Sommer

1. Auf einen heissen Sommer folgt ein kalter (strenger) Winter.Petri, II, 24.


2. Bô is woll en Summer, bô et nit en Dunnerschlag inne gitt. (Waldeck.) – Curtze, 343, 371.


3. De Sommers fischen geit un Winters Finken fleit, dâr't nich gôd in de Küök to steit. (Süderdithmarschen.)

Wer im Sommer fischen geht und Winters Finken schlägt, bei dem's nicht gut in der Küche steht.


4. Den Sommer bringt vns St. Vrban, der Herbst hebt Bartolomäus an.Petri, II, 517.


5. Den Sommer maut alles wassen.Schambach, II, 628.

Eine Warnung vor verfrühtem Säen und Pflanzen. (S. Maitag 9.)


6. Den Sommer mit dem Thore (durch Herumtreiben an dem Haus- oder Hofthor), den Winter mit dem Rotze versäumen. (Lit.)


7. Den Sommer schändet kein Donnerwetter. Petri, II, 79; Simrock, 9578; Körte, 5566; Bair. Hauskalender; Braun, I, 4117.

Dem kaltblütigen Winter stehen aber solche leidenschaftliche Zornausbrüche nicht wohl an.


8. Den Sommer wechst dem Arbeiter zu, den Winter dem Schläfer.Petri, II, 79.


9. Der Sommer dauert nicht das ganze Jahr.

Der Sommer währt nicht immer, sagen die Finnen. (Bertram, 40.)

Holl.: Het is altijd geen zomer. (Harrebomée, II, 506a.)

Lat.: Non semper erit aestas. (Binder I, 1200; II, 2228; Weber, 1, 47.)


10. Der Sommer ernährt, der Winter verzehrt.

Auch russisch Cahier, 1940. Die Finnen: Hüpfend kommt der Sommer, der Winter mit Gähnen. (Bertram, 73.)

Dän.: Sommeren føder, vinteren øder. – Sommeren nærer, vinteren tærer. (Prov. dan., 518.)


11. Der Sommer gibt Korn, der Herbst leert sein Horn (gibt Wein), der Winter verzehrt, was die beiden beschert.Eiselein, 644; Simrock, 11668.

12. Der Sommer hat auch kalte Tage.


13. Der Sommer ist ein Ernährer (Werber), der Winter ist ein Verzehrer (Verderber). Lehmann, 923, 58; Petri, II, 107; Simrock, 9573; Boebel, 114.

Holl.: De zomer is een slaaf en de winter is een heer; de laatste wil zien, wat de eerste gewonnen heeft. (Harrebomée, II, 566a.)

Lat.: Fac nunc, quod voluntas fecisse tunc. (Chaos, 1015.)

Schwed.: Sommaren föder och winteren öder. – Sommarens gröda är winterens föda. (Grubb, 752 u. 839.)


14. Der Sommer ist ein herber Bauer, er macht den Weibern die Milch gern sauer.


[605] 15. Der Sommer ist ein Sklave, der Winter ist ein Herr.


16. Der Sommer offenbart, was der Winter hat verscharrt.


17. Der Sommer wêr auszehâlden, hat der Zegun (Zigeuner) gesôt, wun nor der Wäinjt ging; und der Wäinjter uch, wun nor niche Wäinjt geng. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 531.


18. Des Sommers Blumen welken im Herbst.

Die Finnen: Des Sommers Laub erhält sich nicht in den Stürmen des Herbstes, die zarten Blumen nicht im Winter. (Bertram, 43.)


19. Dess Sommers kan man mit einem fuder Meyen eben so viel aussrichten als dess Winters mit einem Fuder Holtz.Petri, II, 120.


20. Dess Sommers sol man sich winterlich ankleiden, wenn man reisen will; dess Winters mag mans machen wie es ist.Petri, II, 120.


21. Die gefährlichsten Sommer sind auch die fruchtbarsten.Simrock, 9577b.


22. Die im Sommer nit schneiden, müssen im Winter Hunger leiden.Chaos, 680.


23. Ein Sommer ist mehr werth als zehn Winter.

Sprichwort der Zigeuner des siebenbürgischen Hochlandes, womit sie sagen, dass der Winter ihr grösster Feind ist. (Vgl. Ausland, XXVIII, Nr. 52.)


