Verbrennen

[1004] Verbrênnen, verb. irreg. & regul. S. Brennen, welches in doppelter Gestalt üblich ist.

I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte seyn, von dem Feuer verzehret werden. Steine verbrennen nicht. Talglichter verbrennen schneller, als Wachslichter. Erlenholz verbrennt sehr geschwinde.

II. Als ein Activum. 1 Als ein Nahrungsmittel des Feuers gebrauchen, wofür doch das einfache brennen üblicher ist. In Holland verbrennt man Torf in den Kaminen, besser brennt. S. Ver 1 a) und Verbrand. 2. Durch Brennen, als ein Nahrungsmittel des Feuers, verbrauchen, dem Vorrathe nach erschöpfen. Jährlich viel Holz verbrennen. Man verbrennt immer viel Öhl in den Lampen. S. Ver 1 (a). 3. Durch Feuer zerstören, bis zur Erschöpfung aller brennbaren Theile brennen. (1) Eigentlich. Etwas zu Asche verbrennen. Einen Brief verbrennen. Einen Missethäter lebendig verbrennen. In der Feuersbrunst ist viel Vieh mit verbrannt. (2) In weiterm Verstande, mit Feuer, durch übermäßige Hitze verletzen. Sich die Hand, den Mund, den Finger verbrennen. Figürlich sagt man im gemeinen Leben, sich den Mund, das Maul verbrennen, durch Unbesonnenheit im Reden einen andern beleidigen. Sich die Finger verbrennen, sich durch eine unbesonnene Handlung Schaden zufügen. Ein verbranntes Kind (eigentlich, ein Kind, welches sich verbrannt hat,) fürchtet das Feuer. In noch weiterm Verstande gebraucht man dieses Zeitwort in allen Fällen, wo eine Sache durch allzu viele Hitze ihre gehörige Gestalt, Beschaffenheit oder Gute verliehret. Von der Sonne verbrannt seyn, schwärzlich geworden seyn. Die Sonne verbrennt das Gras, das Getreide, wenn sie es ausdörret. Die Auen in der Wüste verbrennen, Joel 1, 19. Der Färber verbrennt einen Zeug in der Farbe, der Bäcker das Brot u.s.f. In noch weiterm Verstande auch von andern scharfen Dingen, besonders, wenn die Körper dadurch verbrannten in der Farbe ähnlich werden. Der kalte Wind, der Frost hat das Getreide verbrannt. Das Scheidewasser verbrennet das Tuch.

Daher das Verbrennen, und im thätigen Verstande zuweilen auch die Verbrennung.

Anm. Schon bey dem Ottfried, Notker und im Tatian firbrennen, ferbrennen, furbrennen. Im Hochdeutschen werden, sowohl das Neutrum als das Activum, durchgängig irregulär abgewandelt, dagegen man in einigen Oberdeutschen Gegenden das Activum richtiger regulär behandelt. Die Summe der Verbrennten, 1 Maccab. 10, 85.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1004.
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