Schnecke

1. Besser e Schnegg im Krût as gar kei Speck. (S. Laus 3 u. 4.) (Solothurn.) – Schweiz, II, 72, 7.


2. D' Leugger Schnegge si sibu Jahr lang über die Brigga gangun und z'letsch no umbri ghiit.Sutermeister, 42.


3. Der Schneck si sieb'u Jahr den Baum aufkrochen und doch wieder abe keit.Simrock, 9139.


[289] 4. Der Schneck' und der Frau ist am wohlsten im Haus.

So sollte es wenigstens sein.

Böhm.: Hlemýždi v skořepinĕ nejlépe, a knĕzi na faře. (Čelakovsky, 335.)


5. Der Schnike Schnuogel sûl af de Hochzet gôn, und kâm glat zer Dûf gerecht. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 243.


6. Die Schnecke kommt so wol zum Jahr als auch der Hase.Schmitz, I, 193, 148; Schulfreund, 88, 148.


7. Die Schnecke läuft nicht mit dem Hasen.


8. Die Schnecke trägt ihr Haus bei sich, weil sie den Nachbarn nicht traut.Simrock, 9136; Körte, 5381.

Dän.: Snegelen bær huuset med sig, at han ey skal boe hos onde naboer. (Prov. dan., 423.)


9. Die Schnecke vberwigt die Weissheit.Petri, II, 143.

Nämlich Geld mit einem Schneckenbilde geprägt.


10. Die Schnecke zieht die Hörner an, wenn's hagelt.


11. Eine Schnecke holt keinen Hasen ein.

Vorausgesetzt, dass er läuft.


12. Eine Schnecke kommt so weit mit Kriechen als ein Hase mit Laufen.

Holl.: De slak komt er zoowel met kruipen, als de haas met loopen. – Eene slak komt er zoowel als en kikvorsch. (Harrebomée, II, 272b.)


13. Eine Schnecke kompt mit der Zeit wo sie hin will.Lehmann, 451, 17.


14. Es ist besser e Schnägg im G'koch as gar keis Fleisch. (S. 1.)Sutermeister, 131.


15. Es ist keine Schnecke, sie hält sich für Schnellläufers Töchterlein.Altmann VI, 485.


16. Es sind schlimme Schnecken, die die Ohren stets ausrecken.


17. Schneck', Schneck', streck' deine Hörner aus, oder i schlag der a Loch ins Haus. (Schwaben.)


18. Schnecke, Schnecke, Niere (auch: schnüre) zeig' mir deine viere; und wenn du sie nicht zeigen willst, so werf' ich dich in Graben, da fressen dich die Raben, da beissen dich die Müllermücken1, die vorne dich und hinten zwicken. (Kinderspruch in der Niederlausitz.)

Statt dessen auch: Da beissen dich die Fleischerhunde, ziehn dir das Fell vom Leibe 'runter.


19. Schnecke und Wurm machen keinen Sturm.

Mhd.: Der snecke unde der regenwurm die habent vil selten grozen sturm. (Freidank.) (Zingerle, 134.)


20. Schnecken tragen jhr Hauss mit sich, damit sie nicht beim bösen Nachbarn wohnen dürffen.Lehmann, 526, 9.


21. Schnecken vertragen kein Salz.

Holl.: Als men zout op eene slak smijt, zoo versmelt zij in haar eigen slijm. (Harrebomée, II, 512a.)


22. Sei eine Schneck' im Rathen, ein Vogel in Thaten.Eiselein, 519; Sailer, 265; Simrock, 8087.

Böhm.: Bud' hlemejžd' v radĕní a pták v jednání. (Rybicka, 811.)

Dän.: Vær som snegelen langsam i raad, men som fuglen snar i daad. (Prov. dan., 516.)

Holl.: Eene slak in raad, maar een vogel in de daad. (Harrebomée, II, 272b.)

Lat.: Cochlea consiliis, in factis esto volucris. (Binder I, 197; II, 515; Egeria, 31; Eiselein, 519; Philippi, I, 85; Faselius, 46; Seybold, 78; Wiegand, 410.)


23. Was soll der Schnecke ein grösseres Haus!


24. Wenn d' Schnägge im Früelig d' Heg ufschnogge, so überlauft im Sommer de Aare (die Aar). (Solothurn.) – Schild, 110, 90.


25. Wenn die Schneck' ist aus dem Häuslein, so spielt damit das Mäuslein.Fischart, Trostb.


26. Wenn die Schnecke ein grünes Blatt mit sich führt, es gewiss gut Wetter wird; beladet sie sich mit Grund, so thut sie starken Regen kund.Schulfreund, 84, 30; Schmitz, I, 174, 69.


27. Wenn man der Schnecke nimmt die Schal', so stirbt sie allemal.Fischart, Trostb.


28. Wenn man die Schnecke anrührt, zieht sie sich in ihr Haus zurück.Parömiakon, 2313.

Holl.: Als hij gij aan den man komt, zoo kruipt gij in uwe schelp. (Harrebomée, II, 245b.)


[290] 29. Wenn sich die Schnecken früh deckeln, so gibt's einen frühen Winter.Simrock, 9140.


30. Wer Schnecken fängt, hat Hörner.Winckler, XII, 84.


*31. Aus einer Schnecke einen Elefanten machen.


*32. D' Schneck' auf d' Schwanz schlage, dass se net büllet (bellen). (Ulm.)

Die gewöhnliche Antwort auf die Frage, was jemand treibe.

*33. Die Schnecken sind darüber gekrochen.

Wenn eine Sache blos oberflächlich gemacht ist.

Holl.: De slakjes hebben er maar over gekropen. (Harrebomée, II, 272b.)


*34. Eher wird aus einer Schnecke ein Kurierpferd.

Lat.: Sambucam citius caloni aptaveris alto. (Persius.) (Binder II, 3014; Erasm., 369; Philippi, II, 165.)


*35. Eine Schnecke könnte Vorreiter sein.

Lat.: Celerius Elephanti pariunt. (Philippi, I, 79.)


*36. Er g'seht d' Schnägge bälle.Sutermeister, 80.

Von einem durchtriebenen, schlauen Menschen, der's hinter den Ohren hat. Dafür finden sich a.a.O. auch folgende Redensarten: Er hät Gäns z' melche. Er macht Underhaspel wo-n er cha. Er cha s' chlii Häfeliwärch (Hexenwerk) und's gross tribt er. Er cha's wie Tell. Er cha's gross Eimoleis. Er weiss, wie viel der Hafer gilt. Er frisst nid vil Koth um en Blutzger. Er het g'merkt wo de Brönz uselauft.


*37. Ja, Schnecken. (Steiermark.)

Höhnische Verneigung oder Weigerung.


*38. Ju, Schnecken (oder: Schneckr'l) in der Buttersauce. (Wien.)

Um jemand zu sagen, dass er sich in seinen Erwartungen getäuscht habe.


*39. Leigger und oltener Schnegge. (S. Kropf 31.) – Sutermeister, 50.


*40. Mag er Schnecken schnellen.

Mhd.: Vnd scit es andern sinen gesellen ond liesz mich gann sneggen snellen. (Diocletian's Leben.)


*41. Mit der Schnecke um die Wette laufen.

Lat.: Cochleam tarditudine vincere. (Plautus.) (Philippi, I, 85.)


*42. Schnecke ön da Romsoss. (Oberösterreich.)

Abweisend, um zu sagen: Was nicht gar!


*43. Von der Schnecke das Laufen lernen.


*44. Wie eine Schnecke zum Sprunge.

»Sein werlich mut zu vechten stat als ein snek zu dem sprung.« (Suchenwirt, XXVIII, 280.)


[291]

45. Besser d' Schneckn auf d' Schwänz schlagn, als gar nex thun.

Lat.: Melius est pisciculos cepisse, quam desidia omnino torpere.


46. Schneck, Schneck, schnür aus, reck' d' Hörner alle vier raus.

Kinderspruch in der Gegend von Böhmisch- Friedland.


*47. Eine Schnecke wäre eher gekommen.

Lat.: Palmo prius venisset. (Plautus.) ( Philippi, II, 115.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
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