Westf.)

1) Sich steif und wackelig bewegen.


47. Wen gelüstet zu Tantzen, dem mag man leicht pfeiffen.Lehmann, II, 838, 18.

48. Wenn die einen tanzen, müssen die andern schanzen.

Holl.: Des eenen rei is de anderen schrei. (Harrebomée, II, 215a.)


49. Wenn du gut tanzest, sollst du Kuhkopf essen. (Surinam.)

Es soll dich nicht gereuen, wenn du deine Sache gut machst.


50. Wenn ich zum Tanzen geh', thut mir mein Fuss nicht weh'. O weh mein Fuss, wenn ich arbeiten muss. (Sauerland.)


51. Wer da gern tantzet, der ist gut an den reyen zu bringen.Hofmann, 28, 19.


52. Wer gern tantzt, (dem) mag man leicht pfeiffen.Franck, I, 39; Lehmann, II, 841, 272; Luther's Ms., S. 9; Luther, 47; Petri, II, 712; Egenolff, 191b; Latendorf II, 28; Gaal, 1505; Mayer, II, 201; Siebenkees, 76; Körte, 6730; Simrock, 10098; Lohrengel, I, 409; Birlinger, 414.

»Wer gerne tanzt, dem pfeifft man bald.« (Froschm., YyIIII.) »Wer gerne tantzt, mag man leicht pfeiffen.« (Waldis, VI, 37, 21.) »Wer gerne tantzt, dem ist leicht gefiedelt.« (Tappert, Nr. 6.) In Aachen: Wer gêr danzt, dem is gau (schnell) vörgespêlt. In Wien: Wer gern tanzt, dem ist bald pfiff'n.

Böhm.: Snadno tomu hráti, kdo rád skáže. – Snadno tomu pískati, kdo rád tancuje. (Čelakovsky, 112.)

Kroat.: Koi rad pleše, lehko mu se igra. (Čelakovsky, 112.)

Lat.: Audiens non audit, nisi bene placita sibi. – Facile trahas volentem. (Altdorf, 260; Binder I, 502; II, 1070.) – Musicam docet amor. (Hauer, 51.) – Sat facit indoctus tibicen saltare volenti. (Altdorf, 134; Binder I, 1585; II, 3027; Sutor, 2931; Gaal, 1505.)

Schwed.: Got pijpa för den som gärna danzar. – Han är god locka som med will hoppa. (Grubb, 291 u. 469.)


53. Wer gern tanzt, dem pfeifft man bald, dem Wollenden schiht kein Gewalt.Altmodische Politici, I, 81.


54. Wer gern tanzt, möcht leicht einen Pfeifer haben. (Altaugsburg.) – Birlinger, 415.

Die englischen Neger in Surinam sprechen denselben Gedanken in verneinender Form aus, indem sie sagen: Wer das Tanzen nicht versteht, sagt: die Trommel klinge schlecht. Die Odschineger, ein westafrikanischer Negerstamm, sagt nahe ebenso: Wenn du nicht tanzen kannst, sagst du: Ich mag die Trommel nicht.


55. Wer immer tanzt und singt, hat ein Geschäft, das wenig vorwärts bringt.

Die Russen: Wer immer tanzt, der tanzt sich alt dabei. (Altmann VI, 427.)

Frz.: Qui toujours chante et toujours danse fait un metier qui peu avance. (Cahier, 482.)


56. Wer mit sich selber tanzt, hat einen Narren zum Gesellen.Altmann VI, 428.


57. Wer nicht mehr tanzen kann, heisst's eine Teufelskunst.

Die Russen: Wer nicht tanzen kann, der gehe nur ins Tanzhaus, wenn er ein Spielmann ist. (Altmann VI, 428.)


58. Wer nicht tanzen kann, bleibe vom Raine. Winckler, XVII, 11.


59. Wer nicht tanzen kann (will), gehe nicht auf den Ball.

Vgl. Erzählungen und Sprichwörter, Altona 1791, Nr. 35.

Frz.: Ne doit pas se mettre en danse, qui ne veut pas danser. (Recueil, 4; Cahier, 483.)

It.: Chi non vuol ballare non vada al ballo. (Pazzaglia, 26.) – Chi non vuol la festa, levi l'altoro.


60. Wer nicht tanzen kann, sagt, dass der Boden nicht eben sei.

Die Osmanen lassen den, der nicht tanzen kann, sagen, der Raum sei zu enge. (Schlechta, 103.)


[1030] 61. Wer ungern (gezwungen) tanzt, tanzt auch.

Dän.: Han dandser og, som dandser nødig. (Bohn I, 373.)


62. Wer tantzen wil, der sehe wol zu, welche (wen) er bei der handt nimpt.Franck, II, 105a; Tappius, 127a; Gruter, I, 83; Petri, II, 769; Gaal, 1503; Henisch, 648, 17; Sailer, 129; Winckler, III, 19; Simrock, 10093; Körte, 6728.

Vorsicht bei einzugehenden Verbindungen.

Dän.: Hvo som vil dandse, see hvem han tager ved handen. (Prov. dan., 106; Bohn I, 376.)

Engl.: When you go to dance, take heed, whom you take by the hand. (Gaal, 1503.)

Holl.: Die dandsen wil, sie wie hi bi der hant neme.

Lat.: Palmas previsas habeas tu quando chorisas. (Fallersleben, 281; Sutor, 753.)


63. Wer tantzt, wie man spielt, der wirt leicht betrogen.Henisch, 353, 7; Petri, II, 769.


64. Wer tanze will, dem isch guët gîge. (Breisgau.) – Frommann, V, 406.


65. Wer tanzen will, der ziehe auf, wenn man pfeift.Simrock, 10099; Petri, II, 769.


66. Wer tanzen will, greife nach Händen, die er schon gesehen hat.


67. Wer tanzen will, ist zufrieden mit einem schlechten Pfeifer.


68. Wer tanzt, geht auch (kommt auch fort).

Frz.: Toujours va qui danse. (Lendroy, 54, 563.)


69. Wer tanzt ohne Spiel, hat der Lust nicht viel.

Dän.: At dandse uden spil, er at ride uden stibögel. (Prov. dan., 105.)


70. Wer tanzt, verdoppelt die Schuhe nicht.


71. Wier gärn dânzt, diem klâinjd uch det Schtôcheise gât. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 875a.

Span.: Quien bien bayla, de boda en boda se anda. (Bohn I, 246.)


72. Wier gärn dânzt, dier let sich uch af'm Schtôcheise afschpilen. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 875b.

It.: A ogni modo riesce, che gratta, dove pizzica.


73. Willst du tanzen und geniessen, musst du auch pflanzen und begiessen.


74. Wiltu tanzen, nim mehr darzu, zum tantz ghört mehr dan rote schu.

Lat.: Vnus homo ueram nunquam facit esse choream. (Loci comm., 103.)


75. Wo viele tanzen, da ist viel Staub.


76. Wohl tanzt, wem das Glück pfeift.

Engl.: He dances well, to whom fortune pipes. (Bohn II, 84.)

It.: Assai ben balla a chi fortune suona. (Bohn II, 84.)


77. Zum Tanzen braucht man nicht nur Schuh', man braucht auch gute Füss' dazu.


78. Zum Tanzen gehört mehr als ein Paar Schuhe.Mayer, II, 22.


*79. Da danst Bornholm (s.d.) hen.

Ein in verschiedenen Gegenden Holsteins bekanntes Sprichwort.

*80. Den danzt för en half Ort dôr et Füür. (Meurs.) – Firmenich, I, 406, 373.


*81. Dei danzt nich mött söck allên. (Ostpreuss.)

Ist schwanger.


*82. Den Tanz verkaufen.


*83. Die haben getanzt, und er muss den Spieler bezahlen.

Frz.: Les autres ont dansé, et il a payé les violons. (Lendroy, 1462.)


*84. Er kann wol gut tanzen, aber mit dem umdrehen hapert's.


*85. Er muss (will nicht) tantzen, wie man jhm pfeifft. (S. Garn 44.) – Lehmann, 935, 13.

Sich nicht überreden, überlisten lassen. »Vnd müssen tantzen wie sie pfeiffen.« (Waldis, IV, 96.)


*86. Er muss tanzen, wie sie pfeift.Klix, 108.


*87. Er schickt sich zum Tanzen, wie der Esel zum Lautenschlagen.


*88. Er siht gern tantzen, aber mit den zehnen nit.Franck, II, 112a; Henisch, 648, 19; Gruter, I, 65; Sailer, 296; Schottel, 1113a; Simrock, 10101.

Der Geizige.


*89. Er tantzt alzeit auff einem beyn.Franck, II, 180a.

Bei Tunnicius (589): He danset al up einem beine. (Usque canit nugas pede semper et utitur uno.) – Possen singet er stets, stets tanzt er auf einem Beine. [1031] Bei Henisch (261, 62): Wenn man auf einem Beine tanzet. (Ludus Empusae.) Ein von der Hekate gesandtes Gespenst, ein nächtlicher Spuk, der verschiedene Gestalten annahm, hiess bei den Griechen Empusa.


*90. Er tanzt auf einem Fuss, wo ein Schweizer Bauer zwei bedarf.Fischart, Gesch.

Holl.: Hi danset al op enen voet. (Tunn., 15, 22.)

Lat.: Qui scripsit scribit pede quo transivit et ibit. (Fallersleben, 414.)


*91. Er tanzt, bis er auf dem Rücken in die Kirche geht.Sailer, 102.

Zu Grabe getragen wird.


*92. Er tanzt nach jedermanns (nach seiner) Pfeife.Masson, 90.

Frz.: Il est du bois dont on fait la flûte.


*93. Er tanzt schon, ehe die Geigen gestimmt sind.

Holl.: Hij danst al, eer de snaden nog gesannen zijn. (Harrebomée, II, 278a.)


*94. Er tanzt wie ein Lothringer.

Als die Königin Katharine Medici eine neue Ordnung am Hofe nach italienischem Muster gegründet und elegante Tänze den frühern rohen Zeitvertreib ersetzen mussten, da war es die Umgebung der Guisen, welche sich am leichtesten in die neue Sitte hineinfand. Die lothringer Cavaliere suchten ihren Stolz darin, die besten Tänzer bei Hofe zu sein. Es war Mode zu sagen: Les meilleurs danseurs sont en Lorrain. Als es unter Maria Antoinette noch glückliche Tage in Versailles gab, wurden die Offiziere des Regiments Lorraine ebenfalls mehrfach bevorzugt, die sich wieder so auszeichneten, dass der alte Ruf der lothringer Tänzer eine neue Bestätigung erhielt. Man könnte einwenden, dass die Südländer weit bessere Ansprüche auf den Ruf der besten Tänzer haben müssten; der Burgunder ist schon heissblütiger als der Lothringer, der Bearner vielleicht am meisten. Er huldigt jedoch vorzugsweise den Tänzen südlichen Charakters, nicht aber dem eigentlichen französischen, darum sagt der Pariser: Sauter comme un Béarnais und stellt somit die kunstmässig geschulte Virtuosität Lothringens der sprudelnden Fröhlichkeit des südlichen Landmanns gegenüber. (Grebel, Die charakterist. Redensarten der Franzosen.)


*95. Er tanzt wie ein Pferd, das von Bremsen gestochen wird.

Holl.: Hij draait als een paard, dat van de wespen gestoken wordt. (Harrebomée, II, 163b.)


*96. Er tanzt wie ein Spreukorb, den man die Treppe hinabwirft. (Köthen.)


