Geschickt

1. Besser geschickt sein, als geschickt scheinen.

Frz.: Il est bon d'être habile, mais non de le paraître. (Cahier, 840.)


2. Der ist geschickt, der ein bösen wurff zum vortel kann richten.Lehmann, 725, 29.

Die Alten nannten oft beredt, was wir geschickt nennen.

Lat.: Diserte saltare. (Tacitus.) (Erasm., 14.)


3. Der ist geschickt, der ist wie ein Katz, man werffe jhn, wie mann wolle, so fällt er auff die Füss.Lehmann, 293, 11.


[1594] 4. Der ist geschickt, der Lincks vnnd Rechts ist, wie ein Polischer Stiefel.Lehmann, 293, 11.


5. Der ist geschickt, der schaden weiss nutz zu machen.Lehmann, 293, 9.


6. Der ist geschickt, der seine Kunst mit vollen Geldsäcken kann auf den Tisch stellen.


7. Der ist geschickt, der sich weiss zu verstellen und vor den Leuten gross und klein zu machen.

8. Der ist geschickt, der viesirlich ist, wie ein Weidsack; auff welcher seiten mann greifft, da findt mann ein loch.Lehmann, 293, 11.


9. Der ist geschickt, der zugleich Fuchs vnd Haass sein kann.Lehmann, 293, 11.

Lat.: Polypi mentem obtine. (Erasm., 423 u. 839; Tappius, 117a.)


10. Der ist nicht geschickt, der sich nicht in die zeit schicken kann.Lehmann, 77, 44.


11. Der muss geschickt sein, der ein vnsinnigen Kopff könnt verwirren, er kans selbst thun.Lehmann, 429, 18.


12. Einer ist geschickt zum Studiren, der andere zum Regieren, der dritte blos zum Spazieren.

Frz.: Adroit comme un prêtre normand. (Leroux, I, 240.) – L'un est propre aux lettres, l'autre aux armes et le troisième à rien du tout. (Kritzinger, 569b.)

Um Unbeholfenheit zu bezeichnen, sagt man in Frankreich: Er ist geschickt wie ein normandischer Priester, weil Saint-Gaucher, in dessen Namen der Sinn des Linkischen liegt, Priester in der Normandie war. (Reinsberg V, 133.)


13. Es ist mancher geschickter ein Feind zu vberwinden, als ein Statt in Frieden zu regieren.Lehmann, 569, 47.


14. Es ist niemand so geschickt, den nicht ein Weib berückt.Henisch, 1537, 13; Petri, II, 272.


15. Geschickt ist der Teufel, aber nicht fromm.


16. Mancher ist geschickt, andern zu rahten, vnd ist jhm selber nichts nutz.Henisch, 1537, 17.


17. Mancher ist so geschickt, dass er jhme selbst die linke Hand mit der rechten abhawet. Lehmann, 694, 59.


18. Wer nur Geschick vnd Gelehrt will sein, der wird nicht Reich.Lehmann, 296, 47.


19. Wer nur geschickt und gelehrt will sein, wird selten reich und trinkt wenig Wein.


*20. Dai es so geschickt, as en Iësel omme Prumenbome1. (Iserlohn.) – Firmenich, III, 188, 95; Woeste, 84, 76.

1) Auf dem Pflaumenbaume.


*21. Er ist geschickt, er kann durch ein Eichenbret gucken, wenn ein Loch darin ist.

*22. Er ist geschickt, wie eine Sau auf der Orgel.


*23. Er ist so geschickt, dass er einer Fliege Beine einsetzen kann.Winckler, XV, 28.


*24. Er ist so geschickt, er kann auf einen Dreier scheissen, dass keiner das Gepräge sieht.


*25. Er ist so geschickt, er kann Haspen an ein Zeisigei machen.

Dän.: Han er kunstig, kand giøre kringler paa sood, kramper til gaase-æg, og dup-skoer til grise-haler. (Prov. dan., 367.)


[Zusätze und Ergänzungen]

26. Mancher ist geschickt, vnd geht im Rock geflickt, vnd wird sein Lehr veracht, das macht, er heisst kein Pracht.Petri, II, 451.


27. Er ist so geschickt, er kan einem Hasen im Laufen den Bart scheren und einem Pferde während des Galoppirens ein verlorenes Hufeisen aufnageln.


*28. Geschickt ist ein Bote.

So antwortet derjenige, dem man vorwirft, er sei nicht geschickt, fange es nicht geschickt an.


*29. Geschickt wie eyn khu zum Bretspil. Franck, Paradoxa, 139a.


*30. Hei is säu geschickt äs en hülzen Näpken. (Sauerland.)


*31. So geschickt, wie eine Kuh zum Jagdhund. Dietrich, I, 428.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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