24. En Suemer, gued vöer Enten un Fiske, is slecht vöer den Biuer. (Büren.)

D.i. ein sehr nasser Sommer.


25. Es ist nur Ein Sommer im Jahr.

Böhm.: Dvakráte za rok létó nebývá. (Čelakovsky, 261.)


26. Es ist selten ein Sommer ohne Hagel und ein Kopf ohne Nagel.

Port.: Elle tem cabeça, pois tambem hum alfinete a tem. (Bohn I, 276.)


27. Es kann nicht immer Sommer sein, drum sammelt der Kluge für den Winter ein.


28. Et is'n kort'n Summer, wenn man in de Hand pûst. (Oldenburg.) – Eichwald, 1870; Goldschmidt, 44; Weserzeitung, 4097.

Um das Mistrauen gegen den Bestand lockender Glücksfälle auszusprechen.


29. Et ward nig vor Sommer, bet unse Herr de Föt (Füsse) wun de Eer hett. (Insel Fehmarn.) – Schütze, I, 331.

Nicht vor Himmelfahrt.


30. Früher Sommer, schlechte Ernte.

Holl.: Vroeg zomer, kwaad gewas. (Harrebomée, II, 506a.)


31. Früher Sommer, später Hunger. (Luzern.)


32. Heisse Sommer und kalte Winter bringen keine böse Zeit.Petri, II, 375; Simrock, 9577; Körte, 5567.


33. Heisser Sommer, guter Wein.Petri, II, 375.


34. Im Sommer erkältet man sich leichter als im Winter.Altmann VI, 480.


35. Im Sommer haben die Hanen rothe Kemme.Petri, III, 7.


36. Im Sommer ist ein Pelz am wohlfeilsten.


37. Im Sommer lobt jeder die Kälte des Winters.


38. Im Sommer soll man an den Winter, in der Jugend ans Alter denken.

Die Russen: Im Sommer mache den Schlitten bereit, im Winter den Wagen. (Cahier, 480.)

Dän.: Om somren tænk paa kuld og frost i ungdom paa alterdoms trøst. (Prov. dan., 543.)


39. Im Sommer spricht man vom Schlitten und im Winter fährt man darauf.Altmann VI, 504.


40. Im Sommer wird man der Fliegen gewohnt.


41. Im Summer liit me na der Liebi und im Winter na der Wärmi.Sutermeister, 114.


42. In einem trockenen Sommer verdirbt kein Bauer.


43. In'n Sommer es den Wäscherschen kein Kraus Bêr to düer; in'n Winter is 'ne kein Knust to hart.Schambach, I, 340.

Im Sommer ist den Wäscherinnen kein Krug Bier zu theuer, im Winter kein Knust Brot zu hart. Im Sommer, wo sie viel verdienen, leben sie gut, ohne an den Winter zu denken, und müssen dann wieder darben.


44. Ist im Sommer Höhenrauch in Menge, so ist's ein Vorbote von des Winters Strenge. Bair. Hauskalender.


[606] 45. Kühler Sommer, kalter Herbst. (Strehlen.) – Boebel, 114.


46. Kurzem Sommer geht ein früher Lenz voran.


47. Man kann im Sommer nicht ernten, wo man im Herbst (Frühling) nicht gesäet hat.

Dän.: Der høstes sjelden god frucht om sommeren, hvor det ei har blomstret vel i vaaren. (Prov. dan., 308.)


48. Man muss im Sommer nackt gehen lernen, damit man im Winter den Pelz entbehren kann.

Die Russen: Lerne im Sommer nackt gehen, damit du im Winter des Pelzes entbehren kannst. (Altmann V, 98.)


49. Man muss im Sommer sammeln, wenn man im Winter haben will.


50. Pessa en Souma mên Rechen, ben de Pimsen1 stêchen, as bi en Bênta men Sâl (Seil): Hapt's nech Hai fâl. (Ungar. Bergland.) – Schröer.

1) In Mähren heisst bimess und bimss'n = Binse (Frommann V, 464), das Wort scheint aber hier wol Bremse oder Fliege u.s.w. zu bedeuten, nach einer andern Lesart. (S. Gabeln.)


51. 'T is alltîd gên Sömmer un Sönndag.Kern, 1230.


52. Wär in'n Sommer wil Hâsen jâgen, dei maut den Winter Hunne futtern.Schambach, II, 540.


53. Was der Sommer nit thuet, das thut der Winter. (Solothurn.) – Schild, 112, 108.

Auf einen unregelmässigen, stürmischen Sommer folgt ein milder Winter.


54. Was ist ein Sommer ohne Sonne!

Böhm.: Špatné léto, když slunce není. (Čelakovsky, 292.)


55. Wenn der Sommer im Winter kommt, so gibt's ein verdorbenes Jahr.

Span.: Quando en verano es invierno, y en invierno verano, nunca buen año. (Bohn I, 244.)


56. Wenn der Sommer vorbei, ist's zu spät, Aehren sammeln gehen.

Böhm.: Zmeškav léto, pozdĕ do lesa na maliny. (Čelakovsky, 261.)


57. Wenn's im Sommer warm ist, so ist's im Winter kalt.Simrock, 9577a.

Die Russen: Was dem Sommer an Wärme fehlt, hat der Winter an Kälte. (Altmann VI, 417.)


58. Wenn's i'me heisse Summer a'me Morge-n-i's Thau rägent, so git's am Nohmittag es Donnerwätter. (Solothurn.) – Schild, 118, 159.


59. Wer dess Sommers seine Kleider verschleusst, den frewrt dess Winters.Petri, II, 694.

Bei Tunnicius (430): De des somers syne kleider vorslit, de vrüst in dem winter. (Alget in octobri vestes qui deterit aestas.)

Dän.: Det som forødes om sommeren, bliver tit savnet om vinteren. (Prov. dan., 182.)


60. Wer dess Sommers thut singen, der mag dess Winters springen.Petri, II, 694.


61. Wer im Sommer das Holz nicht verbrennt, darf im Winter nicht frieren.


62. Wer im Sommer die Kleider verthut, muss im Winter frieren.Braun, I, 4118.

Die Russen: Im Sommer den Pelz verschenken. (Altmann VI, 516.)

Engl.: They must hunger in frost, that will not work in heat. (Gaal, 90.)

Lat.: Aestas non semper fuerit: componite nidos.

Poln.: W młodości huczno znożyie, a na starość zimno w pięty będzie. (Masson, 314.)


63. Wer im Sommer fischt und im Winter finkt, glaubt nicht, dass dem sein Fleisch verstinkt.


64. Wer im Sommer gesungen, kann im Winter tanzen.

Böhm.: Kde jsi zpívala v létĕ, zpívej i v zimé.

65. Wer im Sommer net will schneiden, muss im Winter Hunger leiden. (Kurhessen.)

»Wer nit im summre gablen kan, der muss im winter mangel han, den Berendanntz dick sehen an.« (Brant; Haupt, Verwandte Sprichwörter des Haramal, III, 407, 50.)


66. Wer im Sommer nicht arbeitet, muss im Winter frieren (Hunger leiden).Simrock, 9571.

It.: Patirà fame nel freddo chi non vuole lavorar nel caldo. (Pazzaglia, 189, 3.)


67. Wer im Sommer nicht erntet, muss im Winter darben.Lohrengel, I, 818.

Böhm.: Kdo v létĕ nerobí, ten v zimĕ nedrobí. (Čelakovsky, 136.)

Poln.: Kto lecie prożnuje, zimie nędzę czuje. (Čelakovsky, 136.)


[607] 68. Wer im Sommer nicht geerntet, wird im Winter nichts zu essen haben.


69. Wer im Sommer nicht wil gehen wie ein Kröpel, der muss im Winter gehen wie ein Pöpel.Petri, II, 722.


70. Wer im Sommer nit sammlet ein, der muss im Winter ein Bettler sein.Chaos, 679.


71. Wer im Sommer pflügt, hat halb gedüngt.

Frz.: Labour d'esté vaut fumier. (Leroux, I, 49.)


72. Wer im Sommer sammelt, der ist klug; wer aber in der Erndte schlefft, der wird zu Schanden.Coler, 210; Spr. Sal. 10, 15; Schulze, 51.


73. Wer im Sommer sammelt, hat zu handen, wer in der Ernte schläft, der wird zu schanden.

Mhd.: Die wîl der schoene sumer wert sol man gewinnen, des man gert. (Boner.) (Zingerle, 139.)


74. Wer im Sommer schläft ohne Mühe, melkt im Winter Gänse statt der Kühe.Chaos, 680.


75. Wer im Sommer sein Kleid zerreist, im Winter billig da erfreust.Zinkgref, IV, 345.


76. Wer im Sommer zu wenig Schatten fand, wird ihn im Winter finden.Altmann VI, 412.


77. Wer nicht im Sommer gabeln kann, der muss im Winter Mangel han.Brant, Nsch., 70; in Kloster, I, 604.


78. Wer nicht im Sommer machet Heu, der laufft im Winter mit geschrey, vnd hat zusammengbunden Seil, rufend, das man jm Heu geb feil.Brant, Nsch., 70, in Kloster, I, 605.


79. Wie dem Sommer der Herbst folgt, so folgt dem Winter der Lenz.Altmann VI, 395.


80. Wie's im Sommer dürr wird, Sela, sprach die Frau, als sie ihr Mieder schnürte. (Oberlausitz.)


81. Wilt im Sommer die kleider zerreissen, so gehe im winter frieren (oder: nackent). Gruter, III, 114; Lehmann, II, 881, 294; Sailer, 278; Körte, 5568; Simrock, 9576.


82. Wollen wir den Sommer haben, so müssen wir auch den Donner haben.


83. Wonach man im Sommer fährt, das wird man im Winter wieder wegtragen. (Lit.)

Was man in jener Zeit einsammelt, wird in dieser verbraucht.


84. Zwei Sommer gibt es nicht in Einem Jahre.


85. Zwei Sommer sind mir lieber als ein Winter, sagte der Zigeuner.


*86. Auf den Sommer über acht Tage. (Breslau.)

So viel wie auf den Nimmermehrstag (s.d.).

Holl.: Te zomer als de kalveren op het ijs dansen. (Harrebomée, II, 506a.)

*87. Den Sommer ins Land reiten.

Diese Redensart ist aus dem in die christliche Zeit übergegangenen Reste des Wodanscultus zu erklären, den M. Jähns in den Grenzboten (Leipzig 1871, Nr. 5 u. 6) unter der Ueberschrift: Wodan als Jahresgott behandelt hat. »Wie die zwölf Nächte der Wintersonnenwende (s. Nikolaus 1 u. 4) waren unsern Vorfahren auch die zwölf ersten Tage des Mai heilig und wurden als Beginn des Sommers festlich und feierlich begangen. In dieser Weihezeit fand der altgermanische Landtag statt, der daher auch bis ins Mittelalter Maifeld oder Mailager hiess. Wie bei der Feier der Wintersonnenwende bildete auch bei dem feierlichen Cultus dieser Tage Wodan als Gott des Himmels und des Jahres den geistigen Mittelpunkt. Die Reste solcher Frühlings-Wodanfeste sind uns noch an vielen Orten in mannichfaltigen Kampfspielen, im «Maireiten» und in der Einholung des «Maikönigs» erhalten. Den Germanen war nämlich von jeher die Lenzfeier ein Kampffest, in welchem der Gedanke des alten Götterglaubens dargestellt wurde. Sieg des wiedererwachten guten Sonnengottes und seiner lichten Heergesellen über die finstern Dämonen des Winters. Dieser Kampf wurde bei den Maifesten ebenso dramatisch zur Aufführung gebracht, wie der Umzug des Wuotanheeres zu Weihnacht. Jähns weist a.a.O. noch vorhandene Volkssitten und Gebräuche nach, die sich wie Wettspiele, Maikönig, Blumengraf an den Cultus des Mai-Wodans anlehnen. Jahr für Jahr ritten ehedem in den Städten Niederdeutschlands die bewaffneten Bürger zu Walde, um den «Maigrafen» zur Stadt zu führen. Der sass dann in Laub eingehüllt auf weissem Rosse und die Maien, die ihn geschmückt hatten, wurden in der ganzen Stadt als segenbringende Gabe vertheilt. Diesen schönen Gebrauch, der in Holstein noch jetzt gelten soll, nannte man: Den Sommer ins Land reiten, oder: die Zît empfahen.«


[608] *88. Ein ganzer Sommer mit Glück.


*89. Er ist Sommer und Winter grün. (Ulm.)


*90. Es streitet der Sommer mit dem Winter. (Kurhessen.) – Mülhause, 164.


