Belisarius

[139] Belisarius, einer der größten Helden seiner Zeit, General des Kaisers Justinian, blühte in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts. Er eroberte Carthago, überwand die Vandalen, Afrika, die Gothen in Italien (wo er an dem Narses einen Nebenbuhler fand und mit demselben zerfie!), die Perser und die Hunnen. Bei so großen Verdiensten konnte er dem Neide nicht entgehen. Als im J. 561 eine Verschwörung wider den Kaiser entdeckt wurde, klagte man den Bellsarius an, daß er um dieselbe gewußt habe. Der Kaiser entsetzte ihn seiner Würden, und ließ dem ehrwürdigen Greis, wie man sagt, hie Augen ausstechen. Er soll sich auf den Straßen von Constantinopel sein Brod gebettelt haben. Nach andern ließ ihn der Kaiser in Constantinopel in ein Gefängniß werfen, das man noch gegenwärtig zeigt, und den Thurm des Belisarius nennt. Hier soll er einen Beutel an einem Strick herunter gelassen und die Vorübergehenden angesprochen haben: »date Belisario obolum, quem virtus evexit, invidia depressit (gebt dem Belisar einen Obolus, den die Tugend erhoben, der Neid unterdrückt hat).« Einige sagen, er habe sich gerechtfertigt, sei aus dem Gefängniß entlassen worden und den 13. März 565 gestorben. Marmontels vortrefflicher philosophisch-politischer Roman, dessen Held Belisarius ist, ist zu bekannt, um gerühmt wer den zu dürfen.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 139.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: