Joch, das

[1435] Das Jóch, des -es, plur. die Jócher, in der edlern Schreibart, die Joche, ein altes Wort, welches der wahrscheinlichsten Abstammung nach mehrere mit einander verbundene Theile bedeutet, besonders so fern sie bestimmt sind, etwas zu tragen, oder zu ziehen, aber nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. 1. * Mehrere an einander gereihete Berge, ein Gebirge, besonders dessen oberster und höchster Theil, wie das Lat. Jugum; in welcher Bedeutung es doch nur noch im Oberdeutschen üblich ist, und in derselben auch von hoch abstammen kann. 2. Ein horizontaler, zum Tragen bestimmter Balken, wird besonders wenn er auf Pfählen ruhet, sehr häufig ein Joch, in andern Fällen aber auch ein Holm genannt. So heißen im Bergbaue Jöcher, diejenigen Stücke Holz, aus welchen die Geviere bestehen, welche zur Festigkeit des Schachtes dienen. Die Jöcher in einander[1435] fällen, die Hölzer mit einander verbinden. Eben daselbst führen diesen Nahmen auch die Hölzer, welche nach der Länge des Schachtes auf die Tragestämpel geleget werden, die Kästen zu unterstützen. Im Böhm. Goch. An den hölzernen Brücken ist das Gerüst, welches aus einem Querbalken der auf seinen Pfeilern ruhet, bestehet, ein Joch oder Brückenjoch. Ingleichen die Weite zwischen zwey solchen Jochen. Eine Brücke von sechs Jochen, welche fünf solche in gewisser Weite von einander stehende Joche hat. 3. Besonders ein hölzernes Geschirr, vermittelst dessen die Ochsen das Ziehen verrichten. 1) Eigentlich. Das Halsjoch, welches im engsten Verstande nur schlechthin das Joch genannt wird, die Gestalt eines länglichen Viereckes hat, und von den Ochsen an dem Halse getragen wird; wo denn bald jeder Ochse sein eigenes Joch hat, bald beyde nur ein einziges desto längeres haben; zum Unterschiede von dem Kopfjoche, welches vor dem Kopfe befestiget wird. Den Ochsen das Joch anlegen. Sie in das Joch spannen. 2) Figürlich. Der Stand der Bedrückung, besonders der Dienstbarkeit; ohne Plural. Ein Volk unter das Joch bringen, es unterjochen, sich unterwürfig, dienstbar machen. Unter dem Joche seyn, leben, in harter Unterwürftigkeit. Das Türkische Joch. Das Joch abwerfen, abschütteln. In gelinderm Verstande wird es in der Deutschen Bibel einige Mahl von der Abhängigkeit von einem Höhern gebraucht. 3) Ein Joch Ochsen, zwey durch das Joch mit einander verbundene Ochsen, und in weiterer Bedeutung ein Paar Ochsen; wo es wie mehrere Wörter dieser Art, welche eine Zahl, ein Maß, ein Gewicht bedeuten, im Plural unverändert bleibet. Fünf Joch Ochsen, Luc. 14, 19. Zwölf Joch Ochsen, 1 Kön. 19, 19. Tausend Joch Rinder, Hiob 42, 12. 4) So viel Acker als ein Paar Ochsen in einem Tage pflügen können, wo es ein besonders im Oberdeutschen übliches Feldmaß ist, und im Plural gleichfalls unverändert bleibet, wenn es ein Zahlwort vor sich hat. So misset man im Österreichischen die Äcker nach Jochen, die Wiesen nach Tagewerken, und die Weingärten nach Pfunden. Ein Joch hält daselbst 1600 Quadrat-Klafter oder 4162/3 Rheinische Quadrat-Ruthen. In andern Gegenden lautet es in dieser Bedeutung Jeuch, Juch, Jauchert, im Nieders. Juck, Jück, im Latein. Jugerum, im mittlern Lateine Juctus, Jugatum, Jugia, Jugum u.s.f. im Franz. Joug. S. Jauchert und Morgen.

Anm. In der dritten Hauptbedeutung bey dem Kero Johhe, Johche, bey dem Notker Joh, im Nieders. Jok und Jük, bey dem Ulphilas Juk und Gajuk, im Angels. Juc, Jeoc, Geoc, im Engl. Yoke und Yoak, im Lat. Jugum, im Ital. Giogo, im Franz. Joug, im Böhm. Gho, im Pers. Juk, im Wallis. Jwk, im Finnländ. Juco. Andere Sprachen kennen keinen Gaumenlaut in diesem Worte, wie das Schwed. Ok und Dän. Aag. Die gemeinste Meinung ist, daß dieses Wort von einem Zeitworte herstamme, welches vorbinden bedeutet habe, wovon noch im Latein. jungere in der Form eines Frequentativi üblich ist, so wie das ähnliche Griech. ζυγος oder ζευγος von ζευγνυειν abstammet. Das Latein. jungere kommt mit unserm einigen, so wohl der Form, als der Bedeutung nach überein; es würde also einen und ein das Stammwort von allen seyn. In dem Lettischen Jungas, das Joch, ist auch noch der Naselaut befindlich. Indessen verdienet doch das in den niedrigen Mundarten noch übliche Hock und Hucke, der Rücken, mit in Betrachtung gezogen zu werden. S. diese Wörter.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1435-1436.
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