*91. Im Sommer seine (Winter-)Kleider zerreissen, und im Winter nackend gehen.Egenolff, 353b; Eiselein, 645; Seybold, 14.

Lat.: Aestate penulam deteris. (Eiselein, 645.) – Aestate vestem conteris. (Franck, I, 99b.) – Penulam aestate deteris. (Philippi, II, 90.)


*92. Mitten im Sommer eine kühle Heirath schliessen.Parömiakon, 1157.

Sich ertränken.


*93. Op em Samer, op em grote Sinndag, wenn twê ön ênem sön.Frischbier2, 3531.


*94. Op em Samer, op em Sinndag, wenn de lange Dag sönd.Frischbier2, 3532.

Wird gebraucht, um eine Angelegenheit, die Erfüllung eines Wunsches ins Ungewisse zu verschieben.


*95. Op em Samer op em Sinndag, wenn de Schotte kame.Frischbier2, 3532.

Ironische Zurückweisung eines Antrags in bejahender Form. Schotten oder Schottenhändler heissen die Krämer, welche mit Kurzwaaren im Lande umherziehen. Nach Hennig (244) kommt das Wort von (Alt-)Schottland, eine Vorstadt Danzigs.


*96. Sommer, Ulten zu.Westermann, 25, 616.

So ruft man neck- oder spottweise den Bewohnern von Ulten in Tirol zu, denen man einen ähnlichen Schwank zuschreibt, wie den Hornussern, Bopfingern und Emeringern in Schwaben, den Mistelgauern in Franken, den Jühndern bei Göttingen und den Schöppenstädtern im Braunschweigischen. Man erzählt nämlich, ein Ultner habe in der Nähe von Bozen eine Grille singen hören und auf seine Frage nach der Ursache dieser Töne die Antwort erhalten, es seien die Thierlein, die den Sommer brächten. Da es nun in seiner höherliegenden Heimat noch gar nicht sommerlich war, beschloss er, ein solches Thier mit heimzunehmen. Er fing es und that es in ein Schächtelchen. Als aber auf dem Rückwege die kleine Gefangene aufhörte zu zirpen, wurde er ängstlich, wollte nachsehen, was aus dem Sommer geworden sei und öffnete die Schachtel. Diesen Augenblick benutzte die Grille, zu ihrer Freiheit zu gelangen; und dem Ultner blieb nur übrig, die sprichwörtlich gewordenen Worte: »Sommer, Ulten zu«, nachzurufen, mit denen man jetzt die sämmtlichen Ultner neckt.


[609]

97. Auf einen nassen Sommer fürwahr folget Theuerung im nächsten Jahr.Weckstimmen, I; Prager Kalender, 1877.


[1734] 98. Der Sommer, den uns Sanct Martin beschert, drei volle Tage und ein bischen währt.

It.: L' estate di San Martino dura tre giorni e un pochino. (Giani, 1017.)


99. Im Sommer kalt, im Winter warm, gibt eine Ernte, dass Gott erbarm.

It.: Estate d' inverno ed inverno estate, non ti daranno mai buone annate. (Giani, 620.)


100. Im Sommer schafft man sich den Schlitten an, im Winter den Wagen. (Rumänisch.) – Franzos, Vom Don zur Donau.


101. Im Sommer vier Wochen Disteln und im Herbst vier Wochen Möhren halten den Thierarzt aus dem Pferdestall.

So sagt ein altes Sprichwort, dessen Wahrheit von den Pferdebesitzern vielfach anerkannt wird.


102. Kein Sommer ohne Fliegen.

It.: Non vien mai estate senza mosche. (Giani, 621.)


103. Trockener Sommer, nasser Winter – umgekehrt, da ist's nicht minder.Egerbote, 1876, Juni.


104. Wer im Sommer im Pelz geht, im Winter mit nacktem A .... am Ofen steht.Schuller, 76.


105. Zwei Sommer folgen nicht aufeinander.

D.i. Zeiten des Glücks.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Raabe, Wilhelm

Der Hungerpastor

Der Hungerpastor

In der Nachfolge Jean Pauls schreibt Wilhelm Raabe 1862 seinen bildungskritisch moralisierenden Roman »Der Hungerpastor«. »Vom Hunger will ich in diesem schönen Buche handeln, von dem, was er bedeutet, was er will und was er vermag.«

340 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon