Bellerophon

[140] Bellerophon. (Mythol.) Wegen einer Mordthat floh Bellerophon zum Proteus, König von Argos, welcher ihm, durch einen falschen Verdacht gereitzt (den ihm seine Gemahlin Autea selbst wider Bellerophon beigebracht, gegen den sie eine zärtliche Neigung faßte, ohne dieselbe erwiedert zu sehen), den ersten Anlaß zu seinen Heldenthaten gab. Die Rechte der Gastfreundschaft waren dem Proteus zu heilig, als daß er den Bellerophon selbst hätte tödten sollen; er schickte ihn daher mit einem Briefe nach Lycien zu Anteens Vater, Jobates, und trug diesem auf, ihn zu rächen. Zehn Tage vergingen, ehe Jobates diesen Brief las, während welcher Zeit sich Bellerophon bei ihm sehr beliebt gemacht hatte. Den Briefen seines Schwiegersohns zu Folge trug er dem Bellerophon auf, die feuerspeiende Chimära, mit dem Kopfe des Löwens, dem Leib der Ziege und dem Schweif des Drachens, zu erlegen. Bellerophon kämpfte aus den Lüften mit derselben: der Kampf war fürchterlich; aber er überwand sie, und befreite das Land glücklich von der Plage, mit der es bisher heimgesucht worden war. Nach diesem bekriegte er auch einige Feinde des Lycischen Königs; und jetzt erkannte Jobates, daß der Held aus göttlichem Geschlechte sei (Bellerophon war des Sisyphus Enkel, und selbst ein Urenkel des Deukalion und ein Sohn des Aeolus), vermählte ihm seine Tochter, und theilte sein Reich mit ihm. Als aber Bellerophon in der Folge, voll stolzer Freude über seine Siege, sich mit dem geflügelten Pegasus [140] (s. Pegasus) in die Lüfte schwang und sich dem Sitz der Götter nähern wollte, so stach eine Bremse das Pferd, und Bellerophon stürzte herunter.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 140-141.
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