*97. Er tanzt wie ein Wolf um den Brunnen.

Von denen, die sich vergebliche Mühe machen. Vom durstigen Wolfe entlehnt, der nach Wasser schnappt und es nicht erlangen kann.


*98. Er tanzt wie eine Kuh auf dem Seil.

Holl.: Hij danst als een olifant op de koord. (Harrebomée, II, 133b.)


*99. Er (sie) tanzt wie Meierbeer's Nonnen, die auf Todtengrüften um Mitternacht tanzen.


*100. Er tanzt, wie sie pfeift.Parömiakon, 1475.

Port.: Como me tangerem, assim bailarei. (Bohn I, 273.)


*101. Ich will ihn tanzen lassen, ohne zu pfeifen.

Engl.: I'll make him dance without a pipe. (Bohn II, 52.)


*102. S' tanza, doss d' Hocke schtaibt.Peter, 448.


*103. S' tanza, doss râcht. (Troppau.) – Peter, 418.

Sie tanzen, dass der Staub fliegt.


*104. Sie tanzt, dass 's Staub gibt. (Rottenburg.)


*105. Sie tanzt, was das Zeug hält.


*106. Sie tanzt wie ein Lump am Stecken. (Nürtingen.)


*107. Tanzen, bis der Zapfen fliegt.Eiselein, 587.

Lat.: Quamdiu vinum seu cerevisia fluit. (Eiselein, 587.)


*108. Tanzen wie der Wolf, den Schwanz zwischen den Beinen.Wurzbach II, 340.

Von Feiglingen. Der Wolf soll nämlich seine Streifzüge mit eingezogenem Schweife ausführen, sodass er denselben zwischen den Füssen hält. Man schreibt diese Art zu gehen (ob mit Recht?) seiner Feigheit zu. Die Wölfe wer den sich das so lange gefallen lassen müssen, bis sie selbst einmal Naturgeschichte abfassen.


*109. Wann du danssen kanns, dann well ik di spielen. (Iserlohn.) – Woeste, 83, 449.

Sagt man dem Verkläger.


*110. Wenn andere tanzen, muss er das Licht halten.

In Köhler (84, 12) sagt ein Mitbewerber zu einem alten Freier: »Du alter Lecker hast die Sporn (als Reiter) verloren; deine Karwatsche ist zu schlaff, und musst, wenn andere tanzen, das Licht halten.«


*111. Wenn es nur getanzt ist.

Es kommt mir nicht darauf an, wie etwas gemacht ist.


[Zusätze und Ergänzungen]

112. Beim Tanzen und beim Schmausen, da macht man keine Flausen.


113. De lude dantset na juwer pipen.Freybe, Redentiner Spiel, 1775.

Die Leute tanzen nach eurer Pfeife.


114. Es ist, wie wenn einer tanzt und der Schuh drückt ihn.

Wenn jemand bei innerer Verstimmung, bei Sorge und Schmerz äusserlich heiter erscheint. »Allegro in Moll ist in der französischen Musik sehr häufig und charakterisirt sie: Es ist, wie wenn einer tanzt und der Schuh drückt ihn.« (Schopenhauer, Welt als Wille, II, 520.)


115. Et es nit god danze mit leddige Ranzen. Geschräppels, 33.


116. Mit Tanzen fängt's an, mit der Hochzeit hört's auf.Freytag, Soll und Haben, I, 220.


117. Wer gern tantzt, ist geigen gut.Ayrer, IV, 2836.


118. Wer nicht gern tanzt, dem ist schwer zu pfeifen.

It.: Mai si balla bene, se dal cuor non viene. (Giani, 190.)


*119. Bey dem Tantz bin ich mehr gewesen. Ayrer, II, 1703, 5.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
Lizenz:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Hume, David

Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes

Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes

Hume hielt diesen Text für die einzig adäquate Darstellung seiner theoretischen Philosophie.

122 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon