Erste

[1942] Êrste, der, die, das, ein Beywort, welches eigentlich der Superlativ des veralteten Beywortes eher ist, und von Dingen gebraucht[1942] wird, vor welchen kein anderes Ding ihrer Art ist, so wohl absolute, als auch unter gewissen Einschränkungen.

1. Der Zeit und dem Orte nach. Der erste Tag des Jahres, des Monathes, der Woche. Es ist sein erster Sohn. Der erste und der letzte. Er war der erste, den ich sahe. Die ersten zwey Theile. Kinder aus der ersten Ehe, oder Kinder erster Ehe. Wer das erste Wort hat, hat auch das erste Recht. Das erste, was ich bekomme, sollst du haben. Das erste, was ich dabey fühlte, war Verlegenheit und Erstaunen. Das erste das beste. Ich will ihn an den ersten den besten verkaufen. Von der ersten (frühesten) Kindheit an. Von dem ersten Ursprunge an. Den ersten Anfang mit etwas machen. Die ersten Menschen. Die erste Welt. Diese Waare ist nicht so gut, wie die erste, wie die vorige. Bey den Bäckern heißt die linke Seite des Backofens der Erste; daher, auf dem Ersten backen, auf der linken Seite.

Für das erste, oder fürs erste, zum ersten und am ersten, stehen oft adverbisch, und bekommen alsdann zuweilen allerley Nebenbegriffe. Fürs erste zählet, und hat für das andere, oder für das zweyte nach sich, S. Für. Zum ersten wird auf ähnliche Art gebraucht, S. Zu. Die schwachen Äste brechen am ersten, sind die ersten, welche brechen. Wer am ersten kommt. Greif nicht am ersten zu. Gib ihm am ersten zu trinken, zuerst. Da hat er am ersten (zuerst) gewohnt. Oft bedeutet am ersten so viel als auf die leichteste, auf die beste, auf die sicherste Art. Da ist am ersten durchzukommen. Wissen sie nicht, daß uns unsre Leidenschaften am ersten besiegen, wenn sie am ruhigsten zu seyn scheinen? Gell.

2. Der Würde und Wichtigkeit nach. Der erste Staatsminister. Der Churfürst von Mainz ist der erste Churfürst des Reiches. Der erste nach dem Kaiser. Das sey deine erste (wichtigste) Pflicht.

3. Der Ordnung nach, selbst der zufälligen Ordnung nach, nach welcher man die Dinge stellet. Saul und David waren zwey Könige; der erste regirete schlecht, der andere löblich. Die Liebe und Freundschaft reden zugleich aus ihren Augen – je mehr sie nach ihrer Meinung die erste (die Liebe) verbergen will, Gell.

Anm. Dieses Beywort wird nicht gern ohne Artikel gebraucht, ob man solches gleich zuweilen im Oberdeutschen thut: erster sprach, der erste. Doch gehet solches an, wenn der Genitiv voran gehet; des Reiches erster Churfürst. Zuweilen, besonders wenn man von zwey Dingen redet, macht man von diesem Worte einen neuen Comparativ. Haß und Liebe; erstere, oder die erstere, ist eine unangenehme, letztere, die letztere, aber eine angenehme Leidenschaft. Bey dem Kero lautet dieses Wort herost, bey dem Ottfried eristo, bey dem Isidor eriste, bey dem Notker erro; das erra buoch, das erste Buch. S. Ehe und Erst.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1942-1943.
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