Das Perpetuum mobile

[390] Das Perpetuum mobile, ein Ding, das sich immerfort und zwar von selbst bewegt. Da für uns kein Ding, das sich vom Anfange her immerwährend für sich bewegt habe, erkennbar (wiewohl – man erlaube mir dieses Wort – träumbar) ist, so so versteht es sich von selbst, daß, wenn man – wie jetzt wieder häufig geschieht – die Frage aufwirft: »ob es möglich sei, durch die Mechanik ein Perpetuum mobile oder eine sich immerfort von selbst bewegende Maschine zu verfertigen,« bloß von der Fort bewegung derselben die Rede sein könne. Lange Zeit sich ohne Nachhülfe fortbewegende Kunstwerke haben wir – aber immerwährend fortwirkende dürfte wohl schon der nöthige Anfang derselben unmöglich machen. Für denjenigen, welcher die Ewigkeit der Welt von Anfange an wie für die Folgezeit annimmt, giebt es indeß doch ein vollkommnes Perpetuum mobile – das Universum, die Welt.

[390] Zu Anfange dieses Jahrhunderts beeiferten sich mehrere Mechaniker, lange Zeit sich von selbst fortbewegende Maschinen zu verfertigen, von denen dann jeder der seinigen den Namen Perpetuum mobile gab. Mehrere große Fürsten fanden ihr Vergnügen daran, und munterten die Künstler dazu auf. Eine der vorzüglichsten Maschinen dieser Art ist das Uhrwerk in dem Coxischen Museo zu London, das Johann Ferguson i. J. 1774 bekannt gemacht hat, und welches eine mit einem Barometer versehene Uhr ist, deren Räder sich durch das Steigen und Fallen des Quecksilbers bewegen und im Gange erhalten werden.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 390-391.
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