Grab

1. Auf den Gräbern wachsen die schönsten Rosen.Jer. Gotthelf, Käthi, die Grossmutter (Berlin 1847), I, 138.


2. Auf einem Grabe soll man nicht schlafen. Weber, Demokritos, II, 65.


3. Aus dem Grabe kann man keinen herausrufen.

Böhm.: Prutem do hrobu nevženeš, a z hrobu koláčem nevyvábíš. (Čelakovsky, 313.)


4. Bis zum Grabe gibt's kein gutes Weib.


5. Das Grab öffnet sich jeden Augenblick, aber es schliesst sich nur einmal für immer.


6. Das Grab verschlingt alles.

Frz.: Six pieds de terre suffissent au plus grand homme.


7. Das heilig Grab niemand verwaret umsonst. Gruter, III, 73; Lehmann, II, 434, 68; Petri, II, 304; Pistor., IX, 79; Richard, 392, 14; Sailer, 233; Wurzbach II, 93; Eiselein, 256; Körte, 2401; Simrock, 4021; Herberger, I, 273.

Auch diejenigen, welche allgemeine religiöse oder kirchliche Angelegenheiten besorgen, müssen mit irdischem Gelde bezahlt werden, weil sie sonst nicht bestehen können, wie denn auch die Wächter, die an das Grab Jesu gestellt wurden, bezahlt worden sind, so schlecht sie auch gehütet haben mögen. Wollte man dies Sprichwort auf den Zweck selbst beziehen, dann müsste es eher heissen: Es hütet jeder das heilige Grab umsonst, d.i. vergeblich, weil die Polizei noch nie es gehindert hat, wenn ein Heiland hat auferstehen wollen.

Dän.: Ingen giør godt uden han veed nytte deraf; de sige med Juda Hvad ville i give mig. (Prov. dan., 248.)

Lat.: Nemo custodit gratis sacrum sepulcrum Christi. (Bebel.) – Nemo tenetur militare propiis stipendiis. (Paul.) (Eiselein, 256.)


8. Ein fremdes Grab sieht sich an wie eine Rasenbank.


9. Es hütet niemands dess heyligen Grabs vergebens.Lehmann, II, 128, 136.


10. Es ist besser, dass einen vier zu Grabe tragen, als dass man selber geht (durch Henkershand stirbt).

Dän.: Det er bedre at lade sig bære af fire til graven end gaae selv dertil, eller lade sig lede af to dertil. (Prov. dan., 252.)

11. Im Grab ist allen wohl gebettet.


12. Im Grab von Erde ist man weich gebettet.

Frz.: L' en doit faire de la terre la fosse. (Leroux, II, 253.)


13. Im Grabe liegt der Fürst nicht bequemer als ein Tagelöhner.

Die Russen sagen: Das Grab macht den Buckeligen gerade und der Stock den Steifen biegsam. (Cahier, 1900.)


14. Im Grabe neidet man niemand.


15. In(s) Grab fert kein neid.Gruter, I, 51; Lehmann, II, 279, 29; Körte, 2400.

Lat.: Pascitur in vivis livor, post fata quiescit. (Ovid.) (Binder I, 1329; II, 2490; Fischer, 169, 12; Kruse, 811; Philippi, II, 84; Seybold, 428.)


16. Lieber zu Grabe bitten, als zur Hochzeit.

Holl.: Liever ter uitvaart dan ter bruiloft genoot. (Harrebomée, II, 352.)


17. Mir bêde kumm ei ê Groab, sagte der Fuhrmann, und küsste seinen alten Gaul. (Oberlausitz.)


18. Nymands wil vmbsunst sitzen bey dem heiligen grabe.Werdea, Aiiij.


19. Was im Grabe liegt, ist sicher.Wild- und Weidmannsbilder (Leipzig 1863), S. 83.


20. Wer aus dem Grabe kommt, weiss was der Tod ist.

It.: Chi vien della fossa, sà, cosa sia il morto. (Pazzaglia, 224, 5; Gaal, 1577.)


21. Wer im Grabe liegt danieder, den bringt kein Flehen wieder.Seybold, 425.


22. Wer im Grabe liegt, dem ist wohl gebettet. Bohn I, 182; Eiselein, 256; Simrock, 4020; Braun, I, 970; Reinsberg II, 158.


23. Wer im Grabe liegt, den drückt die Erde nicht.

Böhm.: Až v hrobĕ budeš, pah hoře zbudeš. (Čelakovsky, 181.)


24. Wer nicht auf Gräbern gehen (tanzen) will, muss gar nicht gehen (tanzen).


*25. Am Grabe der Stief(Schwieger-)mutter weinen.

Schmerz heucheln, wo man sich freut.


[117] *26. Aus dem Grabe kommen und nach dem Tode fragen.Winckler, XX, 94.

Frz.: Il vient de la fosse et demande après la mort. (Kritzinger, 326b.)


*27. Da is wierin an heilgen Grab. (Oberösterreich.)

Die heiligen Gräber werden in den letzten Tagen der Charwoche in den Kirchen aufgerichtet, mit künstlicher buntfarbiger Beleuchtung bei verhängten Fenstern. Priester und alle andern Anwesenden beten, aber nur leise. (Baumgarten.)


*28. Da ist 's heilige Grab wohl verwahrt.

Ironie; soviel als: Der Bock ist zum Gärtner gesetzt.


*29. Das heilige Grab hüten.Kirchhofer, 132; Eiselein, 256.

Holl.: Bij het heilige graf waken. ( Harrebomée, I, 256.)


*30. Des heiligen Grabs vmbsonst warten.Eyering, I, 690.


*31. Er eilt zu seinem Grabe, als ob er sich versäumet habe.

Engl.: He that lives too fast, goes to his grave too soon.

*32. Er stapffet nach seim grabe.Franck, II, 57a.


*33. Er sucht sein Grab.

Der vom Alter gekrümmt Gehende.


*34. Er wird es mit ins Grab nehmen müssen.

Er wird's fühlen, weil er lebt; er wird's nicht verwinden, wird zeitlebens daran zu klauben haben.

Frz.: Il s'en sentira toute sa vie. (Kritzinger, 645b.)


*35. Er würde sich im Grabe umdrehen.

Holl.: Hij keert zich in zijn graf om. (Harrebomée, I, 257.)


*36. Es läuft jemand über mein Grab.

Holl.: Er loopt iemand over mijn graf. (Harrebomée, I, 257.)


*37. Es sind übertünchte Gräber.

Lat.: Sepulchra dealbata, parietes dealbati. (Bovill, I, 64; Kritzinger, 646a.)


*38. Etwas mit ins Grab nehmen.

Ein anvertrautes Geheimniss niemand mittheilen.

Holl.: Hij wil het met zich in het graf dragen. (Harrebomée, I, 257.)

*39. He gheit vp graues borth.Tappius, 57b; Körte, 2401.

Lat.: Alterum pedem in cymba Charontis habere. (Tappius, 57a.)


*40. He stippet nae synem graue.Tappius, 57b; Körte, 2401.

Der dem Tode Nahe.


*41. Ne, war wird og 's heilige Groab ümsiste hütten.Gomolcke, 805; Robinson, 332.


[Zusätze und Ergänzungen]

42. Das Grab ist nachgefallen.

Wenn nach dem Einsenken des Sarges in die Gruft ein Theil des Grabrandes am Wege nachfällt, so soll jemand nachsterben.


43. Ehe ich in's Grab, füttre ich ab.

Span.: Muera Marta, y muera harta. (Don Quixote.)


44. Ich hab noch kein lust in das grab, dan ich gar offt erfaren hab, welcher kompt in ein todtenbar, gilt nicht zwen heller mehr fürwar.Loci comm., 127.

Lat.: Me piget intrare feretrum dico tibi quare: qui iacet in feretro, uix ualet oua duo. (Loci comm., 127.)

45. Wenn es in ein neues Grab regnet, so ist der dahin Bestimmte selig. (Hessen.) – Wolf, Beiträge, II, 367.


[1376] 46. Wer früh sein Grab will geöffnet sehn, der wasch' sich den Kopf vor dem Schlafengehn.

It.: Chi vuol presto morire, si lavi il capo e vada a dormire. (Giani, 879.)


*47. Ich kann mich darum nicht in's Grab legen.


*48. Uf den san Grobe wardn o kejne Rusen wachsen.Larisch, 19.

Auf dessen Grabe werden auch keine Rosen wachsen!


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Autobiografisches aus dem besonderen Verhältnis der Autorin zu Franz Grillparzer, der sie vor ihrem großen Erfolg immerwieder zum weiteren Schreiben ermutigt hatte.

40 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon