Gesang

1. Am gesang (federn vnd Nest) kennt man den Vogel.Lehmann, 916, 3; Eyering, I, 88; Blum, 478; Simrock, 3464.

It.: Al canto si conosce l'ucello et al parlar il buon cervello. (Pazzaglia, 386, 2.)

Kroat.: Pozna se ptica po perju. – Pticu je poznati iz popévke. (Čelakovský, 267.)

Lat.: Index est animi sermo. (Binder II, 1492.)


2. Am Gesange erkennt man nicht, womit der Vogel gefüttert wird (oder: was der Vogel gefressen).


[1579] 3. Am g'sang hört man zu aller Frist, was es für ein Vogel ist.Eyering, I, 89.


4. Dess gesang gefellt mir am besten, der mein Lied singt.Henisch, 1529, 13; Petri, III, 5.


5. Ein gesang füllet die Ohren, nicht den Magen.Henisch, 1529, 14; Petri, III, 5.


6. Ein guter gesang thut viel beym Wolleben. Petri, II, 193.


7. Ein gutes gesang wischt den Staub vom Hertzen.Lehmann, 210, 34.

»Lieder spielen wie mit Wachs, mit Herzen, trifft der Sänger nur den rechten Ton.« (Urania von Körner, 1852, Nr. 1.)


8. Ein kurzer Gesang wirkt oft mehr als eine lange Predigt.


9. Ein schöner Gesang hemmt das Wasser im Lauf und die Vögel im Fluge.

Holl.: Eén gezang is zoo goed als tien man. (Harrebomée, I, 236.)


10. Ein süsser Gesang hat manchen Vogel betrogen.Petri, II, 229; Gaal, 681.

Ung.: Madarász szép szóval, a halász horoggal csal halat és madarat. (Gaal, 681.)


11. Es gehet vil im gesang vnd geschrey hin.Henisch, 1546, 10.


12. Gesang ist ein niederschlagend Pulver.


13. Gesang ist ein niederschlagend Pulver, sagte der trunkene Jermis, da lag er in der Gosse.


14. Gesang ohne Lohn ist wie ein Leichnam ohne Salbe.Burckhardt, 464.

Die ägyptischen Sängerinnen sammeln von jeder anwesenden PersonWirth und Gästen – ein Geldgeschenk ein, wobei jedesmal die gegebene Summe laut genannt wird, was die Eitelkeit der Gebenden reizt und die Taschen der Sängerinnen füllt: eine Einrichtung, die unsere herumziehenden Sängerinnen und Harfenistinnen noch nicht kennen.


15. Gesang vnd Federlein verraten die Vögelein.Petri, II, 334.


16. Gesang vnd geschwetz (Gespräch) erleichtern die arbeit.Henisch, 1529, 19; Petri, II, 335; Körte, 2049.


17. Heitrer Gesang erhält das Rädchen im Gang.


18. Man hört am gesang wol, was Vogels er (oder: was er für ein Vogel) ist.Henisch, 1521, 20; Tappius, 113a; Petri, II, 447; Gruter, I, 57; Guttenstein, I, 47; Schottel, 1113b.


19. Man rühmte den Gesang der Nachtigall, da fing die Sau an zu grunzen.


20. Süsser gesang hat manchen Vogel betrogen (oder: ins Netz gebracht).Henisch, 1529, 4; Lehmann, II, 572, 127; Körte, 2050; Simrock, 3465; Braun, I, 744.


21. Wenn das Gesang auss ist, so singt man: Ehre sei Gott!Lehmann, 174, 39.


22. Wenn man ein Gesang zu hoch anfängt oder zu nider, so kan mans nit aussführen. Lehmann, 935, 23.


23. Wie der Gesang, so ist der Tanz.Winckler, VIII, 52.


24. Wie gesang, also Vogel.Henisch, 1529, 30; Petri, II, 790.


25. Wie gesang, so Vogel; wie farb, so Glass; wie Mund, so Hertz.Gruter, III, 113; Lehmann, II, 880, 282.


26. Zu solchem Gesange gehört solcher Weihrauch, sagte der Teufel.Parömiakon, 1188.

Dies Sprichwort verdankt, nach dem Berichte Abraham's a Sancta Clara, seine Entstehung dem Teufel. Er soll nämlich, als irgendwo die Mönche beim Absingen der Psalmen ausschweifende Nebengedanken gehabt haben, im Chor mit einem Rauchfass voll Schwefel und anderm teuflischen Gewürz erschienen, einen unleidlichen Gestank verbreitet und dabei obige Worte ausgesprochen haben.


27. Du singest immer ein gesang wie der guckuck.Tappius, 40b.

Lat.: Cantilenam eandem canis. (Tappius, 40b; Binder II, 426; Philippi, I, 72.)


*28. Er fängt seinen Gesang zu hoch an.

Jüd.-deutsch: Der fangt aach seinen Kaddisch zu hoch an! (Tendlau, 255.) (Das Kaddisch ist ein Gebet in der Synagoge, das gesungen wird.)


[1580] *29. Er hat einen Gesang wie der Kukuk.Nass. Schulblatt, XIV, 5.

»Das ist sein Nam' und sein Geschrei


[Zusätze und Ergänzungen]

30. Erzwungener Gesang hat keinen Klang. Wild, 12.


31. Gesang verschönt das Leben.Fliegende Blätter, V, 6.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Liebelei. Schauspiel in drei Akten

Liebelei. Schauspiel in drei Akten

Die beiden betuchten Wiener Studenten Theodor und Fritz hegen klare Absichten, als sie mit Mizi und Christine einen Abend bei Kerzenlicht und Klaviermusik inszenieren. »Der Augenblich ist die einzige Ewigkeit, die wir verstehen können, die einzige, die uns gehört.« Das 1895 uraufgeführte Schauspiel ist Schnitzlers erster und größter Bühnenerfolg.

50 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon