Güte

1. Auch Güte platzt und hat ein Ende.

Frz.: Bonté change si on la point. (Leroux, II, 186.)


2. Auf der Güte Mittel folgt erst der Knittel.

It.: Il prudente prima di dar di piglio all' armi deve provar ogni cosa. (Pazzaglia, 312, 2.)


3. D' Güete isch mengsmol es Stuck vo d'r Liederlichkeit. (Aargau.) – Schweiz, II, 114, 2.


4. Die Güte des Mehls hängt mehr vom Müller als von der Mühle ab.


5. Eine Güte fordert (gebiert) die andere.

Frz.: L'une bonté l'autre requiert et colée sa per. (Leroux, II, 256 u. 258.) – Pour ce te fais que tu me refaces, l'une bonté l'autre requiert. (Leroux, II, 283.)


6. Geht es nicht in Güte, so geht es mit der Wiete.

Ruth.: Ne pöjdesz po dobröj woły, to pöjdesz po newoły. (Wurzbach I, 140.)


7. Güte bricht einem kein Bein.Petri, II, 363; Henisch, 1800, 22; Schottel, 1143b; Sailer, 281; Simrock, 1105; Braun, II, 524.

8. Güte im Reden und Emsigkeit im Schreiben erhält Freundschaft.


9. Güte ist mehr als Schönheit.

Die Güte des Herzens, sagen die Russen, ist eine Sonne, die einen milden Schein auf dem Antlitz zurücklässt. (Altmann VI, 458.)

Frz.: Bonté est une, beautez est autre, ce dist li vilains. – Bonté excelle (surpasse) beauté. (Leroux, II, 186.)


10. Güte kriecht, wo sie nicht gehen kann.


11. Güte macht ungütige Knechte.Körte, 2467; Simrock, 4102; Braun, I, 999.


12. Güte thut (wirkt) mehr als Gewalt.

Die Türken sagen: Durch Güte lockt man die Schlange aus der Erde. (Reinsberg II, 28.) Und in Aegypten heisst es: Ein Faden Güte zieht mehr als das Tau der Gewalt (des Zwanges).

Frz.: Plus fait douceur que violence. (Bohn I, 45.) – Mieux vaut séduire que sévir. ( Cahier, 1613.)


13. Mit Güte macht man wilde Thiere zahm.Eiselein, 264.

Engl.: All by love and nothing by force. (Eiselein, 264.)


14. O du grosse und allmächtige Güte, die Welt ist worden zur Nagelschmiede.Eiselein, 640.


15. Wahre Güte beginnt bei sich selbst.

Span.: La caridad bien ordenada comienza de sí propria. (Bohn I, 226.)


16. Was du mit Güte kannst überkommen, da erlass dich des Kriegs.Eiselein, 264.


17. Was Güte nicht kann, vermag Gewalt.


18. Was nützt mir alle Güte, wenn nichts erfährt mein Gemüthe.

Frz.: Bonté qui n'est seue ne vaut riens. (Leroux, II, 186.)


19. Wer Güte erweist, kann Güte erwarten.

Frz.: Ki bontés fait bontés atant. (Leroux, II, 293.)


20. Wer seine Güte gebrauchen lässt, der ist der oberst und allerbest.Froschm., XVIIIb.


21. Wer sich durch Güte nicht bessern lässt, wird durch Strenge gewiss auch nicht besser. Burckhardt, 676.

Von unverbesserlichen Menschen, welche eine freundliche Behandlung nicht rührt und Züchtigung ebenso wenig besser macht.

Dän.: Bedre at curere met advarsel, end straffe med pidske.

Frz.: Il vaut corriger par la douceur que par la chatiment.


22. Wo Güte nicht hilfft, da muss die Ruthe helffen.Herberger, I, 667.


23. Zu grosse Güte taugt nicht.

Holl.: Groote goedheid is menigen mensch bezwaarlijk. (Harrebomée, I, 250.)


*24. Die breslauer Güte haben.


*25. Ine maine Gitte! (Oesterr.-Schlesien.) – Peter, 455. Ausruf der Verwunderung.


*26. Koan ich meg doch a der Gütte vertroan. Gomolcke, 697.

Können wir doch in Güte die Sache behandeln, frie lich miteinander leben, verhandeln. Mundartlich spricht übrigens niemand Gütte, sondern Gitte, auch wol Gîte.


[206]

27. Der Güte ohne Verstand fehlt die rechte Hand.

Böhm.: Dobrota bez rozumu pusta. (Čelakovský, 46.)


28. Mit Güte gewinnt man mehr, ist aller Meister Lehr.Weingärtner, 96.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Jean Paul

Vorschule der Ästhetik

Vorschule der Ästhetik

Jean Pauls - in der ihm eigenen Metaphorik verfasste - Poetologie widmet sich unter anderem seinen zwei Kernthemen, dem literarischen Humor und der Romantheorie. Der Autor betont den propädeutischen Charakter seines Textes, in dem er schreibt: »Wollte ich denn in der Vorschule etwas anderes sein als ein ästhetischer Vorschulmeister, welcher die Kunstjünger leidlich einübt und schulet für die eigentlichen Geschmacklehrer selber?«

418 Seiten, 19.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon