Streit

1. Alten Streit soll man nicht wieder aufrühren.

Frz.: Il ne faut pas troubler l'eau qui dort. (Kritzinger, 253b.)


2. Alter Streit ist bald erneut.

It.: Contesa vecchia tasto si fa nuova. (Bohn I, 89.)


3. Ass nömmen bas Streit am Hous, de wändt d' Sögen Gottes ob d'r Thür omm.Schmitz, 181, 42.


4. Auf den Streit folgt wieder Einigkeit.

Poln.: Po swadzie lepsza zgoda, po wojnie smaczniejszy pokój, po gorzkiém cukrowniejísza słodyvcz. (Čelakovsky, 196.)


5. Aus Einem Streite hundert Sünden.


6. Bei heftigem Streite tritt die Wahrheit auf die Seite.

Frz.: Par trop débattre la vérité se perd. (Bohn I, 44.)


7. Beim Streit ist Mass das beste Kleid.

Span.: En contienda ponte rienda. (Cahier, 238.)

8. Besser ist, Streit leiden, als den Hals verlieren.

Stryd lyden = sich dem Kampf aussetzen. Bei Tunnicius (254): Beter is stryde lyden dan den hals vorleisen. (Praestat bella pati gladio quam perdere collum.)

Holl.: Beter camp dan de hals gebroken (verloren). (Harrebomée, I, 274a.)


[904] 9. Besser Streit vermeiden, als viel dabei leiden.

Engl.: 'T is better keeping of a quarrel, than to make it up afterward.


10. Der meiste Streit ist um Ja und Nein, Mein und Dein.Simrock, 12392.


11. Ein Streit bringt den andern.

It.: Il peggio della lite è che d'un processo nè nascono conto. (Pazzaglia, 200, 11.)

Lat.: Lis litem parit, noxa noxam. (Egeria, 122.)


12. Ein Streit ist bald angefangen, aber bös (schwer) geendet.

Ung.: Hogy ha békességben élhetz, kerüld a' perlekedést. (Gaal, 1477.)


13. Einen Streit, wo man eine Taube gewinnen und einen Fasan verlieren kann, muss man vermeiden.


14. Erst im Streit bewährt sich ein gutes Schwert.


15. Es ist der lengste Streit vmb Ja vnd Nein vmb Mein vnd Dein.Petri, II, 258.


16. Es ist ein vngleicher Streit, wenn die alten Töpfe wollen mit dem Felsen streiten.Henisch, 1644, 15; Petri, II, 262.


17. Es ist ein vngleicher Streit, wenn häfen vnd steine gegen einander streiten.Lehmann, 844, 36.


18. Es ist ein wunderlicher Streit, wenn ein Esel den andern reit (schleit).Petri, II, 262; Henisch, 943, 31; Lehmann, II, 142, 156; Körte, 5764; für die Schweiz: Sutermeister, 127.

Holl.: Tis een wonderlic strijt, daer deen esel den andern verwijt. (Tunn., 26, 6; Harrebomée, II, 313b.)

Lat.: Est mirum bellum, quod asellus culpat asellum. (Binder II, 982; Gartner, 47; Fallersleben, 1726.)


19. Hans Streit leugnete der Demuth einen Thaler ab und gewann.


20. Heftiger Streit führt zu Bitterkeit.

Engl.: Petulant contentions engendre malice.


21. Hitziger Streit hat ein jähes Ende.Altmann, VI, 413.


22. Im Streit verliert man die Wahrheit.

Engl.: In too much dispute truth is lost. Bohn II, 425.


23. Ist einer stets zum Streit gewillt, so sagt er, dass Wasser den Durst nicht stillt; und ist er zu vertheidigen gesinnt, beweist er, Jupiter hatte kein Kind.


24. Kein bitterer Streit als unter Brüdern (Freunden, Verwandten).

It.: Non vi è peggior lite chè tra sangue e sangue. (Pazzaglia, 186, 9.)


25. Kein Streit ohne Ursache.


26. Kein Streit schwerer, als wenn des Geizigen Augen mit dem Bettelsack kämpfen.


27. Mer häd doch au no nie Strit g'ha, seit de Ma zu der Frau, und prüglet si, weil si meint, si hebid doch au scho mit enand zangget. Sutermeister, 40.


28. Mit vielen zum Streite, mit wenigen zu Rath.Schottel, 1134b.

Holl.: Met velen ten strijd, met weinigen ten raad. (Harrebomée, II, 310b.)

29. Ob ihm der Streit geling', weiss niemand mit gewissen Ding'.

Lat.: Est nulli certum, cui pugna uelit dare sertum. (Loci comm., 176.)


30. Ohne Streit ist keine Beut'.Parömiakon, 2489.


31. 'S git wider Strit, i g'höre di Aegerste rätsche, seit de Murer Dävet, und nimmt sis Fräuli bin Ohre, wo b'hautet, das sei nu Aberglaube.Sutermeister, 24.


32. Sich in Streit begeben, heisst seine Haare nicht schonen.


33. Solchem Streit bleibt fern ein kluger Mann, wo er einen Spatz gewinnen und eine Gans verlieren kann.

Die Russen: Man muss den Streit vermeiden, wo man ein Haselhuhn gewinnen und einen Fasan verlieren kann. (Altmann V, 102.)


34. Streit ist nicht weit.


35. Streit macht Streit.

Lat.: Lis litem serit. (Gaal, 1760.)


[905] 36. Streit muss man grüssen bei Sonnenaufgang.Graf, 404, 21.

Die Gerichtssitzungen unserer Vorfahren fanden Vormittag mit Aufgang der Sonne statt. (S. Langfasten, Gericht 9 und Sonne 166 u. 250.)

Fries.: Stryd schylma greta bi sonna opgang. (Hettema, Wetten, II, 37, 28; Richthofen, 391, 26.)


37. Streit schafft Leid.

Holl.: Die in geschil gaat, gaat in zijn leed. (Harrebomée, II, 231.)

It.: Por tan le liti danni in finiti. (Pazzaglia, 999, 8.)


38. Streit tödtet die Freundschaft.

It.: Le liti non generano mai amicizia. (Pazzaglia, 200, 6.)


39. Streit trübt die Wahrheit.

Frz.: Grande dispute vérite rebute. (Bohn I, 19.)


40. Um Streit kein Recht.Graf, 351, 386.

Wer Händel erregt und Schlägereien anstiftet, verlässt den Rechtsboden, oder hat das Recht gegen sich.

Altfries.: Omne nene kase nene recht. (Richthofen, 361, 28.)


41. Viel Streite, wenig Beute.


42. Weit vom streit macht alte Kriegsleut.Lehmann, 445, 149; Gaal, 1704; Simrock, 9965; Körte, 5763; Braun, I, 4233.

Lat.: Extra telorum jactum securitas.

Schwed.: Långt frå faran gjör gamble krijgsmän. (Grubb, 480.)


43. Wenn man einen Streit mit Wein begiesst, richtet man mehr aus als durch einen Process.Simrock, 9966; Körte, 5765.


44. Wer allen Streit will schlichten, hat mehr als möglich zu verrichten.


45. Wer kann den Streit zwischen Kamm und Haar schlichten! (Surinam.)

Wer kann einen dauerhaften Frieden stiften zwischen denen, die täglich miteinander zu thun haben. Wer mag sich z.B. in die Streitigkeiten der Eheleute mischen.


46. Wer keinen Streit will, muss sein Haus an keinen Kreuzweg bauen.


47. Wer sich hält fern vom Streit, verlebt in Frieden seine Zeit.

Engl.: Keep aloof from all quarrels be neither a witness, nor purty.

48. Wer sich in den Streit der Grossen mischt, hat eitel Schande davon.


49. Wer sich in Streit einlässt, muss nicht über den Verlust von Haaren klagen.

Böhm.: Kdo chodí v zápasy neplač o vlasy.(Čelakovsky, 367.)


50. Wer Streit sucht, findet bald eine Ursache.

Schwed.: Trätekjär finner snart orsak. (Grubb, 228.)


51. Wer Streit sucht, kann Krieg finden.Altmann VI, 493.


52. Willst du ein' Streit geschlichtet han, so wende dich an alten Mann.

Böhm.: Pakli se kde stane sváda u staršich budiž rada. (Rybicka, 586.)


53. Wo ein Streit ist, da müssen etlich fallen und verwundet werden.Heuseler, 22, 91.


54. Wo ist Streit, da ist ein Weib selten weit.

Die Albanesen behaupten gar: Es gibt keinen Streit ohne ein Weib.


55. Wo kein streit ist, da ist kein sig vnd mannheit.Aventin, XVa.


56. Wo Streit sein soll, da muss gefochten werden.Graf, 351, 392.

Will sagen, dass unter Streit im Sinne der Rechtsbücher nicht ein Kampf mit Worten, sondern mit handfester Gewalt verstanden werde.

Niederd.: Waer styt wesensal, daer most ghewochten wesen. (Mieris, 675.)


57. Wo viel Streit ist, da halten die Advocaten Ernte.

Böhm.: Lidský svár, cizí zisk, a právníkům zlaté žnĕ. (Čelakovsky, 348.)

Poln.: Ludzki swar, cudzy poźytek, i złote jurystom żniwo. (Čelakovsky. 348.)


58. Zum Streite hilft nicht stark sein.Pred. Sal. 9, 16; Schulze, 125; Zehner, 299.


*59. Ar reisst'n Streit von Zau roa. (Franken.) – Frommann, VI, 627, 433.


*60. Einen Streit vom Zaune brechen.Wurzbach II, 388.


*61. Er kommt vom Streit gelaufen und weiss nicht vom Raufen.


[906] *62. Es ist ein gelehrter Streit, ob man »und« mit d oder t schreiben soll.

Einen gelehrten Streit führen, sagt die jüdisch- deutsche Redensart: Sich wephalpel sein. Vom hebräischen Pilpul = Disput.


*63. Es ist ein Streit um die Geisswolle.Eiselein, 203.


*64. Es ist ein Streit ums leere Hölzl. (Steiermark.)

Lat.: De lana caprina. (Eiselein, 203.)


[Zusätze und Ergänzungen]

65. Eigensinniger Streit füttert des Advocaten Kleid.

It.: Le vesti degli avvocati sono foderate dell' ostinazione dei litiganti. (Giani, 918.)


66. Wer einen Streit beginnt, der säet eine Pflanze, die nur dem dritten Früchte trägt. Kornmann, V, 156.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
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