Scanderbeg

[66] Scanderbeg (oder Iscander Beg – Alexander der Herr), einer der berühmtesten Türkischen Helden, welcher Albanien unter dem Namen Georg Castriot beherrschte. 1404 geboren kam er noch sehr jung nebst drei Brüdern als Geißel in die Hände des Sultans Amurat II. Dieser, zwar Tyrann gegen die übrigen Brüder, die er heimlich durch Gift hinrichten ließ, behielt doch diesen am Leben, erzog ihn und vertraute ihm dann ein Commando seiner Truppen an. Unser Held, der seit dem Tode seines Vaters (1432) ernstlich darauf dachte, dieses muselmännische Joch abzuwerfen und sein väterliches Erbtheil wieder in Besitz zu nehmen, wurde wider die Ungarn gesendet; und hier führte er seinen Plan aus. Er machte in geheim mit dem Ungarischen Anführer Corvinus ein Bündniß; ließ die Türken (wohl auf 30,000) schlagen, begab sich dann nach Croja, der Hauptstadt von Albanien, bemächtigte sich dieses Platzes und wurde, da er sich nun seinem Volke zu erkennen gab, 1443 zum König ausgerufen. Vergebens zog Amurat wider ihn zu Felde, vergebens setzte der Nachfolger desselben, Muhamed II. eilf Jahre lang den Krieg fort; seine Truppen wurden immer geschlagen und er wurde endlich genöthigt, mit unserm Albanischen Helden (1461) Frieden zu schließen. Auch für die Christenheit war Scanderbeg [66] eine mächtige Stütze; auf Bitten Papst Pius II. kam er nach Italien dem Ferdinand von Artagonien zu Hülfe, der in Bari belagert wurde, half ihm auch einen wichtigen Sieg über den Grafen von Anjon erkämpfen. Scanderbeg starb 1467 in seinem 63sten Jahre mit dem Rufe eines der größten und – der glücklichsten Krieger. In zwei und zwanzig Schlachten, denen er beiwohnte, erhielt er auch nicht einmahl eine leichte Wunde: er besaß außerordentliche Stärke und soll selbst auf 2000 Türken erlegt haben; sein Leben war übrigens exemplarisch, und grausam war er nur da, wo er es sein mußte. Sein Tod hatte bald die traurigen Folgen für die Albaner, daß sie – zu schwach zum Widerstande – wieder unter das Türtische Joch geriethen.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 5. Amsterdam 1809, S. 66-67.
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